Metalog-Technik, Zukunftswerkstätten und Pseudowertschätzung «indigener» Kulturen
ts.
Der US-Amerikaner Gregory Bateson, von der europäischen Zukunftswerkstättlerszene hochgepriesener Guru, entwickelte in einem Kreis von «Auserwählten», der Gruppe von Palo Alto, militärisch nutzbare kommunikationstheoretische Denkmodelle, deren zivile Abfallprodukte heute zum Teil in den Alltagswortschatz eingesickert sind, so etwa die Begriffe der «Metakommunikation» und des «double bind». Auch der Begriff «Metalog», den die Strategen der «Zukunftswerkstätten» verwenden, stammt von Bateson und bedeute etwas so Harmloses, wie dass der Inhalt eines Gesprächs immer auch mit der Form des Gesprächs verbunden sein solle. Bateson war unter anderem in der Erforschung und Therapie von Schizophrenie tätig. Er zeigte auf, unter welchen Bedingungen Menschen schizophren werden können, also geistig so verwirrt werden, dass sie in eine Psychose abgleiten und den Lebensalltag nicht mehr zu bewältigen in der Lage sind. In der Mainstream-Literatur zu Bateson wird diese seine Arbeit hochgelobt als zum Wohle von Menschen ausgeübt, insbesondere von psychisch Erkrankten. Auch die Arbeit im kalifornischen Esalen habe ihn nicht zum Esoteriker werden lassen, sondern seine Kenntnisse von Gruppendynamik und Grossgruppensteuerung vertieft, heisst es mainstreammässig über ihn. So weit, so gut.
Schizophrenieforschung – wozu?
Liest man aber den nebenstehenden Text von David H. Price über die Aktivitäten von Bateson für den OSS (Vorläufer der CIA) während des Zweiten Weltkrieges und seine Vorschläge, wie auch nach dem Krieg die Kolonialvölker besser unten zu halten seien, als dies die Briten und die Holländer je geschafft hätten, kommen einem so gelinde Zweifel auch ob der Integrität des Forschers Bateson im Gebiete der Psychologie. War es militärisch nicht interessant, die Ergebnisse der Schizophrenieforschung zu verwenden, um zum Beispiel Kriegsgefangene zu zerrütten und in den Wahn zu treiben, um sie dann wieder neu aufzubauen – oder ganze Bevölkerungsgruppen in «Feindstaaten», ja, auch im eigenen Land? So wie Bateson seine anthropologischen Kenntnisse nicht für, sondern gegen die Menschen verwendete, muss angenommen werden, dass im kalten Krieg und wohl auch heute noch Machtstrategen die Erkenntnisse seiner Schizophrenie- bzw. Zerrüttungsforschung gegen die Menschen einsetzen. Zum Beispiel in Europa, wo sich Angriffe mit Kampfbombern definitiv nicht eignen, um die Herrschaft von Uncle Sam zu festigen. Aber Aspekte des «Psywar», der psychologischen Kriegsführung, der Manipulation und Steuerung von Menschengruppen in die Richtung, welche sich der Usurpator wünscht, sind zu erwarten.
Unerwartete Ehrfurcht vor Traditionen
Haben das die PR-Berater und Spin-doctors etwa eines Steinbrücks in den USA gelernt? Dass man zum Beispiel der Schweiz nicht mit der Kavallerie drohen darf, weil sich dann die Reihen schliessen, sondern der Aggressor «smarter» vorgehen soll? Eben über «Zukunftswerkstätten», aber auch über die Unterstützung des einheimischen Brauchtums? Gregory Bateson hätte seine liebe Freude an dieser plötzlich scheinbar wie natürlich aufkeimenden «Hochachtung» und «Wertschätzung» der Gebräuche und Feste der «Eingeborenen», so wie er in seinem Paper für den OSS ja auf das Beispiel der Sowjets und ihrer sibirischen Untertanen verweist, wo gerade wegen des Zulassens indigenen Brauchtums keine Aufstände zu verzeichnen gewesen seien.
Bateson-Strategie statt Frankfurter Schule?
Die Sache ist zweischneidig: Natürlich freut es einen, wenn wir Schweizer stolz auf unsere Geschichte und Tradition auch unsere Feste feiern können, vor allem nach all den Jahren der Angriffe, zuerst von der US-Ostküste und Tel Aviv her, dann von der eigenen 5. Kolonne um den zweifelhaften Professor Bergier, erneut wieder von der City of London und der Wallstreet, wiederum sekundiert durch etwas, was sich Schweizer Linke schimpft. Links und urban, heute offensichtlich synonym mit «Lakaien der Hochfinanz». Und auch in Deutschland werde im SWR-Radio nun neu wieder den deutschen Volksliedern in ihrer ursprünglichen Form Senderaum gewährt. Offensichtlich hat der Ansatz von Bateson jenen der Frankfurter Schule mit ihrer Verächtlichmachung von europäischen Werten als angeblichen Sekundärtugenden des Faschismus, worunter auch das Singen von Volksliedern zählte, abgelöst. Genauso wie in Afghanistan der neue Oberbefehlshaber General David H. Petraeus eine Kampagne zur Gewinnung von «Hearts and Minds» der weiterhin zu Unterdrückenden gestartet hat – und dies kurz nach der sogenannt «überraschenden» Entdeckung der immensen Bodenschätze in diesem kriegsgeschundenen Land. In seiner Ansprache an die Militärangehörigen vom 27. Juli 2010 mit dem Titel «COMISAF’s Counterinsurgency Guidance»1 befiehlt der General unter anderem etwa, die Soldaten sollten doch bitte die Sonnenbrille abnehmen, wenn sie mit der Bevölkerung sprächen, sich wie gute Gäste benehmen, und die eigenen Aktionen immer mit den Augen der Afghanen zu sehen – also ganz nach dem Motto von Gregory Bateson’s Aufruf zur «berechnenden Empathie» …
Um was geht es wirklich?
Und was in der Schweiz weckt die Gier der Machtstrategen? Das Wasserschloss Gotthard? Die schöne Landschaft als Ferienressort? Immobilien? Transportkorridore? Die Alpen als Übungskulisse für die Hindukusch-Krieger? Die «archaischen Sennen» als Kanonenfutter im weltweiten Krieg um Ressourcen? Wie einst unter Napoleon? Oder soll die Schweiz schlicht und einfach als angelsächsischer Stützpunkt in einem EU-Europa dienen, von dem man nie weiss, ob es vielleicht doch mal mit Russland Freundschaft schliessen wird? Was das Ende der Wahnidee von Geostrategen à la Mackinder und Brzezinski bedeuten würde, die Welt sei nur zu beherrschen, wenn man die Weltinsel Eurasien beherrsche, und die beherrsche man nur, wenn man einen Keil zwischen Russland und Europa treibe und Europa als Vasall im Griff halte.
Nein zur Visionitis – Ja zur direkten Demokratie
Aber genauso wie sich Napoleon verrechnet hatte und 1803 dank des Widerstandes vor allem der Innerschweizer Kantone, also der ländlichen Schweiz, mit der Mediationsakte zurückbuchstabieren, den Zentralismus aufgeben und den Föderalismus zulassen musste; genauso wie Hitler mit einem Blutzoll von 700 000 toten Wehrmachtsoldaten rechnen musste, um die Operation Tannenbaum, die Eroberung der Schweiz, in Angriff zu nehmen – was ihn zurückschrecken liess –; genauso wie die Schweizer Bevölkerung sich von den Apokalyptikern bezüglich EWR-Nein nicht aus der Ruhe bringen liess und sich auch heute partout nicht in den Moloch EU pressen lassen will; – genau so wird der Schweizer Souverän in Kenntnis der Hintergründe und der Dunkelmänner sich vom grossen Geld nicht kaufen lassen und ein dreifaches Nein aussprechen: ein Nein zur Fusionitis, ein Nein zur Agglomeritis und ein Nein zur Visionitis, den sogenannten Zukunftswerkstätten! Dagegen zu halten ist ein dreifaches Ja: ein Ja zur direkten Demokratie als Friedensmodell und Modell des sozialen Ausgleiches, ein Ja zur immerwährenden bewaffneten Neutralität und ein Ja zur humanitären Schweiz als Depositarstaat der Genfer Konventionen und zu den Guten Diensten!
1 www.isaf.nato.int/article/news/isaf-scr-weekly-operational-update-highlights-comisafs-coin-guidance.html
Zukunftswerkstättler preist Manipulationstechnik von OSS-Agent Gregory Bateson
ts. Christoph Mandl, europäische Referenzfigur der Zukunftswerkstättler, verweist in seinen Schriften nicht nur auf den Eugeniker, Neo-Malthusianer und Tiefenökologen Garrett Hardin, sondern auch auf Gregory Bateson, ehemaliger OSS-Agent (Vorläufer der CIA) und das Mastermind der Grossgruppenführungstechnik.
So schreibt Mandl schon im Jahr 2000 über Batesons Manipulationsstrategie des sogenannten «Metalogs»:
«Die Definition des Metalogs von Gregory Bateson passte perfekt: ‹Ein Metalog ist ein Gespräch über ein problematisches Thema. In diesem Gespräch sollten die Teilnehmer nicht nur das Problem diskutieren, sondern die Struktur des Gesprächs als Ganzes sollte auch für eben dieses Thema relevant sein.›»
Quelle: Christoph Mandl, Mandl Lüthi & Partner, und Josef M. Weber, Attems & Weber.
Metalog-Konferenzen – eine Innovation aus Österreich. In: TRAiNiNG Nr.1/Feb. 00’, Seite 33. www.metalogikon.com/files/pdf/metalogkonferenz_magazintraining.pdf
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Dienstag, 14. September 2010
Donnerstag, 26. August 2010
Der Fürsorgerische Freiheitsentzug und die Macht der Behörden
Fürsorgerischer Freiheitsentzug
Und plötzlich war sie eine «Schizo»
Text:Otto Hostettler
Ausgabe:12/10Weil die Tochter nicht so lebt, wie es der schwerreiche Vater will, lässt er sie in der Psychiatrie «versorgen». Die Behörden helfen mit. Jetzt kämpft sie um ihre Rehabilitierung.
Sie musste fast ein halbes Jahr in einer psychiatrischen Klinik ausharren: Katharina Schwarz*
Der Vater hat Geld, viel Geld. In Deutschland besitzt er eine Reihe Kliniken und Krankenhäuser, in Hamburg tritt er als Kunstmäzen auf. Was immer der heute 90-Jährige in seinem Leben wollte, bekam er auch. So will er auch nicht zusehen, wie seine damals 40-jährige Tochter Katharina Schwarz* vor einigen Jahren in eine Lebenskrise stürzt, ihren Job verliert, ihre Beziehung auseinanderbricht.
Katharina Schwarz will keine x-beliebige Arbeit annehmen, also dreht ihr der Vater den Geldhahn zu, reduziert die monatlichen Zuschüsse. Als das nichts fruchtet, organisiert er zusammen mit der anderen Tochter, dem Sohn und der getrennt lebenden Mutter die psychiatrische Einweisung. Die Tochter selber wird erst Jahre später, nachdem sie sich mühsam eine Vielzahl von Akten erstritten hat, davon erfahren.
Zahlreiche Aktennotizen, Arztberichte und andere Dokumente, die dem Beobachter vorliegen, belegen den Fall. Anfänglich drängt die Familie Katharina Schwarz zu einer ambulanten Therapie. Wie selbstverständlich steht der Vater aus Deutschland in stetigem Kontakt mit dem zuständigen Psychiater in Basel. Er bringt diesen sogar dazu, ihm ein «Ärztliches Attest» über seine Tochter zu faxen. Ohne deren Wissen.
Der Vater zieht im Hintergrund die Fäden
Zweiter Schauplatz ist Grindelwald. Dort verbringt die Familie seit Jahrzehnten die Ferien, und der Vater tritt immer mal wieder als wohltätiger Geldgeber auf. Der Hausverwalter, der für die Familie vor Ort zum Rechten schaut, spricht eines Tages den Dienstchef der Gemeindepolizei auf der Strasse an. Er eröffnet ihm, Katharina Schwarz sei schizophren und nehme ihre Medikamente nicht mehr ein.
Das Gespräch ist in den Polizeiakten dokumentiert: «Der Vater von Frau (…) wäre froh, wenn man sie seitens der Polizei wegen der Fahrweise ermahnen würde.» In Spitzelmanier protokolliert die Polizei: Gegenüber Katharina Schwarz dürfe «nie! erwähnt werden», dass er (der Hausverwalter) und der Vater eng in Kontakt stehen und dass die Polizei über die Krankheit von Katharina Schwarz Bescheid wisse. Der Gemeindepolizist ist offenbar von der Vertraulichkeit dermassen überzeugt, dass er dem Eintrag 19 Ausrufezeichen anfügt. Im selben Eintrag sichert die Polizei zu, sie werde Katharina Schwarz Domizil «im Auge» behalten, «um nötigenfalls das Nötige zu veranlassen».
In Basel, dem Wohnort von Katharina Schwarz, versucht es die Familie auf anderem Weg: Via eine Zürcher Anwaltskanzlei schreibt sie dem Sozialdienst der Kantonspolizei, Katharina Schwarz sei krank. Als Begründung heisst es, sie sei in einem Restaurant «ausgerastet», habe sich in einer Warteschlange eines Sessellifts an die Spitze gekämpft, mit den Skiern andere Wartende geschubst. Unverblümt fordert der Anwalt: «Ich ersuche Sie, (…) einen fürsorgerischen Freiheitsentzug zu verfügen.»
Doch in Basel reagiert man zurückhaltend, obwohl die Angehörigen schon Wochen zuvor mehrfach bei der Kantonspolizei interveniert haben. Der Vater gibt an, seine Tochter sei «eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit». Die Polizei sucht Katharina Schwarz auf, zieht aber unverrichteter Dinge wieder ab und notiert im Rapport, es gebe nichts zu beanstanden. Es bestehe keine rechtliche Grundlage, Schwarz in Polizeigewahrsam zu nehmen.
Konspirative Sitzung auf dem Polizeiposten
Mehr Erfolg hat die Familie in Grindelwald. Am 24. Dezember 2004 treffen sich Katharina Schwarz Schwester und der damals 84-jährige Vater auf dem lokalen Polizeiposten. Die Angehörigen instruieren die Polizei erneut über die angebliche Krankheit der Frau und formulieren auch gleich ihre Erwartungen: «(…) eine Zwangsmassnahme würde seitens der Familie begrüsst», heisst es im Polizeijournal.
Wenige Tage später wird auch Walter Dietrich aktiv, Regierungsstatthalter von Interlaken. Die Gemeindepolizei hat ihm längst sämtliche Polizeiberichte zugefaxt, denn an ihm wäre es, einen fürsorgerischen Freiheitsentzug abzusegnen. Dietrich erkundigt sich mehrmals in Basel, ohne sichtbaren Nutzen. Sein Sachbearbeiter protokolliert am 11. Januar 2005 nach einem Telefonat mit der Basler Behörde: «Sie haben keine Veranlassung gesehen, vormundschaftliche Massnahmen einzuleiten.»
«Für einen Freiheitsentzug reicht es nicht, dass das Verhalten einer Person der Familie nicht passt.»
Jürg Gassmann, Patientenorganisation Pro Mente Sana
«Behindertes Kind dreimal angespuckt»
Im Berner Oberländer Dorf weiss inzwischen ein grösserer Kreis von der angeblichen Krankheit der Frau. In Restaurants muss sie sich Sprüche über Schizophrene anhören. Wenn sie in der Öffentlichkeit angesprochen wird, reagiert sie ungehalten. Als sie im März 2005 glaubt, ihr Portemonnaie sei gestohlen worden, und sich aufgewühlt auf dem Polizeiposten Gehör verschaffen will, wird sie stracks zum Dorfarzt gebracht. Dieser telefoniert mit dem Regierungsstatthalter und lässt sie durch die Polizei kurzerhand in die psychiatrische Privatklinik Meiringen bringen. In die Krankenakte schreibt der Dorfarzt als Diagnose: «Schizophrener Schub (bekannte Schizo)». Die Begründung für die Einweisung: «Pöbelt Leute in Geschäften an, wird aggressiv (verbal wie körperlich). Hat ein behindertes Kind dreimal angespuckt. Verweigert offenbar Therapie.»
Alles ist gut orchestriert: Die Klinik in Meiringen wurde von der Schwester schriftlich über «auffälliges Verhalten» informiert. Der Vater bringt den Anwalt seiner Tochter sogar dazu, ein früheres psychiatrisches Gutachten – ohne Wissen der Klientin – der Klinik in Meiringen weiterzugeben. Meiringen diagnostiziert darauf eine «chronifizierte paranoide Schizophrenie» ohne Krankheitseinsicht.
Weil im Kanton Bern ein fürsorgerischer Freiheitsentzug auf sechs Wochen befristet ist, verfügt Regierungsstatthalter Dietrich im Mai 2005 einen Freiheitsentzug «auf unbestimmte Zeit». Die kantonale Rekurskommission sieht keinen Anlass, am Entscheid des Regierungsstatthalters zu zweifeln. Erst als Katharina Schwarz «freiwillig» einen «Vertrag» mit der Klinik unterschreibt und in die Zwangsmedikation einwilligt, darf sie von der geschlossenen in die offene Abteilung wechseln. Als sie Ende August entlassen wird, hat sie 21 Wochen Freiheitsentzug hinter sich.
Nach der Entlassung muss sie sich ambulant behandeln lassen. Genau diese Therapien werfen nun ein neues Licht auf den Fall. Die beiden Ärzte, die Katharina Schwarz in den folgenden zwei Jahren behandeln, kommen unabhängig voneinander zum Schluss, dass sie «zu keinem Zeitpunkt Anhalte für eine psychotische Symptomatik» erkannt hätten. Mehr noch: «Es konnten keine Anhalte für paranoide oder schizophrenie- oder schizoaffektivtypische Affektregulationsstörungen identifiziert werden.»
Der renommierte Zürcher Psychoanalytiker und Psychiater Berthold Rothschild geht in seinem Gutachten noch einen Schritt weiter: «Ich konnte keine Anzeichen einer chronifizierten Schizophrenie feststellen und würde eine solche Aussage aufgrund der vorliegenden Akten, Daten und den überprüfbaren Phänomenen als nicht korrekt bezeichnen müssen.»
Auf einmal gibt es keine Zeugen mehr
Für Schwarz Anwalt Guido Ehrler ist der Fall klar. «Katharina Schwarz wurde systematisch psychiatrisiert. Das Schlimme daran, die Familie konnte auf die Mithilfe der Behörden zählen.» Inzwischen haben sich die mehrfach aktenkundigen Rempeleien und Handgreiflichkeiten in Luft aufgelöst, drei angebliche Zeugen erklärten schriftlich, sie hätten die fraglichen Vorfälle nicht selbst beobachtet.
Mit den Vorwürfen konfrontiert, beteuern der Dorfarzt, die Klinikleitung und Regierungsstatthalter Dietrich, alles sei rechtens abgelaufen. Dietrich: «Auch im Rückblick gesehen erscheinen die verfügten Massnahmen immer noch gerechtfertigt.» Was genau für schwerwiegende Zustände vorgelegen haben, will er nicht ausführen. Der Vater von Katharina Schwarz äussert sich gegenüber dem Beobachter nicht.
Fachleute bezeichnen den fürsorgerischen Freiheitsentzug als einen besonders tiefgreifenden Eingriff in die persönliche Freiheit eines Menschen. Das Gesetz spricht etwas altertümlich – von Geistesschwäche, Geisteskrankheit, Trunksucht oder schwerer Verwahrlosung. Ein fürsorgerischer Freiheitsentzug darf zudem nur dann verfügt werden, wenn weniger einschneidende Massnahmen wirkungslos geblieben sind.
Deutliche Worte findet Jürg Gassmann von der Patientenorganisation Pro Mente Sana: «Es reicht nicht, dass die Verhaltensweise einer Person der übrigen Familie nicht passt.» Ein fürsorgerischer Freiheitsentzug müsse verhältnismässig sein, sagt Gassmann. Den geschilderten Fall bezeichnet er als «Ungeheuerlichkeit».
In Grindelwald scheint inzwischen nicht mehr allen wohl bei der Sache zu sein. Gemeindepräsident Emanuel Schläppi sagt: «Falls sich der Fall tatsächlich so zugetragen hat, ist das äusserst bedauerlich.» Er betont aber, dass es ihm nicht zustehe, ein allfälliges Fehlverhalten damaliger Gemeindeangestellter zu beurteilen. Er ist erst seit Anfang 2008 im Amt, die Gemeindepolizei wurde in ihrer damaligen Form aufgelöst. «Ich würde mich in einer solchen Situation vorsichtiger verhalten», sagt er.
Katharina Schwarz zeigt sich heute kämpferisch. Sie will endlich auch in Dokumente Einsicht erhalten, die ihr bisher vorenthalten wurden. Entschieden geht sie auch gegen jene juristisch vor, von denen sie Ungerechtigkeiten erfahren hat. Dazu hat sie vor einem Jahr ein Jus-Studium begonnen.
*Name geändert
Und plötzlich war sie eine «Schizo»
Text:Otto Hostettler
Ausgabe:12/10Weil die Tochter nicht so lebt, wie es der schwerreiche Vater will, lässt er sie in der Psychiatrie «versorgen». Die Behörden helfen mit. Jetzt kämpft sie um ihre Rehabilitierung.
Sie musste fast ein halbes Jahr in einer psychiatrischen Klinik ausharren: Katharina Schwarz*
Der Vater hat Geld, viel Geld. In Deutschland besitzt er eine Reihe Kliniken und Krankenhäuser, in Hamburg tritt er als Kunstmäzen auf. Was immer der heute 90-Jährige in seinem Leben wollte, bekam er auch. So will er auch nicht zusehen, wie seine damals 40-jährige Tochter Katharina Schwarz* vor einigen Jahren in eine Lebenskrise stürzt, ihren Job verliert, ihre Beziehung auseinanderbricht.
Katharina Schwarz will keine x-beliebige Arbeit annehmen, also dreht ihr der Vater den Geldhahn zu, reduziert die monatlichen Zuschüsse. Als das nichts fruchtet, organisiert er zusammen mit der anderen Tochter, dem Sohn und der getrennt lebenden Mutter die psychiatrische Einweisung. Die Tochter selber wird erst Jahre später, nachdem sie sich mühsam eine Vielzahl von Akten erstritten hat, davon erfahren.
Zahlreiche Aktennotizen, Arztberichte und andere Dokumente, die dem Beobachter vorliegen, belegen den Fall. Anfänglich drängt die Familie Katharina Schwarz zu einer ambulanten Therapie. Wie selbstverständlich steht der Vater aus Deutschland in stetigem Kontakt mit dem zuständigen Psychiater in Basel. Er bringt diesen sogar dazu, ihm ein «Ärztliches Attest» über seine Tochter zu faxen. Ohne deren Wissen.
Der Vater zieht im Hintergrund die Fäden
Zweiter Schauplatz ist Grindelwald. Dort verbringt die Familie seit Jahrzehnten die Ferien, und der Vater tritt immer mal wieder als wohltätiger Geldgeber auf. Der Hausverwalter, der für die Familie vor Ort zum Rechten schaut, spricht eines Tages den Dienstchef der Gemeindepolizei auf der Strasse an. Er eröffnet ihm, Katharina Schwarz sei schizophren und nehme ihre Medikamente nicht mehr ein.
Das Gespräch ist in den Polizeiakten dokumentiert: «Der Vater von Frau (…) wäre froh, wenn man sie seitens der Polizei wegen der Fahrweise ermahnen würde.» In Spitzelmanier protokolliert die Polizei: Gegenüber Katharina Schwarz dürfe «nie! erwähnt werden», dass er (der Hausverwalter) und der Vater eng in Kontakt stehen und dass die Polizei über die Krankheit von Katharina Schwarz Bescheid wisse. Der Gemeindepolizist ist offenbar von der Vertraulichkeit dermassen überzeugt, dass er dem Eintrag 19 Ausrufezeichen anfügt. Im selben Eintrag sichert die Polizei zu, sie werde Katharina Schwarz Domizil «im Auge» behalten, «um nötigenfalls das Nötige zu veranlassen».
In Basel, dem Wohnort von Katharina Schwarz, versucht es die Familie auf anderem Weg: Via eine Zürcher Anwaltskanzlei schreibt sie dem Sozialdienst der Kantonspolizei, Katharina Schwarz sei krank. Als Begründung heisst es, sie sei in einem Restaurant «ausgerastet», habe sich in einer Warteschlange eines Sessellifts an die Spitze gekämpft, mit den Skiern andere Wartende geschubst. Unverblümt fordert der Anwalt: «Ich ersuche Sie, (…) einen fürsorgerischen Freiheitsentzug zu verfügen.»
Doch in Basel reagiert man zurückhaltend, obwohl die Angehörigen schon Wochen zuvor mehrfach bei der Kantonspolizei interveniert haben. Der Vater gibt an, seine Tochter sei «eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit». Die Polizei sucht Katharina Schwarz auf, zieht aber unverrichteter Dinge wieder ab und notiert im Rapport, es gebe nichts zu beanstanden. Es bestehe keine rechtliche Grundlage, Schwarz in Polizeigewahrsam zu nehmen.
Konspirative Sitzung auf dem Polizeiposten
Mehr Erfolg hat die Familie in Grindelwald. Am 24. Dezember 2004 treffen sich Katharina Schwarz Schwester und der damals 84-jährige Vater auf dem lokalen Polizeiposten. Die Angehörigen instruieren die Polizei erneut über die angebliche Krankheit der Frau und formulieren auch gleich ihre Erwartungen: «(…) eine Zwangsmassnahme würde seitens der Familie begrüsst», heisst es im Polizeijournal.
Wenige Tage später wird auch Walter Dietrich aktiv, Regierungsstatthalter von Interlaken. Die Gemeindepolizei hat ihm längst sämtliche Polizeiberichte zugefaxt, denn an ihm wäre es, einen fürsorgerischen Freiheitsentzug abzusegnen. Dietrich erkundigt sich mehrmals in Basel, ohne sichtbaren Nutzen. Sein Sachbearbeiter protokolliert am 11. Januar 2005 nach einem Telefonat mit der Basler Behörde: «Sie haben keine Veranlassung gesehen, vormundschaftliche Massnahmen einzuleiten.»
«Für einen Freiheitsentzug reicht es nicht, dass das Verhalten einer Person der Familie nicht passt.»
Jürg Gassmann, Patientenorganisation Pro Mente Sana
«Behindertes Kind dreimal angespuckt»
Im Berner Oberländer Dorf weiss inzwischen ein grösserer Kreis von der angeblichen Krankheit der Frau. In Restaurants muss sie sich Sprüche über Schizophrene anhören. Wenn sie in der Öffentlichkeit angesprochen wird, reagiert sie ungehalten. Als sie im März 2005 glaubt, ihr Portemonnaie sei gestohlen worden, und sich aufgewühlt auf dem Polizeiposten Gehör verschaffen will, wird sie stracks zum Dorfarzt gebracht. Dieser telefoniert mit dem Regierungsstatthalter und lässt sie durch die Polizei kurzerhand in die psychiatrische Privatklinik Meiringen bringen. In die Krankenakte schreibt der Dorfarzt als Diagnose: «Schizophrener Schub (bekannte Schizo)». Die Begründung für die Einweisung: «Pöbelt Leute in Geschäften an, wird aggressiv (verbal wie körperlich). Hat ein behindertes Kind dreimal angespuckt. Verweigert offenbar Therapie.»
Alles ist gut orchestriert: Die Klinik in Meiringen wurde von der Schwester schriftlich über «auffälliges Verhalten» informiert. Der Vater bringt den Anwalt seiner Tochter sogar dazu, ein früheres psychiatrisches Gutachten – ohne Wissen der Klientin – der Klinik in Meiringen weiterzugeben. Meiringen diagnostiziert darauf eine «chronifizierte paranoide Schizophrenie» ohne Krankheitseinsicht.
Weil im Kanton Bern ein fürsorgerischer Freiheitsentzug auf sechs Wochen befristet ist, verfügt Regierungsstatthalter Dietrich im Mai 2005 einen Freiheitsentzug «auf unbestimmte Zeit». Die kantonale Rekurskommission sieht keinen Anlass, am Entscheid des Regierungsstatthalters zu zweifeln. Erst als Katharina Schwarz «freiwillig» einen «Vertrag» mit der Klinik unterschreibt und in die Zwangsmedikation einwilligt, darf sie von der geschlossenen in die offene Abteilung wechseln. Als sie Ende August entlassen wird, hat sie 21 Wochen Freiheitsentzug hinter sich.
Nach der Entlassung muss sie sich ambulant behandeln lassen. Genau diese Therapien werfen nun ein neues Licht auf den Fall. Die beiden Ärzte, die Katharina Schwarz in den folgenden zwei Jahren behandeln, kommen unabhängig voneinander zum Schluss, dass sie «zu keinem Zeitpunkt Anhalte für eine psychotische Symptomatik» erkannt hätten. Mehr noch: «Es konnten keine Anhalte für paranoide oder schizophrenie- oder schizoaffektivtypische Affektregulationsstörungen identifiziert werden.»
Der renommierte Zürcher Psychoanalytiker und Psychiater Berthold Rothschild geht in seinem Gutachten noch einen Schritt weiter: «Ich konnte keine Anzeichen einer chronifizierten Schizophrenie feststellen und würde eine solche Aussage aufgrund der vorliegenden Akten, Daten und den überprüfbaren Phänomenen als nicht korrekt bezeichnen müssen.»
Auf einmal gibt es keine Zeugen mehr
Für Schwarz Anwalt Guido Ehrler ist der Fall klar. «Katharina Schwarz wurde systematisch psychiatrisiert. Das Schlimme daran, die Familie konnte auf die Mithilfe der Behörden zählen.» Inzwischen haben sich die mehrfach aktenkundigen Rempeleien und Handgreiflichkeiten in Luft aufgelöst, drei angebliche Zeugen erklärten schriftlich, sie hätten die fraglichen Vorfälle nicht selbst beobachtet.
Mit den Vorwürfen konfrontiert, beteuern der Dorfarzt, die Klinikleitung und Regierungsstatthalter Dietrich, alles sei rechtens abgelaufen. Dietrich: «Auch im Rückblick gesehen erscheinen die verfügten Massnahmen immer noch gerechtfertigt.» Was genau für schwerwiegende Zustände vorgelegen haben, will er nicht ausführen. Der Vater von Katharina Schwarz äussert sich gegenüber dem Beobachter nicht.
Fachleute bezeichnen den fürsorgerischen Freiheitsentzug als einen besonders tiefgreifenden Eingriff in die persönliche Freiheit eines Menschen. Das Gesetz spricht etwas altertümlich – von Geistesschwäche, Geisteskrankheit, Trunksucht oder schwerer Verwahrlosung. Ein fürsorgerischer Freiheitsentzug darf zudem nur dann verfügt werden, wenn weniger einschneidende Massnahmen wirkungslos geblieben sind.
Deutliche Worte findet Jürg Gassmann von der Patientenorganisation Pro Mente Sana: «Es reicht nicht, dass die Verhaltensweise einer Person der übrigen Familie nicht passt.» Ein fürsorgerischer Freiheitsentzug müsse verhältnismässig sein, sagt Gassmann. Den geschilderten Fall bezeichnet er als «Ungeheuerlichkeit».
In Grindelwald scheint inzwischen nicht mehr allen wohl bei der Sache zu sein. Gemeindepräsident Emanuel Schläppi sagt: «Falls sich der Fall tatsächlich so zugetragen hat, ist das äusserst bedauerlich.» Er betont aber, dass es ihm nicht zustehe, ein allfälliges Fehlverhalten damaliger Gemeindeangestellter zu beurteilen. Er ist erst seit Anfang 2008 im Amt, die Gemeindepolizei wurde in ihrer damaligen Form aufgelöst. «Ich würde mich in einer solchen Situation vorsichtiger verhalten», sagt er.
Katharina Schwarz zeigt sich heute kämpferisch. Sie will endlich auch in Dokumente Einsicht erhalten, die ihr bisher vorenthalten wurden. Entschieden geht sie auch gegen jene juristisch vor, von denen sie Ungerechtigkeiten erfahren hat. Dazu hat sie vor einem Jahr ein Jus-Studium begonnen.
*Name geändert
Freitag, 18. September 2009
Wie Verschwörungen zum Symptom geistiger Instabilität umgedeutet werden
Das Magazin Psychology Today bezeichnet das Nachdenken über Verschwörungen als psychische Erkrankung
Paul Joseph WatsonPrison Planet.comMittwoch, 2. September 2009
[Übersetzt von Hagbud für Infokrieg.tv]
In einem Artikel mit dem Titel 'Dark Minds: Wann wird Ungläubigkeit zu Paranoia' versucht der Psychology Today-Autor John Gartner zu beweisen, dass Befürchtungen wegen Verschwörungen nicht auf Realität beruhen sondern das Produkt von geistiger Instabilität seien, während er selbst alle Kriterien für das erfüllt, was solche Leute angeblich als psychotisch auszeichnet – das Ignorieren von Beweisen die seinen Vorurteilen und der lächerlichen „Verschwörungstheorie“ widersprechen, dass mächtige Menschen und Regierungen sich nicht verschwören würden um ihre Macht zu vergrößern. Anscheinend ein wenig verärgert darüber, wie unsere Berichterstattung über die Gefahren durch den Schweinegrippe-Impfstoff zu einer weltweiten Revolte gegen Massenimpfprogramme beigetragen hat, wird es die Leute von Psychology Today, die durch Werbung der großen Pharmaunternehmen verdienen, sicherlich erfreuen dass das Magazin keine Zeit dabei verliert, Alex Jones aufs heftigste anzugreifen ohne jeden Sinn für Fairness. Die Natur dieses feindseligen Artikels (PDF Link) wird durch Gartner prompt bestätigt indem er sich beklagt, dass Alex Jones sich weigerte ihm Telefonnummern von Freunden zur Verfügung zu stellen, mit denen er aufwuchs. Er ist vermutlich frustriert dass er keine schmutzigen Dinge von einer alten Beziehung ausgraben konnte um sie mit dem zu vermischen, was nichts weiter ist als ein persönlicher Angriff gegen Jones und absolut nichts mit der Debatte über die Probleme zu tun hat, über die er in seiner Radioshow spricht. Das ist die faule Ausrede die Gartner benutzt hat, um sich das Interview überhaupt erst zu sichern. Gartner hat Probleme damit, zu glauben dass Eugeniker mächtige Positionen einnehmen, noch nicht einmal nachdem Obamas Top-Wissenschaftsberater John P. Holdren als Verfechter von Zwangsabtreibung, Sterilisation und Massenbetäubung der Öffentlichkeit entlarvt wurde. Ungeachtet der Tatsache, dass wir Gartner Dutzende von Beweisen für seinen Artikel zugeschickt haben, zitiert er nur ein einziges National Security Memorandum und bezeichnet es als „einen trockenen Bericht“. Mr. Gartner war offensichtlich zu faul das gesamte Dokument zu lesen und/oder es zu verstehen. Das Dokument auf das er sich bezieht ist das National Security Study Memorandum 200, ein geopolitisches Strategiedokument aus dem Jahr 1974, erstellt von dem Bilderbergmitglied und intimen Freund der Rockefellers Henry Kissinger. Dieses Dokument listet dreizehn Länder als Ziel für eine massive Bevölkerungsreduktion durch Nahrungsmittelknappheit, Sterilisation und Krieg auf. Das 1989 freigegebene Dokument listet 13 Länder die von speziellem Interesse für die geopolitischen Ziele der USA sind und beschreibt die Gründe für das Bevölkerungswachstum. Von besonderem Interesse sind dabei die jungen Leute die als revolutionäre Bedrohung für amerikanische Unternehmen angesehen werden und ein potentielles Hindernis für die verfolgten Ziele darstellen. Die aufgelisteten Länder sind Indien, Bangladesh, Pakistan, Nigeria, Mexiko, Indonesien, Brasilien, die Philippinen, Thailand, Ägypten, die Türkei, Äthiopien und Kolumbien. Die Studie skizziert wie sich innere Unruhen auf den „beständigen Zufluss von benötigten Materialien“ negativ auswirken und wie man dies „unter den Bedingungen von niedrigem oder gar keinem Bevölkerungswachstum“ reduzieren könnte. In dem Dokument heißt es:
„Die Entwicklung eines weltweiten politischen und populären Engagements für die Stabilisierung der Bevölkerung ist für jede effektive Strategie fundamental. Dazu wird die Unterstützung und das Engagement von wichtigen Führern von Entwicklungsländern benötigt. Es wird nur dazu kommen wenn sie ganz klar die negativen Auswirkungen von uneingeschränktem Bevölkerungswachstum sehen und daran glauben dass es möglich ist durch Eingreifen der Regierung mit dieser Frage um zu gehen,“Das Dokument fordert dass „Familienplanung“ (auch bekannt als Abtreibung) in routinemäßige Gesundheitsdienste integriert werden soll, mit der Absicht „die Zahl der Menschen in Entwicklungsländern zu senken“. Der Bericht zeigt auf schockierende Weise wie das Zurückhalten von Nahrungsmitteln als Bestrafung für Entwicklungsländer benutzt werden könnte, die nicht für eine Reduktion ihrer Bevölkerung sorgen. Im Wesentlichen könnte Essen als Waffe für eine politische Agenda benutzt werden, um in Entwicklungsländern Massenhungersnöte zu kreieren. In dem Dokument steht:
„Die Verteilung der knappen Ressourcen des Public Law 480 [auch bekannt als Food for Peace, ein Programm das amerikanisches Essen an bedürftige Länder verteilen soll] sollte dazu verwendet werden um zu kontrollieren welche Schritte ein Land in der Bevölkerungskontrolle und in der Nahrungsmittelproduktion einleitet,“Weiter hinten in dem Dokument wird die Idee präsentiert, „Zwangsprogramme“ durchzuführen in denen Nahrungsmittel als „Werkzeug nationaler Macht“ benutzt werden. Das ist ein sehr gutes Beispiel dafür wie sich mächtige Männer verschwören und Eugenik-Politik dazu verwenden ihre Macht auszudehnen. Gartners lächerliche Behauptung, das Dokument wäre nur ein „trockener Bericht“, ist einfach absurd. Das ist keine Verschwörungstheorie und auch kein „Zusammenhang“ den wir aus heiterem Himmel erfunden haben um den Dopaminzufluss unserer Gehirne zu erhöhen, wie Gartners bizarrer Artikel behauptet, es steht hier schwarz auf weiß, doch er hat das Dokument entweder nicht gelesen oder hat seinen eigenen Akt der geistigen Gymnastik vollführt und kurzerhand die Beweise zurückgewiesen, weil sie nicht mit seinen Vorurteilen übereinstimmen. Laut Gartner sind Verschwörungstheoretiker „gegen Beweise immun“ und er führt dieses Merkmal als Beispiel auf. Ziemlich schnell ließ sich Gartner über das alte Klischee aus, die Menschen müssten Verschwörungstheorien und Ähnliches konstruieren, um sich in einer chaotischen Welt besser zu fühlen. Er behauptet sogar dass „einen Sinn in zuweilen bedeutungslosen Ereignissen zu sehen“, Dopamin erzeugen würde, wovon eine Überproduktion zu Schizophrenie führen kann. Natürlich hat das nichts damit zu tun, dass mächtige Leute die Zukunft des Planeten planen, den sie beherrschen (in den Augen von Gartner eine lächerliche „Verschwörungstheorie“), doch Gartners Objektivität kann die Anschuldigungen von Alex Jones nicht auf logische Weise widerlegen. Es geht nur darum, Überbringer von Botschaften mit komplizierter und ungeschickter psychologischer Rhetorik zu denunzieren, die nicht mal zutreffend ist. Doch was für die Gans gut ist, ist auch für den Gänserich gut. Der größte Lieferant von Mythen und „Verschwörungstheorien“ über politische Ereignisse waren und werden immer Behörden und Regierungen sein. Wissenschaftler die vor Kurzem untersuchten, warum so viele Leute die Lüge glaubten dass Saddam Hussein hinter 9/11 steckte, fanden heraus dass Amerikaner daran glauben wollten, dass der Irak in Verbindung mit 9/11 steht, weil es ihnen dabei hilft, in die gegenwärtige Realität einen Sinn hineinzuinterpretieren. Wo liegt da der Unterschied zu der Behauptung, dass Verschwörungs- theoretiker Zusammenhänge erfinden, um aktuelle Ereignisse besser ertragen zu können? Jenseits der Vorwürfe, wer sich die Dinge ausdenkt, durch denen ihre Weltsicht begründet wird – Verschwörer und Enthüller gleichermaßen – sind die Fakten. Die Geschichte ist voll von Verschwörungen, auch heute gibt es welche und sie sind kein Symptom geistiger Instabilität. In der Tat zeigt uns die Geschichte, dass umso größer die Lüge und die Verschwörung ist, umso mehr lassen sich die Massen täuschen und Regierungen aller Epochen haben seit Anbeginn der Zeit diesen Mechanismus benutzt, um ihre Pläne durchzusetzen. In einem solchen Umfeld sollten Leute, die hartnäckig alte Denkmuster hinterfragen, oder „Verschwörungstheoretiker“ wie sie Gartner nennt, als wichtiges Bollwerk gegen Tyrannei und Unterdrückung gelten, von der die Welt in der Vergangenheit so oft verdorben wurde. Die Tyrannei und Unterdrückung die auch die Sowjetunion und Nazi-Deutschland in nicht geringem Maße einsetzten und die Skeptizismus gegen den Staat als geistige Krankheit klassifizierten; eine Tatsache die Gartner in seinem Artikel außer acht lässt. Es war keine Täuschung im Interesse von „Verschwörungstheoretikern“ durch die die Deutschen überzeugt wurden, Adolf Hitler zu folgen; die Lügen durch die die Nazi-Tyrannei aufgebaut wurde kamen direkt vom Staat. Es war nicht der Glaube von „Verschwörungstheoretikern“ der die Amerikaner getäuscht hatte zu denken, der Irak besäße Massenvernichtungswaffen; diese heikle „große Lüge“ kam direkt aus dem Mund des Präsidenten der USA.
„Bis zu einem gewissen Grad sind wir alle Verschwörungstheoretiker", schreibt Gartner, und er hat nie wahrere Worte gesprochen. Eigentlich ist Gartner der größte Verschwörungstheoretiker von allen, denn er glaubt anscheinend, dass mächtige Leute sich nicht zusammentun und Pläne schmieden, was nach Gartners Ansicht ein Standpunkt ist der auf einen psychotischen Geist hinweist. Gartner scheitert daran zu begreifen, dass seine Einstellung absolut nichts mit heutigen Ansichten zu tun hat. Er inszeniert sich als eine Art Authoritätsfigur die ihre Abneigung ablässt über eine kümmerliche Minderheit von "Verschwörungstheoretikern"; dabei befindet er sich in der Minderheit. Es ist Gartners Twilight-Zone-Welt in der Engel gleiche Regierungen nie eine Sünde begehen, außer in den verwirrten Köpfen von gefährlichen Psychopathen. Die zahllosen zugegebenen Verschwörungen, die fortlaufend so gut wie täglich enthüllt werden – die Vetternwirtschaft des Banken-Rettungsprogramms, der Folter-Skandal, das alles sind Anzeichen für psychotisches Denken. Es ist wirklich das Letzte von Gartner, dass er einen sieben Jahre alten Vorfall von einem verwirrten Mann hervorgräbt, der versucht hatte, bewaffnet in den Bohemian Grove einzudringen, um Verschwörunstheoretiker, speziell Alex Jones, als Gefahr für die Gesellschaft hinzustellen. In Wirklichkeit ist die Art von verzerrtem Denken die Gartner aufweist, dass Skeptizismus gegen die Regierung eine Form von Geisteskrankheit wäre, eine der größten Bedrohungen für eine freie Gesellschaft, die jemals existiert hat. Wie wir in der Vergangenheit gesehen haben, ist es ein Markenzeichen von Tyrannei, politisch widerstrebende Meinungen und sogar Skepsis gegen den Staat als psychische Krankheit zu bezeichnen. In der ehemaligen Sowjetunion wurden Psikhushkas – Nervenkliniken – vom Staat als Gefängnisse für politische Gefangene verwendet, um ihre Ideen zu diskreditieren und um sie sowohl physisch als auch mental zu brechen. Der Sowjet-Staat begann 1939 unter Stalin damit, Nervenkliniken zu benutzen, um Andersdenkende zu bestrafen. Laut der offiziellen Sowjet-Psychiatrie und dem Moskau Serbsky Institut war man damals der Meinung dass
„Ideen über einen Kampf für Wahrheit und Gerechtigkeit von Persönlichkeiten mit paranoider Struktur geformt werden.“ Zur Behandlung dieser speziellen politischen Schizophrenie benutzte man verschiedene Formen von Isolation, Elektroschocks, elektromagnetischer Folter, Strahlenfolter, Lumbalpunktionen, verschiedene Drogen wie Narkotika, Tranquilizer, und Insulin sowie Prügel. Anne Applebaum, die Autorin von Der Gulag, zeigt auf dass mindestens 365 geistig gesunde Menschen wegen „politisch definiertem Wahnsinn“ behandelt wurden, sie geht davon aus, dass es noch viel mehr waren. Diese Art von „Behandlungen“ der „Geisteskrankheit“, ein Verschwörungstheoretiker oder lediglich skeptisch gegenüber der Regierung zu sein, wurden von Quacksalber-Psychologen sowohl in der Sowjetunion als auch in Nazi-Deutschland brutal durchgeführt. Eine Tatsache von der Gartner, gefangen in seiner Blase von Einbildung und Ignoranz gegenüber allen Beweisen die seiner vorgefassten Meinungen widersprechen, absolut nichts gewusst haben will, nachdem wir ihn damit konfrontierten. Quacksalber-Psychologen wie Gartner, die Misstrauen gegenüber Autoritäten und alternative Erklärungen zu „offiziellen Geschichten“ die von der Regierung verbreitet werden als Form einer Psychose definieren, obwohl sie selbst mehrfach bewiesen haben, dass sie selbst psychotische Lügen verbreiten.
Paul Joseph WatsonPrison Planet.comMittwoch, 2. September 2009
[Übersetzt von Hagbud für Infokrieg.tv]
In einem Artikel mit dem Titel 'Dark Minds: Wann wird Ungläubigkeit zu Paranoia' versucht der Psychology Today-Autor John Gartner zu beweisen, dass Befürchtungen wegen Verschwörungen nicht auf Realität beruhen sondern das Produkt von geistiger Instabilität seien, während er selbst alle Kriterien für das erfüllt, was solche Leute angeblich als psychotisch auszeichnet – das Ignorieren von Beweisen die seinen Vorurteilen und der lächerlichen „Verschwörungstheorie“ widersprechen, dass mächtige Menschen und Regierungen sich nicht verschwören würden um ihre Macht zu vergrößern. Anscheinend ein wenig verärgert darüber, wie unsere Berichterstattung über die Gefahren durch den Schweinegrippe-Impfstoff zu einer weltweiten Revolte gegen Massenimpfprogramme beigetragen hat, wird es die Leute von Psychology Today, die durch Werbung der großen Pharmaunternehmen verdienen, sicherlich erfreuen dass das Magazin keine Zeit dabei verliert, Alex Jones aufs heftigste anzugreifen ohne jeden Sinn für Fairness. Die Natur dieses feindseligen Artikels (PDF Link) wird durch Gartner prompt bestätigt indem er sich beklagt, dass Alex Jones sich weigerte ihm Telefonnummern von Freunden zur Verfügung zu stellen, mit denen er aufwuchs. Er ist vermutlich frustriert dass er keine schmutzigen Dinge von einer alten Beziehung ausgraben konnte um sie mit dem zu vermischen, was nichts weiter ist als ein persönlicher Angriff gegen Jones und absolut nichts mit der Debatte über die Probleme zu tun hat, über die er in seiner Radioshow spricht. Das ist die faule Ausrede die Gartner benutzt hat, um sich das Interview überhaupt erst zu sichern. Gartner hat Probleme damit, zu glauben dass Eugeniker mächtige Positionen einnehmen, noch nicht einmal nachdem Obamas Top-Wissenschaftsberater John P. Holdren als Verfechter von Zwangsabtreibung, Sterilisation und Massenbetäubung der Öffentlichkeit entlarvt wurde. Ungeachtet der Tatsache, dass wir Gartner Dutzende von Beweisen für seinen Artikel zugeschickt haben, zitiert er nur ein einziges National Security Memorandum und bezeichnet es als „einen trockenen Bericht“. Mr. Gartner war offensichtlich zu faul das gesamte Dokument zu lesen und/oder es zu verstehen. Das Dokument auf das er sich bezieht ist das National Security Study Memorandum 200, ein geopolitisches Strategiedokument aus dem Jahr 1974, erstellt von dem Bilderbergmitglied und intimen Freund der Rockefellers Henry Kissinger. Dieses Dokument listet dreizehn Länder als Ziel für eine massive Bevölkerungsreduktion durch Nahrungsmittelknappheit, Sterilisation und Krieg auf. Das 1989 freigegebene Dokument listet 13 Länder die von speziellem Interesse für die geopolitischen Ziele der USA sind und beschreibt die Gründe für das Bevölkerungswachstum. Von besonderem Interesse sind dabei die jungen Leute die als revolutionäre Bedrohung für amerikanische Unternehmen angesehen werden und ein potentielles Hindernis für die verfolgten Ziele darstellen. Die aufgelisteten Länder sind Indien, Bangladesh, Pakistan, Nigeria, Mexiko, Indonesien, Brasilien, die Philippinen, Thailand, Ägypten, die Türkei, Äthiopien und Kolumbien. Die Studie skizziert wie sich innere Unruhen auf den „beständigen Zufluss von benötigten Materialien“ negativ auswirken und wie man dies „unter den Bedingungen von niedrigem oder gar keinem Bevölkerungswachstum“ reduzieren könnte. In dem Dokument heißt es:
„Die Entwicklung eines weltweiten politischen und populären Engagements für die Stabilisierung der Bevölkerung ist für jede effektive Strategie fundamental. Dazu wird die Unterstützung und das Engagement von wichtigen Führern von Entwicklungsländern benötigt. Es wird nur dazu kommen wenn sie ganz klar die negativen Auswirkungen von uneingeschränktem Bevölkerungswachstum sehen und daran glauben dass es möglich ist durch Eingreifen der Regierung mit dieser Frage um zu gehen,“Das Dokument fordert dass „Familienplanung“ (auch bekannt als Abtreibung) in routinemäßige Gesundheitsdienste integriert werden soll, mit der Absicht „die Zahl der Menschen in Entwicklungsländern zu senken“. Der Bericht zeigt auf schockierende Weise wie das Zurückhalten von Nahrungsmitteln als Bestrafung für Entwicklungsländer benutzt werden könnte, die nicht für eine Reduktion ihrer Bevölkerung sorgen. Im Wesentlichen könnte Essen als Waffe für eine politische Agenda benutzt werden, um in Entwicklungsländern Massenhungersnöte zu kreieren. In dem Dokument steht:
„Die Verteilung der knappen Ressourcen des Public Law 480 [auch bekannt als Food for Peace, ein Programm das amerikanisches Essen an bedürftige Länder verteilen soll] sollte dazu verwendet werden um zu kontrollieren welche Schritte ein Land in der Bevölkerungskontrolle und in der Nahrungsmittelproduktion einleitet,“Weiter hinten in dem Dokument wird die Idee präsentiert, „Zwangsprogramme“ durchzuführen in denen Nahrungsmittel als „Werkzeug nationaler Macht“ benutzt werden. Das ist ein sehr gutes Beispiel dafür wie sich mächtige Männer verschwören und Eugenik-Politik dazu verwenden ihre Macht auszudehnen. Gartners lächerliche Behauptung, das Dokument wäre nur ein „trockener Bericht“, ist einfach absurd. Das ist keine Verschwörungstheorie und auch kein „Zusammenhang“ den wir aus heiterem Himmel erfunden haben um den Dopaminzufluss unserer Gehirne zu erhöhen, wie Gartners bizarrer Artikel behauptet, es steht hier schwarz auf weiß, doch er hat das Dokument entweder nicht gelesen oder hat seinen eigenen Akt der geistigen Gymnastik vollführt und kurzerhand die Beweise zurückgewiesen, weil sie nicht mit seinen Vorurteilen übereinstimmen. Laut Gartner sind Verschwörungstheoretiker „gegen Beweise immun“ und er führt dieses Merkmal als Beispiel auf. Ziemlich schnell ließ sich Gartner über das alte Klischee aus, die Menschen müssten Verschwörungstheorien und Ähnliches konstruieren, um sich in einer chaotischen Welt besser zu fühlen. Er behauptet sogar dass „einen Sinn in zuweilen bedeutungslosen Ereignissen zu sehen“, Dopamin erzeugen würde, wovon eine Überproduktion zu Schizophrenie führen kann. Natürlich hat das nichts damit zu tun, dass mächtige Leute die Zukunft des Planeten planen, den sie beherrschen (in den Augen von Gartner eine lächerliche „Verschwörungstheorie“), doch Gartners Objektivität kann die Anschuldigungen von Alex Jones nicht auf logische Weise widerlegen. Es geht nur darum, Überbringer von Botschaften mit komplizierter und ungeschickter psychologischer Rhetorik zu denunzieren, die nicht mal zutreffend ist. Doch was für die Gans gut ist, ist auch für den Gänserich gut. Der größte Lieferant von Mythen und „Verschwörungstheorien“ über politische Ereignisse waren und werden immer Behörden und Regierungen sein. Wissenschaftler die vor Kurzem untersuchten, warum so viele Leute die Lüge glaubten dass Saddam Hussein hinter 9/11 steckte, fanden heraus dass Amerikaner daran glauben wollten, dass der Irak in Verbindung mit 9/11 steht, weil es ihnen dabei hilft, in die gegenwärtige Realität einen Sinn hineinzuinterpretieren. Wo liegt da der Unterschied zu der Behauptung, dass Verschwörungs- theoretiker Zusammenhänge erfinden, um aktuelle Ereignisse besser ertragen zu können? Jenseits der Vorwürfe, wer sich die Dinge ausdenkt, durch denen ihre Weltsicht begründet wird – Verschwörer und Enthüller gleichermaßen – sind die Fakten. Die Geschichte ist voll von Verschwörungen, auch heute gibt es welche und sie sind kein Symptom geistiger Instabilität. In der Tat zeigt uns die Geschichte, dass umso größer die Lüge und die Verschwörung ist, umso mehr lassen sich die Massen täuschen und Regierungen aller Epochen haben seit Anbeginn der Zeit diesen Mechanismus benutzt, um ihre Pläne durchzusetzen. In einem solchen Umfeld sollten Leute, die hartnäckig alte Denkmuster hinterfragen, oder „Verschwörungstheoretiker“ wie sie Gartner nennt, als wichtiges Bollwerk gegen Tyrannei und Unterdrückung gelten, von der die Welt in der Vergangenheit so oft verdorben wurde. Die Tyrannei und Unterdrückung die auch die Sowjetunion und Nazi-Deutschland in nicht geringem Maße einsetzten und die Skeptizismus gegen den Staat als geistige Krankheit klassifizierten; eine Tatsache die Gartner in seinem Artikel außer acht lässt. Es war keine Täuschung im Interesse von „Verschwörungstheoretikern“ durch die die Deutschen überzeugt wurden, Adolf Hitler zu folgen; die Lügen durch die die Nazi-Tyrannei aufgebaut wurde kamen direkt vom Staat. Es war nicht der Glaube von „Verschwörungstheoretikern“ der die Amerikaner getäuscht hatte zu denken, der Irak besäße Massenvernichtungswaffen; diese heikle „große Lüge“ kam direkt aus dem Mund des Präsidenten der USA.
„Bis zu einem gewissen Grad sind wir alle Verschwörungstheoretiker", schreibt Gartner, und er hat nie wahrere Worte gesprochen. Eigentlich ist Gartner der größte Verschwörungstheoretiker von allen, denn er glaubt anscheinend, dass mächtige Leute sich nicht zusammentun und Pläne schmieden, was nach Gartners Ansicht ein Standpunkt ist der auf einen psychotischen Geist hinweist. Gartner scheitert daran zu begreifen, dass seine Einstellung absolut nichts mit heutigen Ansichten zu tun hat. Er inszeniert sich als eine Art Authoritätsfigur die ihre Abneigung ablässt über eine kümmerliche Minderheit von "Verschwörungstheoretikern"; dabei befindet er sich in der Minderheit. Es ist Gartners Twilight-Zone-Welt in der Engel gleiche Regierungen nie eine Sünde begehen, außer in den verwirrten Köpfen von gefährlichen Psychopathen. Die zahllosen zugegebenen Verschwörungen, die fortlaufend so gut wie täglich enthüllt werden – die Vetternwirtschaft des Banken-Rettungsprogramms, der Folter-Skandal, das alles sind Anzeichen für psychotisches Denken. Es ist wirklich das Letzte von Gartner, dass er einen sieben Jahre alten Vorfall von einem verwirrten Mann hervorgräbt, der versucht hatte, bewaffnet in den Bohemian Grove einzudringen, um Verschwörunstheoretiker, speziell Alex Jones, als Gefahr für die Gesellschaft hinzustellen. In Wirklichkeit ist die Art von verzerrtem Denken die Gartner aufweist, dass Skeptizismus gegen die Regierung eine Form von Geisteskrankheit wäre, eine der größten Bedrohungen für eine freie Gesellschaft, die jemals existiert hat. Wie wir in der Vergangenheit gesehen haben, ist es ein Markenzeichen von Tyrannei, politisch widerstrebende Meinungen und sogar Skepsis gegen den Staat als psychische Krankheit zu bezeichnen. In der ehemaligen Sowjetunion wurden Psikhushkas – Nervenkliniken – vom Staat als Gefängnisse für politische Gefangene verwendet, um ihre Ideen zu diskreditieren und um sie sowohl physisch als auch mental zu brechen. Der Sowjet-Staat begann 1939 unter Stalin damit, Nervenkliniken zu benutzen, um Andersdenkende zu bestrafen. Laut der offiziellen Sowjet-Psychiatrie und dem Moskau Serbsky Institut war man damals der Meinung dass
„Ideen über einen Kampf für Wahrheit und Gerechtigkeit von Persönlichkeiten mit paranoider Struktur geformt werden.“ Zur Behandlung dieser speziellen politischen Schizophrenie benutzte man verschiedene Formen von Isolation, Elektroschocks, elektromagnetischer Folter, Strahlenfolter, Lumbalpunktionen, verschiedene Drogen wie Narkotika, Tranquilizer, und Insulin sowie Prügel. Anne Applebaum, die Autorin von Der Gulag, zeigt auf dass mindestens 365 geistig gesunde Menschen wegen „politisch definiertem Wahnsinn“ behandelt wurden, sie geht davon aus, dass es noch viel mehr waren. Diese Art von „Behandlungen“ der „Geisteskrankheit“, ein Verschwörungstheoretiker oder lediglich skeptisch gegenüber der Regierung zu sein, wurden von Quacksalber-Psychologen sowohl in der Sowjetunion als auch in Nazi-Deutschland brutal durchgeführt. Eine Tatsache von der Gartner, gefangen in seiner Blase von Einbildung und Ignoranz gegenüber allen Beweisen die seiner vorgefassten Meinungen widersprechen, absolut nichts gewusst haben will, nachdem wir ihn damit konfrontierten. Quacksalber-Psychologen wie Gartner, die Misstrauen gegenüber Autoritäten und alternative Erklärungen zu „offiziellen Geschichten“ die von der Regierung verbreitet werden als Form einer Psychose definieren, obwohl sie selbst mehrfach bewiesen haben, dass sie selbst psychotische Lügen verbreiten.
Samstag, 9. Mai 2009
Die Pathologisierung der Bevölkerung
Neue Wahnvorstellung: Leben als TV-Show
Von Hubertus Breuer.
Noch ehe der junge Mann die Lobby des Art-déco-Wolkenkratzers am Broadway im Süden Manhattans betreten hatte, fühlte er sich beobachtet. Das ist nicht schwer in New York. An vielen Kreuzungen überwachen Kameras das Kommen und Gehen, Polizeihelikopter kreisen über den Häuserschluchten, Boote der Küstenwache patrouillieren auf dem Hudson und dem East River. Zudem stehen an Strassenecken immer wieder Filmteams, und mit Fotoapparaten und Fotohandys ausgerüstete Touristen fallen täglich in Heerscharen in die Metropole ein.
Doch als er den Lift betrat, in den 35. Stock fuhr und schliesslich dem Psychiater Joel Gold in einem kleinen Eckzimmer mit Blick über die schwungvolle Brooklyn Bridge gegenübersass, da glaubte er immer noch, dass jedes seiner Worte und jede seiner Bewegungen aufgezeichnet würden. Gold, der gewöhnlich im Bellevue-Spital der New York University arbeitet, hielt er nicht für einen Arzt, sondern für einen ziemlich guten Schauspieler. Sein ganzes Leben, so glaubte der Besucher, liefere das Rohmaterial für eine Realityshow mit Millionenpublikum. Und er wünschte sich sehnlich, dass die Sendung endlich abgesetzt würde.
Macht Technik die Leute verrückt?
Drehten sich Wahnvorstellungen früher oft um allmächtige Geheimdienste, unheimliche kosmische Strahlen oder göttliche Visionen, machen sich heute vermehrt Hightech und Medien in den Köpfen breit. Psychiater präsentieren an Kongressen und in Fachjournalen Psychosen, die Internet, Computer, Mikrochips, Fernsehen oder Mobiltelefon integrieren. Realityshows, welche die Teilnehmer auf Schritt und Tritt verfolgen und Bild und Ton sogleich in die weite Welt ausstrahlen, sind prädestiniert, Material für solchen Wahn zu liefern. Während Psychiater sicher sind, dass sich mit dem kulturellen Umfeld auch die Geisteskrankheiten wandeln, debattieren sie nun, ob moderne Technik nur neuen Stoff liefere oder ob sie womöglich manchen verrückt mache, der sonst gesund geblieben wäre.
Eine gediegene Wohnzimmeratmosphäre umgibt Gold. Über einem kleinen Mahagonischreibtisch hängen Fotos befreundeter Fotografen, über dem Sofa ein falscher Pollock. Im Regal steht, zwischen Medizinbüchern, eine Porzellanbüste, die auf dem Kopf nach der historischen Lehre der Phrenologie Charaktereigenschaften markiert. Hier empfing Gold 2004 erstmals einen Patienten, der vom Wahn berichtete, seine Welt sei eine einzige Inszenierung für das Fernsehen.
Leben in einem Trugbild
Vier weitere mit ähnlichen Symptomen folgten – alle gut ausgebildet, männlich, im Alter von 25 bis 34 Jahren. Die Diagnosen fielen unterschiedlich aus. Einer war manisch-depressiv, ein anderer schizophren, ein Dritter erlebte psychotische Schübe durch Drogenkonsum. Doch sie teilten die Wahnvorstellung, in einer Welt zu leben, wie sie der Kinofilm «Die Truman-Show» von 1998 porträtierte. In dem Streifen entpuppt sich das Leben des von Jim Carrey gespielten Truman Burbank als ein aufwendig produziertes TV-Trugbild.
Drei von Golds Patienten erwähnten den Film ausdrücklich. Deshalb nannte der Psychiater das Phänomen Truman-Show-Wahn. Inzwischen hat Gold von Kollegen von fünfzig weiteren Patienten gehört, darunter Frauen und ältere Personen, ein Fall wurde letztes Jahr im «British Journal of Psychiatry» publiziert.
Beliebte Wahnthemen
Technik und Medien sind beliebte Wahnthemen, sie tauchen bereits im 19. Jahrhundert auf. So schilderte der schizophrene Friedrich Krauss in seinem fast 1400 Seiten füllenden autobiographisch gefärbten Pamphlet «Nothschrei eines magnetisch Vergifteten» (1852) und in «Nothgedrungene Fortsetzung meines Nothschrei» (1867) die fixe Idee, Opfer einer von Regierung, Ärzten und Industriellen angezettelten Verschwörung zu sein. Deren perfides Mittel: ihn mittels eines Apparats aus der Ferne zu magnetisieren, was, nach Krauss, zur «Entlebensgeisterung» führe. Der Psychoanalytiker Viktor Tausk veröffentlichte 1919 das Buch «Der Beeinflussungsapparat», in dem er den Fall der Wiener Philosophiestudentin Natalija A. dokumentiert, die sich von einer Maschine ferngesteuert wähnte.
Später gesellten sich als Wahnphänomene Röntgenapparat, Telefon, Film und Radio hinzu, die in der wirren Fantasie mancher Patienten Befehle aussandten oder der Überwachung dienten. In jüngster Zeit haben auch die Computerrevolution und das Internet ihre Spuren in Wahnideen hinterlassen. So berichteten Psychiater von der University of Texas Mitte der Neunzigerjahre von «dentalen Illusionen». Zwei Patienten bestanden darauf, dass in einem ihrer Zähne ein Mikrochip implantiert sei. Einer sendete angeblich ständig «Radio-, Gravitations- und Kurzwellen» aus.
Internetwahn verstärkt sich
Auch Internetwahn tritt seit Ende der Neunzigerjahre vermehrt auf. Ein Mann sah sich durch das Netz so kontrolliert, dass er aus Verzweiflung einen Selbstmordversuch beging. Ein anderer hielt sich für einen mächtigen Webmaster, der allein mit seiner Gedankenkraft durchs Internet surfen und Webseiten manipulieren konnte. Und eine österreichische Patientin hielt sich für eine Webcam: Sie meinte, alles, was sie sehe, werde automatisch im Internet verbreitet. Für Gold ist der Truman-Show-Wahn nicht einfach ein weiteres Beispiel technisch inspirierter Hirngespinste, sondern etwas Eigenständiges. So wie etwa das Capgras-Syndrom (der Glaube, dass Personen im nächsten Umfeld durch Doppelgänger ausgetauscht wurden) oder das Fregoli-Syndrom (die Vermutung, vertraute Personen veränderten ständig ihr Aussehen).
Wer annimmt, ein Leben wie der von Carrey gespielte Truman Burbank zu führen, weist zwar typische psychotische Elemente wie Paranoia und Grössenwahn auf. Völlig neu sei die Totalität, sagt Gold: «Es ist nicht nur der Computer oder eine bestimmte Organisation, die einen verfolgen; die ganze Welt ist beteiligt, alles ist Kulisse, selbst der behandelnde Arzt.»
Nicht jeder, der an solchen Wahnvorstellungen leidet, bezieht sich auf Jim Carrey. Es gibt andere Krankheitsbilder: So berichteten Psychiater von der University of Bristol im Jahre 2001 von einem schizophrenen Mann, der Autos stahl und bewaffnete Überfälle beging. Er hielt seine Welt für ein Computerspiel. Je mehr Autos er knackte, dachte er, desto höher wäre am Ende die Punktzahl. Ärzten gegenüber gestand er, dass er bereit war, Menschen zu töten, da das sein Spielergebnis deutlich verbessert hätte. Ein Patient des Psychiaters Vaughan Bell vom Londoner Kings College wiederum war überzeugt, in einer Matrix-Welt zu leben, wie sie die Filmtrilogie der Wachowski-Brüder darstellt.
Psychosen passen sich der Zeit an
Den Psychiater Thomas Stompe von der Universität Wien beeindruckt das nicht. «Alter Wein in neuen Schläuchen», nennt er diese Phänomene. In vergleichenden Studien zur Wandelbarkeit von Psychosen über die letzten 150 Jahre sowie auch aktuell über Kulturgrenzen hinweg, hat er als ihre essentiellen Merkmale Verfolgungs- und Grössenwahn erkannt, in geringerem Masse Schuld, Hypochondrie und Religion. «Technik und Medien gehören nicht zu diesen grundlegenden Themen; sie bauen im Gegenteil nur auf dieser Grundlage auf. Man kann freilich nicht ausschliessen, dass sich das über die Zeit ändern wird – so nimmt die Bedeutung der Religion in Österreich langsam, aber stetig ab –, aber dafür gibt es vorerst keine klaren Belege.»
Gemeinsam mit seinem Bruder Ian Gold, Psychiatrie-Philosoph an der kanadischen McGill University, vermutet Joel Gold hinter dem Truman-Syndrom noch mehr: Die Medien könnten aufgrund eines neuen, noch unentdeckten Mechanismus so auf die Psyche einwirken, dass es zu den beobachteten Wahnvorstellungen kommt. Die Arbeitshypothese der beiden Brüder: Die Allgegenwart von Fernsehen, Kamera und Internet mag für manche Menschen einen solchen Stressfaktor bedeuten, dass sie die obsessive Vorstellung auslöst, ihre Welt sei auf Dauersendung.
Wenn das Klima krank macht
Dahinter steckt die provokante These, dass die Medien heute manche Person in den Irrsinn treiben. So hatten Golds Truman-Patienten interessanterweise keine psychiatrische Vorgeschichte. Aber der Arzt gesteht: «Diese Frage lässt sich nicht kurzfristig beantworten.» Vielleicht löst sich das Truman-Syndrom mit neuen Fernsehformen so schnell in Luft auf, wie es gekommen ist. Denn ist ein Thema erst einmal nicht mehr aktuell, verschwindet es aus den von Psychosen gepeinigten Köpfen, wie einst animalischer Magnetismus oder Telegrafie.
Ausgehen wird der Stoff für Psychosen nicht. Letztes Jahr berichtete der Psychiater Robert Salo vom Royal Children's Hospital in Melbourne, ein 17-jähriger Patient leide am «Klimawandelsyndrom». Er lehne es ab, Wasser zu trinken, da er glaube, dass sonst Millionen Menschen umkämen. Seither hat Salo weitere Patienten mit ähnlichen krankhaften Visionen von der Klimaänderung angetroffen. Auch das reiht sich in die Ahnengalerie temporär populärer Bedrohungen ein, wie es Aids oder der dritte Weltkrieg waren.
Ungeachtet der akademischen Streitfrage, ob der Truman-Show-Wahn ein neues psychotisches Symptom sei, letztlich zählt, den Patienten zu helfen. Gold verschrieb ihnen Psychopharmaka. Künftig würde er, wenn nicht eine akute Notlage herrscht, lieber eine kognitive Therapie anwenden: den Betroffenen vorführen, wie bizarr ihre Vorstellung einer totalen Reality-Show ist. Doch auch so kehrten fast alle bald in den Alltag zurück. Nur einer musste mehrere Monate in einer Klinik verbringen, ehe er die ständig unter Beobachtung stehende Weltstadt verliess. Gold weiss nicht, was aus ihm geworden ist.
(Tages-Anzeiger)
Von Hubertus Breuer.
Noch ehe der junge Mann die Lobby des Art-déco-Wolkenkratzers am Broadway im Süden Manhattans betreten hatte, fühlte er sich beobachtet. Das ist nicht schwer in New York. An vielen Kreuzungen überwachen Kameras das Kommen und Gehen, Polizeihelikopter kreisen über den Häuserschluchten, Boote der Küstenwache patrouillieren auf dem Hudson und dem East River. Zudem stehen an Strassenecken immer wieder Filmteams, und mit Fotoapparaten und Fotohandys ausgerüstete Touristen fallen täglich in Heerscharen in die Metropole ein.
Doch als er den Lift betrat, in den 35. Stock fuhr und schliesslich dem Psychiater Joel Gold in einem kleinen Eckzimmer mit Blick über die schwungvolle Brooklyn Bridge gegenübersass, da glaubte er immer noch, dass jedes seiner Worte und jede seiner Bewegungen aufgezeichnet würden. Gold, der gewöhnlich im Bellevue-Spital der New York University arbeitet, hielt er nicht für einen Arzt, sondern für einen ziemlich guten Schauspieler. Sein ganzes Leben, so glaubte der Besucher, liefere das Rohmaterial für eine Realityshow mit Millionenpublikum. Und er wünschte sich sehnlich, dass die Sendung endlich abgesetzt würde.
Macht Technik die Leute verrückt?
Drehten sich Wahnvorstellungen früher oft um allmächtige Geheimdienste, unheimliche kosmische Strahlen oder göttliche Visionen, machen sich heute vermehrt Hightech und Medien in den Köpfen breit. Psychiater präsentieren an Kongressen und in Fachjournalen Psychosen, die Internet, Computer, Mikrochips, Fernsehen oder Mobiltelefon integrieren. Realityshows, welche die Teilnehmer auf Schritt und Tritt verfolgen und Bild und Ton sogleich in die weite Welt ausstrahlen, sind prädestiniert, Material für solchen Wahn zu liefern. Während Psychiater sicher sind, dass sich mit dem kulturellen Umfeld auch die Geisteskrankheiten wandeln, debattieren sie nun, ob moderne Technik nur neuen Stoff liefere oder ob sie womöglich manchen verrückt mache, der sonst gesund geblieben wäre.
Eine gediegene Wohnzimmeratmosphäre umgibt Gold. Über einem kleinen Mahagonischreibtisch hängen Fotos befreundeter Fotografen, über dem Sofa ein falscher Pollock. Im Regal steht, zwischen Medizinbüchern, eine Porzellanbüste, die auf dem Kopf nach der historischen Lehre der Phrenologie Charaktereigenschaften markiert. Hier empfing Gold 2004 erstmals einen Patienten, der vom Wahn berichtete, seine Welt sei eine einzige Inszenierung für das Fernsehen.
Leben in einem Trugbild
Vier weitere mit ähnlichen Symptomen folgten – alle gut ausgebildet, männlich, im Alter von 25 bis 34 Jahren. Die Diagnosen fielen unterschiedlich aus. Einer war manisch-depressiv, ein anderer schizophren, ein Dritter erlebte psychotische Schübe durch Drogenkonsum. Doch sie teilten die Wahnvorstellung, in einer Welt zu leben, wie sie der Kinofilm «Die Truman-Show» von 1998 porträtierte. In dem Streifen entpuppt sich das Leben des von Jim Carrey gespielten Truman Burbank als ein aufwendig produziertes TV-Trugbild.
Drei von Golds Patienten erwähnten den Film ausdrücklich. Deshalb nannte der Psychiater das Phänomen Truman-Show-Wahn. Inzwischen hat Gold von Kollegen von fünfzig weiteren Patienten gehört, darunter Frauen und ältere Personen, ein Fall wurde letztes Jahr im «British Journal of Psychiatry» publiziert.
Beliebte Wahnthemen
Technik und Medien sind beliebte Wahnthemen, sie tauchen bereits im 19. Jahrhundert auf. So schilderte der schizophrene Friedrich Krauss in seinem fast 1400 Seiten füllenden autobiographisch gefärbten Pamphlet «Nothschrei eines magnetisch Vergifteten» (1852) und in «Nothgedrungene Fortsetzung meines Nothschrei» (1867) die fixe Idee, Opfer einer von Regierung, Ärzten und Industriellen angezettelten Verschwörung zu sein. Deren perfides Mittel: ihn mittels eines Apparats aus der Ferne zu magnetisieren, was, nach Krauss, zur «Entlebensgeisterung» führe. Der Psychoanalytiker Viktor Tausk veröffentlichte 1919 das Buch «Der Beeinflussungsapparat», in dem er den Fall der Wiener Philosophiestudentin Natalija A. dokumentiert, die sich von einer Maschine ferngesteuert wähnte.
Später gesellten sich als Wahnphänomene Röntgenapparat, Telefon, Film und Radio hinzu, die in der wirren Fantasie mancher Patienten Befehle aussandten oder der Überwachung dienten. In jüngster Zeit haben auch die Computerrevolution und das Internet ihre Spuren in Wahnideen hinterlassen. So berichteten Psychiater von der University of Texas Mitte der Neunzigerjahre von «dentalen Illusionen». Zwei Patienten bestanden darauf, dass in einem ihrer Zähne ein Mikrochip implantiert sei. Einer sendete angeblich ständig «Radio-, Gravitations- und Kurzwellen» aus.
Internetwahn verstärkt sich
Auch Internetwahn tritt seit Ende der Neunzigerjahre vermehrt auf. Ein Mann sah sich durch das Netz so kontrolliert, dass er aus Verzweiflung einen Selbstmordversuch beging. Ein anderer hielt sich für einen mächtigen Webmaster, der allein mit seiner Gedankenkraft durchs Internet surfen und Webseiten manipulieren konnte. Und eine österreichische Patientin hielt sich für eine Webcam: Sie meinte, alles, was sie sehe, werde automatisch im Internet verbreitet. Für Gold ist der Truman-Show-Wahn nicht einfach ein weiteres Beispiel technisch inspirierter Hirngespinste, sondern etwas Eigenständiges. So wie etwa das Capgras-Syndrom (der Glaube, dass Personen im nächsten Umfeld durch Doppelgänger ausgetauscht wurden) oder das Fregoli-Syndrom (die Vermutung, vertraute Personen veränderten ständig ihr Aussehen).
Wer annimmt, ein Leben wie der von Carrey gespielte Truman Burbank zu führen, weist zwar typische psychotische Elemente wie Paranoia und Grössenwahn auf. Völlig neu sei die Totalität, sagt Gold: «Es ist nicht nur der Computer oder eine bestimmte Organisation, die einen verfolgen; die ganze Welt ist beteiligt, alles ist Kulisse, selbst der behandelnde Arzt.»
Nicht jeder, der an solchen Wahnvorstellungen leidet, bezieht sich auf Jim Carrey. Es gibt andere Krankheitsbilder: So berichteten Psychiater von der University of Bristol im Jahre 2001 von einem schizophrenen Mann, der Autos stahl und bewaffnete Überfälle beging. Er hielt seine Welt für ein Computerspiel. Je mehr Autos er knackte, dachte er, desto höher wäre am Ende die Punktzahl. Ärzten gegenüber gestand er, dass er bereit war, Menschen zu töten, da das sein Spielergebnis deutlich verbessert hätte. Ein Patient des Psychiaters Vaughan Bell vom Londoner Kings College wiederum war überzeugt, in einer Matrix-Welt zu leben, wie sie die Filmtrilogie der Wachowski-Brüder darstellt.
Psychosen passen sich der Zeit an
Den Psychiater Thomas Stompe von der Universität Wien beeindruckt das nicht. «Alter Wein in neuen Schläuchen», nennt er diese Phänomene. In vergleichenden Studien zur Wandelbarkeit von Psychosen über die letzten 150 Jahre sowie auch aktuell über Kulturgrenzen hinweg, hat er als ihre essentiellen Merkmale Verfolgungs- und Grössenwahn erkannt, in geringerem Masse Schuld, Hypochondrie und Religion. «Technik und Medien gehören nicht zu diesen grundlegenden Themen; sie bauen im Gegenteil nur auf dieser Grundlage auf. Man kann freilich nicht ausschliessen, dass sich das über die Zeit ändern wird – so nimmt die Bedeutung der Religion in Österreich langsam, aber stetig ab –, aber dafür gibt es vorerst keine klaren Belege.»
Gemeinsam mit seinem Bruder Ian Gold, Psychiatrie-Philosoph an der kanadischen McGill University, vermutet Joel Gold hinter dem Truman-Syndrom noch mehr: Die Medien könnten aufgrund eines neuen, noch unentdeckten Mechanismus so auf die Psyche einwirken, dass es zu den beobachteten Wahnvorstellungen kommt. Die Arbeitshypothese der beiden Brüder: Die Allgegenwart von Fernsehen, Kamera und Internet mag für manche Menschen einen solchen Stressfaktor bedeuten, dass sie die obsessive Vorstellung auslöst, ihre Welt sei auf Dauersendung.
Wenn das Klima krank macht
Dahinter steckt die provokante These, dass die Medien heute manche Person in den Irrsinn treiben. So hatten Golds Truman-Patienten interessanterweise keine psychiatrische Vorgeschichte. Aber der Arzt gesteht: «Diese Frage lässt sich nicht kurzfristig beantworten.» Vielleicht löst sich das Truman-Syndrom mit neuen Fernsehformen so schnell in Luft auf, wie es gekommen ist. Denn ist ein Thema erst einmal nicht mehr aktuell, verschwindet es aus den von Psychosen gepeinigten Köpfen, wie einst animalischer Magnetismus oder Telegrafie.
Ausgehen wird der Stoff für Psychosen nicht. Letztes Jahr berichtete der Psychiater Robert Salo vom Royal Children's Hospital in Melbourne, ein 17-jähriger Patient leide am «Klimawandelsyndrom». Er lehne es ab, Wasser zu trinken, da er glaube, dass sonst Millionen Menschen umkämen. Seither hat Salo weitere Patienten mit ähnlichen krankhaften Visionen von der Klimaänderung angetroffen. Auch das reiht sich in die Ahnengalerie temporär populärer Bedrohungen ein, wie es Aids oder der dritte Weltkrieg waren.
Ungeachtet der akademischen Streitfrage, ob der Truman-Show-Wahn ein neues psychotisches Symptom sei, letztlich zählt, den Patienten zu helfen. Gold verschrieb ihnen Psychopharmaka. Künftig würde er, wenn nicht eine akute Notlage herrscht, lieber eine kognitive Therapie anwenden: den Betroffenen vorführen, wie bizarr ihre Vorstellung einer totalen Reality-Show ist. Doch auch so kehrten fast alle bald in den Alltag zurück. Nur einer musste mehrere Monate in einer Klinik verbringen, ehe er die ständig unter Beobachtung stehende Weltstadt verliess. Gold weiss nicht, was aus ihm geworden ist.
(Tages-Anzeiger)
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Mittwoch, 21. Januar 2009
Schizophrenie - die erfundene Krankheit
Unethische Psychiater verbreiten
Fehlinformationen über die Schizophrenie
von Al Siebert, Ph.D.
Zusammenfassung: Prominente Psychiater sagen, Schizophrenie sei eine Gehirnkrankheit wie Alzheimer, Parkinson oder Multiple Sklerose. Diese Behauptung widerspricht den wissenschaftlichen Fakten: kein Neurologe kann das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von Schizophrenie im Labortest unabhängig nachweisen, weil die Mehrheit der Leute, bei denen die Diagnose Schizophrenie gestellt wurde, keinerlei neuropathologische oder biochemische Abweichungen hat, wogegen einige Leute ohne schizophrene Symptome solche biophysiologischen Abweichungen hat. Eine progressive Verschlechterung des Zustands tritt bei Leuten mit Schizophrenie normalerweise nicht auf: meistens zeigt sich mit der Zeit eine Verbesserung. Psychotherapie und Milieu-Therpie, ohne Medikamente, hat sogar bei den am schwersten gestörten schizophrenen Personen zu einer vollständigen Genesung und darüber hinaus geführt. Viele Leute, bei denen Schizophrenie diagnostiziert wurde, sind ganz ohne Behandlung wieder genesen, etwas, was bei Personen mit Parkinson, Alzheimer oder Multipler Sklerose noch niemals vorgekommen ist.
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Als im Juli 1998 zwei Wachen des United States Capitol Buildings von einem Mann erschossen wurden, von dem es hieß, er leide an "paranoider Schizophrenie", löste dies ein aufgeregtes Medieninteresse an "Schizophrenie" aus. Unglücklicherweise benutzten prominente Psychiatrie-Experten diese Gelegenheit, um in den Medien zu verkünden, Schizophrenie sei eine Gehirnkrankheit wie Alzheimer, Parkinson oder Multiple Sklerose. Diese Aussage stimmt mit den wissenschaftlichen Fakten nicht überein und führt die Öffentlichkeit in die Irre.
In der TV-Show NewsHour (Farnsworth, 1998), ausgestrahlt auf Public Broadcasting System in den United States am 27.July 1998 (und später auf National Public Radio) interviewte die Journalistin Elizabeth Farnsworth die Direktorin des Mental Health Clinical Research Center an der University of Iowa und Chefredakteurin des American Journal of Psychiatry, Dr. Nancy Andreasen, und David Pickar, Direktor des Experimental Therapeutics Branch of the National Institute of Mental Health. Andreasen stellte fest: "[Verschiedene] Dinge kommen zusammen, um eine Gehirnverletzung zu erzeugen, die wir dann als Schizophrenie erkennen. es wird praktisch überall anerkannt, daß es sich um eine Gehirnerkrankung wie jede andere handelt, wie Alzheimer, Parkinson und so weiter." Pickar sagte: "Es steht außer Frage. Es ist eine Gehirnstörung." E. Fuller Torrey (1983, 1997; Yolken & Torrey, 1995), ein anderer landesweit bekannter Psychiater, hat wiederholt festgestellt, daß Schizophrenie zur selben Kategorie gehört wie andere Gehirnstörungen wie Parkinson, Alzheimer und Multiple Sklerose.
Diese Aussagen entstellen und mißinterpretieren die in der wissenschaftlichen Literatur veröffentlichten Forschungsergebnisse in acht signifikanten Hinsichten.
Schizophrenie ist nicht "eine einzelne Krankheit." Seit der ursprünglichen Beschreibungen von Emil Kraeplin (1902) und Eugen Bleuler (1950) vor fast 100 Jahren, beschreiben informierte professionelle Nachschlagewerke "Die Schizophrenien" als eine Gruppe von Erkrankungen. Laut O'Donnell und Grace (1998): "ein Hauptproblem im Studium der Schizophrenie ist die Verschiedenartigkeit ihrer Symptome, welche die Annahme nahelegt, daß Schizophrenie in Wirklichkeit ein Bündel von Krankheiten ist." (p. 267). Aussagen, die darauf hinauslaufen, daß Schizophrenie "eine Gehirnkrankheit" (singular) ist, sind irreführend.
Testergebnisse sprechen überwiegend gegen die Gehirnerkrankungs-Hypothese. Einige wenige Personen, bei denen Schizophrenie diagnostiziert wurde, zeigen gewisse Gehirn-Anomalien, aber die Brain Scans der meisten Schizophrenen liegen im normalen Bereich. (Weikert & Weinberger, 1998). Einige Psychiater schreiben der schwachen Evidenz trotzdem eine ungerechtfertigte Signifikanz zu. (Boyle, 1990). Beispielsweise kamen die Autoren einer Forschungsstudie über kindliche Schizophrenie (Nopoulos, Giedd, Andreasen, & Rapoport, 1998), zu dem Schluß, daß "Patienten mit extrem früh (in der Kindheit) ausbrechenden Formen der Schizophrenie schwerwiegendere entwicklungsbedingte Anomalien haben könnten als solche, bei denen Schizophrenie erst im Erwachsenenalter auftritt." (p. 1074 ) In Wirklichkeit geht aus den Daten der Studie hervor, daß von 24 getesteten Patienten nur 3 (12.5 Prozent) eine abnormale Vergrößerung gewisser Gehirnstrukturen zeigen, 21 (87.5 Prozent) nicht. In der Kontrollgruppe der Gesunden hatte eine Person ebenfalls derartige Abweichungen.
Ismail, Cantor-Grace, & McNeil (1998) haben herausgefunden, daß, wenn bei schizophrenen Patienten gewisse neurologische Abweichungen existierten, ihre nicht schizophrenen Geschwister ganz entsprechende Abweichungen zeigten. Andreasen (1995) fand einige Personen ohne schizophrene Symptome, die Gehirnanomalien hatten, wie sie auch bei einigen Schizophrenen gefunden wurden. Laut Lewine (1998), "gibt es bei Schizophrenie keine Gehirnanomalie, die charakteristisch ist für mehr als 20 - 33 Prozent der getesteten Fälle. Die Gehirne der Mehrheit der schizophrenen Personen sind normal, soweit die Forscher dies heutzutage sagen können. (p. 499). Darüberhinaus wird in den Studien, die Abweichungen finden, selten überprüft, ob diese möglicherweise auf längerfristige Einnahme von Neuroleptika oder anderer Medikamente zurückzuführen sind.
Die Hypothese der "Gehirnkrankheit" verträgt sich nicht mit der gesicherten Erkenntnis, daß viele Leute wieder vollständig von der Schizophrenie genesen. Im Gegensatz zu Parkinson, Alzheimer und Multipler Sklerose verläuft die Schizophrenie nicht notwendigerweise in Richtung lebenslanger Verschlechterung, und der Ausgang bei jeder einzelnen Person ist nicht vorhersehbar. (Marengo, 1994; Mendel, 1989; Mûller & von Zerssen, 1988; Ponyat, 1992). Manfred Bleuler (1979a), Autor des maßgeblichen Standardwerks über Schizophrenie, schrieb:
"Der Glaube, daß schizophrene Psychosen zwangsläufig eine Entwicklung in Richtung Demenz und Tod bedeuten...ist...ein tragischer Irrtum.... Fast ein Drittel der Schizophrenen werden wieder ganz gesund. Normalerweise entwickelt sich die Psychose 5 Jahre nach ihrem Ausbruch nicht mehr weiter, sondern verbessert sich eher wieder...Diese und andere Tatsachen, die bezüglich Verlauf und Ausbruch der schizophrenen Psychosen gemacht werden können, sind sicher nicht charakteristisch für eine organische zerebrale und metabolische Krankheit."(p. 1407).
In der Tat zeigen Längsstudien tausender Ex-Patienten in vielen Ländern, daß die Hälfte bis Zweidrittel der als schizophren diagnostizierten Personen viele Jahre später vollständige Genesung oder zumindest deutliche Verbesserung erlangten. Die Prozentzahlen sind:
a) Bleuler (1968), Züricher Studie: 23% voll genesen, 43% deutlich verbessert, 66% total.
b) Huber, Gross, Schuttler, und Linz. (1980), Bonner Studie: 26% voll genesen, 31% deutlich verbessert, 57% total.
c) World Health Organization (1979), weltweiter Nachfolgetest nach zwei Jahren: 26% sehr vorteilhaft, 25% vorteilhaft, 51% total.
d) Ciompi (1980), Lausanner Studie: 29% voll genesen, 24% deutlich verbessert, 53% total.
e) Harding et al. (1987), Vermont Studie: 34% voll genesen, 34% deutlich verbessert, 68% total.
f) Tsuang et al. (1979), Iowa Studie: 20% voll genesen, 26% deutlich verbessert, 46% total.
g) Hegarty et al. (1994), Meta-Analyse von 320 Outcome Studies, die alle Länder und alle Jahrzehnte umfaßten, mit 51,800 Personen 5-6 Jahre nach der Schizophrenie-Diagnose mit breiten Kriterien: 46.5% verbessert.
h) Warner (1994), zusammenfassende Bewertung von 85 Outcome Studies der Jahre 1956-1985: 20-25% vollständig genesen, 40-45% soziale Wiedereingliederung, 60-70% total.
i) Wiersma et al. (1998), 15 Jahre Nachfolgeuntersuchung einer holländischen Gruppe: 27% vollständige Genesung, 50% teilweise Genesung.
Viele der Ex-Patienten der oben aufgelisteten Studien wurden 20 bis 35 Jahre nach der Entlassung begutachtet. Unter den Genesenen waren Ex-Patienten, die einst als äußerst schwer gestört galten. Courtenay Harding und ihre Kollegen (Harding, 1987) spürten 82 Personen nach 20 bis 25 Jahren auf und begutachteten sie. Diese galten zuvor als die hoffnungslosesten Fälle, chronisch gestört, zurückgebliebene Patienten, die damals nach der Entlassung aus einem State Hospital in ein Rehabilitationsprogramm verlegt wurden. Harding hebt hervor, daß "für die Hälfte bis Zweidrittel die Langzeitentwicklung nicht verschlechternd oder marginal war, sondern eine Entwicklung zu verschiedenen Graden der Produktivität, des sozialen Eingebundenseins, Wohlbefindens und kompetenten Funktionierens." (p. 730). Viele von ihnen waren völlig symptomfrei.
Keine Gehirnkrankheit wurde jemals durch Psychotherapie oder durch das Verstreichen von Zeit geheilt. Viele Therapeuten haben über vollständige Genesungen von Schizophrenie berichtet, mittels Psychotherapie und /oder Milieutherapie (Artiss, 1962; Colbert, 1996; Fromm-Reichman, 1950; Harding, 1995; Jung, 1961; Karon, 1998; Laing, 1967; Mosher, 1999; Perry, 1974; Sechehaye, 1951; Siebert, im Druck; Sullivan, 1962). In den Soteria Studien wurden junge Erwachsene, die als akut schizophren diagnostiziert waren, ohne Medikamente und mit nicht- professionellen Helfern genauso gut und schnell stabilisiert wie eine entsprechende Gruppe, die in eine psychiatrische Klinik geschickt wurde. (Mosher & Menn, 1978). Viele als schizophren diagnostizierte Personen sind ganz von allein, ohne Medikamente und ohne Psychotherapie, wieder genesen. (Brody, 1952; French & Kasonin, 1941; Hoffman, 1985; Rubins, 1969).
In der zurückliegenden Zeit war der bekannteste Fall einer spontanen Genesung von Schizophrenie der von John Forbes Nash. 1949, im Alter von 21, schrieb Nash eine Ph.D. These, die ihn als mathematisches Genie erscheinen ließ. Neun Jahre später erlitt Nash einen geistigen Zusammenbruch und wurde als paranoid schizophren diagnostiziert. Sein Leben und seine Karriere waren vernichtet. Während der folgenden 20 Jahre war er zeitweise in den USA und Europa tätig, und war viele Male für kurze Zeit in klinischer Behandlung. Alte Freunde, frühere Kollegen und Bewunderer blieben in Kontakt mit ihm und waren ihm weiterhin freundlich gesinnt. Dann, aus unbekannten Gründen, erlebte Nash eine Spontangenesung. Laut seiner Ex-Frau und seiner Schwester, die zwei Leute, die ihn am besten kannten, stand seine Genesung in keinem Zusammenhang mit irgendeiner Medikation oder psychologischen Behandlung. (Nasar, 1998).
Einige Leute mit der Diagnose Schizophrenie gesunden sogar über ihren früheren Zustand hinaus. Eine schizophrene Erfahrung kann in einigen Fällen sogar einen positiven Effekt haben, zu vorteilhaften Änderungen in der Persönlichkeit und psychischem Wachstum beitragen. (Arieti, 1979; Bernheim & Lewine, 1979; Bleuler, 1950; Bowers, 1979; Cancro, 1974; French & Kasonin, 1941; Jung, 1961; Menninger, 1963; Perry, 1974; Pickering, 1976; Rubins, 1969; Silverman, 1970; Sullivan, 1962; Warner, 1994). John Weir Perry (1999) berichtete, daß 85 Prozent der Klienten (auf alle trafen die Kriterien des DSM für Schizophrenie zu, und alle waren "schwer psychotisch") die auf Diabasis behandelt wurden, "verbesserten sich nicht nur, ohne Medikamente, sondern die meisten entwickelten sich nach der Entlassung weiter." (p. 147).
Für einige scheint die schizophrene Episode einen Durchbruch zu höheren Ebenen geistiger und emotionaler Reife bewirkt zu haben. (Pickering, 1976; Sannella, 1981; Siebert, 1996). Silvano Arieti (1978) sagte, "viele Patienten, die eine intensive und langfristigen Psychotherapie erhielten, würden weit höhere Grade der Integration und Selbstverwirklichung erreichen, als vor dem Ausbruch der Psychose" (p. 20). Früher schrieb Arieti (1974): "einige meiner Patienten, die ich für geheilt halte, haben bedeutende Positionen im Leben erreicht, in der akademischen Welt ebenso wie in anderen Aktivitäten" (pp. 616-617).
Von keinem Patienten mit Parkinson, Alzheimer oder Multipler Sklerose wurde je bekannt, daß er wieder vollständig genesen wäre, und einen Grad der Gesundheit erreicht hätte, der den seines Zustands vor der Krankheit sogar noch übertrifft.
Die Ursache der Schizophrenie ist unbekannt (American Psychiatric Association, 1994; Gottesman, 1991). Andreasen sagte im Verlauf ihres Interviews (Farnsworth, 1998), daß Schizophrenie von "verschiedenartigen Sachen, vielleicht einer genetischen Prädisposition, ernährungsbedingten Faktoren in der frühen Kindheit, Virusinfektionen, Kopfverletzungen, Kontakt mit giftigen Stoffen, Kontakt mit Drogen (Medikamenten) unterschiedlicher Art, unerlaubte Drogen. All diese Dinge produzieren in der Summe eine Gehirnvergiftung, die wir dann als Schizophrenie erkennen." Dieses Statement ist schöngeistige Spekulation, kein wissenschaftlicher Fakt. Nehmen wir die umfassende Liste der Risikofaktoren, warum werden dann nicht mehr Menschen, die ihnen ausgesetzt sind, schizophren? Warum entwickeln nicht mehr Geschwister von schizophrenen Personen, die identische genetische Prädispositionen haben und demselben neurologischen Trauma ausgesetzt sind, eine Schizophrenie? (Ismail, Cantor-Grace, & McNeil, 1998)?
Wenn Andreasens Spekulationen wahr wären, würden viele Leute mit derselben "genetischen Prädisposition" eventuell eine Schizophrenie entwickeln, durch ein multiples neurologisches Trauma, ausgelöst durch chronisches Rauchen und Trinken, sich kumulierende Umweltgifte, Virusinfektionen, ungesunde Ernährung, ein vergreisendes Gehirn, geschwächtes Immunsystem, und frühe Stadien von Gehirnkrankheiten wie Alzheimer und Parkinson. Die Vertreter der "Gehirnkrankheits"-Hypothese können nicht erklären, warum Schizophrenien so regelmäßig bei körperlich gesunden jungen Erwachsenen, im Alter von 16 bis 25, vorkommen, aber kaum jemals bei irgendjemand über 40, unabhängig von irgendeinem physiologischen Stressor. (Arieti, 1979; M. Bleuler, 1979b; Hoffer & Osmond, 1966; Lewine, 1998; Ponyat, 1992; Smith, 1982).
Es gibt keine "universelle" Anerkennung, daß Schizophrenie eine Gehirnerkrankung sei "wie alle anderen Gehirnkrankheiten." Medizinische Handbücher und Pathologie-Zeitschriften enthalten die Schizophrenie nicht als pathophysiologische Krankheit. (Schaler, 1998). Medizinische Spezialgebiete, die sich mit Neuropathologie und neurologischen Krankheiten wie Parkinson und Multipler Sklerose befassen, haben nichts zu sagen über die Schizophrenien. Keine der folgenden Neurologie-Zeitschriften hat in den Jahren 1995 bis 1998 Artikel über Schizophrenie veröffentlicht: Neurology (official journal of the American Academy of Neurology), Journal of Neurology (European Neurological Society), Journal of Neurological Sciences (World Federation of Neurology), Journal of Neuroradiology; and Archives of Neurology. Ein Artikel über die Epidemiologie der Schizophrenie erschien im Journal of Neurology, Neurosurgery, and Psychiatry (Cannon & Jones, 1996), aber er hatte nichts mit Gehirnforschung zu tun. Die meisten Artikel, die sich der "Gehirnkrankheits"-Hypothese verschrieben haben, erschienen in psychiatrischen und biopsychologischen Zeitschriften.
Andreasens Behauptung der fast "universellen" Anerkennung der Schizophrenie als Gehirnkrankheit wird auch durch Statements vieler Psychiater und Psychologen Lügen gestraft, die klinische Erfahrung mit Schizophrenie haben, und die keinen überzeugenden Beleg für die Theorie sehen. (M. Bleuler, 1979a; Breggin, 1997; Karon, 1998; Lewine, 1998; Menninger, 1970).
Selbst das Diagnostic and Statistical Manual (fourth edition) der American Psychiatric Association (1994), stellt geradeheraus fest: "Es wurden keine Laborbefunde gefunden, die Schizophrenie diagnostizieren könnten." (p. 280). Diese Aussage unterstreicht, daß die "Gehirnkrankheits"-Hypothese mit einem einfachen Kriterium steht oder fällt. Eine wirkliche Gehirnkrankheit muß in Labortests identifiziert und bestätigt werden. Kein chemischer Blut-Test, neurologischer Test oder Brain Scan (oder irgend ein anderer Test) unabhängig evaluiert durch einen Neurologen, Biochemiker oder Pathologen, der über die klinischen Symptome des getesteten Patient nichts weiß, ist in der Lage, zuverlässig zu unterscheiden zwischen einer Person, die den ersten Ausbruch einer Schizophrenie erlebt, und einer, bei der dies nicht der Fall ist. (Andreason, 1997). Allerdings könnte so ein Test durchaus jemanden identifizieren, der viele Jahre lang neuroleptische Medikamente zu sich genommen hat.
"Behandlungen" der Schizophrenie sind oft schädlicher als die "Krankheit". In dem Farnsworth-Interview (1998), sagte Pickar, wenn Leute damit aufhörten, ihre Medikamente zu nehmen, "könnten die Konsequenzen sehr schwerwiegend sein". Was Pickar allerdings nicht berichtet hat ist, daß die Entzugs-Symptome den Patienten außerkraftsetzen und Psychose-ähnliche Zustände auslösen können (Cohen, 1997) und daß Langzeitmedikation schwere Gesundheitsschäden verursachen kann. Neuroleptische Medikamente können tiefgreifende Funktionsschäden im Gehirn bewirken, und sie führen oft zu einer irreversiblen Spätdyskinesie, bei bis zu 50 Prozent der Patienten. (Breggin 1997; Buckley, 1982; Cohen, 1997; Mosher, 1999; Rappaport, Hopkins, & Hall, 1978). Dies ist eine feststehende und bekannte Tatsache in der Psychiatrie.
Viele als schizophren diagnostizierten Leute sagen, die neuroleptischen Medikamente würden ihnen helfen. Es ist allerdings unter professionellen Gesichtspunkten unverantwortlich, von Pickar und von anderen Schizophrenie-Psychiatern, die Öffentlichkeit nicht darüber zu informieren, daß viele Leute durch neuroleptische Medikamente ernsthaft geschädigt werden, und daß viele Leute auch ohne irgendwelche Medikamente wieder vollständig gesund werden können.
Diskussion
Wie wir gesehen haben, geben einige Psychiater die in der psychiatrischen Fachliteratur berichteten Forschungsergebnisse verzerrt und unrichtig wieder. Sie spielen konsequent die Erkenntnis herunter, daß die meisten Leute mit Schizophrenie keine Gehirn- oder biochemischen Abweichungen erkennen lassen, und daß einige Leute mit solchen Abweichungen keine schizophrenen Symptome zeigen. Leute mit neuropathologischen Krankheiten wurden niemals durch Psychotherapie geheilt, noch wurden sie jemals nach Jahrzehnten in einem völlig wiederhergestellten Zustand angetroffen.
Während einige schwache Korrelationen gefunden wurden zwischen dem Vorhandensein schizophrener Symptome und gewissen Gehirn-Abweichungen, bleibt ein grundlegendes wissenschaftliches Prinzip bestehen: Korrelation bedeutet nicht Verursachung. In einigen Fällen könnte ein tieferliegender Grund sowohl zu Gehirn- Anomalien als auch zu schizophrenen Symptomen führen. Einige Psychotherapeuten, die von erfolgreichen Wiedergenesungen von Schizophrenie berichten sagen, daß die Symptome oft in extrem traumatisierende Kindheitserlebnisse zurückweisen, die starke, widersprüchliche Gefühle von Einsamkeit und Terror ausgelöst haben. (Karon, 1998). Was, wenn es sich herausstellt, daß einige "schizophrene" Bedingungen von einer Form chronisch traumatischer Stress-Störung in der Kindheit herrühren (Ford, 1998), die dauerhafte Effekte auf Struktur und Funktion des Gehirns hat?
Die wirkliche "Tragödie der Schizophrenie" bestünde darin, daß tausende von Leuten, die mit der Diagnose "Schizophrenie" etikettiert wurden, zum Glauben verführt werden, sie hätten eine chronische, debilisierende, progressive Gehirnkrankheit wie die unheilbaren Krankheiten Alzheimer, Parkinson und Multiple Sklerose. Viele könnten das so erleben, als hörten sie ihre eigene Verurteilung zu einem langsamen, leidvollen und frühen Tod. Aber immer noch stirbt niemand an Schizophrenie, selbst wenn sie unbehandelt bleibt (Mendel, 1989). Trägt diese fehlerhafte und irreführende Information zu den hohen Suizidraten von Leuten bei, die als schizophren diagnostiziert wurden?
Verantwortungsvolle, wissenschaftlich zuverlässige Aussagen gegenüber den Medien könnten sich folgendermaßen anhören:
"Eine als schizophren diagnostizierte Person äußert Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen, die sehr verwirrend auf andere wirken, und die auch die Person selber oft verwirren, jedoch nicht immer. Die Forschung legt nahe, daß einige wenige der Leute, die als schizophren diagnostiziert wurden, neurologische Komplikationen haben, aber viele Leute mit demselben neurologischen Profil entwickeln keine Schizophrenie. Es gibt kein bekanntes Heilmittel für Schizophrenie. Einige Leute profitieren von Medikamenten, die ihre unerwünschten Symptome im Zaum halten, anderen Leute schaden die Medikamente, und andere Leute kommen am besten ganz ohne Medikamente zurecht. Ungefähr eine von 10 Personen erholt sich nie mehr von dem gestörten oder verstörenden Erlebnis und den Auswirkungen wiederholter klinischer Behandlung, aber 5 oder 6 von 10 können erwarten, wieder vollständig zu genesen oder daß sich ihr Zustand deutlich bessert. Gegenwärtig können wir nicht vorhersehen, wer eine Schizophrenie entwickeln wird und wieso, wer sich wieder davon erholt und wer nicht. Desweiteren können wir nicht erklären, warum manche Leute innerhalb von Wochen oder Monaten wieder genesen, während andere 5 bis 20 Jahre für ihre Genesung brauchen."
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Literaturangaben
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Danksagung:
Der Autor möchte seine Anerkennung ausdrücken für die wertvolle editorische Hilfe von Tom Greening und David Cohen, für Forschungsbeiträge von Bert Karon, und für Inspiration von John Weir Perry.
Dieser Artikel erschien zuerst im Journal of Ethical Human Sciences and Services. New York: Springer Publishing Company, Vol. 1, No. 2, Sommer 1999, pp. 179-89 als "Brain Disease Hypothesis for Schizophrenia Disconfirmed by All Evidence."
Hinweis an Studenten, Editoren und Herausgeber: Wenn Sie irgendeinen Teil dieses Forschungspapiers zitieren oder nachdrucken, schicken Sie bitte eine elektronische Kopie an Al Siebert at asiebert@thrivenet.com, oder eine Papierkopie an: Al Siebert, Ph.D., P.O. Box 505, Portland, OR 97207.
Dieser Artikel erscheint auf dieser Website mit der Erlaubnis des Autors, Al Siebert.
(Übers.: Heinz Kaiser)
Fehlinformationen über die Schizophrenie
von Al Siebert, Ph.D.
Zusammenfassung: Prominente Psychiater sagen, Schizophrenie sei eine Gehirnkrankheit wie Alzheimer, Parkinson oder Multiple Sklerose. Diese Behauptung widerspricht den wissenschaftlichen Fakten: kein Neurologe kann das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von Schizophrenie im Labortest unabhängig nachweisen, weil die Mehrheit der Leute, bei denen die Diagnose Schizophrenie gestellt wurde, keinerlei neuropathologische oder biochemische Abweichungen hat, wogegen einige Leute ohne schizophrene Symptome solche biophysiologischen Abweichungen hat. Eine progressive Verschlechterung des Zustands tritt bei Leuten mit Schizophrenie normalerweise nicht auf: meistens zeigt sich mit der Zeit eine Verbesserung. Psychotherapie und Milieu-Therpie, ohne Medikamente, hat sogar bei den am schwersten gestörten schizophrenen Personen zu einer vollständigen Genesung und darüber hinaus geführt. Viele Leute, bei denen Schizophrenie diagnostiziert wurde, sind ganz ohne Behandlung wieder genesen, etwas, was bei Personen mit Parkinson, Alzheimer oder Multipler Sklerose noch niemals vorgekommen ist.
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Als im Juli 1998 zwei Wachen des United States Capitol Buildings von einem Mann erschossen wurden, von dem es hieß, er leide an "paranoider Schizophrenie", löste dies ein aufgeregtes Medieninteresse an "Schizophrenie" aus. Unglücklicherweise benutzten prominente Psychiatrie-Experten diese Gelegenheit, um in den Medien zu verkünden, Schizophrenie sei eine Gehirnkrankheit wie Alzheimer, Parkinson oder Multiple Sklerose. Diese Aussage stimmt mit den wissenschaftlichen Fakten nicht überein und führt die Öffentlichkeit in die Irre.
In der TV-Show NewsHour (Farnsworth, 1998), ausgestrahlt auf Public Broadcasting System in den United States am 27.July 1998 (und später auf National Public Radio) interviewte die Journalistin Elizabeth Farnsworth die Direktorin des Mental Health Clinical Research Center an der University of Iowa und Chefredakteurin des American Journal of Psychiatry, Dr. Nancy Andreasen, und David Pickar, Direktor des Experimental Therapeutics Branch of the National Institute of Mental Health. Andreasen stellte fest: "[Verschiedene] Dinge kommen zusammen, um eine Gehirnverletzung zu erzeugen, die wir dann als Schizophrenie erkennen. es wird praktisch überall anerkannt, daß es sich um eine Gehirnerkrankung wie jede andere handelt, wie Alzheimer, Parkinson und so weiter." Pickar sagte: "Es steht außer Frage. Es ist eine Gehirnstörung." E. Fuller Torrey (1983, 1997; Yolken & Torrey, 1995), ein anderer landesweit bekannter Psychiater, hat wiederholt festgestellt, daß Schizophrenie zur selben Kategorie gehört wie andere Gehirnstörungen wie Parkinson, Alzheimer und Multiple Sklerose.
Diese Aussagen entstellen und mißinterpretieren die in der wissenschaftlichen Literatur veröffentlichten Forschungsergebnisse in acht signifikanten Hinsichten.
Schizophrenie ist nicht "eine einzelne Krankheit." Seit der ursprünglichen Beschreibungen von Emil Kraeplin (1902) und Eugen Bleuler (1950) vor fast 100 Jahren, beschreiben informierte professionelle Nachschlagewerke "Die Schizophrenien" als eine Gruppe von Erkrankungen. Laut O'Donnell und Grace (1998): "ein Hauptproblem im Studium der Schizophrenie ist die Verschiedenartigkeit ihrer Symptome, welche die Annahme nahelegt, daß Schizophrenie in Wirklichkeit ein Bündel von Krankheiten ist." (p. 267). Aussagen, die darauf hinauslaufen, daß Schizophrenie "eine Gehirnkrankheit" (singular) ist, sind irreführend.
Testergebnisse sprechen überwiegend gegen die Gehirnerkrankungs-Hypothese. Einige wenige Personen, bei denen Schizophrenie diagnostiziert wurde, zeigen gewisse Gehirn-Anomalien, aber die Brain Scans der meisten Schizophrenen liegen im normalen Bereich. (Weikert & Weinberger, 1998). Einige Psychiater schreiben der schwachen Evidenz trotzdem eine ungerechtfertigte Signifikanz zu. (Boyle, 1990). Beispielsweise kamen die Autoren einer Forschungsstudie über kindliche Schizophrenie (Nopoulos, Giedd, Andreasen, & Rapoport, 1998), zu dem Schluß, daß "Patienten mit extrem früh (in der Kindheit) ausbrechenden Formen der Schizophrenie schwerwiegendere entwicklungsbedingte Anomalien haben könnten als solche, bei denen Schizophrenie erst im Erwachsenenalter auftritt." (p. 1074 ) In Wirklichkeit geht aus den Daten der Studie hervor, daß von 24 getesteten Patienten nur 3 (12.5 Prozent) eine abnormale Vergrößerung gewisser Gehirnstrukturen zeigen, 21 (87.5 Prozent) nicht. In der Kontrollgruppe der Gesunden hatte eine Person ebenfalls derartige Abweichungen.
Ismail, Cantor-Grace, & McNeil (1998) haben herausgefunden, daß, wenn bei schizophrenen Patienten gewisse neurologische Abweichungen existierten, ihre nicht schizophrenen Geschwister ganz entsprechende Abweichungen zeigten. Andreasen (1995) fand einige Personen ohne schizophrene Symptome, die Gehirnanomalien hatten, wie sie auch bei einigen Schizophrenen gefunden wurden. Laut Lewine (1998), "gibt es bei Schizophrenie keine Gehirnanomalie, die charakteristisch ist für mehr als 20 - 33 Prozent der getesteten Fälle. Die Gehirne der Mehrheit der schizophrenen Personen sind normal, soweit die Forscher dies heutzutage sagen können. (p. 499). Darüberhinaus wird in den Studien, die Abweichungen finden, selten überprüft, ob diese möglicherweise auf längerfristige Einnahme von Neuroleptika oder anderer Medikamente zurückzuführen sind.
Die Hypothese der "Gehirnkrankheit" verträgt sich nicht mit der gesicherten Erkenntnis, daß viele Leute wieder vollständig von der Schizophrenie genesen. Im Gegensatz zu Parkinson, Alzheimer und Multipler Sklerose verläuft die Schizophrenie nicht notwendigerweise in Richtung lebenslanger Verschlechterung, und der Ausgang bei jeder einzelnen Person ist nicht vorhersehbar. (Marengo, 1994; Mendel, 1989; Mûller & von Zerssen, 1988; Ponyat, 1992). Manfred Bleuler (1979a), Autor des maßgeblichen Standardwerks über Schizophrenie, schrieb:
"Der Glaube, daß schizophrene Psychosen zwangsläufig eine Entwicklung in Richtung Demenz und Tod bedeuten...ist...ein tragischer Irrtum.... Fast ein Drittel der Schizophrenen werden wieder ganz gesund. Normalerweise entwickelt sich die Psychose 5 Jahre nach ihrem Ausbruch nicht mehr weiter, sondern verbessert sich eher wieder...Diese und andere Tatsachen, die bezüglich Verlauf und Ausbruch der schizophrenen Psychosen gemacht werden können, sind sicher nicht charakteristisch für eine organische zerebrale und metabolische Krankheit."(p. 1407).
In der Tat zeigen Längsstudien tausender Ex-Patienten in vielen Ländern, daß die Hälfte bis Zweidrittel der als schizophren diagnostizierten Personen viele Jahre später vollständige Genesung oder zumindest deutliche Verbesserung erlangten. Die Prozentzahlen sind:
a) Bleuler (1968), Züricher Studie: 23% voll genesen, 43% deutlich verbessert, 66% total.
b) Huber, Gross, Schuttler, und Linz. (1980), Bonner Studie: 26% voll genesen, 31% deutlich verbessert, 57% total.
c) World Health Organization (1979), weltweiter Nachfolgetest nach zwei Jahren: 26% sehr vorteilhaft, 25% vorteilhaft, 51% total.
d) Ciompi (1980), Lausanner Studie: 29% voll genesen, 24% deutlich verbessert, 53% total.
e) Harding et al. (1987), Vermont Studie: 34% voll genesen, 34% deutlich verbessert, 68% total.
f) Tsuang et al. (1979), Iowa Studie: 20% voll genesen, 26% deutlich verbessert, 46% total.
g) Hegarty et al. (1994), Meta-Analyse von 320 Outcome Studies, die alle Länder und alle Jahrzehnte umfaßten, mit 51,800 Personen 5-6 Jahre nach der Schizophrenie-Diagnose mit breiten Kriterien: 46.5% verbessert.
h) Warner (1994), zusammenfassende Bewertung von 85 Outcome Studies der Jahre 1956-1985: 20-25% vollständig genesen, 40-45% soziale Wiedereingliederung, 60-70% total.
i) Wiersma et al. (1998), 15 Jahre Nachfolgeuntersuchung einer holländischen Gruppe: 27% vollständige Genesung, 50% teilweise Genesung.
Viele der Ex-Patienten der oben aufgelisteten Studien wurden 20 bis 35 Jahre nach der Entlassung begutachtet. Unter den Genesenen waren Ex-Patienten, die einst als äußerst schwer gestört galten. Courtenay Harding und ihre Kollegen (Harding, 1987) spürten 82 Personen nach 20 bis 25 Jahren auf und begutachteten sie. Diese galten zuvor als die hoffnungslosesten Fälle, chronisch gestört, zurückgebliebene Patienten, die damals nach der Entlassung aus einem State Hospital in ein Rehabilitationsprogramm verlegt wurden. Harding hebt hervor, daß "für die Hälfte bis Zweidrittel die Langzeitentwicklung nicht verschlechternd oder marginal war, sondern eine Entwicklung zu verschiedenen Graden der Produktivität, des sozialen Eingebundenseins, Wohlbefindens und kompetenten Funktionierens." (p. 730). Viele von ihnen waren völlig symptomfrei.
Keine Gehirnkrankheit wurde jemals durch Psychotherapie oder durch das Verstreichen von Zeit geheilt. Viele Therapeuten haben über vollständige Genesungen von Schizophrenie berichtet, mittels Psychotherapie und /oder Milieutherapie (Artiss, 1962; Colbert, 1996; Fromm-Reichman, 1950; Harding, 1995; Jung, 1961; Karon, 1998; Laing, 1967; Mosher, 1999; Perry, 1974; Sechehaye, 1951; Siebert, im Druck; Sullivan, 1962). In den Soteria Studien wurden junge Erwachsene, die als akut schizophren diagnostiziert waren, ohne Medikamente und mit nicht- professionellen Helfern genauso gut und schnell stabilisiert wie eine entsprechende Gruppe, die in eine psychiatrische Klinik geschickt wurde. (Mosher & Menn, 1978). Viele als schizophren diagnostizierte Personen sind ganz von allein, ohne Medikamente und ohne Psychotherapie, wieder genesen. (Brody, 1952; French & Kasonin, 1941; Hoffman, 1985; Rubins, 1969).
In der zurückliegenden Zeit war der bekannteste Fall einer spontanen Genesung von Schizophrenie der von John Forbes Nash. 1949, im Alter von 21, schrieb Nash eine Ph.D. These, die ihn als mathematisches Genie erscheinen ließ. Neun Jahre später erlitt Nash einen geistigen Zusammenbruch und wurde als paranoid schizophren diagnostiziert. Sein Leben und seine Karriere waren vernichtet. Während der folgenden 20 Jahre war er zeitweise in den USA und Europa tätig, und war viele Male für kurze Zeit in klinischer Behandlung. Alte Freunde, frühere Kollegen und Bewunderer blieben in Kontakt mit ihm und waren ihm weiterhin freundlich gesinnt. Dann, aus unbekannten Gründen, erlebte Nash eine Spontangenesung. Laut seiner Ex-Frau und seiner Schwester, die zwei Leute, die ihn am besten kannten, stand seine Genesung in keinem Zusammenhang mit irgendeiner Medikation oder psychologischen Behandlung. (Nasar, 1998).
Einige Leute mit der Diagnose Schizophrenie gesunden sogar über ihren früheren Zustand hinaus. Eine schizophrene Erfahrung kann in einigen Fällen sogar einen positiven Effekt haben, zu vorteilhaften Änderungen in der Persönlichkeit und psychischem Wachstum beitragen. (Arieti, 1979; Bernheim & Lewine, 1979; Bleuler, 1950; Bowers, 1979; Cancro, 1974; French & Kasonin, 1941; Jung, 1961; Menninger, 1963; Perry, 1974; Pickering, 1976; Rubins, 1969; Silverman, 1970; Sullivan, 1962; Warner, 1994). John Weir Perry (1999) berichtete, daß 85 Prozent der Klienten (auf alle trafen die Kriterien des DSM für Schizophrenie zu, und alle waren "schwer psychotisch") die auf Diabasis behandelt wurden, "verbesserten sich nicht nur, ohne Medikamente, sondern die meisten entwickelten sich nach der Entlassung weiter." (p. 147).
Für einige scheint die schizophrene Episode einen Durchbruch zu höheren Ebenen geistiger und emotionaler Reife bewirkt zu haben. (Pickering, 1976; Sannella, 1981; Siebert, 1996). Silvano Arieti (1978) sagte, "viele Patienten, die eine intensive und langfristigen Psychotherapie erhielten, würden weit höhere Grade der Integration und Selbstverwirklichung erreichen, als vor dem Ausbruch der Psychose" (p. 20). Früher schrieb Arieti (1974): "einige meiner Patienten, die ich für geheilt halte, haben bedeutende Positionen im Leben erreicht, in der akademischen Welt ebenso wie in anderen Aktivitäten" (pp. 616-617).
Von keinem Patienten mit Parkinson, Alzheimer oder Multipler Sklerose wurde je bekannt, daß er wieder vollständig genesen wäre, und einen Grad der Gesundheit erreicht hätte, der den seines Zustands vor der Krankheit sogar noch übertrifft.
Die Ursache der Schizophrenie ist unbekannt (American Psychiatric Association, 1994; Gottesman, 1991). Andreasen sagte im Verlauf ihres Interviews (Farnsworth, 1998), daß Schizophrenie von "verschiedenartigen Sachen, vielleicht einer genetischen Prädisposition, ernährungsbedingten Faktoren in der frühen Kindheit, Virusinfektionen, Kopfverletzungen, Kontakt mit giftigen Stoffen, Kontakt mit Drogen (Medikamenten) unterschiedlicher Art, unerlaubte Drogen. All diese Dinge produzieren in der Summe eine Gehirnvergiftung, die wir dann als Schizophrenie erkennen." Dieses Statement ist schöngeistige Spekulation, kein wissenschaftlicher Fakt. Nehmen wir die umfassende Liste der Risikofaktoren, warum werden dann nicht mehr Menschen, die ihnen ausgesetzt sind, schizophren? Warum entwickeln nicht mehr Geschwister von schizophrenen Personen, die identische genetische Prädispositionen haben und demselben neurologischen Trauma ausgesetzt sind, eine Schizophrenie? (Ismail, Cantor-Grace, & McNeil, 1998)?
Wenn Andreasens Spekulationen wahr wären, würden viele Leute mit derselben "genetischen Prädisposition" eventuell eine Schizophrenie entwickeln, durch ein multiples neurologisches Trauma, ausgelöst durch chronisches Rauchen und Trinken, sich kumulierende Umweltgifte, Virusinfektionen, ungesunde Ernährung, ein vergreisendes Gehirn, geschwächtes Immunsystem, und frühe Stadien von Gehirnkrankheiten wie Alzheimer und Parkinson. Die Vertreter der "Gehirnkrankheits"-Hypothese können nicht erklären, warum Schizophrenien so regelmäßig bei körperlich gesunden jungen Erwachsenen, im Alter von 16 bis 25, vorkommen, aber kaum jemals bei irgendjemand über 40, unabhängig von irgendeinem physiologischen Stressor. (Arieti, 1979; M. Bleuler, 1979b; Hoffer & Osmond, 1966; Lewine, 1998; Ponyat, 1992; Smith, 1982).
Es gibt keine "universelle" Anerkennung, daß Schizophrenie eine Gehirnerkrankung sei "wie alle anderen Gehirnkrankheiten." Medizinische Handbücher und Pathologie-Zeitschriften enthalten die Schizophrenie nicht als pathophysiologische Krankheit. (Schaler, 1998). Medizinische Spezialgebiete, die sich mit Neuropathologie und neurologischen Krankheiten wie Parkinson und Multipler Sklerose befassen, haben nichts zu sagen über die Schizophrenien. Keine der folgenden Neurologie-Zeitschriften hat in den Jahren 1995 bis 1998 Artikel über Schizophrenie veröffentlicht: Neurology (official journal of the American Academy of Neurology), Journal of Neurology (European Neurological Society), Journal of Neurological Sciences (World Federation of Neurology), Journal of Neuroradiology; and Archives of Neurology. Ein Artikel über die Epidemiologie der Schizophrenie erschien im Journal of Neurology, Neurosurgery, and Psychiatry (Cannon & Jones, 1996), aber er hatte nichts mit Gehirnforschung zu tun. Die meisten Artikel, die sich der "Gehirnkrankheits"-Hypothese verschrieben haben, erschienen in psychiatrischen und biopsychologischen Zeitschriften.
Andreasens Behauptung der fast "universellen" Anerkennung der Schizophrenie als Gehirnkrankheit wird auch durch Statements vieler Psychiater und Psychologen Lügen gestraft, die klinische Erfahrung mit Schizophrenie haben, und die keinen überzeugenden Beleg für die Theorie sehen. (M. Bleuler, 1979a; Breggin, 1997; Karon, 1998; Lewine, 1998; Menninger, 1970).
Selbst das Diagnostic and Statistical Manual (fourth edition) der American Psychiatric Association (1994), stellt geradeheraus fest: "Es wurden keine Laborbefunde gefunden, die Schizophrenie diagnostizieren könnten." (p. 280). Diese Aussage unterstreicht, daß die "Gehirnkrankheits"-Hypothese mit einem einfachen Kriterium steht oder fällt. Eine wirkliche Gehirnkrankheit muß in Labortests identifiziert und bestätigt werden. Kein chemischer Blut-Test, neurologischer Test oder Brain Scan (oder irgend ein anderer Test) unabhängig evaluiert durch einen Neurologen, Biochemiker oder Pathologen, der über die klinischen Symptome des getesteten Patient nichts weiß, ist in der Lage, zuverlässig zu unterscheiden zwischen einer Person, die den ersten Ausbruch einer Schizophrenie erlebt, und einer, bei der dies nicht der Fall ist. (Andreason, 1997). Allerdings könnte so ein Test durchaus jemanden identifizieren, der viele Jahre lang neuroleptische Medikamente zu sich genommen hat.
"Behandlungen" der Schizophrenie sind oft schädlicher als die "Krankheit". In dem Farnsworth-Interview (1998), sagte Pickar, wenn Leute damit aufhörten, ihre Medikamente zu nehmen, "könnten die Konsequenzen sehr schwerwiegend sein". Was Pickar allerdings nicht berichtet hat ist, daß die Entzugs-Symptome den Patienten außerkraftsetzen und Psychose-ähnliche Zustände auslösen können (Cohen, 1997) und daß Langzeitmedikation schwere Gesundheitsschäden verursachen kann. Neuroleptische Medikamente können tiefgreifende Funktionsschäden im Gehirn bewirken, und sie führen oft zu einer irreversiblen Spätdyskinesie, bei bis zu 50 Prozent der Patienten. (Breggin 1997; Buckley, 1982; Cohen, 1997; Mosher, 1999; Rappaport, Hopkins, & Hall, 1978). Dies ist eine feststehende und bekannte Tatsache in der Psychiatrie.
Viele als schizophren diagnostizierten Leute sagen, die neuroleptischen Medikamente würden ihnen helfen. Es ist allerdings unter professionellen Gesichtspunkten unverantwortlich, von Pickar und von anderen Schizophrenie-Psychiatern, die Öffentlichkeit nicht darüber zu informieren, daß viele Leute durch neuroleptische Medikamente ernsthaft geschädigt werden, und daß viele Leute auch ohne irgendwelche Medikamente wieder vollständig gesund werden können.
Diskussion
Wie wir gesehen haben, geben einige Psychiater die in der psychiatrischen Fachliteratur berichteten Forschungsergebnisse verzerrt und unrichtig wieder. Sie spielen konsequent die Erkenntnis herunter, daß die meisten Leute mit Schizophrenie keine Gehirn- oder biochemischen Abweichungen erkennen lassen, und daß einige Leute mit solchen Abweichungen keine schizophrenen Symptome zeigen. Leute mit neuropathologischen Krankheiten wurden niemals durch Psychotherapie geheilt, noch wurden sie jemals nach Jahrzehnten in einem völlig wiederhergestellten Zustand angetroffen.
Während einige schwache Korrelationen gefunden wurden zwischen dem Vorhandensein schizophrener Symptome und gewissen Gehirn-Abweichungen, bleibt ein grundlegendes wissenschaftliches Prinzip bestehen: Korrelation bedeutet nicht Verursachung. In einigen Fällen könnte ein tieferliegender Grund sowohl zu Gehirn- Anomalien als auch zu schizophrenen Symptomen führen. Einige Psychotherapeuten, die von erfolgreichen Wiedergenesungen von Schizophrenie berichten sagen, daß die Symptome oft in extrem traumatisierende Kindheitserlebnisse zurückweisen, die starke, widersprüchliche Gefühle von Einsamkeit und Terror ausgelöst haben. (Karon, 1998). Was, wenn es sich herausstellt, daß einige "schizophrene" Bedingungen von einer Form chronisch traumatischer Stress-Störung in der Kindheit herrühren (Ford, 1998), die dauerhafte Effekte auf Struktur und Funktion des Gehirns hat?
Die wirkliche "Tragödie der Schizophrenie" bestünde darin, daß tausende von Leuten, die mit der Diagnose "Schizophrenie" etikettiert wurden, zum Glauben verführt werden, sie hätten eine chronische, debilisierende, progressive Gehirnkrankheit wie die unheilbaren Krankheiten Alzheimer, Parkinson und Multiple Sklerose. Viele könnten das so erleben, als hörten sie ihre eigene Verurteilung zu einem langsamen, leidvollen und frühen Tod. Aber immer noch stirbt niemand an Schizophrenie, selbst wenn sie unbehandelt bleibt (Mendel, 1989). Trägt diese fehlerhafte und irreführende Information zu den hohen Suizidraten von Leuten bei, die als schizophren diagnostiziert wurden?
Verantwortungsvolle, wissenschaftlich zuverlässige Aussagen gegenüber den Medien könnten sich folgendermaßen anhören:
"Eine als schizophren diagnostizierte Person äußert Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen, die sehr verwirrend auf andere wirken, und die auch die Person selber oft verwirren, jedoch nicht immer. Die Forschung legt nahe, daß einige wenige der Leute, die als schizophren diagnostiziert wurden, neurologische Komplikationen haben, aber viele Leute mit demselben neurologischen Profil entwickeln keine Schizophrenie. Es gibt kein bekanntes Heilmittel für Schizophrenie. Einige Leute profitieren von Medikamenten, die ihre unerwünschten Symptome im Zaum halten, anderen Leute schaden die Medikamente, und andere Leute kommen am besten ganz ohne Medikamente zurecht. Ungefähr eine von 10 Personen erholt sich nie mehr von dem gestörten oder verstörenden Erlebnis und den Auswirkungen wiederholter klinischer Behandlung, aber 5 oder 6 von 10 können erwarten, wieder vollständig zu genesen oder daß sich ihr Zustand deutlich bessert. Gegenwärtig können wir nicht vorhersehen, wer eine Schizophrenie entwickeln wird und wieso, wer sich wieder davon erholt und wer nicht. Desweiteren können wir nicht erklären, warum manche Leute innerhalb von Wochen oder Monaten wieder genesen, während andere 5 bis 20 Jahre für ihre Genesung brauchen."
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Danksagung:
Der Autor möchte seine Anerkennung ausdrücken für die wertvolle editorische Hilfe von Tom Greening und David Cohen, für Forschungsbeiträge von Bert Karon, und für Inspiration von John Weir Perry.
Dieser Artikel erschien zuerst im Journal of Ethical Human Sciences and Services. New York: Springer Publishing Company, Vol. 1, No. 2, Sommer 1999, pp. 179-89 als "Brain Disease Hypothesis for Schizophrenia Disconfirmed by All Evidence."
Hinweis an Studenten, Editoren und Herausgeber: Wenn Sie irgendeinen Teil dieses Forschungspapiers zitieren oder nachdrucken, schicken Sie bitte eine elektronische Kopie an Al Siebert at asiebert@thrivenet.com, oder eine Papierkopie an: Al Siebert, Ph.D., P.O. Box 505, Portland, OR 97207.
Dieser Artikel erscheint auf dieser Website mit der Erlaubnis des Autors, Al Siebert.
(Übers.: Heinz Kaiser)
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Freitag, 16. Januar 2009
Psychose - Erleuchtung oder Krankheit?
Was ist eine Psychose?
Eine Psychose ist ein krankhafter Geisteszustand, der geprägt ist durch Wahnerleben und veränderte Wahrnehmung bzw. Interpretation der Realität. Dieser Zustand tritt am häufigsten bei der bipolaren Störung (manische Depression) und bei der Schizophrenie auf. Auslöser ist in beiden Fällen eine Fehlreaktion des Gehirns, basierend auf biochemischen Vorgängen. Das ist allerdings eine Vermutung im logischen Umkehrschluss, weil sich beide Erkrankungen gut mit Medikamenten in den Griff bekommen lassen.
Die Medikamente sind aber nur die eine Seite. Im psychotischen Zustand erkennt der Erkrankte meistens nicht, daß er krank ist. Bei der schizophrenen Psychose kommt oft ein Beeinträchtigungs- und Verfolgungserleben dazu. Deshalb ist es in vielen Fällen notwendig, zum Schutz des Erkrankten vor einem Suizid oder zum Schutze der Umwelt vor evtl. zerstörerischen Aktivitäten, den Erkrankten (oder die Erkrankte) zwangsweise in eine psychiatrische Einrichtung zu bringen. Dort wird der Erkrankte mit entsprechenden Psychopharmaka behandelt, wenn notwendig auch gegen seinen Willen. Das Problem bei der Genesung ist, daß nach erfolgter Entlassung aus dem Krankenhaus bei dem Patienten die Einsicht für die Medikation vorhanden sein muss. Ohne Medizin tritt die Krankheit meistens wieder auf. Es gibt aber auch Leute, die wieder gesund werden, ohne fortdauernd Medikamente zu nehmen.
Der Ausbruch einer Psychose bringt für den Betroffenen meistens auch einen herben Einschnitt in das bisherige Leben. Beim Auftreten in jungen Jahren be- oder verhindert sie die Ausbildung des jungen Erwachsenen. Die oft bleibende Behinderung bzw. Beeinträchtigung des Leistungsvermögens verringert die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Oft wird der Erkrankte dann zum Sozialfall oder, wenn er "Glück" hat, bekommt er Leistungen aus seiner Rentenversicherung. Er kommt, wenn sich nicht andere um ihn kümmern, in eine soziale Isolation. Das Bild eines psychisch Kranken in der Öffentlichkeit ist auch nicht gerade vertrauenserweckend. Der Begriff verrückt oder schizophren wird meistens abwertend gebraucht. Und wenn man mal etwas von Schizophrenie hört, dann meist in den Nachrichten in Zusammenhang mit Mord und Totschlag. Die bizarren Motive, die man da hört, ziehen die Reporter magisch an. Dabei sind schizophren erkrankte Menschen im Durchschnitt auch nicht gewalttätiger als der "normale" Teil der Bevölkerung.
Was ist Schizophrenie?
Der Begriff Schizophrenie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von einem Schweizer Psychiater eingeführt und ist eigentlich ein wissenschaftliches Konstrukt. Denn die Krankheit zeigt kein einheitliches Bild und kann sogar bei demselben Patienten zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich verlaufen. Man spricht deshalb auch von den Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis. Schizophrenie bedeutet Bewusstseinsspaltung und soll damit meinen, daß das Erleben des Erkrankten geteilt ist in die Wahrnehmung der Realität so wie sie ist und in die Wahrnehmung einer "virtuellen" Realität, nämlich der eingebildeten.
Der Verlauf der Krankheit gibt oft Rätsel auf. So hören manche Patienten innere Stimmen, die sie beeinträchtigen, haben optische Halluzinationen, fühlen sich von Strahlen bedroht und von magnetischen Einflüssen. Insbesondere letztere Phänomene erleben die Erkrankten als Gedankenentzug. In der akuten Phase der Psychose, insbesondere bei Ersterkrankung, wenn man noch nicht weiß, daß man krank ist, versucht man sich verständlicherweise eine Erklärung für all diese, zum Teil körperlich erfahrbaren Dinge, zurechtzulegen. Die Erklärung findet sich leicht in vermeindlicher Überwachung und Verfolgung der eigenen Person. Von CIA und Stasi hat man ja genug schlimme Dinge gehört. Hinzu kommt, daß bei akuter Überforderung des Gehirns, verursacht durch den Wahrnehmungsstress, alle Dinge um einen herum als auf die eigene Person bezogen fehlinterpretiert werden können. So bildet sich schnell ein Wahn, in dem sich alles um die eigene Person dreht. Das Charakteristische an der ganzen Geschichte ist aber, daß der Verstand dem Kranken bleibt, er ist nur in eine Falle geraten und wandelt auf den Spuren des Wahns. Selbst im von außen betrachtet desolaten Zustand der Gedankenverwirrung und der Katatonie arbeitet der Verstand des Kranken normal, er sieht sich jedoch auf Grund der Wahneinbildungen zu diesem Verhalten gezwungen, was immer auch das konkrete Wahnmotiv sein möge.
Durch medikamentöse Behandlung der Erkrankten mit speziellen Neuroleptika können die Symptome gemildert werden und dadurch der Wahn oft beseitigt werden. In schweren Fällen, insbesondere bei Katatonien, ist oft die Elektroheilkrampfbehandlung die einzige Rettung. Sie hat unverdientermaßen einen etwas schlechten Ruf als Elektroschocktherapie, weil sie früher ohne Narkose durchgeführt wurde und nicht selten zur Disziplinierung störender Patienten diente.
Schizophrenie ist gar nicht so selten. Zirka 1% der Bevölkerung ist davon betroffen. Das heißt aber nun nicht, daß jeder 100., dem wir begegnen, vom Wahn befallen ist. Die akute Krankheitssymptomatik tritt bei einem Drittel der Betroffenen einmal auf im Leben und dann nie wieder. Bei einem weiteren Drittel kann es in größeren Abständen zu Rückfällen kommen. In der Zwischenzeit sind sie aber völlig gesund, was ihren Geisteszustand anbelangt. Nur beim letzten Drittel überwiegen die Rückfälle und die Krankheitssymptomatik. Für fast alle Betroffenen gilt: Eine bestimmte, regelmäßig eingenommene, Erhaltungsdosis von Neuroleptika verhindert in der Regel den Rückfall. Oft bleibt nach Rückfällen eine Behinderung in Form von verminderter Stressverträglichkeit und Defiziten bei der sozialen Kommunikation. Somit ist die Schizophrenie eine der Hauptursachen für die Invalidisierung junger Menschen. Bei Männern tritt die Ersterkrankung angefangen vom Teenageralter bis in die 20er hinein auf, bei Frauen ein paar Jahre später.
Obwohl es oft fälschlicherweise angenommen wird, ist die Schizophrenie keine Persönlichkeitsspaltung. Störungen der Persönlichkeit sind eine völlig andere Form psychischer Erkrankung.
Was sind die Ursachen?
Die Ursachen für das Entstehen der Schizophrenie liegen noch weitgehend im Dunkeln. Anfang des Jahrhunderts glaubte man, die Krankheit sei eine Sache der Vererbung, weil sie in der Tat oft familiär gehäuft auftritt. In den 60ern und 70ern glaubte man, in den gestörten Familienverhältnissen die Ursache gefunden zu haben. Zu den familiären psychologischen Faktoren zählten z.B. das Fortbestehen der Mutter-Kind-Symbiose, inkonsequente Erziehung und das Herhalten des Kindes als Ersatzpartner. Heute geht man davon aus, daß eine Vielzahl von Faktoren zum Entstehen der Krankheit beiträgt. Biologische Veranlagung, soziale Umwelteinflüsse im Verlaufe der Entwicklung und gewisse Stressereignisse führen zu einer Verletzlichkeit, auf deren Grundlage die Krankheit ausbrechen kann. Man könnte sagen, daß man dann zu sensibel für die Stürme des Lebens ist. Auslöser sind oft belastende oder entlastende Ereignisse im Leben der Person (Todesfall, Trennung vom Partner, Prüfungen etc.) Es wird sogar von Psychiatern die Ansicht vertreten, daß jeder Mensch unter gewissen Umständen eine Psychose bzw. eine Schizophrenie entwickeln kann – jedermann hat seine eigene, ganz individuelle Stressgrenze. Gewissenlose Regimes missbrauchen diese Erkenntnis und foltern „gefährliche Staatsfeinde“ mit psychologischen Methoden, bis diese gebrochen und psychisch krank sind.
Vermutete Ursache für verschiedene Symptome der Krankheit ist eine mit der Erkrankung einhergehende Störung des Gehirnstoffwechsels. Das Gehirn kommt mit der Reizflut von außen nicht mehr klar. Es "schaltet" auf eine andere Stufe der Umweltwahrnehmung. Das gestresste Nervensystem kann auch körperlich spürbare Symptome verursachen. Die Frage, ob sich dann ein Wahn herausbildet, ist meines Erachtens eine Sache der Erfahrung. Patienten, die schon einmal "wahnsinnig" waren, können die Falle erkennen, in die sie das Gehirn schicken will und entsprechend darauf reagieren, indem sie sich vom Stress zurückziehen und eine höhere Dosis Neuroleptika einnehmen. Die Medikamente geben dem Patienten ein "dickeres Fell" auf chemischer Grundlage.
Warum wird einer "verrückt"?
Wie schon oben beschrieben, befindet sich das Gehirn in einer bestimmten Phase der Erkrankung in einer Art Streßsituation. Die ständig eingehenden optischen und akustischen Umweltinformationen sind dann irgendwie zuviel. Es schaltet praktisch einen Filter ein, der die Bedeutung des Wahrgenommenen verschiebt. Die Wahrnehmung wird "verrückt". Es ist ein Phänomen und muss ganz tief in unserer Gehirnfunktion verankert sein. Man kann auch sagen, daß der Informationsfilter des gesunden Unterbewusstseins wegfällt. Diese Gehirnregionen, die uns unter normalen Bedingungen von den verschiedensten für uns zweitrangigen Informationen abschotten, so daß wir uns zum Beispiel auf einen Sachverhalt konzentrieren können - sie funktionieren nicht mehr richtig. So verhält es sich beispielsweise mit der Reaktion auf Farben und der plötzlichen Wahrnehmung der Bezüge auf die eigene Person. Der Erkrankte erkennt neue Bedeutungen in den Dingen und fühlt sich deshalb wie ein "Erleuchteter", er hat eine "psychospirituelle Krise" (wie Peter R. Breggin es ausdrückt). Zu dem Gefühl, etwas Besonderes zu sein, kommen bei der Schizophrenie oft körperliche Symptome und Halluzinationen hinzu. Die Symptome verlangen nach einer Begründung. So werden eventuelle Beschwerden in der Herzgegend mit einem Strahlengerät begründet, das irgendwelche Fremden auf einen ausgerichtet haben. Schließlich ist man ja eine besondere Person! Sicher ist der Geheimdienst an einem interessiert! Oder wenn man plötzlich Bilder oder Lichterscheinungen sieht, glaubt man, sie seien extra für einen projiziert worden, damit man ein Rätsel löst, um die Welt zu retten. So in der Art entsteht dann ein Wahn, der sich zu einem ganzen Wahngebilde entwickeln kann, der zu einer festen Überzeugung werden kann. Deshalb ist es auch so schwer, einem offensichtlich Kranken klarzumachen, daß er in psychiatrische Behandlung gehört. Nach Überzeugung des Kranken ist das sicherlich nur ein Komplott oder eine Finte. Diese Überzeugung wird ohne Zweifel verstärkt, wenn Gewalt angewendet werden muss, um den Erkrankten vor gefährlichen Aktivitäten zu bewahren und einer angemessenen Behandlung zuzuführen.
Wie ist die Behandlung?
Die meisten Patienten begeben sich auf Wunsch ihrer Eltern, oder von sich aus, freiwillig in eine Behandlung. Es kommt aber auch vor, dass Betroffene zwangsweise eingewiesen werden müssen. Diese Patienten fühlen sich dann oft bedroht und – aus ihrer Todesangst heraus – werden sie manchmal gegenüber den Rettungskräften gewalttätig. Aus ihrer Überzeugung heraus ist das nur das Recht der Selbstverteidigung. Solche Patienten müssen dann oft die demütigende Prozedur der Fixierung ans Bett über sich ergehen lassen, bis sie durch Medikamente ruhiggestellt worden sind. Für die Reduzierung der Krankheitssymptome steht eine breite Palette von Neuroleptika zur Verfügung. Die Art der Medikation und die Dosierung muss individuell vom Arzt festgelegt werden. In der Regel setzt die antipsychotische Wirkung der Medikamente erst nach 2-3 Wochen ein. Allerdings streiten sich die Gelehrten noch darüber, ob die Neuroleptika direkt Auswirkungen auf die Wahngedanken haben oder ob sie durch die generelle Abstumpfung der Gehirnfunktionen bewirken, daß der Patient das intellektuelle Interesse an seinen Wahnideen verliert. Bei einigen Medikamenten gibt es mehr oder weniger starke Nebenwirkungen wie z.B. Muskellähmungen, -krämpfe oder -zuckungen, Mundtrockenheit oder sie wirken sehr stark sedierend oder erzeugen Ängste. Diese Wirkungen sollten vorher mit dem Patienten besprochen werden, damit er sich keine falschen Erklärungen dazu zurechtlegt. Auch die neueren sogenannten "atypischen" Neuroleptika - z.B. Risperidon (Risperdal ®), Olanzapin (Zyprexa ®), Quetiapin (Seroquel ®), Amisulprid (Solian ®), Ziprasidon (Zeldox ®), Zotepin (Nipolept ®) oder Aripiprazol (Abilify ®) - sind keine Wundermittel, wie es die Pharmaindustrie gerne dargestellt sähe. Fast nebenwirkungsfrei und trotzdem gut wirksam erweisen sich beispielsweise die klassischen Medikamente Leponex, Perazin oder Fluanxol. Bei schizoaffektiver Erkrankung muss eventuell zusätzlich noch ein Stimmungsstabilisator genommen werden (z.B. Lithium). Nach Abklingen des psychotischen Zustandes sollte man nur noch die niedrigstmögliche Erhaltungsdosis an Neuroleptika bekommen, so daß ein Wiederausbruch der Psychose verhindert werden kann. Glücklich kann sich schätzen, wer ganz ohne Tabletten oder Depotspritzen auskommt. Meist kommt es aber zu einem Rückfall, wenn der Patient seine Medizin (von sich aus) absetzt.
Ein akut psychotischer Patient braucht in zweiter Hinsicht natürlich auch Ruhe. Eine möglichst gewohnte Umgebung, viel Schlaf und Vermeidung von unnötigem Informationsstress wirken wahre Wunder. Zugegebenermaßen ist ein Krankenhausaufenthalt (ungewohnte Umgebung, fremde Menschen, neue Prozeduren) in dieser Hinsicht nur die zweite Wahl. Besser wäre es, man könnte zu Hause bleiben. Meistens sind überforderte Angehörige und das Unvermögen der Patienten für sich selbst zu sorgen der Grund für die Klinik. Bei längeren Krankenhausaufenthalten gibt es die Möglichkeit von Beschäftigungstherapie und anderen Formen sozialen Trainings. Nach Entlassung aus der Klinik gibt es heutzutage auf der einen Seite die Möglichkeit des betreuten Wohnens und auf der anderen Seite die Möglichkeit der Tagesstrukturierung und/oder Rehabilitation in Tagesstätten und Zuverdienstprojekten. Diese Möglichkeiten variieren von Ort zu Ort.
Wie können Sie helfen?
Wenn sich plötzlich ein Mensch aus Ihrer Umgebung auffällig verhält, sei es nun ein Familienmitglied oder ein Arbeitskollege, und Sie haben den Verdacht, daß es sich um eine geistige Störung handelt, dann sollten Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein und die Sache nicht von sich wegschieben. Der sich auffällig Verhaltende ist krank und bedarf einer professionellen ärztlichen Hilfe. Überzeugen Sie den Kranken, daß er sich in ärztliche Behandlung begibt. Dabei sollten Sie vermeiden, eine eventuelle psychische Störung zu erwähnen. Das kann als Angriff und Komplott missverstanden werden. Hilfreiche "Aufhänger" sind der oft vorhandene Erschöpfungszustand oder unbestimmte körperliche Beschwerden und Symptome, die Ihnen der Kranke sicher nennen kann. Auf dieser Grundlage gehen Sie als Vertrauensperson mit ihm oder ihr am besten gleich zum Spezialisten, einem Facharzt für Neurologie und Psychiatrie. Schildern Sie dem Arzt ihre Beobachtungen des auffälligen Verhaltens und die Symptome des Kranken, ohne daß dieser misstrauisch wird. Der Arzt muss dann entscheiden, was weiter passiert.
Ist der Erkrankte schon im Wahn und für Argumente nicht mehr zugänglich, ist die zwangsweise Einlieferung in eine Klinik unerlässlich, denn wer weiß, was er sich antut. Also muss man entweder den Krankenwagen/Notarzt oder die Polizei rufen. Das ist eine schwere Aufgabe, aber keiner nimmt sie Ihnen ab. Hinterher wird er Ihnen vielleicht vorwerfen, das Sie ihn in seinen Rechten als freier Bürger dieses Landes hintergangen haben, aber es kann auch passieren, daß er Ihnen dankbar ist, weil Sie ihn vor Unheil bewahrt haben oder zumindest vor weiteren peinlichen Situationen. Allerdings ist es nach geltendem Recht so, daß erst eine Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegen muss, bevor eine Zwangseinweisung vorgenommen werden kann. Gibt es keine akute Gefährdung, ist Geduld vonnöten und eine Vertrauen schaffende Behandlung des Kranken.
Nach Entlassung aus dem Krankenhaus ist die beste Hilfe für den Patienten die Hilfe zur Selbsthilfe. Er muss wieder lernen, im täglichen Leben klarzukommen. Helfen Sie ihm oder ihr, eine eigene Wohnung zu finden. Damit tragen Sie zur gesundheitlichen Stabilisierung bei und entlasten gleichzeitig Ihre finanzielle Situation, falls der erkrankte Sohn oder die Tochter noch zu Hause wohnt. Das soll nicht heißen, daß Sie Ihren Sohn oder Ihre Tochter mit aller Macht aus dem Haus bekommen sollen. Es kommt ganz auf die Situation an. Gehen Sie Ihrem erkrankten Kind nicht ständig "auf den Wecker". Vermitteln Sie ihm eine geeignete Arbeitsstelle oder Lehrstelle oder zumindest eine Tagesstrukturierung. Vermitteln Sie dem Patienten ein Gefühl der Wärme sowie der Gelassenheit gegenüber der Situation. Überzogene Ansprüche und ein gereiztes Klima begünstigen nur den Rückfall. Seien Sie sich bewusst, daß der Verlauf der Krankheit chronisch sein kann und damit eine bleibende Behinderung fortbesteht. Lassen Sie sich nicht entmutigen durch die ständige Unsicherheit. Holen Sie sich Hilfe in Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Dies gilt sowohl für die Patienten als auch für die Angehörigen.
Wie sind die Aussichten?
Wie schon erwähnt, erkrankt ein Drittel der von Schizophrenie betroffenen Bevölkerung nur einmal im Leben und genest danach wieder vollständig. Damit ist schon widerlegt, daß die Krankheit unheilbar ist. Heilung setzt auch beim zweiten Drittel größtenteils ein, nur wird der gesunde Zustand gelegentlich von Rückfallen unterbrochen (z.B. alle 2 Jahre). Es können aber auch größere Zeitabstände bis zum nächsten Rezidiv auftreten. Eine genaue Vorhersage lässt sich nicht machen. Trotz dieser Unsicherheit ist die Schizophrenie eine Krankheit, die sich mit entsprechender Medikation und Therapie gut in den Griff kriegen lässt. Nur beim letzten Drittel überwiegt der chronische Zustand und die Krankheitssymptome sind mehr oder weniger präsent. Leider ist das Suizidrisiko für alle Erkrankten erhöht. Das liegt aber weniger an der Krankheit selber als an der als bedrückend empfundenen gesellschaftlichen Isolierung, in der sich viele Betroffene befinden.
Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, daß es neben der "Verrücktheit" Schizophrenie auch noch andere Krankheitsbilder mit Wahnentwicklungen gibt, z.B. chronische Paranoia, wo man auf Grund des Fehlens typischer Symptome eben nicht schizophren diagnostizieren kann. Diese Fälle haben einen eher ungünstigen Verlauf, wegen fehlender Behandlungseinsicht und weil der (manchmal nur subtile) Wahn schon Jahre andauert.
Bis vor wenigen Jahrzehnten wurden die meisten Patienten noch in den Irrenhäusern weggeschlossen. (Von dem dunkelsten Kapitel deutscher Psychiatrie-Geschichte mag man gar nicht berichten, als erbideologisch überzeugte Ärzte rechtlose, als lebensunwert eingestufte Kranke in den Anstalten mittels Giftspritzen oder durch Aushungern ermordeten.) Seither hat sich viel getan. Zum einen sind wirksame Medikamente verfügbar, die die Heilung begünstigen, zum anderen hat sich die Psychiatrie der Gesellschaft gegenüber geöffnet. Es gibt Tagesstätten und betreute Wohnformen. Heutzutage ist es für einen an Schizophrenie Erkrankten möglich, ein erfülltes und befriedigendes Leben zu führen. Nur mit der finanziellen Situation der Betroffenen sieht es meist nicht rosig aus. Auch lässt die berufliche Wiedereingliederung oft zu wünschen übrig. Gehen Sie mal zu einem Bewerbungsgespräch und sagen Sie, daß Sie dann und dann ein halbes Jahr an paranoider Schizophrenie erkrankt waren und gerne den Job hätten. Oft reicht auch das Wort Psychose für die prompte Ablehnungsreaktion. Da hilft nur lügen.
Auf einem anderen Gebiet sollte man nicht lügen, nämlich auf der Suche nach einem Partner oder einer Partnerin. Es ist sehr wichtig, daß man jemanden findet, der Verständnis und Einfühlungsvermögen für diese schwierige Problematik zeigt und wirklich bereit ist, sich mit einem einzulassen. Den richtigen Partner zu finden ist schon für gesunde Singles nicht leicht, um so mehr gilt das für psychisch Kranke. Gemeinsame Interessen und ein ähnlicher persönlicher Hintergrund sind auf alle Fälle positiv für einen Start in eine Beziehung.
Schizophrenie und die Öffentlichkeit
An anderer Stelle, z.B. in der Nachbarschaft oder bei der Wohnungssuche, ist es nicht ratsam, zu sagen, daß man an Schizophrenie leidet oder gelitten hat. Die breite Öffentlichkeit fürchtet diese Krankheit, sie verbreitet Schrecken. Das liegt zum einen am Mythos der Unheilbarkeit und zum anderen an der Darstellung durch die Medien. Wie oft gibt es "Psychothriller" im Fernsehen zu sehen, wo ein Mensch zu einem mordlüsternen Verrückten mutiert! Wie oft wird in den Nachrichten im Zusammenhang mit Schizophrenie nur Mord und Totschlag erwähnt! Dabei sind das nur ganz seltene Fälle. Bei unvorhersehbaren Taten sind oft nahestehende Personen die Opfer. Wenn es wirklich so wäre, daß alle Schizophrenen Gewalttäter wären, so müssten ja die Sprechstunden der Psychiater nur unter Polizeischutz ablaufen. Es besteht eine generelle Übereinkunft darüber, daß die meisten Verbrechen nicht von schizophrenen Personen begangen werden. Und die meisten Schizophrenen werden auch nicht gewalttätig. Die Angst gegenüber dieser Krankheit ist also völlig unbegründet. Ein Beispiel
"Ich wollte einfach, dass sie Ruhe gibt‘‘
Onlineausgabe der Süddeutschen Zeitung
vom 09.01.2007
Aber das öffentliche Stigma besteht weiterhin. Schon alleine der abwertende Gebrauch des Wortes "schizophren" in sogenannten gebildeten Kreisen führt zur Verdammung von unschuldigen Kranken. Es ist ja nichts dagegen einzuwenden, daß ein Wort mehrere Bedeutungen haben kann, aber um einen Sachverhalt abwertend darzustellen, gibt es in der deutschen Sprache wohl genug andere Möglichkeiten, als daß man in dieser leichtfertigen Weise mit einem Fremdwort "glänzen" müsste. Auch die medizinische Diagnose "schizophren" schießt weit über das Ziel hinaus. Wirklich schizophren ist ein Patient nur im akuten Stadium des Wahns. Nach der Genesung ist er ein ganz normaler Mensch mit einer kleinen mehr oder minder beeinträchtigenden Stoffwechselstörung! Also Mediziner - denkt Euch für den Zustand "danach" ein anderes Wort aus! In Amerika nennen sich die Patienten selbst "survivors" - Überlebende, in Deutschland "Psychiatrie-Erfahrene". Für den Erkrankten ist das ständige Verstecken und Verheimlichen der Diagnose bald schon belastender als die eigentliche Krankheit. Auch die Angehörigen werden in diese Situation mit hineingezogen. Welche Familie gibt schon gern zu, daß sie einen Schizophreniekranken in ihrer Mitte hat. So werden die Betroffenen in eine soziale Isolation gezwungen. Nur Aufklärung kann hier helfen. Es ist dabei die Schwierigkeit zu überwinden, daß sich kaum jemand freiwillig ernsthaft mit einem solchen oft belächeltem oder abgelehnten Thema wie einer psychischen Krankheit beschäftigt, außer vielleicht via TV in abwegiger Darstellung. Dabei kann jeder ein Betroffener werden.
Eine Psychose ist ein krankhafter Geisteszustand, der geprägt ist durch Wahnerleben und veränderte Wahrnehmung bzw. Interpretation der Realität. Dieser Zustand tritt am häufigsten bei der bipolaren Störung (manische Depression) und bei der Schizophrenie auf. Auslöser ist in beiden Fällen eine Fehlreaktion des Gehirns, basierend auf biochemischen Vorgängen. Das ist allerdings eine Vermutung im logischen Umkehrschluss, weil sich beide Erkrankungen gut mit Medikamenten in den Griff bekommen lassen.
Die Medikamente sind aber nur die eine Seite. Im psychotischen Zustand erkennt der Erkrankte meistens nicht, daß er krank ist. Bei der schizophrenen Psychose kommt oft ein Beeinträchtigungs- und Verfolgungserleben dazu. Deshalb ist es in vielen Fällen notwendig, zum Schutz des Erkrankten vor einem Suizid oder zum Schutze der Umwelt vor evtl. zerstörerischen Aktivitäten, den Erkrankten (oder die Erkrankte) zwangsweise in eine psychiatrische Einrichtung zu bringen. Dort wird der Erkrankte mit entsprechenden Psychopharmaka behandelt, wenn notwendig auch gegen seinen Willen. Das Problem bei der Genesung ist, daß nach erfolgter Entlassung aus dem Krankenhaus bei dem Patienten die Einsicht für die Medikation vorhanden sein muss. Ohne Medizin tritt die Krankheit meistens wieder auf. Es gibt aber auch Leute, die wieder gesund werden, ohne fortdauernd Medikamente zu nehmen.
Der Ausbruch einer Psychose bringt für den Betroffenen meistens auch einen herben Einschnitt in das bisherige Leben. Beim Auftreten in jungen Jahren be- oder verhindert sie die Ausbildung des jungen Erwachsenen. Die oft bleibende Behinderung bzw. Beeinträchtigung des Leistungsvermögens verringert die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Oft wird der Erkrankte dann zum Sozialfall oder, wenn er "Glück" hat, bekommt er Leistungen aus seiner Rentenversicherung. Er kommt, wenn sich nicht andere um ihn kümmern, in eine soziale Isolation. Das Bild eines psychisch Kranken in der Öffentlichkeit ist auch nicht gerade vertrauenserweckend. Der Begriff verrückt oder schizophren wird meistens abwertend gebraucht. Und wenn man mal etwas von Schizophrenie hört, dann meist in den Nachrichten in Zusammenhang mit Mord und Totschlag. Die bizarren Motive, die man da hört, ziehen die Reporter magisch an. Dabei sind schizophren erkrankte Menschen im Durchschnitt auch nicht gewalttätiger als der "normale" Teil der Bevölkerung.
Was ist Schizophrenie?
Der Begriff Schizophrenie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von einem Schweizer Psychiater eingeführt und ist eigentlich ein wissenschaftliches Konstrukt. Denn die Krankheit zeigt kein einheitliches Bild und kann sogar bei demselben Patienten zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich verlaufen. Man spricht deshalb auch von den Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis. Schizophrenie bedeutet Bewusstseinsspaltung und soll damit meinen, daß das Erleben des Erkrankten geteilt ist in die Wahrnehmung der Realität so wie sie ist und in die Wahrnehmung einer "virtuellen" Realität, nämlich der eingebildeten.
Der Verlauf der Krankheit gibt oft Rätsel auf. So hören manche Patienten innere Stimmen, die sie beeinträchtigen, haben optische Halluzinationen, fühlen sich von Strahlen bedroht und von magnetischen Einflüssen. Insbesondere letztere Phänomene erleben die Erkrankten als Gedankenentzug. In der akuten Phase der Psychose, insbesondere bei Ersterkrankung, wenn man noch nicht weiß, daß man krank ist, versucht man sich verständlicherweise eine Erklärung für all diese, zum Teil körperlich erfahrbaren Dinge, zurechtzulegen. Die Erklärung findet sich leicht in vermeindlicher Überwachung und Verfolgung der eigenen Person. Von CIA und Stasi hat man ja genug schlimme Dinge gehört. Hinzu kommt, daß bei akuter Überforderung des Gehirns, verursacht durch den Wahrnehmungsstress, alle Dinge um einen herum als auf die eigene Person bezogen fehlinterpretiert werden können. So bildet sich schnell ein Wahn, in dem sich alles um die eigene Person dreht. Das Charakteristische an der ganzen Geschichte ist aber, daß der Verstand dem Kranken bleibt, er ist nur in eine Falle geraten und wandelt auf den Spuren des Wahns. Selbst im von außen betrachtet desolaten Zustand der Gedankenverwirrung und der Katatonie arbeitet der Verstand des Kranken normal, er sieht sich jedoch auf Grund der Wahneinbildungen zu diesem Verhalten gezwungen, was immer auch das konkrete Wahnmotiv sein möge.
Durch medikamentöse Behandlung der Erkrankten mit speziellen Neuroleptika können die Symptome gemildert werden und dadurch der Wahn oft beseitigt werden. In schweren Fällen, insbesondere bei Katatonien, ist oft die Elektroheilkrampfbehandlung die einzige Rettung. Sie hat unverdientermaßen einen etwas schlechten Ruf als Elektroschocktherapie, weil sie früher ohne Narkose durchgeführt wurde und nicht selten zur Disziplinierung störender Patienten diente.
Schizophrenie ist gar nicht so selten. Zirka 1% der Bevölkerung ist davon betroffen. Das heißt aber nun nicht, daß jeder 100., dem wir begegnen, vom Wahn befallen ist. Die akute Krankheitssymptomatik tritt bei einem Drittel der Betroffenen einmal auf im Leben und dann nie wieder. Bei einem weiteren Drittel kann es in größeren Abständen zu Rückfällen kommen. In der Zwischenzeit sind sie aber völlig gesund, was ihren Geisteszustand anbelangt. Nur beim letzten Drittel überwiegen die Rückfälle und die Krankheitssymptomatik. Für fast alle Betroffenen gilt: Eine bestimmte, regelmäßig eingenommene, Erhaltungsdosis von Neuroleptika verhindert in der Regel den Rückfall. Oft bleibt nach Rückfällen eine Behinderung in Form von verminderter Stressverträglichkeit und Defiziten bei der sozialen Kommunikation. Somit ist die Schizophrenie eine der Hauptursachen für die Invalidisierung junger Menschen. Bei Männern tritt die Ersterkrankung angefangen vom Teenageralter bis in die 20er hinein auf, bei Frauen ein paar Jahre später.
Obwohl es oft fälschlicherweise angenommen wird, ist die Schizophrenie keine Persönlichkeitsspaltung. Störungen der Persönlichkeit sind eine völlig andere Form psychischer Erkrankung.
Was sind die Ursachen?
Die Ursachen für das Entstehen der Schizophrenie liegen noch weitgehend im Dunkeln. Anfang des Jahrhunderts glaubte man, die Krankheit sei eine Sache der Vererbung, weil sie in der Tat oft familiär gehäuft auftritt. In den 60ern und 70ern glaubte man, in den gestörten Familienverhältnissen die Ursache gefunden zu haben. Zu den familiären psychologischen Faktoren zählten z.B. das Fortbestehen der Mutter-Kind-Symbiose, inkonsequente Erziehung und das Herhalten des Kindes als Ersatzpartner. Heute geht man davon aus, daß eine Vielzahl von Faktoren zum Entstehen der Krankheit beiträgt. Biologische Veranlagung, soziale Umwelteinflüsse im Verlaufe der Entwicklung und gewisse Stressereignisse führen zu einer Verletzlichkeit, auf deren Grundlage die Krankheit ausbrechen kann. Man könnte sagen, daß man dann zu sensibel für die Stürme des Lebens ist. Auslöser sind oft belastende oder entlastende Ereignisse im Leben der Person (Todesfall, Trennung vom Partner, Prüfungen etc.) Es wird sogar von Psychiatern die Ansicht vertreten, daß jeder Mensch unter gewissen Umständen eine Psychose bzw. eine Schizophrenie entwickeln kann – jedermann hat seine eigene, ganz individuelle Stressgrenze. Gewissenlose Regimes missbrauchen diese Erkenntnis und foltern „gefährliche Staatsfeinde“ mit psychologischen Methoden, bis diese gebrochen und psychisch krank sind.
Vermutete Ursache für verschiedene Symptome der Krankheit ist eine mit der Erkrankung einhergehende Störung des Gehirnstoffwechsels. Das Gehirn kommt mit der Reizflut von außen nicht mehr klar. Es "schaltet" auf eine andere Stufe der Umweltwahrnehmung. Das gestresste Nervensystem kann auch körperlich spürbare Symptome verursachen. Die Frage, ob sich dann ein Wahn herausbildet, ist meines Erachtens eine Sache der Erfahrung. Patienten, die schon einmal "wahnsinnig" waren, können die Falle erkennen, in die sie das Gehirn schicken will und entsprechend darauf reagieren, indem sie sich vom Stress zurückziehen und eine höhere Dosis Neuroleptika einnehmen. Die Medikamente geben dem Patienten ein "dickeres Fell" auf chemischer Grundlage.
Warum wird einer "verrückt"?
Wie schon oben beschrieben, befindet sich das Gehirn in einer bestimmten Phase der Erkrankung in einer Art Streßsituation. Die ständig eingehenden optischen und akustischen Umweltinformationen sind dann irgendwie zuviel. Es schaltet praktisch einen Filter ein, der die Bedeutung des Wahrgenommenen verschiebt. Die Wahrnehmung wird "verrückt". Es ist ein Phänomen und muss ganz tief in unserer Gehirnfunktion verankert sein. Man kann auch sagen, daß der Informationsfilter des gesunden Unterbewusstseins wegfällt. Diese Gehirnregionen, die uns unter normalen Bedingungen von den verschiedensten für uns zweitrangigen Informationen abschotten, so daß wir uns zum Beispiel auf einen Sachverhalt konzentrieren können - sie funktionieren nicht mehr richtig. So verhält es sich beispielsweise mit der Reaktion auf Farben und der plötzlichen Wahrnehmung der Bezüge auf die eigene Person. Der Erkrankte erkennt neue Bedeutungen in den Dingen und fühlt sich deshalb wie ein "Erleuchteter", er hat eine "psychospirituelle Krise" (wie Peter R. Breggin es ausdrückt). Zu dem Gefühl, etwas Besonderes zu sein, kommen bei der Schizophrenie oft körperliche Symptome und Halluzinationen hinzu. Die Symptome verlangen nach einer Begründung. So werden eventuelle Beschwerden in der Herzgegend mit einem Strahlengerät begründet, das irgendwelche Fremden auf einen ausgerichtet haben. Schließlich ist man ja eine besondere Person! Sicher ist der Geheimdienst an einem interessiert! Oder wenn man plötzlich Bilder oder Lichterscheinungen sieht, glaubt man, sie seien extra für einen projiziert worden, damit man ein Rätsel löst, um die Welt zu retten. So in der Art entsteht dann ein Wahn, der sich zu einem ganzen Wahngebilde entwickeln kann, der zu einer festen Überzeugung werden kann. Deshalb ist es auch so schwer, einem offensichtlich Kranken klarzumachen, daß er in psychiatrische Behandlung gehört. Nach Überzeugung des Kranken ist das sicherlich nur ein Komplott oder eine Finte. Diese Überzeugung wird ohne Zweifel verstärkt, wenn Gewalt angewendet werden muss, um den Erkrankten vor gefährlichen Aktivitäten zu bewahren und einer angemessenen Behandlung zuzuführen.
Wie ist die Behandlung?
Die meisten Patienten begeben sich auf Wunsch ihrer Eltern, oder von sich aus, freiwillig in eine Behandlung. Es kommt aber auch vor, dass Betroffene zwangsweise eingewiesen werden müssen. Diese Patienten fühlen sich dann oft bedroht und – aus ihrer Todesangst heraus – werden sie manchmal gegenüber den Rettungskräften gewalttätig. Aus ihrer Überzeugung heraus ist das nur das Recht der Selbstverteidigung. Solche Patienten müssen dann oft die demütigende Prozedur der Fixierung ans Bett über sich ergehen lassen, bis sie durch Medikamente ruhiggestellt worden sind. Für die Reduzierung der Krankheitssymptome steht eine breite Palette von Neuroleptika zur Verfügung. Die Art der Medikation und die Dosierung muss individuell vom Arzt festgelegt werden. In der Regel setzt die antipsychotische Wirkung der Medikamente erst nach 2-3 Wochen ein. Allerdings streiten sich die Gelehrten noch darüber, ob die Neuroleptika direkt Auswirkungen auf die Wahngedanken haben oder ob sie durch die generelle Abstumpfung der Gehirnfunktionen bewirken, daß der Patient das intellektuelle Interesse an seinen Wahnideen verliert. Bei einigen Medikamenten gibt es mehr oder weniger starke Nebenwirkungen wie z.B. Muskellähmungen, -krämpfe oder -zuckungen, Mundtrockenheit oder sie wirken sehr stark sedierend oder erzeugen Ängste. Diese Wirkungen sollten vorher mit dem Patienten besprochen werden, damit er sich keine falschen Erklärungen dazu zurechtlegt. Auch die neueren sogenannten "atypischen" Neuroleptika - z.B. Risperidon (Risperdal ®), Olanzapin (Zyprexa ®), Quetiapin (Seroquel ®), Amisulprid (Solian ®), Ziprasidon (Zeldox ®), Zotepin (Nipolept ®) oder Aripiprazol (Abilify ®) - sind keine Wundermittel, wie es die Pharmaindustrie gerne dargestellt sähe. Fast nebenwirkungsfrei und trotzdem gut wirksam erweisen sich beispielsweise die klassischen Medikamente Leponex, Perazin oder Fluanxol. Bei schizoaffektiver Erkrankung muss eventuell zusätzlich noch ein Stimmungsstabilisator genommen werden (z.B. Lithium). Nach Abklingen des psychotischen Zustandes sollte man nur noch die niedrigstmögliche Erhaltungsdosis an Neuroleptika bekommen, so daß ein Wiederausbruch der Psychose verhindert werden kann. Glücklich kann sich schätzen, wer ganz ohne Tabletten oder Depotspritzen auskommt. Meist kommt es aber zu einem Rückfall, wenn der Patient seine Medizin (von sich aus) absetzt.
Ein akut psychotischer Patient braucht in zweiter Hinsicht natürlich auch Ruhe. Eine möglichst gewohnte Umgebung, viel Schlaf und Vermeidung von unnötigem Informationsstress wirken wahre Wunder. Zugegebenermaßen ist ein Krankenhausaufenthalt (ungewohnte Umgebung, fremde Menschen, neue Prozeduren) in dieser Hinsicht nur die zweite Wahl. Besser wäre es, man könnte zu Hause bleiben. Meistens sind überforderte Angehörige und das Unvermögen der Patienten für sich selbst zu sorgen der Grund für die Klinik. Bei längeren Krankenhausaufenthalten gibt es die Möglichkeit von Beschäftigungstherapie und anderen Formen sozialen Trainings. Nach Entlassung aus der Klinik gibt es heutzutage auf der einen Seite die Möglichkeit des betreuten Wohnens und auf der anderen Seite die Möglichkeit der Tagesstrukturierung und/oder Rehabilitation in Tagesstätten und Zuverdienstprojekten. Diese Möglichkeiten variieren von Ort zu Ort.
Wie können Sie helfen?
Wenn sich plötzlich ein Mensch aus Ihrer Umgebung auffällig verhält, sei es nun ein Familienmitglied oder ein Arbeitskollege, und Sie haben den Verdacht, daß es sich um eine geistige Störung handelt, dann sollten Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein und die Sache nicht von sich wegschieben. Der sich auffällig Verhaltende ist krank und bedarf einer professionellen ärztlichen Hilfe. Überzeugen Sie den Kranken, daß er sich in ärztliche Behandlung begibt. Dabei sollten Sie vermeiden, eine eventuelle psychische Störung zu erwähnen. Das kann als Angriff und Komplott missverstanden werden. Hilfreiche "Aufhänger" sind der oft vorhandene Erschöpfungszustand oder unbestimmte körperliche Beschwerden und Symptome, die Ihnen der Kranke sicher nennen kann. Auf dieser Grundlage gehen Sie als Vertrauensperson mit ihm oder ihr am besten gleich zum Spezialisten, einem Facharzt für Neurologie und Psychiatrie. Schildern Sie dem Arzt ihre Beobachtungen des auffälligen Verhaltens und die Symptome des Kranken, ohne daß dieser misstrauisch wird. Der Arzt muss dann entscheiden, was weiter passiert.
Ist der Erkrankte schon im Wahn und für Argumente nicht mehr zugänglich, ist die zwangsweise Einlieferung in eine Klinik unerlässlich, denn wer weiß, was er sich antut. Also muss man entweder den Krankenwagen/Notarzt oder die Polizei rufen. Das ist eine schwere Aufgabe, aber keiner nimmt sie Ihnen ab. Hinterher wird er Ihnen vielleicht vorwerfen, das Sie ihn in seinen Rechten als freier Bürger dieses Landes hintergangen haben, aber es kann auch passieren, daß er Ihnen dankbar ist, weil Sie ihn vor Unheil bewahrt haben oder zumindest vor weiteren peinlichen Situationen. Allerdings ist es nach geltendem Recht so, daß erst eine Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegen muss, bevor eine Zwangseinweisung vorgenommen werden kann. Gibt es keine akute Gefährdung, ist Geduld vonnöten und eine Vertrauen schaffende Behandlung des Kranken.
Nach Entlassung aus dem Krankenhaus ist die beste Hilfe für den Patienten die Hilfe zur Selbsthilfe. Er muss wieder lernen, im täglichen Leben klarzukommen. Helfen Sie ihm oder ihr, eine eigene Wohnung zu finden. Damit tragen Sie zur gesundheitlichen Stabilisierung bei und entlasten gleichzeitig Ihre finanzielle Situation, falls der erkrankte Sohn oder die Tochter noch zu Hause wohnt. Das soll nicht heißen, daß Sie Ihren Sohn oder Ihre Tochter mit aller Macht aus dem Haus bekommen sollen. Es kommt ganz auf die Situation an. Gehen Sie Ihrem erkrankten Kind nicht ständig "auf den Wecker". Vermitteln Sie ihm eine geeignete Arbeitsstelle oder Lehrstelle oder zumindest eine Tagesstrukturierung. Vermitteln Sie dem Patienten ein Gefühl der Wärme sowie der Gelassenheit gegenüber der Situation. Überzogene Ansprüche und ein gereiztes Klima begünstigen nur den Rückfall. Seien Sie sich bewusst, daß der Verlauf der Krankheit chronisch sein kann und damit eine bleibende Behinderung fortbesteht. Lassen Sie sich nicht entmutigen durch die ständige Unsicherheit. Holen Sie sich Hilfe in Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Dies gilt sowohl für die Patienten als auch für die Angehörigen.
Wie sind die Aussichten?
Wie schon erwähnt, erkrankt ein Drittel der von Schizophrenie betroffenen Bevölkerung nur einmal im Leben und genest danach wieder vollständig. Damit ist schon widerlegt, daß die Krankheit unheilbar ist. Heilung setzt auch beim zweiten Drittel größtenteils ein, nur wird der gesunde Zustand gelegentlich von Rückfallen unterbrochen (z.B. alle 2 Jahre). Es können aber auch größere Zeitabstände bis zum nächsten Rezidiv auftreten. Eine genaue Vorhersage lässt sich nicht machen. Trotz dieser Unsicherheit ist die Schizophrenie eine Krankheit, die sich mit entsprechender Medikation und Therapie gut in den Griff kriegen lässt. Nur beim letzten Drittel überwiegt der chronische Zustand und die Krankheitssymptome sind mehr oder weniger präsent. Leider ist das Suizidrisiko für alle Erkrankten erhöht. Das liegt aber weniger an der Krankheit selber als an der als bedrückend empfundenen gesellschaftlichen Isolierung, in der sich viele Betroffene befinden.
Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, daß es neben der "Verrücktheit" Schizophrenie auch noch andere Krankheitsbilder mit Wahnentwicklungen gibt, z.B. chronische Paranoia, wo man auf Grund des Fehlens typischer Symptome eben nicht schizophren diagnostizieren kann. Diese Fälle haben einen eher ungünstigen Verlauf, wegen fehlender Behandlungseinsicht und weil der (manchmal nur subtile) Wahn schon Jahre andauert.
Bis vor wenigen Jahrzehnten wurden die meisten Patienten noch in den Irrenhäusern weggeschlossen. (Von dem dunkelsten Kapitel deutscher Psychiatrie-Geschichte mag man gar nicht berichten, als erbideologisch überzeugte Ärzte rechtlose, als lebensunwert eingestufte Kranke in den Anstalten mittels Giftspritzen oder durch Aushungern ermordeten.) Seither hat sich viel getan. Zum einen sind wirksame Medikamente verfügbar, die die Heilung begünstigen, zum anderen hat sich die Psychiatrie der Gesellschaft gegenüber geöffnet. Es gibt Tagesstätten und betreute Wohnformen. Heutzutage ist es für einen an Schizophrenie Erkrankten möglich, ein erfülltes und befriedigendes Leben zu führen. Nur mit der finanziellen Situation der Betroffenen sieht es meist nicht rosig aus. Auch lässt die berufliche Wiedereingliederung oft zu wünschen übrig. Gehen Sie mal zu einem Bewerbungsgespräch und sagen Sie, daß Sie dann und dann ein halbes Jahr an paranoider Schizophrenie erkrankt waren und gerne den Job hätten. Oft reicht auch das Wort Psychose für die prompte Ablehnungsreaktion. Da hilft nur lügen.
Auf einem anderen Gebiet sollte man nicht lügen, nämlich auf der Suche nach einem Partner oder einer Partnerin. Es ist sehr wichtig, daß man jemanden findet, der Verständnis und Einfühlungsvermögen für diese schwierige Problematik zeigt und wirklich bereit ist, sich mit einem einzulassen. Den richtigen Partner zu finden ist schon für gesunde Singles nicht leicht, um so mehr gilt das für psychisch Kranke. Gemeinsame Interessen und ein ähnlicher persönlicher Hintergrund sind auf alle Fälle positiv für einen Start in eine Beziehung.
Schizophrenie und die Öffentlichkeit
An anderer Stelle, z.B. in der Nachbarschaft oder bei der Wohnungssuche, ist es nicht ratsam, zu sagen, daß man an Schizophrenie leidet oder gelitten hat. Die breite Öffentlichkeit fürchtet diese Krankheit, sie verbreitet Schrecken. Das liegt zum einen am Mythos der Unheilbarkeit und zum anderen an der Darstellung durch die Medien. Wie oft gibt es "Psychothriller" im Fernsehen zu sehen, wo ein Mensch zu einem mordlüsternen Verrückten mutiert! Wie oft wird in den Nachrichten im Zusammenhang mit Schizophrenie nur Mord und Totschlag erwähnt! Dabei sind das nur ganz seltene Fälle. Bei unvorhersehbaren Taten sind oft nahestehende Personen die Opfer. Wenn es wirklich so wäre, daß alle Schizophrenen Gewalttäter wären, so müssten ja die Sprechstunden der Psychiater nur unter Polizeischutz ablaufen. Es besteht eine generelle Übereinkunft darüber, daß die meisten Verbrechen nicht von schizophrenen Personen begangen werden. Und die meisten Schizophrenen werden auch nicht gewalttätig. Die Angst gegenüber dieser Krankheit ist also völlig unbegründet. Ein Beispiel
"Ich wollte einfach, dass sie Ruhe gibt‘‘
Onlineausgabe der Süddeutschen Zeitung
vom 09.01.2007
Aber das öffentliche Stigma besteht weiterhin. Schon alleine der abwertende Gebrauch des Wortes "schizophren" in sogenannten gebildeten Kreisen führt zur Verdammung von unschuldigen Kranken. Es ist ja nichts dagegen einzuwenden, daß ein Wort mehrere Bedeutungen haben kann, aber um einen Sachverhalt abwertend darzustellen, gibt es in der deutschen Sprache wohl genug andere Möglichkeiten, als daß man in dieser leichtfertigen Weise mit einem Fremdwort "glänzen" müsste. Auch die medizinische Diagnose "schizophren" schießt weit über das Ziel hinaus. Wirklich schizophren ist ein Patient nur im akuten Stadium des Wahns. Nach der Genesung ist er ein ganz normaler Mensch mit einer kleinen mehr oder minder beeinträchtigenden Stoffwechselstörung! Also Mediziner - denkt Euch für den Zustand "danach" ein anderes Wort aus! In Amerika nennen sich die Patienten selbst "survivors" - Überlebende, in Deutschland "Psychiatrie-Erfahrene". Für den Erkrankten ist das ständige Verstecken und Verheimlichen der Diagnose bald schon belastender als die eigentliche Krankheit. Auch die Angehörigen werden in diese Situation mit hineingezogen. Welche Familie gibt schon gern zu, daß sie einen Schizophreniekranken in ihrer Mitte hat. So werden die Betroffenen in eine soziale Isolation gezwungen. Nur Aufklärung kann hier helfen. Es ist dabei die Schwierigkeit zu überwinden, daß sich kaum jemand freiwillig ernsthaft mit einem solchen oft belächeltem oder abgelehnten Thema wie einer psychischen Krankheit beschäftigt, außer vielleicht via TV in abwegiger Darstellung. Dabei kann jeder ein Betroffener werden.
Montag, 11. August 2008
Psychische Krankheit - ein Phantom
Kate Millett
Psychische Krankheit – ein Phantom (1)
Wie kann es so weit kommen, dass ein menschliches Wesen mit Ledermanschetten an einen Tisch geschnallt wird und diese Qual und Demütigung stundenlang ertragen muss? Welches Gesetz kann das jemals rechtfertigen? Wo gibt es in unserem hochgeschätzten System von bürgerlichen Rechten und Freiheiten etwas, das einen solchen Vorgang zulassen würde? Wie ist es möglich, dass Menschen durch ein Unterbringungsverfahren all ihre Rechte verlieren? Wieso werden sie durch Gerichtsverfahren unter Psychopharmaka gesetzt, wo für sie doch alles auf dem Spiel steht, sogar ihre Freiheit? Die Gesetzgebung hat kläglich versagt, Anwälte verraten ihre Klienten. Es sind PflichtverteidigerInnen; sie arbeiten – zumindest in den USA – für einen Hungerlohn, kennen ihre KlientInnen nicht und geleiten sie durch Scheinverfahren, in denen alles gegen die Opfer gerichtet ist. In solchen Verfahren beugt sich das Gesetz der Medizin; all das, wofür Rechtsprechung steht – verfassungsmäßige Garantien, Anzweiflung bloßer Behauptungen, Forderung nach Fakten und Beweisen –, wird den Ansprüchen der psychiatrischen Medizin preisgegeben. AnwältInnen verneigen sich vor den PsychiaterInnen, die einzelne Menschen »wahnsinnig« nennen. Der Verzicht auf die traditionelle gesetzliche Verpflichtung zum Beistand ist umfassend.
Bedenken Sie, wie lange Strafverfahren dauern, wie ausführlich dort Beweismaterial eingebracht wird. Denken Sie an die Schwurgerichtsbarkeit, daran, wie lange es gedauert hat, das Prinzip der zwei widerstreitenden Parteien zu etablieren, wie langsam und schrittweise verfassungsmäßige Garantien und Bürgerrechte im 18. und 19. Jahrhundert errungen wurden, die sich im 20. Jahrhundert über die ganze Welt verbreiteten. Alles wird in den paar unkontrollierten Augenblicken eines Unterbringungsverfahrens hinweggefegt.
Wie kommt es, dass der Staat über bestimmte Individuen eine solch außergewöhnliche Macht besitzt? Wo und weshalb hat unser Schutzsystem versagt? Es heißt, diese Personen seien von einer seltsamen, schrecklichen Krankheit befallen, weshalb sie gewaltsam zu behandeln seien. Daher müsse das Gesetz denen dienen, die sich mit dieser Krankheit auskennen. Gesetzliche Bestimmungen seien erforderlich, um Zwang ausüben zu können. Doch die Befugnis, diese Bestimmungen umzusetzen, liegt nicht beim Gesetz oder bei den JuristInnen, sondern bei einer anderen Gruppe von Fachleuten, denen das Gesetz zu dienen habe. Diese müssten ihre PatientInnen einsperren und ihrer Entscheidungsfreiheit berauben, was den ersten Schritt zu ihrer Heilung darstelle.
Lassen Sie uns den Begriff der Zwangsbehandlung einmal näher betrachten. Warum wird behandelt? Wegen merkwürdiger Handlungsweisen, zu lauten Redens, wegen Wut, Stress oder irrationalen Verhaltens, wegen Anstößigkeiten? Offensichtlich beziehen wir uns hier auf das Gesetz, nicht auf die Medizin. Hat diese Person einer anderen etwas zuleide getan, den Frieden gestört, jemanden gewaltsam angegriffen? Zuständig hierfür ist die Justiz. Wie kam die Medizin ins Spiel? Man sagt uns dann, es wurde zwar gegen kein Gesetz verstoßen, aber die Nachbarn beschwerten sich, die Familie sei aufgebracht. Es könnte ein Verbrechen geschehen. Unsere Gesetze erlauben es nicht, jemanden vorsorglich zu verhaften oder einzusperren. Es könnte ein Verbrechen geschehen ... aber tatsächlich wurde keines begangen. Stattdessen geht es um anstößiges Verhalten, lediglich allgemein beschrieben, nicht einmal mit eigenen Augen gesehen. Die Person ist nicht kriminell, sondern Opfer einer seltsamen Krankheit, die nur gegen den eigenen Willen geheilt werden kann. Welche Krankheit könnte es je mit sich bringen, dass die betroffene Person nicht selbst den Wunsch hat, behandelt zu werden? Im Bereich der somatischen Medizin ist Zwangsbehandlung nicht zulässig; das übliche Verhältnis zwischen Arzt und Patient basiert auf Übereinkunft, Kooperation, Unterstützung und Trost. Wesentliches Merkmal einer solchen Behandlung ist die Freiwilligkeit. Die Idee der Zwangsbehandlung ist derart absurd, ist medizinisch, juristisch und moralisch derart schwer zu rechtfertigen, dass man sich auf geheimnisvolle Umstände berufen muss.
Dem Übeltäter bzw. der Übeltäterin soll ein Behandlungsplan aufgezwungen werden. Es gibt ›interessierte Parteien‹ und Angehörige, die ein persönliches Interesse an Kontrolle haben und die für ihr feindseliges Vorgehen gegen den einzelnen auffälligen Menschen sozialen Konsens sowie Billigung und Beistand anstreben. Sie brauchen nur zum Telefon zu greifen. Die Gesellschaft ist dafür gerüstet, einen Menschen zu ergreifen und einzusperren, zu bestrafen und all seiner Rechte zu berauben. Aber noch bedarf es einer ›vernünftigen‹ Erklärung, eines Etiketts, einer Anklage, die ins Gewicht fällt. Verrücktheit genügt all diesen Anforderungen, ebenso wie Ketzerei oder politische Subversion. Gedankenverbrechen.
Zuständig hierfür ist heutzutage die Psychiatrie; sie ist der ausführende Arm sozialer Gewalt, ausgestattet mit staatlichen und polizeilichen Machtmitteln, mit Schloss und Riegel, Psychopharmaka und Folterinstrumenten. Sie verkörpert eine bestimmte Vorstellung, nämlich die Annahme, das Individuum sei Träger einer unsichtbaren Krankheit oder erblichen Belastung, die zwar pathologisch nicht nachweisbar ist, aber von ExpertInnen aufgespürt und unter Anwendung von Zwang geheilt werden kann. Durch allgemeine Zustimmung, Werbung und Propaganda gewinnt diese Vorstellung Oberhand; das Ansehen der Wissenschaft lässt sie glaubwürdig erscheinen, und die Staatsgewalt mit der überwältigenden Fülle ihrer Zwangsmittel legitimiert sie.
Die Psychiatrie, die sich selbst als Teilbereich der Medizin bezeichnet, wird zwangsläufig zum Mittel außergesetzlicher sozialer Kontrolle und staatlicher Macht, mit Befugnissen, die das Recht und all seine Garantien für das Individuum außer Kraft setzen, vielleicht sogar dem Gesetz widersprechen. Die garantierten Rechte, Ergebnis einer Jahrhunderte währenden Entwicklung, werden in bestimmten Fällen aufgehoben. Der Staat erlaubt der Familie, ihr Objekt der Unterdrückung selbst zu wählen. Als Bevollmächtigte des Staates bedient sich die Familie wiederum der Psychiatrie, denn das letzte Wort hat der Psychiater. Wollen Sie eine Verwandte einsperren, so müssen Sie immer noch einen gefälligen Arzt finden – letztlich entscheidet er. Die Tatsache jedoch, dass Familien ein Opfer präsentieren können, ist allein schon erstaunlich, eine informelle soziale Kontrolle.
Wir alle glauben doch an diese geheimnisvolle Macht, diese Krankheit, diese psychische Störung. Es kann passieren, dass Ihr Verstand einfach aufgibt, Ihre Gefühle Sie überwältigen, Sie einer konstitutionellen Schwäche unterliegen. Unsichtbare Kräfte zwingen Sie in die Knie. Und der Glaube ist alles. Glaube versetzt Berge. Man muss ihn nur ausweiten und propagieren, institutionalisieren, finanzieren, bürokratisieren, in einen blühenden Industriezweig verwandeln – Spender von Hunderttausenden von Arbeitsplätzen und ›Diensten‹.
Das System würde ohne Zwang nicht funktionieren. Wie jedes System sozialer Kontrolle basiert es letztlich auf roher Gewalt. Es gründet auch auf einer Ideologie. Hier ist die Ideologie – das medizinische Modell psychischer Krankheit – eine Perversion von Vernunft und Wissenschaft. Viele PsychologInnen und PsychoanalytikerInnen stimmen vermutlich der Auffassung zu, dass es sich beim medizinischen Krankheitsmodell um eine irreführende Analogie handelt, denn sie gehen davon aus, dass psychisches Leiden von Konflikten des Individuums mit seinem Umfeld herrührt, ob sie nun durch die persönliche Geschichte oder die gesellschaftlichen Verhältnisse bedingt sind. Mit anderen Worten, das Leben ist nicht leicht. Der Tod ist nur schwer zu verkraften, ebenso Trauerfälle, das Ende einer Liebe, vergebliche Liebesmüh, schwere wirtschaftliche Zeiten, Verlust des Arbeitsplatzes, verpasste Chancen, die verbitternde Anhäufung von Enttäuschungen aller Art. Dies ist ein Wirklichkeitsmodell, welches von Tatsachen ausgeht.
Das medizinische Modell dagegen hat keinerlei Bezug zu irgendeiner Realität, es ist nicht einmal medizinisch, obwohl es vom Ansehen der Körpermedizin profitiert und die Existenz physischen Leidens nutzt, um uns an der Nase herumzuführen und einen allgemeinen gesellschaftlichen Konsens zu erzwingen, legal oder am Gesetz vorbei. Letzten Endes handelt es sich um einen gesellschaftlichen Mythos, der über den Akt des Unterbringungsverfahrens sowohl dem Staat als auch der Psychiatrie enorme Macht überträgt.
Es gibt kaum Länder, in denen nicht formell oder informell, öffentlich oder privat die Vorstellung von der Existenz psychischer Krankheit und deren Pendant der psychischen Gesundheit Bausteine des Glaubenssystems geworden sind. Psychische Krankheit ist ein Haushaltstitel der Regierung, ein Ministerium, eine Verwaltungsabteilung, eine Unterabteilung jeder Bürokratie auf bundesstaatlicher, Länder-, Kreis- und kommunaler Ebene.
Einige Menschen stellen sich vor, dass psychische Krankheit wie eine Lungenentzündung diagnostiziert werden kann, epidemisch wie AIDS auftritt und wie Krebs potentiell erkennbar und irgendwann auch heilbar sein wird. Unsere gemeinsame Überzeugung von der Existenz psychischer Krankheit ist mysteriös und wunderlich. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts und nach mehreren Jahrhunderten wissenschaftlicher Entdeckungen und dem Triumph wissenschaftlicher Erkenntnisse bleibt sie durch und durch glaubensbedingt und unwissenschaftlich. Wir glauben einfach daran, ohne jeden Beweis für das, was wissenschaftlich unter Krankheit zu verstehen ist. Damit meine ich die Pathologie. In der Medizin gibt es keine Störung oder Erkrankung ohne Pathologie, und pathologische Veränderungen sind etwas, was beobachtet und nachgewiesen werden kann. Körpermedizin und Wissenschaft überhaupt beruhen größtenteils auf Beweisen. Es gibt Erreger, es gibt Bluttests, es gibt Antikörper, es gibt Schwellungen und Körperflüssigkeit, es gibt Ödeme und Zelldeformation. Es gibt Erkrankungen des Gehirns und des Nervensystems, deren Existenz nachgewiesen werden kann: Tumore, Lähmungen, Alzheimerkrankheit, Chorea Huntington. Dies sind wirkliche Krankheiten, tatsächlich nachweisbar.
Wenn wir jedoch von psychischer Krankheit sprechen, meinen wir eine Vielzahl sogenannter Krankheiten, für die keine pathologischen Vorgänge nachgewiesen sind, auch wenn man schon über hundert Jahre an sie glaubt. Schizophrenie ist die bedeutendste psychische Krankheit, gefolgt von manisch-depressivem Irresein. Gleichzeitig ist man sich selbst unter Psychiatern über deren eigentliche Existenz nicht immer einig. Und innerhalb der klassischen Psychologie fällt der Nachweis von Krankheiten oder Störungen auch nicht leichter, denn es gibt in der Psychologie kein Verfahren, mit dem man Krankheiten nachweisen kann. Es gibt nur das Verhalten.
Jemanden für psychisch krank zu erklären, weil er bzw. sie auf eine bestimmte Art handelt oder sich verhält, ist etwas völlig anderes, als eine Krankheit festzustellen, für die es physiologische Anhaltspunkte gibt. Verhalten als Indiz für eine Krankheit ist kein objektiver Tatbestand – es ist darüber hinaus auch deswegen subjektiv, weil Verhalten eine Sache von Beobachtung und Interpretation ist. Kurz gesagt, was für den einen Menschen verrückt ist, ist für den anderen erklärbar, ja sogar vernünftig. Was dem einen abscheulich ist, hält der andere lediglich für schlechte Manieren, und ein Dritter mag das Verhalten sogar witzig finden. Das Urteil hängt davon ab, wer beobachtet, mehr noch von der Haltung, die der Beobachtung zugrunde liegt: Eigennutz, Boshaftigkeit, ein Hang zur Zwangsausübung, Wut, Missbilligung, das Bedürfnis andere zu kontrollieren, zu strafen, zu erniedrigen.
Mit der Lungenentzündung ist es anders: Wir haben sie oder wir haben sie nicht. Und wenn wir sie haben, wollen wir eine Behandlung. Wenn wir beschuldigt werden, psychisch krank zu sein, stehen wir unter Anklage, sind Opfer einer Verleumdung, sind in Verteidigungsposition und unfähig, uns selbst zu verteidigen gegen einen Vorwurf, dessen pure Existenz unsere Schuld beweist. Anders bei der Lungenentzündung: niemand wird vorgeladen, um die Erkrankten vor Gericht anzuklagen und einen Richter davon zu überzeugen, dass die PatientInnen schuldig sind, da sie voller Keime stecken. Wir werden nicht isoliert und vor FreundInnen gedemütigt, verlieren nicht die Arbeit und das Sorgerecht für die Kinder. Lungenentzündung tut keinem Menschen so etwas an.
Die Vorstellung von psychischer Krankheit ist simpel: Man nehme psychisches Leid als Beweis für eine Krankheit, auf die nur eine hochspezialisierte und gutbezahlte Gruppe von Heilern – fast schon eine Priesterschaft – einwirken kann. Und man sei nicht sparsam mit drastischen Maßnahmen. Man benutze Psychopharmaka, Grausamkeit und Schrecken, Einkerkerung und elektrischen Strom für das Gehirn. Bloße Gesprächstherapie ist zu einfach, so wie auch Gespräche, Freundschaft oder Beratung zu primitiv sind, braucht man dazu doch weder Rezept noch Lizenz.
Menschliches Elend, Ungewissheit, Lebenskrisen, die schmerzhaften Prozesse, durch die wir uns voneinander trennen, wachsen, Neues schaffen, uns verändern oder Entscheidungen treffen ... all das sind Zeiten der Verwundbarkeit. Von Seiten unserer Umwelt oder aus unserem Inneren regt sich Widerstand. Wir sind uns unserer selbst unsicher, als Mann oder als Frau, als Liebende, Bruder oder Schwester, Kinder oder Eltern; wir können verwirrt sein, überwältigt, beschämt, eingeschüchtert, geschwächt oder erniedrigt. Ganz besonders dann, wenn wir davon überzeugt wurden, die eigenen Gefühle, Reaktionen und Beweggründe nicht zu kennen, die eigene Urteilskraft unzuverlässig und unsere psychischen Prozesse falsch zu finden. Dann erkläre man das Menschsein an sich zum medizinischen Problem, definiere die Psyche als eine Abfolge von mysteriösen Unwägbarkeiten und behaupte, es handle sich um ein chemisches Konstrukt von unsicherem Gleichgewicht, um ein Rätsel, dem wir ausgeliefert sind. Nur die Psychiatrie kann diese instabile Mixtur in Ordnung bringen – mit Psychopharmaka, deren Wirkungsweise nicht einmal die Doktoren verstehen, von denen sie aber behaupten, dass sie uns nicht schaden.
Wir haben es hier mit Stigmatisierung und Zwang zu tun, mit Staatsgewalt und Kontrolle und mit multinationalen Pharmakonzernen, die bereitstehen, ihre Profite aus der Zwangsverabreichung psychiatrischer Psychopharmaka an die Opfer dieser mysteriösen Krankheiten zu ziehen, und zwar sowohl wenn diese gegen ihren Willen eingesperrt sind als auch nach deren Entlassung, die in Wahrheit nur vorübergehend und auf Probe ist. Freiheit, Leben, Nahrung, Obdach und Beschäftigung hängen allesamt davon ab, ob sich ein Mensch unterwirft und durch die Psychopharmaka stigmatisieren und zu einem Behinderten machen lässt.
Mit diesen Psychopharmaka ist weniger Medizin gemeint, eher Medikation. Diese stellt ruhig, stumpft ab, macht träge oder hektisch, vermindert oder erzeugt Stress, stört die Konzentrationsfähigkeit und verzerrt die Wahrnehmung, verhindert vernünftiges Denken. Sie tut das, was Psychopharmaka eben tun: sie entstellen, aber sie heilen nicht, wie auch, wenn gar keine Krankheit vorliegt. Psychische und emotionale Belastungen und Beschwerden sind nun mal natürliche Bestandteile des menschlichen Lebens und keine Krankheitssymptome.
Peter Breggin (1990) hat eine umfassende Darstellung von Forschungsarbeiten über Schädigungen publiziert, die durch Neuroleptika wie Haloperidol (im Handel u. a. als Haldol, Haloper, Sigaperidol), Chlorpromazin (im Handel u. a. als Chlorazin, Propaphenin), Thioridazin (im Handel u. a. als Melleril) oder Fluphenazin (im Handel u. a. als Dapotum, Lyogen, Lyorodin) verursacht werden – Psychopharmaka, die PatientInnen ›freiwillig‹ nehmen sollen, wenn sie ihre Sozialunterstützung nicht verlieren wollen. Breggin beschäftigte sich mit den Auswirkungen solcher Substanzen auf die höheren Hirnfunktionen, außerdem fasste er Untersuchungen des Hirngewebes sowie Tierstudien zusammen. Er fand heraus, dass neuroleptikabedingte Hirnschäden häufig durch die Wirkung der Psychopharmaka selbst kaschiert werden und daher erst während des Entzugs, wenn der Schaden bereits irreversibel ist, zum Vorschein kommen. Das kann zu lebenslanger Neuroleptika-Einnahme führen. Breggin beschreibt auch, wie psychiatrische Psychopharmaka das Gehirn gewissermaßen schrumpfen lassen und über die kurzfristige Ruhigstellung und Behinderung intellektueller Prozesse hinaus bleibende kognitive (die Denkfähigkeit betreffende) Defizite verursachen. Er nennt die seuchenartige Ausbreitung der neuroleptikabedingten tardiven Dyskinesien (oft irreversible Bewegungsstörungen) eine physisch bedingte »iatrogene (vom Arzt verursachte) Tragödie« und appelliert an die Ärzteschaft, die Verantwortung für die Schädigungen zu übernehmen, die Millionen von Menschen in der ganzen Welt erleiden. Neben Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist bei neu entwickelten Clozapin (im Handel u. a. als Clopin, Elcrit, Lanolept, Leponex)-artigen (›atypischen‹) Neuroleptika wie Zyprexa (Wirkstoff Olanzapin) oder Sertolect (Wirkstoff Sertindol) insbesondere mit tardiven Psychosen zu rechnen: der Verschlechterung oder Chronifizierung von psychotischen Zuständen als Resultat behandlungsbedingter Rezeptorenveränderungen – ein Schaden, auf den Robert Whitaker (2002, S. 253 – 286) und Peter Lehmann (1996, S. 99 – 104; 2003) aufmerksam machen.
Im Gegensatz zum medizinischen Modell respektiert das humanistische und psychologische Modell die Menschenrechte, insbesondere im Hinblick auf Einweisung und Zwangsbehandlung. Aber dieses Modell ist in unserer Gesellschaft nicht gebräuchlich.
So gesehen wirkt das medizinische Modell sowohl niederträchtig als auch töricht. Es ist eine Laienreligion, aber auch eine massive Bedrohung unserer Rechte ebenso wie unserer Fähigkeit, mit Logik und Verstand solch komplizierte Dinge wie Medizin und Krankheit zu betrachten. Das medizinische Modell lehrt die ursächliche Vorbestimmtheit allen Geschehens: Freiheit und Verantwortung, gut und böse, Wahlmöglichkeit und Vernunft werden von ihm ausgelöscht. Das hat enorme politische Auswirkungen. Wir werden geführt und kontrolliert. Wir werden auf Linie gebracht, korrigiert und geleitet von Sozialbürokratien, der gewaltigen Kreatur der Staates, Anstalten, gemeindepsychiatrischen Einrichtungen oder privaten Kliniken.
Hinter den Vorstellungen von psychischer Gesundheit und psychischer Krankheit steckt eine gigantische Industrie mit Hunderttausenden von Arbeitsplätzen, mit Zuschüssen und Ausgaben, Doktoren, Krankenschwestern und -pflegern, ein totales Überwachungssystem mit geschlossenen Abteilungen und entsprechenden Hilfsmitteln, Sicherheitspersonal und technischen Vorrichtungen, Herstellerfirmen von Gerätschaften für Fixierung, Überwachung und Elektroschocks; schließlich ist da noch die Pharmaindustrie selbst, zusammen mit der Rüstungsindustrie weltweit der größte und ertragreichste Industriezweig. Im Umfeld gibt es Tausende von Zulieferfirmen, Zeitschriften und Bildungseinrichtungen, die Anerkennungs- und Beglaubigungsbürokratie, Aktenverwalter und andere Büroangestellte, Tagungsstätten und Ausbildungszentren, Bauunternehmer und Wartungspersonal, die ganzen Ausstattungsfirmen und Geldgeber, Versicherer und schließlich Rechtsberater und Buchhalter.
Ständig ertönt der Ruf nach mehr Geld, nach mehr Forschung zu psychiatrischen Krankheiten, nach mehr Einrichtungen zur Unterbringung und Absonderung, nach größerem Spielraum bei Einweisung und geschlossener Unterbringung. Gleichzeitig wird mit erbärmlicher Heuchelei die salbungsvolle Bitte vorgetragen, doch mehr Toleranz und Verständnis aufzubringen, wobei noch weitergehende Krankheitsvorstellungen gezimmert werden, dass wir alle mehr oder weniger Keime psychischer Krankheit in uns tragen und einer immer umfassenderen und tiefgreifenderen Behandlung bedürfen.
In all dem stecken so viel Geld und Macht, Arbeitsplätze und Karrieren, dass die Kirche mit ihren sozialen Normen als mächtigste Einrichtung zur Kontrolle der Gesellschaft in den Schatten gestellt wurde. Darüber hinaus sind die psychiatrischen Kriterien gesetzlich abgesichert und juristisch durchsetzbar; das heißt im Unterbringungsverfahren geht es um Freiheit und Gefangenschaft. Dies gilt auch für die Psychiatriegesetze und die Vormundschaft, heute ›Betreuung‹, die einem Individuum die Fähigkeit abspricht, selbstständig persönliche Entscheidungen zu treffen. Alles, was sein weiteres Schicksal betrifft, wird von Dritten entschieden. Eine Person, die der psychischen Krankheit überführt wurde, existiert rechtlich nicht mehr, ihr selbstständiger Status und ihre persönliche Identität sind ausgelöscht: Das betrifft alle Bereiche der Lebensgestaltung und des Selbst.
Der Glaube an eine eingebildete, trügerische Krankheit ist fest verankert. Die sozialen Kontrollmöglichkeiten sind – zufällig oder absichtlich – derart überwältigend, dass ihr Missbrauch nicht etwa ungewollt ist, sondern bewusster Bestandteil des Konzepts. Ergebnis und tatsächlicher Zweck ist die Schaffung zwanghafter sozialer Konformität. Sogar die Inquisition verblasst neben solchen Erfindungen. Es ist nicht leicht, an den Terror heranzureichen, der von elektroschockbedingten Krampfanfällen, von Vierpunktfixierungen und massiven Spritzen verstandestötender Psychopharmaka ausgeht. Dieses System ermöglicht die Anwendung totalen Zwangs und schafft völlige Hilflosigkeit.
Natürlich ummanteln soziale Institutionen im Allgemeinen solche Aktivitäten. Normalerweise sind sie in das Alltagsleben integriert, werden als gegeben hingenommen, als unvermeidbar oder nützlich akzeptiert, als allgemeiner Bestandteil unserer Zivilisation oder gar als Erlösung. Bedenken Sie die Macht und die Struktur der staatlichen Psychiatrie, einer Einrichtung, deren Geltungsbereich, Größe und Komplexität, Ausweitung und Effizienz von internationalem Zuschnitt ist. Bedenken Sie den Einfluss der Psychiatrie in Schulen und Universitäten, in unserem gesamten Beschäftigungssystem, ihren Einfluss auf alle Fragen unserer Gesundheitsversorgung, auf das Wohlfahrtssystem, auf öffentliche Hilfe, staatliche Subventionen, auf das private Miteinander. Vor allem aber bedenken Sie die kulturelle Akzeptanz und die gesellschaftliche Anerkennung der Psychiatrie, die hehren Ziele der ›helfenden Berufe‹, laut sozialem Konsens höchst ehrenwerte und von größter Nächstenliebe geprägte Ziele. Ist deren Mission nicht göttlich, nicht heilig, dann wenigstens vornehm und edel, eine Offenbarung wissenschaftlicher Wahrhaftigkeit, unsere moderne weltliche Religion. Wenn es sich auch um eine Pseudowissenschaft handelt: der Wunsch, daran zu glauben, hat die Suche nach Fakten und Beweisen ersetzt. Behauptungen werden als Tatsachen akzeptiert.
Wie kann eine Einbildung die Macht des Faktischen erlangen? Dadurch, dass die Beherrschten an sie glauben und sie billigen. Wie jeder Aberglaube hat auch dieses System aus Gedankenkonstrukten enorme Macht. Aber da es auf Panzerglas, Schlüsseln und Polizeigewalt beruht, wäre diese Macht auch existent, wenn wir nicht an sie glaubten. Trotzdem bekommt sie durch unseren Glauben noch größeren Einfluss. Gottgleiche Macht hat sie gehabt für uns, die wir physisch und psychisch ihre Gefangenen waren.
Wir sind Überlebende eines der übelsten Unterdrückungsapparate, die je entwickelt wurden, seine Opfer ebenso wie seine KritikerInnen. Wir müssen die Wahrheit erzählen und klarstellen, dass psychische Krankheit ein Phantom ist, sowohl intellektuell als auch wissenschaftlich, aber auch ein System zur sozialen Kontrolle von noch nie da gewesener Gründlichkeit und Allgegenwart. Es ist unsere Aufgabe, dieses Phantom als solches bloßzustellen und uns alle zu befreien – denn wir alle werden vom Phantom psychische Krankheit eingeschüchtert, eingeschränkt und unterdrückt. Wir setzen Vernunft gegen Irrtum und Aberglauben, Phantasie gegen Anpassung und Unterdrückung. Was für ein Glück, an einem solchen Kampf für Freiheit und Menschenrechte teilzuhaben.
Literatur
Breggin, P. R.: »Brain damage, dementia and persistent cognitive dysfunction associated with neuroleptic drugs: Evidence, etiology, implications«, in: Journal of Mind and Behavior, Bd. 11 (1990), S. 425 – 463
Lehmann, P.: »Schöne neue Psychiatrie«
Bd. 1: »Wie Chemie und Strom auf Geist und Psyche wirken«, Berlin: Antipsychiatrieverlag 1996
Lehmann, P.: » :Atypische 9 Neuroleptika, typische Unwahrheiten«
in: Pro Mente Sana Aktuell, 2003, Nr. 1, S. 16 18; online unter http://www.antipsychiatrieverlag.de/artikel/gesundheit/atypische.htm
Whitaker, R.: »Mad in America«,
Cambridge: Perseus Publishing 2002
Aus dem Amerikanischen von Ulrike Stamp und Rainer Kolenda
Fußnote
(1) Dieser Artikel basiert auf einer Vorlesung zum Thema Justiz und Medizin, die Kate Millett 1992 an der Juristischen Fakultät der Law of Queen’s University of Kingston, Ontario/Kanada, hielt. Kate Millett überarbeitete ihre Vorlesung und veröffentlichte sie unter dem Titel »Legal rights and the mental health system« im Queen’s Law Journal, Bd. 17 (1992), Nr. 1, S. 215 – 223. Diese Version ist eine gekürzte und aktualisierte Fassung.
Psychische Krankheit – ein Phantom (1)
Wie kann es so weit kommen, dass ein menschliches Wesen mit Ledermanschetten an einen Tisch geschnallt wird und diese Qual und Demütigung stundenlang ertragen muss? Welches Gesetz kann das jemals rechtfertigen? Wo gibt es in unserem hochgeschätzten System von bürgerlichen Rechten und Freiheiten etwas, das einen solchen Vorgang zulassen würde? Wie ist es möglich, dass Menschen durch ein Unterbringungsverfahren all ihre Rechte verlieren? Wieso werden sie durch Gerichtsverfahren unter Psychopharmaka gesetzt, wo für sie doch alles auf dem Spiel steht, sogar ihre Freiheit? Die Gesetzgebung hat kläglich versagt, Anwälte verraten ihre Klienten. Es sind PflichtverteidigerInnen; sie arbeiten – zumindest in den USA – für einen Hungerlohn, kennen ihre KlientInnen nicht und geleiten sie durch Scheinverfahren, in denen alles gegen die Opfer gerichtet ist. In solchen Verfahren beugt sich das Gesetz der Medizin; all das, wofür Rechtsprechung steht – verfassungsmäßige Garantien, Anzweiflung bloßer Behauptungen, Forderung nach Fakten und Beweisen –, wird den Ansprüchen der psychiatrischen Medizin preisgegeben. AnwältInnen verneigen sich vor den PsychiaterInnen, die einzelne Menschen »wahnsinnig« nennen. Der Verzicht auf die traditionelle gesetzliche Verpflichtung zum Beistand ist umfassend.
Bedenken Sie, wie lange Strafverfahren dauern, wie ausführlich dort Beweismaterial eingebracht wird. Denken Sie an die Schwurgerichtsbarkeit, daran, wie lange es gedauert hat, das Prinzip der zwei widerstreitenden Parteien zu etablieren, wie langsam und schrittweise verfassungsmäßige Garantien und Bürgerrechte im 18. und 19. Jahrhundert errungen wurden, die sich im 20. Jahrhundert über die ganze Welt verbreiteten. Alles wird in den paar unkontrollierten Augenblicken eines Unterbringungsverfahrens hinweggefegt.
Wie kommt es, dass der Staat über bestimmte Individuen eine solch außergewöhnliche Macht besitzt? Wo und weshalb hat unser Schutzsystem versagt? Es heißt, diese Personen seien von einer seltsamen, schrecklichen Krankheit befallen, weshalb sie gewaltsam zu behandeln seien. Daher müsse das Gesetz denen dienen, die sich mit dieser Krankheit auskennen. Gesetzliche Bestimmungen seien erforderlich, um Zwang ausüben zu können. Doch die Befugnis, diese Bestimmungen umzusetzen, liegt nicht beim Gesetz oder bei den JuristInnen, sondern bei einer anderen Gruppe von Fachleuten, denen das Gesetz zu dienen habe. Diese müssten ihre PatientInnen einsperren und ihrer Entscheidungsfreiheit berauben, was den ersten Schritt zu ihrer Heilung darstelle.
Lassen Sie uns den Begriff der Zwangsbehandlung einmal näher betrachten. Warum wird behandelt? Wegen merkwürdiger Handlungsweisen, zu lauten Redens, wegen Wut, Stress oder irrationalen Verhaltens, wegen Anstößigkeiten? Offensichtlich beziehen wir uns hier auf das Gesetz, nicht auf die Medizin. Hat diese Person einer anderen etwas zuleide getan, den Frieden gestört, jemanden gewaltsam angegriffen? Zuständig hierfür ist die Justiz. Wie kam die Medizin ins Spiel? Man sagt uns dann, es wurde zwar gegen kein Gesetz verstoßen, aber die Nachbarn beschwerten sich, die Familie sei aufgebracht. Es könnte ein Verbrechen geschehen. Unsere Gesetze erlauben es nicht, jemanden vorsorglich zu verhaften oder einzusperren. Es könnte ein Verbrechen geschehen ... aber tatsächlich wurde keines begangen. Stattdessen geht es um anstößiges Verhalten, lediglich allgemein beschrieben, nicht einmal mit eigenen Augen gesehen. Die Person ist nicht kriminell, sondern Opfer einer seltsamen Krankheit, die nur gegen den eigenen Willen geheilt werden kann. Welche Krankheit könnte es je mit sich bringen, dass die betroffene Person nicht selbst den Wunsch hat, behandelt zu werden? Im Bereich der somatischen Medizin ist Zwangsbehandlung nicht zulässig; das übliche Verhältnis zwischen Arzt und Patient basiert auf Übereinkunft, Kooperation, Unterstützung und Trost. Wesentliches Merkmal einer solchen Behandlung ist die Freiwilligkeit. Die Idee der Zwangsbehandlung ist derart absurd, ist medizinisch, juristisch und moralisch derart schwer zu rechtfertigen, dass man sich auf geheimnisvolle Umstände berufen muss.
Dem Übeltäter bzw. der Übeltäterin soll ein Behandlungsplan aufgezwungen werden. Es gibt ›interessierte Parteien‹ und Angehörige, die ein persönliches Interesse an Kontrolle haben und die für ihr feindseliges Vorgehen gegen den einzelnen auffälligen Menschen sozialen Konsens sowie Billigung und Beistand anstreben. Sie brauchen nur zum Telefon zu greifen. Die Gesellschaft ist dafür gerüstet, einen Menschen zu ergreifen und einzusperren, zu bestrafen und all seiner Rechte zu berauben. Aber noch bedarf es einer ›vernünftigen‹ Erklärung, eines Etiketts, einer Anklage, die ins Gewicht fällt. Verrücktheit genügt all diesen Anforderungen, ebenso wie Ketzerei oder politische Subversion. Gedankenverbrechen.
Zuständig hierfür ist heutzutage die Psychiatrie; sie ist der ausführende Arm sozialer Gewalt, ausgestattet mit staatlichen und polizeilichen Machtmitteln, mit Schloss und Riegel, Psychopharmaka und Folterinstrumenten. Sie verkörpert eine bestimmte Vorstellung, nämlich die Annahme, das Individuum sei Träger einer unsichtbaren Krankheit oder erblichen Belastung, die zwar pathologisch nicht nachweisbar ist, aber von ExpertInnen aufgespürt und unter Anwendung von Zwang geheilt werden kann. Durch allgemeine Zustimmung, Werbung und Propaganda gewinnt diese Vorstellung Oberhand; das Ansehen der Wissenschaft lässt sie glaubwürdig erscheinen, und die Staatsgewalt mit der überwältigenden Fülle ihrer Zwangsmittel legitimiert sie.
Die Psychiatrie, die sich selbst als Teilbereich der Medizin bezeichnet, wird zwangsläufig zum Mittel außergesetzlicher sozialer Kontrolle und staatlicher Macht, mit Befugnissen, die das Recht und all seine Garantien für das Individuum außer Kraft setzen, vielleicht sogar dem Gesetz widersprechen. Die garantierten Rechte, Ergebnis einer Jahrhunderte währenden Entwicklung, werden in bestimmten Fällen aufgehoben. Der Staat erlaubt der Familie, ihr Objekt der Unterdrückung selbst zu wählen. Als Bevollmächtigte des Staates bedient sich die Familie wiederum der Psychiatrie, denn das letzte Wort hat der Psychiater. Wollen Sie eine Verwandte einsperren, so müssen Sie immer noch einen gefälligen Arzt finden – letztlich entscheidet er. Die Tatsache jedoch, dass Familien ein Opfer präsentieren können, ist allein schon erstaunlich, eine informelle soziale Kontrolle.
Wir alle glauben doch an diese geheimnisvolle Macht, diese Krankheit, diese psychische Störung. Es kann passieren, dass Ihr Verstand einfach aufgibt, Ihre Gefühle Sie überwältigen, Sie einer konstitutionellen Schwäche unterliegen. Unsichtbare Kräfte zwingen Sie in die Knie. Und der Glaube ist alles. Glaube versetzt Berge. Man muss ihn nur ausweiten und propagieren, institutionalisieren, finanzieren, bürokratisieren, in einen blühenden Industriezweig verwandeln – Spender von Hunderttausenden von Arbeitsplätzen und ›Diensten‹.
Das System würde ohne Zwang nicht funktionieren. Wie jedes System sozialer Kontrolle basiert es letztlich auf roher Gewalt. Es gründet auch auf einer Ideologie. Hier ist die Ideologie – das medizinische Modell psychischer Krankheit – eine Perversion von Vernunft und Wissenschaft. Viele PsychologInnen und PsychoanalytikerInnen stimmen vermutlich der Auffassung zu, dass es sich beim medizinischen Krankheitsmodell um eine irreführende Analogie handelt, denn sie gehen davon aus, dass psychisches Leiden von Konflikten des Individuums mit seinem Umfeld herrührt, ob sie nun durch die persönliche Geschichte oder die gesellschaftlichen Verhältnisse bedingt sind. Mit anderen Worten, das Leben ist nicht leicht. Der Tod ist nur schwer zu verkraften, ebenso Trauerfälle, das Ende einer Liebe, vergebliche Liebesmüh, schwere wirtschaftliche Zeiten, Verlust des Arbeitsplatzes, verpasste Chancen, die verbitternde Anhäufung von Enttäuschungen aller Art. Dies ist ein Wirklichkeitsmodell, welches von Tatsachen ausgeht.
Das medizinische Modell dagegen hat keinerlei Bezug zu irgendeiner Realität, es ist nicht einmal medizinisch, obwohl es vom Ansehen der Körpermedizin profitiert und die Existenz physischen Leidens nutzt, um uns an der Nase herumzuführen und einen allgemeinen gesellschaftlichen Konsens zu erzwingen, legal oder am Gesetz vorbei. Letzten Endes handelt es sich um einen gesellschaftlichen Mythos, der über den Akt des Unterbringungsverfahrens sowohl dem Staat als auch der Psychiatrie enorme Macht überträgt.
Es gibt kaum Länder, in denen nicht formell oder informell, öffentlich oder privat die Vorstellung von der Existenz psychischer Krankheit und deren Pendant der psychischen Gesundheit Bausteine des Glaubenssystems geworden sind. Psychische Krankheit ist ein Haushaltstitel der Regierung, ein Ministerium, eine Verwaltungsabteilung, eine Unterabteilung jeder Bürokratie auf bundesstaatlicher, Länder-, Kreis- und kommunaler Ebene.
Einige Menschen stellen sich vor, dass psychische Krankheit wie eine Lungenentzündung diagnostiziert werden kann, epidemisch wie AIDS auftritt und wie Krebs potentiell erkennbar und irgendwann auch heilbar sein wird. Unsere gemeinsame Überzeugung von der Existenz psychischer Krankheit ist mysteriös und wunderlich. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts und nach mehreren Jahrhunderten wissenschaftlicher Entdeckungen und dem Triumph wissenschaftlicher Erkenntnisse bleibt sie durch und durch glaubensbedingt und unwissenschaftlich. Wir glauben einfach daran, ohne jeden Beweis für das, was wissenschaftlich unter Krankheit zu verstehen ist. Damit meine ich die Pathologie. In der Medizin gibt es keine Störung oder Erkrankung ohne Pathologie, und pathologische Veränderungen sind etwas, was beobachtet und nachgewiesen werden kann. Körpermedizin und Wissenschaft überhaupt beruhen größtenteils auf Beweisen. Es gibt Erreger, es gibt Bluttests, es gibt Antikörper, es gibt Schwellungen und Körperflüssigkeit, es gibt Ödeme und Zelldeformation. Es gibt Erkrankungen des Gehirns und des Nervensystems, deren Existenz nachgewiesen werden kann: Tumore, Lähmungen, Alzheimerkrankheit, Chorea Huntington. Dies sind wirkliche Krankheiten, tatsächlich nachweisbar.
Wenn wir jedoch von psychischer Krankheit sprechen, meinen wir eine Vielzahl sogenannter Krankheiten, für die keine pathologischen Vorgänge nachgewiesen sind, auch wenn man schon über hundert Jahre an sie glaubt. Schizophrenie ist die bedeutendste psychische Krankheit, gefolgt von manisch-depressivem Irresein. Gleichzeitig ist man sich selbst unter Psychiatern über deren eigentliche Existenz nicht immer einig. Und innerhalb der klassischen Psychologie fällt der Nachweis von Krankheiten oder Störungen auch nicht leichter, denn es gibt in der Psychologie kein Verfahren, mit dem man Krankheiten nachweisen kann. Es gibt nur das Verhalten.
Jemanden für psychisch krank zu erklären, weil er bzw. sie auf eine bestimmte Art handelt oder sich verhält, ist etwas völlig anderes, als eine Krankheit festzustellen, für die es physiologische Anhaltspunkte gibt. Verhalten als Indiz für eine Krankheit ist kein objektiver Tatbestand – es ist darüber hinaus auch deswegen subjektiv, weil Verhalten eine Sache von Beobachtung und Interpretation ist. Kurz gesagt, was für den einen Menschen verrückt ist, ist für den anderen erklärbar, ja sogar vernünftig. Was dem einen abscheulich ist, hält der andere lediglich für schlechte Manieren, und ein Dritter mag das Verhalten sogar witzig finden. Das Urteil hängt davon ab, wer beobachtet, mehr noch von der Haltung, die der Beobachtung zugrunde liegt: Eigennutz, Boshaftigkeit, ein Hang zur Zwangsausübung, Wut, Missbilligung, das Bedürfnis andere zu kontrollieren, zu strafen, zu erniedrigen.
Mit der Lungenentzündung ist es anders: Wir haben sie oder wir haben sie nicht. Und wenn wir sie haben, wollen wir eine Behandlung. Wenn wir beschuldigt werden, psychisch krank zu sein, stehen wir unter Anklage, sind Opfer einer Verleumdung, sind in Verteidigungsposition und unfähig, uns selbst zu verteidigen gegen einen Vorwurf, dessen pure Existenz unsere Schuld beweist. Anders bei der Lungenentzündung: niemand wird vorgeladen, um die Erkrankten vor Gericht anzuklagen und einen Richter davon zu überzeugen, dass die PatientInnen schuldig sind, da sie voller Keime stecken. Wir werden nicht isoliert und vor FreundInnen gedemütigt, verlieren nicht die Arbeit und das Sorgerecht für die Kinder. Lungenentzündung tut keinem Menschen so etwas an.
Die Vorstellung von psychischer Krankheit ist simpel: Man nehme psychisches Leid als Beweis für eine Krankheit, auf die nur eine hochspezialisierte und gutbezahlte Gruppe von Heilern – fast schon eine Priesterschaft – einwirken kann. Und man sei nicht sparsam mit drastischen Maßnahmen. Man benutze Psychopharmaka, Grausamkeit und Schrecken, Einkerkerung und elektrischen Strom für das Gehirn. Bloße Gesprächstherapie ist zu einfach, so wie auch Gespräche, Freundschaft oder Beratung zu primitiv sind, braucht man dazu doch weder Rezept noch Lizenz.
Menschliches Elend, Ungewissheit, Lebenskrisen, die schmerzhaften Prozesse, durch die wir uns voneinander trennen, wachsen, Neues schaffen, uns verändern oder Entscheidungen treffen ... all das sind Zeiten der Verwundbarkeit. Von Seiten unserer Umwelt oder aus unserem Inneren regt sich Widerstand. Wir sind uns unserer selbst unsicher, als Mann oder als Frau, als Liebende, Bruder oder Schwester, Kinder oder Eltern; wir können verwirrt sein, überwältigt, beschämt, eingeschüchtert, geschwächt oder erniedrigt. Ganz besonders dann, wenn wir davon überzeugt wurden, die eigenen Gefühle, Reaktionen und Beweggründe nicht zu kennen, die eigene Urteilskraft unzuverlässig und unsere psychischen Prozesse falsch zu finden. Dann erkläre man das Menschsein an sich zum medizinischen Problem, definiere die Psyche als eine Abfolge von mysteriösen Unwägbarkeiten und behaupte, es handle sich um ein chemisches Konstrukt von unsicherem Gleichgewicht, um ein Rätsel, dem wir ausgeliefert sind. Nur die Psychiatrie kann diese instabile Mixtur in Ordnung bringen – mit Psychopharmaka, deren Wirkungsweise nicht einmal die Doktoren verstehen, von denen sie aber behaupten, dass sie uns nicht schaden.
Wir haben es hier mit Stigmatisierung und Zwang zu tun, mit Staatsgewalt und Kontrolle und mit multinationalen Pharmakonzernen, die bereitstehen, ihre Profite aus der Zwangsverabreichung psychiatrischer Psychopharmaka an die Opfer dieser mysteriösen Krankheiten zu ziehen, und zwar sowohl wenn diese gegen ihren Willen eingesperrt sind als auch nach deren Entlassung, die in Wahrheit nur vorübergehend und auf Probe ist. Freiheit, Leben, Nahrung, Obdach und Beschäftigung hängen allesamt davon ab, ob sich ein Mensch unterwirft und durch die Psychopharmaka stigmatisieren und zu einem Behinderten machen lässt.
Mit diesen Psychopharmaka ist weniger Medizin gemeint, eher Medikation. Diese stellt ruhig, stumpft ab, macht träge oder hektisch, vermindert oder erzeugt Stress, stört die Konzentrationsfähigkeit und verzerrt die Wahrnehmung, verhindert vernünftiges Denken. Sie tut das, was Psychopharmaka eben tun: sie entstellen, aber sie heilen nicht, wie auch, wenn gar keine Krankheit vorliegt. Psychische und emotionale Belastungen und Beschwerden sind nun mal natürliche Bestandteile des menschlichen Lebens und keine Krankheitssymptome.
Peter Breggin (1990) hat eine umfassende Darstellung von Forschungsarbeiten über Schädigungen publiziert, die durch Neuroleptika wie Haloperidol (im Handel u. a. als Haldol, Haloper, Sigaperidol), Chlorpromazin (im Handel u. a. als Chlorazin, Propaphenin), Thioridazin (im Handel u. a. als Melleril) oder Fluphenazin (im Handel u. a. als Dapotum, Lyogen, Lyorodin) verursacht werden – Psychopharmaka, die PatientInnen ›freiwillig‹ nehmen sollen, wenn sie ihre Sozialunterstützung nicht verlieren wollen. Breggin beschäftigte sich mit den Auswirkungen solcher Substanzen auf die höheren Hirnfunktionen, außerdem fasste er Untersuchungen des Hirngewebes sowie Tierstudien zusammen. Er fand heraus, dass neuroleptikabedingte Hirnschäden häufig durch die Wirkung der Psychopharmaka selbst kaschiert werden und daher erst während des Entzugs, wenn der Schaden bereits irreversibel ist, zum Vorschein kommen. Das kann zu lebenslanger Neuroleptika-Einnahme führen. Breggin beschreibt auch, wie psychiatrische Psychopharmaka das Gehirn gewissermaßen schrumpfen lassen und über die kurzfristige Ruhigstellung und Behinderung intellektueller Prozesse hinaus bleibende kognitive (die Denkfähigkeit betreffende) Defizite verursachen. Er nennt die seuchenartige Ausbreitung der neuroleptikabedingten tardiven Dyskinesien (oft irreversible Bewegungsstörungen) eine physisch bedingte »iatrogene (vom Arzt verursachte) Tragödie« und appelliert an die Ärzteschaft, die Verantwortung für die Schädigungen zu übernehmen, die Millionen von Menschen in der ganzen Welt erleiden. Neben Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist bei neu entwickelten Clozapin (im Handel u. a. als Clopin, Elcrit, Lanolept, Leponex)-artigen (›atypischen‹) Neuroleptika wie Zyprexa (Wirkstoff Olanzapin) oder Sertolect (Wirkstoff Sertindol) insbesondere mit tardiven Psychosen zu rechnen: der Verschlechterung oder Chronifizierung von psychotischen Zuständen als Resultat behandlungsbedingter Rezeptorenveränderungen – ein Schaden, auf den Robert Whitaker (2002, S. 253 – 286) und Peter Lehmann (1996, S. 99 – 104; 2003) aufmerksam machen.
Im Gegensatz zum medizinischen Modell respektiert das humanistische und psychologische Modell die Menschenrechte, insbesondere im Hinblick auf Einweisung und Zwangsbehandlung. Aber dieses Modell ist in unserer Gesellschaft nicht gebräuchlich.
So gesehen wirkt das medizinische Modell sowohl niederträchtig als auch töricht. Es ist eine Laienreligion, aber auch eine massive Bedrohung unserer Rechte ebenso wie unserer Fähigkeit, mit Logik und Verstand solch komplizierte Dinge wie Medizin und Krankheit zu betrachten. Das medizinische Modell lehrt die ursächliche Vorbestimmtheit allen Geschehens: Freiheit und Verantwortung, gut und böse, Wahlmöglichkeit und Vernunft werden von ihm ausgelöscht. Das hat enorme politische Auswirkungen. Wir werden geführt und kontrolliert. Wir werden auf Linie gebracht, korrigiert und geleitet von Sozialbürokratien, der gewaltigen Kreatur der Staates, Anstalten, gemeindepsychiatrischen Einrichtungen oder privaten Kliniken.
Hinter den Vorstellungen von psychischer Gesundheit und psychischer Krankheit steckt eine gigantische Industrie mit Hunderttausenden von Arbeitsplätzen, mit Zuschüssen und Ausgaben, Doktoren, Krankenschwestern und -pflegern, ein totales Überwachungssystem mit geschlossenen Abteilungen und entsprechenden Hilfsmitteln, Sicherheitspersonal und technischen Vorrichtungen, Herstellerfirmen von Gerätschaften für Fixierung, Überwachung und Elektroschocks; schließlich ist da noch die Pharmaindustrie selbst, zusammen mit der Rüstungsindustrie weltweit der größte und ertragreichste Industriezweig. Im Umfeld gibt es Tausende von Zulieferfirmen, Zeitschriften und Bildungseinrichtungen, die Anerkennungs- und Beglaubigungsbürokratie, Aktenverwalter und andere Büroangestellte, Tagungsstätten und Ausbildungszentren, Bauunternehmer und Wartungspersonal, die ganzen Ausstattungsfirmen und Geldgeber, Versicherer und schließlich Rechtsberater und Buchhalter.
Ständig ertönt der Ruf nach mehr Geld, nach mehr Forschung zu psychiatrischen Krankheiten, nach mehr Einrichtungen zur Unterbringung und Absonderung, nach größerem Spielraum bei Einweisung und geschlossener Unterbringung. Gleichzeitig wird mit erbärmlicher Heuchelei die salbungsvolle Bitte vorgetragen, doch mehr Toleranz und Verständnis aufzubringen, wobei noch weitergehende Krankheitsvorstellungen gezimmert werden, dass wir alle mehr oder weniger Keime psychischer Krankheit in uns tragen und einer immer umfassenderen und tiefgreifenderen Behandlung bedürfen.
In all dem stecken so viel Geld und Macht, Arbeitsplätze und Karrieren, dass die Kirche mit ihren sozialen Normen als mächtigste Einrichtung zur Kontrolle der Gesellschaft in den Schatten gestellt wurde. Darüber hinaus sind die psychiatrischen Kriterien gesetzlich abgesichert und juristisch durchsetzbar; das heißt im Unterbringungsverfahren geht es um Freiheit und Gefangenschaft. Dies gilt auch für die Psychiatriegesetze und die Vormundschaft, heute ›Betreuung‹, die einem Individuum die Fähigkeit abspricht, selbstständig persönliche Entscheidungen zu treffen. Alles, was sein weiteres Schicksal betrifft, wird von Dritten entschieden. Eine Person, die der psychischen Krankheit überführt wurde, existiert rechtlich nicht mehr, ihr selbstständiger Status und ihre persönliche Identität sind ausgelöscht: Das betrifft alle Bereiche der Lebensgestaltung und des Selbst.
Der Glaube an eine eingebildete, trügerische Krankheit ist fest verankert. Die sozialen Kontrollmöglichkeiten sind – zufällig oder absichtlich – derart überwältigend, dass ihr Missbrauch nicht etwa ungewollt ist, sondern bewusster Bestandteil des Konzepts. Ergebnis und tatsächlicher Zweck ist die Schaffung zwanghafter sozialer Konformität. Sogar die Inquisition verblasst neben solchen Erfindungen. Es ist nicht leicht, an den Terror heranzureichen, der von elektroschockbedingten Krampfanfällen, von Vierpunktfixierungen und massiven Spritzen verstandestötender Psychopharmaka ausgeht. Dieses System ermöglicht die Anwendung totalen Zwangs und schafft völlige Hilflosigkeit.
Natürlich ummanteln soziale Institutionen im Allgemeinen solche Aktivitäten. Normalerweise sind sie in das Alltagsleben integriert, werden als gegeben hingenommen, als unvermeidbar oder nützlich akzeptiert, als allgemeiner Bestandteil unserer Zivilisation oder gar als Erlösung. Bedenken Sie die Macht und die Struktur der staatlichen Psychiatrie, einer Einrichtung, deren Geltungsbereich, Größe und Komplexität, Ausweitung und Effizienz von internationalem Zuschnitt ist. Bedenken Sie den Einfluss der Psychiatrie in Schulen und Universitäten, in unserem gesamten Beschäftigungssystem, ihren Einfluss auf alle Fragen unserer Gesundheitsversorgung, auf das Wohlfahrtssystem, auf öffentliche Hilfe, staatliche Subventionen, auf das private Miteinander. Vor allem aber bedenken Sie die kulturelle Akzeptanz und die gesellschaftliche Anerkennung der Psychiatrie, die hehren Ziele der ›helfenden Berufe‹, laut sozialem Konsens höchst ehrenwerte und von größter Nächstenliebe geprägte Ziele. Ist deren Mission nicht göttlich, nicht heilig, dann wenigstens vornehm und edel, eine Offenbarung wissenschaftlicher Wahrhaftigkeit, unsere moderne weltliche Religion. Wenn es sich auch um eine Pseudowissenschaft handelt: der Wunsch, daran zu glauben, hat die Suche nach Fakten und Beweisen ersetzt. Behauptungen werden als Tatsachen akzeptiert.
Wie kann eine Einbildung die Macht des Faktischen erlangen? Dadurch, dass die Beherrschten an sie glauben und sie billigen. Wie jeder Aberglaube hat auch dieses System aus Gedankenkonstrukten enorme Macht. Aber da es auf Panzerglas, Schlüsseln und Polizeigewalt beruht, wäre diese Macht auch existent, wenn wir nicht an sie glaubten. Trotzdem bekommt sie durch unseren Glauben noch größeren Einfluss. Gottgleiche Macht hat sie gehabt für uns, die wir physisch und psychisch ihre Gefangenen waren.
Wir sind Überlebende eines der übelsten Unterdrückungsapparate, die je entwickelt wurden, seine Opfer ebenso wie seine KritikerInnen. Wir müssen die Wahrheit erzählen und klarstellen, dass psychische Krankheit ein Phantom ist, sowohl intellektuell als auch wissenschaftlich, aber auch ein System zur sozialen Kontrolle von noch nie da gewesener Gründlichkeit und Allgegenwart. Es ist unsere Aufgabe, dieses Phantom als solches bloßzustellen und uns alle zu befreien – denn wir alle werden vom Phantom psychische Krankheit eingeschüchtert, eingeschränkt und unterdrückt. Wir setzen Vernunft gegen Irrtum und Aberglauben, Phantasie gegen Anpassung und Unterdrückung. Was für ein Glück, an einem solchen Kampf für Freiheit und Menschenrechte teilzuhaben.
Literatur
Breggin, P. R.: »Brain damage, dementia and persistent cognitive dysfunction associated with neuroleptic drugs: Evidence, etiology, implications«, in: Journal of Mind and Behavior, Bd. 11 (1990), S. 425 – 463
Lehmann, P.: »Schöne neue Psychiatrie«
Bd. 1: »Wie Chemie und Strom auf Geist und Psyche wirken«, Berlin: Antipsychiatrieverlag 1996
Lehmann, P.: » :Atypische 9 Neuroleptika, typische Unwahrheiten«
in: Pro Mente Sana Aktuell, 2003, Nr. 1, S. 16 18; online unter http://www.antipsychiatrieverlag.de/artikel/gesundheit/atypische.htm
Whitaker, R.: »Mad in America«,
Cambridge: Perseus Publishing 2002
Aus dem Amerikanischen von Ulrike Stamp und Rainer Kolenda
Fußnote
(1) Dieser Artikel basiert auf einer Vorlesung zum Thema Justiz und Medizin, die Kate Millett 1992 an der Juristischen Fakultät der Law of Queen’s University of Kingston, Ontario/Kanada, hielt. Kate Millett überarbeitete ihre Vorlesung und veröffentlichte sie unter dem Titel »Legal rights and the mental health system« im Queen’s Law Journal, Bd. 17 (1992), Nr. 1, S. 215 – 223. Diese Version ist eine gekürzte und aktualisierte Fassung.
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