Der Turmbau zu Basel: Geheimpläne für eine globale Währung
Ellen Brown
Wollen wir wirklich, dass die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) eine globale Währung in Umlauf bringt?
In einem Artikel, der am 7. April d.J. in der Zeitung The London Telegraph erschien und den Titel trug: »Die G20 bringt die Welt einen Schritt näher an eine globale Währung heran«, schrieb Ambrose Evans-Pritchard:
»Eine einzige Klausel in Punkt 19 des Kommuniqués der Staats- und Regierungschefs der G20 kommt einer Revolution der globalen Finanzordnung gleich.«
»›Wir haben uns auf eine generelle SDR-Zuteilung geeinigt, mit der 250 Milliarden Dollar (170 Mrd. Pfund) in die Weltwirtschaft gepumpt werden, was die globale Liquidität entsprechend vermehrt‹, hieß es in diesem Kommuniqué. Das Kürzel SDR steht für Special Drawing Rights – Sonderziehungsrechte –, eine vom Internationalen Währungsfonds herausgegebene synthetische Papierwährung, die praktisch ein halbes Jahrhundert im Dornröschenschlaf verbracht hat.«
»Damit haben die Staats- und Regierungschefs der G20 die Macht des IWF aktiviert, Geld zu schöpfen und auf globaler Ebene geldpoltische eine ›quantitative Lockerung‹ in Gang zu setzen. Mit dieser Entscheidung haben sie aber jetzt de facto eine neue Weltwährung ins Spiel gebracht, die von keiner souveränen Regierung bzw. Institution kontrolliert wird. Verschwörungstheoretiker werden ausgesprochen froh darüber sein.«
Ja, das werden sie in der Tat. Der Untertitel des Artikels von Evans-Pritchard lautet: »Die Welt ist einen Schritt näher an eine globale Währung herangerückt, die gestützt wird von einer globalen Zentralbank, die für die gesamte Menschheit die Währungspolitik macht.« Das wirft natürlich die Frage auf, wer oder was die Funktion dieser globalen Zentralbank übernehmen wird, die die Vollmacht besitzen wird, diese globale Währung in Umlauf zu bringen und die Währungspolitik der gesamten Menschheit zu kontrollieren? Bei ihrem Treffen im September des letzten Jahres in Washington haben die Zentralbankiers der Welt darüber diskutiert, welche Körperschaft in der Lage sein kann, eine solche furchterregende und schreckliche Rolle zu spielen. Ein ehemaliger Gouverneur der britischen Zentralbank, der Bank of England, erklärte damals:
»[D]ie Antwort kennen wir wahrscheinlich alle schon; es wird wohl die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) sein … Der IWF versteckt seine Warnungen über die wirtschaftlichen Probleme gerne in außerordentlich diplomatischen Formulierungen, aber die BIZ ist unabhängiger und daher besser in der Lage, mit den anstehenden Problemen umzugehen, wenn sie die Macht dazu erhält.« (1)
Wenn diese Vision die Verschwörungstheoretiker nicht in Alarmstimmung versetzt, dann wird es höchste Zeit. Denn immerhin gilt die BIZ als »der exklusivste, geheimste und mächtigste supranationaler Club der Welt«. Seit ihrer Gründung im schweizerischen Basel 1930 hat es Skandale um die BIZ gegeben. Wie Charles Higham in seinem Buch Trading with the Enemy (zu Deutsch: Handel mit dem Feind) dargestellt hat, hatte die BIZ gegen Ende der 1930er-Jahre offen mit den Nazis sympathisiert. Das wurde einige Jahre später in einem Filmbeitrag der BBC (Timewatch) bestätigt, der den Titel trug »Banking with Hitler« (»Bankgeschäfte mit Hitler«) und 1998 ausgestrahlt wurde. (2) Die Regierung der Vereinigten Staaten hatte 1944 auf der Währungskonferenz in Bretton Woods eine Resolution unterstützt, in der zur Liquidierung der BIZ aufgerufen wurden, nachdem die Tschechoslowakei die Beschuldigung erhoben hatte, die BIZ wasche Gold, das die Nazis in den von ihnen besetzten europäischen Gebieten gestohlen hatten. Doch die Zentralbankiers schafften es, diese amerikanische Resolution still in der Versenkung verschwinden zu lassen. (3)
In seinem 1966 erschienenen Buch Tragedy and Hope: A History of the World in Our Time (Deutsche Ausgabe: Katastrophe und Hoffnung: Eine Geschichte der Welt in unserer Zeit) deckte der amerikanische Historiker Dr. Carroll Quigley die Schlüsselrolle auf, welche die BIZ hinter den Kulissen auf der globalen finanzpolitischen Bühne gespielt hatte. Professor Quigley lehrte und forschte an der Georgetown University in Washington D.C., wo er u.a. auch den späteren US-Präsidenten Bill Clinton betreute. Daneben war Quigley einer der »Insider«, der von der mächtigen Clique gefördert wurde, die er selbst als »die internationalen Bankiers« bezeichnete. Quigleys Glaubwürdigkeit wird dadurch noch unterstrichen, dass er die politischen Ziele dieser Bankiers unterstützte. Quigley wörtlich:
»Ich weiß um die Machenschaften dieses Netzwerks, weil ich es seit 20 Jahren untersucht habe und Anfang der 1960er-Jahre sogar zwei Jahre lang seine Papiere und Geheimakten einsehen durfte. Ich hege keine Feindschaft gegen dieses Netzwerk oder gegen die meisten seiner Ziele; die meiste Zeit meines Lebens habe ich dieser Gruppe und vielen ihre Institutionen nahe gestanden. … [G]enerell liegt der hauptsächliche Meinungsunterschied zwischen diesem Netzwerk und mir darin, dass es unbekannt bleiben will, und ich dagegen glaube, dass seine Rolle in der Geschichte so bedeutend ist, dass sie bekannt sein sollte.«
Über die Ziele dieses internationalen Netzwerks von Bankiers schrieb Quigley:
»[D]ie Machtinteressen des Finanzkapitalismus verfolgten ein zusätzliches weitreichendes Ziel: sie wollten ein weltweites Finanzsystem errichten, das von privaten Händen kontrolliert wurde und das in der Lage war, das politische System in jedem Land sowie die gesamte Weltwirtschaft zu beherrschen. Kontrolliert werden sollte dieses System auf feudalistische Art und Weise durch die konzertierte Aktion der Zentralbanken dieser Welt, die ihre geheimen Maßnahmen auf häufigen privaten Treffen und Konferenzen abstimmten. Die Spitze dieses Systems sollte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel, in der Schweiz, bilden, eine Privatbank, die sich im Besitz der Zentralbanken der Welt befindet und von diesen kontrolliert wird; und diese Zentralbanken sind selber wiederum private Unternehmen.«
Der Schlüssel zu ihrem Erfolg, so Quigley, war die Tatsache, dass die internationalen Bankiers das Geldsystem einer Nation kontrollieren und manipulieren konnten, während es nach außen so aussah, als ob es von der jeweiligen Regierung kontrolliert würde. Diese Darstellung von Prof. Quigley bestätigte die oft zitierte Aussage des Patriarchen einer Familie, die zu den mächtigsten Bankendynastien der Welt aufsteigen sollte: 1791 tat der deutsche Bankier Mayer Amschel Rothschild den berühmten Ausspruch:
»Man erlaube mir, die Währung einer Nation in Umlauf zu bringen und zu kontrollieren, und ich schere mich nicht darum, wer die Gesetze dieser Nation macht.«
Mayer Amschel Rothschild sandte seine fünf Söhne in die führenden Finanzzentren Europas – London, Paris, Wien, Berlin und Neapel – mit dem Auftrag, ein Bankensystem aufzubauen, das völlig außerhalb der Kontrolle der jeweiligen Regierungen existieren konnte. Die wirtschaftlichen und politischen Systeme von ganzen Nationen sollte nicht von Staatsbürgern, sondern von Bankiers kontrolliert werden, und zwar zum Vorteil der Bankiers. Im weiteren Verlauf der Geschichte wurde in fast jedem Land der Welt eine »Zentralbank« errichtet, die von privaten Interessen kontrolliert wurde. Dieses Zentralbank-System hat inzwischen die Kontrolle über alle Volkswirtschaften der Welt übernommen. Die Zentralbanken haben die Befugnis, in ihren jeweiligen Ländern Geld zu drucken, und von diesen Bankhäusern müssen sich die jeweiligen Regierungen Geld leihen, um ihre Schulden bezahlen und ihre Ausgaben bestreiten zu können. Als Ergebnis davon ist eine globale Ökonomie entstanden, in dem nicht nur Industrieunternehmen, sondern auch die Regierungen darauf angewiesen sind, »Kredite« (oder Schulden) aufzunehmen, die ein Bankenmonopol erzeugt hat, an dessen Spitze ein Netzwerk von privaten Zentralbanken steht; und ganz oben, an der obersten Spitze dieses Netzwerks sozusagen, thront die BIZ in Basel, die »Zentralbank der Zentralbanken«.
Hinter dem Vorhang
Viele Jahre lang hat die BIZ kaum Aufsehen erregt und ihre Geschäfte hinter den Kulissen in einem ehemaligen Hotel abgewickelt. Dort wurden die Entscheidungen vorbereitet und getroffen, Währungen abzuwerten oder zu verteidigen, den Goldpreis festzusetzen, Banken, die »offshore«, also außerhalb der Gerichtsbarkeit agierten, zu regulieren, und schließlich auch die kurzfristigen Zinsraten anzuheben oder zu senken. Im Jahre 1977 gab die BIZ jedoch ihre Anonymität auf und bezog eine Zentrale, in der die Bank effizienter arbeiten konnte. Das neue BIZ-Gebäude nahe dem Baseler Bahnhof SSB wurde beschrieben als »18-stöckiger runder Wolkenkratzer, der sich über der mittelalterlichen Altstadt erhebt wie ein verirrter Kernreaktor«. Schon bald erhielt das Gebäude den Namen »Turm zu Basel«. Heute genießt die BIZ den Status einer Regierung: sie hat Immunität, zahlt keine Steuern und verfügt sogar über ihre eigene private Polizei. (4) Sie steht, wie von Mayer Rothschild vorausgesehen, über dem Gesetz.
Zwar gehören der BIZ jetzt 55 Mitgliedsländer an, doch der Club, der sich regelmäßig in Basel trifft, ist viel kleiner; und selbst dieser exklusive Club unterliegt einer strikten Hierarchie. Edward Jay Epstein schrieb 1983 für Harper’s Magazine einen Artikel mit der Überschrift: »Die Welt des Geldes beherrschen«, in dem er erläuterte, dass der Ort, an dem die wirklichen Geldgeschäfte gemacht werden »eine Art innerer Club (ist), dem etwa das halbe Dutzend der mächtigen Zentralbankiers angehören, die mehr oder weniger in demselben Boot sitzen« – die Zentralbankiers von Deutschland, den USA, der Schweiz, Italien, Japan und Großbritannien. Epstein wörtlich:
»Der höchste Wert, mit dem sich auch der innere Club vom Rest der BIZ-Mitglieder abgrenzt, ist der feste Glaube daran, dass Zentralbanken unabhängig von ihren eigenen Regierungen agieren müssen … Eine zweite und mit diesem Wert zusammenhängende Überzeugung dieses inneren Clubs ist die, das man Politikern nicht die Entscheidung über das Schicksal des internationalen Währungssystems anvertrauen darf.«
1974 richteten die Zentralbankdirektoren der sogenannten Gruppe der Zehn (Nationen) – die inzwischen auf 20 erhöht wurde – den Basler Ausschuss für Bankenaufsicht ein, wobei die BIZ dessen zwölfköpfiges Sekretariat stellt. Dieser Ausschuss setzt die Regeln für das globale Bankwesen fest, inklusive die Mindestanforderungen für Eigenkapitalausstattung und Reservekontrollen. Joan Veon schrieb 2003 in einem Artikel unter der Überschrift: »The Bank for International Settlements Calls for Global Currency« (zu Deutsch: »Die BIZ fordert globale Währung«):
»Die BIZ ist der Ort, an dem sich alle Zentralbanken der Welt treffen, um die globale Ökonomie zu analysieren und festzulegen, welchen Weg sie als nächsten einschlagen werden, um noch mehr Geld in ihre Taschen fließen zu lassen, denn sie kontrollieren die gesamte in Umlauf befindliche Geldmenge und legen fest, welchen Zinssatz sie von Regierungen und Banken verlangen, die sich Geld von ihnen borgen …«
»Wenn man versteht, dass die BIZ die Fäden im Weltwährungssystem zieht, dann versteht man, dass diese Bankiers die Macht haben, in einem bestimmten Land einen Finanzboom oder einen Finanzkollaps zu erzeugen. Wenn ein solches Land nicht das tut, was die Geldverleiher von ihm verlangen, dann brauchen sie nur die Währung dieses Landes zu verkaufen.« (5)
Der umstrittene »Basler Akkord«
Die Macht der BIZ ganze Volkswirtschaften anzukurbeln oder zu ruinieren zeigte sich 1988, als sie mit dem sogenannten »Basler Akkord« die Eigenkapitalquote der Banken von sechs auf acht Prozent erhöhte. Bis zu diesem Zeitpunkt war Japan zum größten Gläubiger der Welt aufgestiegen, doch die japanischen Banken waren weniger gut mit Eigenkapital ausgestattet als andere große internationale Bankhäuser. Die Erhöhung der Eigenkapitalquote zwang diese Banken also zu einer Verknappung der Kredite, was zu einer Rezession in Japan führte, ähnlich der, die heute in den USA herrscht. Die Immobilienpreise fielen und es kam zu Kreditausfällen, weil deren Garantien verfielen. Daraus entwickelte sich eine Abwärtsspirale, die schließlich in den totalen Bankrott der Banken mündete, die de facto nationalisiert werden mussten – obwohl man dies Wort damals noch nicht benutzte, um kritische Stimmen nicht herauszufordern. (6)
Neben anderen Kollateralschäden, die im Zuge des »Basler Akkord« auftraten, kam es zu einer Vielzahl von Selbstmorden bei indischen Bauern, die jetzt keine Kredite mehr bekommen konnten. Nach den Eigenkapitalanforderungen der BIZ mussten die Kredite von privaten Kreditnehmern »risikogewichtet« werden, wobei das Ausmaß dieses Risikos von privaten Rating-Agenturen eingeschätzt wurde; und natürlich konnten Bauern und kleine Geschäftsleute die Gebühren dieser Rating-Agenturen nicht bezahlen. Deshalb stuften die Banken die Kredite dieser Kunden mit einem 100-prozentigen Risiko ein und weigerten sich, diesen »risikoreichen« Kreditnehmern weitere Kredite zu geben, da zur Absicherung dieser Kredite eine größere Eigenkapitalmenge erforderlich war. Als in Indien angesichts der vielen Bauern-Selbstmorde das nationale Gewissen schlug, reagierte die dortige Regierung unter heftigen Klagen gegen das Verhalten der Geschäftsbanken gegen die Bauern mit einer Politik, die den »finanziellen Ausschluss« der Schwachen beendete. Doch diese Maßnahme hatte nur einen geringen tatsächlichen Effekt auf das Kreditgeschäft, was im Wesentlichen an den strikten Bedingungen lag, die die BIZ von Basel aus den indischen Banken auferlegte. (7)
Ähnliche Beschwerden hat auch Korea vorgebracht. In einem Artikel, der am 12. Dezember 2008 in der Zeitung Korea Times unter dem Titel »BIS Calls Trigger Vicious Cycle« (zu Deutsch: »Die Forderungen der BIZ lösen einen Teufelskreis aus«) erschien, wurde beschrieben, dass koreanische Unternehmer mit guten Sicherheiten von Koreas Banken keine Betriebskredite bekommen können, und das auch noch zu einer Zeit der Wirtschaftsflaute, in der eigentlich verstärkt investiert werden musste – und die Unternehmer daher leichter an Kredite herankommen sollten.
»Wie ein Analyst, der seinen Namen nicht gedruckt sehen möchte, erklärte, ›hat die [koreanische Zentralbank] Bank of Korea seit dem vollen Ausbruch der Finanzkrise im September den Banken mehr als 35 Billionen Won [ca.24,5 Mrd. Euro] zur Verfügung gestellt. Doch das hat bisher überhaupt keine Wirkung gezeigt, da die Banken ihr Geld im Tresor verwahren. Sie gewähren einfach keine Kredite mehr und einer der stärksten Gründe dafür ist, dass sie alle ihre von der BIZ verlangte Eigenkapitalquote hoch genug halten, damit sie überleben können‹, erklärte er.«
»Chang Ha-joon, ein Ökonomieprofessor an der Cambridge University, stimmt diesem Analysten zu. ›Was die Banken jetzt in ihrem eigenen Interesse tun oder um ihre BIZ-Quote zu verbessern, geht gegen die Interessen der ganzen Gesellschaft. Das ist wirklich schlecht‹, erklärte Chang kürzlich in einem Telefoninterview mit der Korea Times.«
In einem Artikel, der am 2. Mai 2002 in der Zeitung The Asia Times veröffentlicht worden war, schrieb der chinesische Ökonom Henry C K Liu unter dem Titel »Global Economy: The BIS vs. National Banks« (zu Deutsch: »Globale Ökonomie: Die BIZ vs. nationale Banken«), dass der Basler Akkord die nationalen Bankensysteme gezwungen hat, »nach genau denselben Spielregeln zu funktionieren, wie die hochkomplizierten globalen Finanzmärkte, ohne Rücksicht auf die erforderliche Entwicklung ihrer nationalen Volkswirtschaften«. Liu schrieb:
»[D]ie nationalen Bankensysteme sind urplötzlich den harten Bedingungen des Basler Akkords über Eigenkapitalanforderungen unterworfen worden, die von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) gestellt werden; ansonsten müssen sie als Strafe wucherische Risikoprämien zahlen, wenn sie auf dem Interbankenmarkt internationale Kredite aufnehmen wollen … Plötzlich wird die Wirtschaftspolitik von Nationen von dem Profitinteresse von privaten Finanzinstitutionen bestimmt, die alle einem hierarchischen System angehören, das von den New Yorker Finanzhäusern kontrolliert und dirigiert wird. Dadurch entsteht der Zwang, dass sich nationale Bankensysteme privatisieren müssen …«
»Die Regularien der BIZ dienen nur dem einzigen Zwecke, das internationale private Bankensystem zu stärken, selbst wenn dadurch nationale Volkswirtschaften in Gefahr geraten … Der IMF und die von der BIZ regulierten internationalen Banken bilden ein Team: die internationalen Banken geben unbekümmert Kredite an Klienten in den Schwellenländern und erzeugen damit in diesen Ländern eine Krise bei den (in ausländischer Währung) abgerechneten Schulden; daraufhin taucht der IWF als Träger des monetären Virus im Gewand einer gesunden Währungspolitik auf; danach fallen dann die internationalen Banken im Namen der finanziellen Rettung wie Geier-Investoren über diese Länder her, um sich die dortigen Banken, die von der BIZ als kapitalschwach und insolvent eingestuft werden, einzuverleiben.«
Ironischerweise, so Liu, waren die rohstoffreichen Entwicklungsländer auf derartige Auslandsinvestitionen eigentlich gar nicht angewiesen, mit denen sie in die Schuldenfalle ausländischer Interessen gelockt wurden:
»Nach der staatlichen Geldtheorie [gemäß derer ein souveräner Staat die Macht hat, sein eigenes Geld zu schöpfen und in Umlauf zu bringen] kann jede Regierung alle erforderlichen Entwicklungsprojekte im eigenen Land mit der eigenen Währung finanzieren, um ohne Inflation die Vollbeschäftigung aufrechtzuerhalten.«
Als jedoch Regierungen in die Falle tappten, Kredite in Auslandswährungen zu akzeptieren, wurden ihre Länder zu »Schuldnernationen«, die den Regularien des IWF und der BIZ unterworfen waren. Sie wurden gezwungen, ihre gesamte Produktion auf den Export umzustellen, nur um die Devisen zu erwirtschaften, mit denen sie die Zinsen auf ihre Auslandskredite zurückzahlen konnten. Die als »kapitalschwach« eingestuften nationalen Banken mussten harte Auflagen erfüllen, die nur den berüchtigten »Konditionalitäten« vergleichbar waren, die der IWF den Schuldnernationen auferlegte, wie: »Erhöhung der Eigenkapitalquote, Kreditabschreibungen und Liquidationen sowie Restrukturierungen durch Verkäufe, Entlassungen, ›Gesundschrumpfen‹, Kostenabbau und Deckelung der Kapitalausgaben.« Liu schrieb:
»Entgegen aller Logik, nach der ein gesundes Bankensystem zu Vollbeschäftigung, Entwicklung und Wachstum führen soll, verlangen die Regularien der BIZ eine hohe Arbeitslosigkeit und weniger Entwicklung in nationalen Volkswirtschaften als fairen Preis für ein gesundes globales privates Bankensystem.«
Der letzte Dominostein, der fällt
Während die Banken im Entwicklungssektor bestraft wurden, weil sie die BIZ-Eigenkapitalanforderungen nicht erfüllten, haben große internationale Bankhäuser es geschafft, diese Regeln zu umgehen, obwohl sie dabei enorme Risiken eingingen, da sie sich im Derivategeschäft stark exponierten. Die Super-Banken umgingen die Basler Vorschriften folgendermaßen: sie trennten das »Risiko« eines Ausfalls von den eigentlichen Krediten ab, und verkauften es weiter an Investoren, wobei sie eine besondere Form der Finanzderivate benutzten, die als »credit default swaps« bekannt wurde – eine Art Tauschgeschäft mit Kreditausfällen bzw. deren Risiken.
Doch es war in den Spielregeln nicht vorgesehen, dass die US-Banken den Fängen der BIZ entkommen sollten. Als klar war, dass Amerikas Großbanken es geschafft hatten, den ersten Basler Akkord (»Basel I«) zu umgehen, kam es zu einem zweiten Akkord (»Basel II«). Diese neuen Regeln wurden zwar bereits im Jahre 2004 beschlossen, doch für die US-Banken galten sie erst im November 2007, nachdem Dow Jones-Index die Marke von 14.000 überschritten und damit ein Allzeit-Hoch erreicht hatte. Doch von da an ging es mit der US-Wirtschaft nur noch bergab. Basel II hatte auf die US-Banken den gleichen Effekt, den Basel I auf die japanischen Banken ausgeübt hatte: seit seiner Einführung müssen sie um ihr Überleben kämpfen. (8)
Die Bedingungen von Basel II verlangen von den Banken, den Wert ihrer marktfähigen Sicherheiten (z.B. Derivate, Zertifikate oder Immobilien) ständig an den jeweils gültigen »Marktpreis« dieser Sicherheit anzupassen; diese Regel wird im Branchenjargon als »mark to market« bezeichnet. (9) Theoretisch hat diese Regel einige Vorzüge, doch das Problem steckt im Zeitpunkt ihrer Aufstellung: sie galt erst ex post facto, also im Nachhinein, nachdem die Banken bereits große Bestände an kaum verkäuflichen Vermögenswerten in ihren Büchern stehen hatten. Kreditgeber, die vorher als kapitalkräftig genug gegolten hatten, um neue Kredite vergeben zu können, mussten plötzlich feststellen, dass sie bankrott waren. Zumindest wären sie bankrott gewesen, wenn sie – gemäß den Vorgaben dieser neuen Regeln – versucht hätten, ihre Vermögenswerte zu verkaufen. Der Finanzanalyst John Berlau beschwerte sich über diesen Sachverhalt folgendermaßen:
»Die Krise wird oft als ›Marktversagen‹ bezeichnet, und der Begriff ›mark-to-market‹ scheint das zu erhärten. Doch diese mark-to-market-Regeln sind zutiefst anti-marktwirtschaftlich und behindern die Preisfindungs-Funktion des freien Marktes … In diesem Fall verbieten die Anpassungsvorschriften es den Marktteilnehmern, ihre Vermögenswerte zu behalten, wenn sie die Preise nicht mögen, die der Markt in dem betreffenden Augenblick hergibt, und das ist eine wichtige Funktion des Marktes, die zur Preisfindung bzw. -bestimmung in allen Branchen von der Landwirtschaft bis hin zum Antiquitätenhandel beiträgt.« (10)
Die Verhängung der »mark-to-market-Regel« gegen die US-Banken führte umgehend zu einer Kreditklemme, in deren Verlauf nicht nur die US-Wirtschaft einen Abschwung erlitt, sondern auch die Volkswirtschaften in allen anderen Ländern der Welt. Anfang April 2009 hat die zuständige Finanzbehörde der amerikanischen Regierung (U.S. Financial Accounting Standards Board, FASB) diese mark-to-market-Regel schließlich entschärft; doch laut Kritikern ging diese Maßnahme nicht weit genug und wurde lediglich auf den Druck der Politiker und Bankiers vorgenommen, nicht aufgrund einer prinzipiellen Änderung der politischen Haltung der BIZ.
An dieser Stelle der Entwicklung können die Verschwörungstheoretiker punkten. Warum hat die BIZ die Regeln von Basel II nicht aufgehoben oder zumindest entschärft, nachdem klar geworden ist, welch katastrophale Konsequenzen sie hatten? Warum hat man tatenlos zugesehen, als die Weltwirtschaft zusammenbrach? Bestand das Ziel etwa darin, ein derart großes ökonomisches Chaos anzurichten, dass die ganze Welt sich mit Erleichterung in die wartenden Arme der BIZ samt ihrer privat geschaffenen globalen Währung stürzte? Die Anzeichen für ein Komplott verdichten sich …
__________
Fußnoten:
(1) Andrew Marshall, »The Financial New World Order: Towards a Global Currency and World Government«, Global Research (6. April 2009).
(2) Alfred Mendez, »The Network«, The World Central Bank: The Bank for International Settlements, copy_bilderberg.tripod.com/bis.htm.
(3) »BIS – Bank of International Settlement: The Mother of All Central Banks«, hubpages.com (2009).
(4) Ebenda.
(5) Joan Veon, »The Bank for International Settlements Calls for Global Currency«, News with Views (26. August 2003).
(6) Peter Myers, »The 1988 Basle Accord – Destroyer of Japan’s Finance System«, www.mailstar.net/basle.html (aktualisiert am 9. September 2008).
(7) Nirmal Chandra, »Is Inclusive Growth Feasible in Neoliberal India?«, networkideas.org (September 2008).
(8) Bruce Wiseman, »The Financial Crisis: A look Behind the Wizard’s Curtain«, Canada Free Press (19. März 2009).
(9) Siehe Ellen Brown, »Credit Where Credit Is Due«, webofdebt.com/articles/creditcrunch.php, 11. Januar 2009. (Deutsche Übersetzung: »Die Lösung der Kreditkrise: Kredit, wem Kredit gebührt«, Kopp-Online-Informationsdienst, 11. Januar 2009).
(10) John Berlau, »The International Mark-to-market Contagion«, OpenMarket.org (10. Oktober 2008).
Die Erstveröffentlichung dieses Artikels erfolgte in Global Research.
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Mittwoch, 22. April 2009
Sonntag, 20. April 2008
Vom Globalismus zum System-Kollaps
Grübel: «Scharf am System-Kollaps vorbeigeschlittert»
Zürich - Der frühere Chef der Credit Suisse vergleicht die gegenwärtige Finanzkrise mit der Kuba-Krise von 1962. Wie die Welt damals «haarscharf an einem Atomkrieg vorbeigegangen» sei, sei sie nun «haarscharf an einem System-Kollaps vorbeigeschlittert».
smw / Quelle: sda / Sonntag, 20. April 2008 / 11:17 h
«Eine Bank reicht, um das ganze System zum Stillstand zu bringen», sagte Oswald J. Grübel in einem Interview mit dem «SonntagsBlick». Er verwies auf den Notverkauf von Bear Stearns an JP Morgan: Bei einem Zusammenbruch der US-Investmentbank wäre die Situation ausser Kontrolle geraten. Das Bankgeschäft wäre gelähmt gewesen. In jener März-Woche, als JP Morgen mit Hilfe der US-Notenbank Fed die am Abgrund stehende Bear Stearns übernommen habe, sei die Situation am gefährlichsten gewesen. Die Notenbanken hätten «zum Glück» erkannt, dass sie «den Interbankmarkt ersetzen müssen, weil sich die Banken untereinander nicht mehr vertrauten», so Grübel. Der 64-Jährige rechnet mit nachhaltigen Folgen der Finanzkrise, insbesondere mit einer strengeren Kreditvergabe: «In Zukunft werden die Banken weltweit viel weniger Kredit gewähren. Dabei geht es um Billionen. Das wird das Wirtschaftswachstum in den nächsten Jahren überwall gewaltig bremsen.» Zentralbanken und Aufsichtsbehörden müssten die Lehren aus der Krise ziehen. Die Behörden benötigten Mittel, um Spezialisten zu beschäftigen, die die Märkte besser verstehen. «Es kann doch nicht sein, dass keiner merkt, wenn einzelne Banken Risiken eingehen, mit denen sie beinahe ihr ganzes Kapital aufs Spiel setzen», so Grübel.
Zürich - Der frühere Chef der Credit Suisse vergleicht die gegenwärtige Finanzkrise mit der Kuba-Krise von 1962. Wie die Welt damals «haarscharf an einem Atomkrieg vorbeigegangen» sei, sei sie nun «haarscharf an einem System-Kollaps vorbeigeschlittert».
smw / Quelle: sda / Sonntag, 20. April 2008 / 11:17 h
«Eine Bank reicht, um das ganze System zum Stillstand zu bringen», sagte Oswald J. Grübel in einem Interview mit dem «SonntagsBlick». Er verwies auf den Notverkauf von Bear Stearns an JP Morgan: Bei einem Zusammenbruch der US-Investmentbank wäre die Situation ausser Kontrolle geraten. Das Bankgeschäft wäre gelähmt gewesen. In jener März-Woche, als JP Morgen mit Hilfe der US-Notenbank Fed die am Abgrund stehende Bear Stearns übernommen habe, sei die Situation am gefährlichsten gewesen. Die Notenbanken hätten «zum Glück» erkannt, dass sie «den Interbankmarkt ersetzen müssen, weil sich die Banken untereinander nicht mehr vertrauten», so Grübel. Der 64-Jährige rechnet mit nachhaltigen Folgen der Finanzkrise, insbesondere mit einer strengeren Kreditvergabe: «In Zukunft werden die Banken weltweit viel weniger Kredit gewähren. Dabei geht es um Billionen. Das wird das Wirtschaftswachstum in den nächsten Jahren überwall gewaltig bremsen.» Zentralbanken und Aufsichtsbehörden müssten die Lehren aus der Krise ziehen. Die Behörden benötigten Mittel, um Spezialisten zu beschäftigen, die die Märkte besser verstehen. «Es kann doch nicht sein, dass keiner merkt, wenn einzelne Banken Risiken eingehen, mit denen sie beinahe ihr ganzes Kapital aufs Spiel setzen», so Grübel.
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Sonntag, 6. Januar 2008
Wie Wirtschaftskrisen generiert werden
Die Geheimnisse der US-Notenbank
von Wolfgang Freisleben, Wien
Entgegen dem allgemeinen Glauben ist die amerikanische «Zentralbank» in Wahrheit eine Geldmaschine für ein privates Bankenkartell, das um so mehr verdient, je höher die Zinsen sind. So nebenbei druckt es billig US-Dollar-Noten und verkauft sie teuer weiter.
Immer wieder steht die «Federal Reserve» beziehungsweise «amerikanische Notenbank» – gemeinhin als «FED» bezeichnet – im Blickpunkt, wenn die internationale Finanzwelt gespannt darauf wartet, ob sie die Zinsen verändert oder nicht.
Das Kürzel steht für «Board of Governors of the Federal Reserve System», also die Konferenz der Gouverneure des 93 Jahre alten amerikanischen «Federal Reserve Systems». Darunter ist nicht eine staatliche Nationalbank im herkömmlichen Sinn zu verstehen, sondern ein Zusammenschluss von zunächst fünf und heute zwölf regionalen, über die USA verstreuten Privatbanken, die jeweils den Namen Federal Reserve Bank tragen dürfen und von denen nur ein kleiner Zirkel von Eingeweihten weiss, wem sie gehören. Nur eines ist sicher: Sie gehören nicht dem Staat. Dennoch üben sie die Funktion einer staatlichen Nationalbank aus. Ihre Willensbildung findet im Federal Reserve Board statt, den der Präsident nach aussen repräsentiert und dessen Sitzungen in Washington in einem eigenen, entsprechend imposant gestalteten historischen Gebäude stattfinden. Die wichtigste dieses exklusiven Zirkels von Privatbanken ist die Federal Reserve Bank of New York, die den riesigen Finanzplatz New York kontrolliert.
Privilegien für eine Geldmaschine
Dieses private Bankenkartell verfügt über unglaubliche Privilegien, von denen drei besonders hervorstechen:
• Mit dem Druck von amerikanischen US-Dollar-Banknoten verwandelt die FED zu minimalen Kosten wertloses Papier in US-Dollar-Noten und leiht diese gegen Schuldverschreibungen an die USA (sowie inzwischen auch an weitere Staaten) und andere Banken. So hat das Kartell im Lauf seiner Geschichte aus dem Nichts Billionen von Forderungen geschaffen, für die es permanent Zinsen kassiert, was einen immerwährenden jährlichen Profit in unvorstellbaren Milliardenhöhen sichert. Dadurch muss sich so nebenbei keine amerikanische Regierung Sorgen um das Staatsdefizit machen, solange die Herren in Nadelstreifen auf der Seite der Regierung stehen und bei Bedarf – wie gegenwärtig in der Ära Bush zur Finanzierung der Kriege – jederzeit die Druckerpresse in Gang setzen.
• Mit dem Zinsprivileg setzt die FED die Höhe der Zinsen selber fest, und es ist einsichtig, dass sie grösstes Interesse daran hat, möglichst hohe Zinsen zu kassieren. Daher reizt sie die Zinshöhe möglichst oft bis zum äussersten aus und verursacht periodisch damit Krisen – dies ist derzeit der Fall –, um danach brav als Retter in der Not aufzutreten. Mit den Zinsen wird permanent Kaufkraft von den amerikanischen Bürgern abgeschöpft und zu den FED-Bankiers umverteilt: über Kreditzinsen ebenso wie über die Steuern, die als Zinsen für die riesige Staatsschuld zur FED umgeleitet werden. Mit den ständigen Zinsänderungen verändert die FED daher die Rahmenbedingungen für die grösste Volkswirtschaft der Erde und deren wichtigste Aktienbörse an der New Yorker Wall Street, die als weltweite Leitbörse Signalwirkung für die restlichen Börsen der Welt hat.
• Um Bankenkrisen wieder stabilisieren zu können, verwaltet die FED Geldreserven ihrer Mitgliedsbanken (die mit 6% pro Jahr verzinst werden), die sie dem Bankensystem bei Bedarf zur Abwehr dieser Krise wieder zur Verfügung stellt. Derzeit ist die FED bemüht, eine weltweite Finanzkrise im Zuge des Crashs im System der amerikanischen Immobilienfinanzierer durch wiederholte Liquiditätszufuhr an die Banken abzuwenden. Da viele US-lmmobilienbanken klugerweise ihre Kreditforderungen zu Wertpapieren gebündelt und ihre Probleme damit an Banken in Europa weitergereicht haben, kamen dadurch auch europäische Banken ins Trudeln.
Doch die FED beziehungsweise ihr früherer Präsident Alan Greenspan hat diese Krise selber provoziert. Denn mit den raschen und geradezu dramatischen Zinssenkungen (nach bis auf 6% völlig überzogenen Leitzinsen) und einer damit verbundenen übermässigen Liquiditätsversorgung der US-Wirtschaft, hatte Greenspan ab 3. Januar 2001 versucht, den grössten Kurssturz an den Börsen seit 50 Jahren zu stabilisieren. Per 25. Juni 2003 hatten die Leitzinsen mit 1% ihr tiefstes Niveau erreicht, was den Banken die Möglichkeit gab, extrem niedrig verzinste Kredite zu vergeben. Dadurch wurden viele Familien in eine «Kreditfalle» gelockt und zu Hauskäufen auf Kredit animiert, die sie sich nur unter den Bedingungen der niedrigen Zinsen leisten konnten.
Krise von der FED provoziert
Ab dem Ende des Zinssenkungszyklus hatte Greenspan ein Problem provoziert, das lawinenartig allmählich immer grösser wurde. Denn ab 30. Juni 2004 erhöhte die FED bis zum 29. Juni 2006 die Leitzinsen zwölf Mal um jeweils 0,25 Prozentpunkte bis auf 5,25%. Diese sind somit jetzt um 525% höher als vor 4 Jahren! Dementsprechend stiegen auch die Zinsen für Immobilienkredite und erreichten ein Niveau, das sich immer mehr Familien nicht mehr leisten können. Da die Sparquote in den USA derzeit negativ ist, die breite Bevölkerung also vorwiegend auf Pump lebt, und Sparbücher kaum eine Rolle spielen, weitet sich die Krise aus. Seit nun ab dem Vorjahr immer mehr Immobilienfinanzierer analog zu ihren Kunden in Zahlungsverzug bei anderen Banken gerieten und Konkurs anmeldeten, war die Krise perfekt und erreichte im August 2007 einen dramatischen Höhepunkt, den die FED und die europäische Notenbank EZB nur mehr durch mehrere Liquiditätsspritzen in das Bankensystem stabilisieren konnten.
Die Liquiditätskrise der Banken hat sich natürlich sofort auf die Börsen übertragen, die generell auf die Zinsbewegungen der FED äusserst sensibel reagieren. Denn steigende Zinsen machen festverzinsliche Wertpapiere als Konkurrenz zu Aktien attraktiver, bremsen die Wirtschaft, sind daher immer Gift für die Börsen und zwingen die Aktienkurse nach unten. So begann der September 2007.
Die Motive der FED-Banken
Um Vorgangsweise und Motive der FED, die manchmal durchaus dubios erscheinen, zu verstehen, ist ein Blick auf die Entstehungsgeschichte hilfreich.
Der Vorschlag zur Etablierung einer Zentralbank stammte von dem deutschen Bankier Paul Warburg. Die durch den Bankrott der Knickerbocker Trust Co. und die bedrohliche Lage der Trust Company of America im Herbst 1907 ausgelöste schwere Finanz- und Bankenkrise riss 243 Banken in den Abgrund, weil es keine Institution gab, die ihnen temporär Geld zur Überwindung ihrer Zahlungsschwierigkeiten zur Verfügung gestellt hätte. Zufällig war diese Krise wenige Monate zuvor von dem Bankier John Pierpont Morgan in einer Rede vor der New Yorker Handelskammer angekündigt worden, verbunden mit dem Ruf nach einer Zentralbank. Die Krise eignete sich bestens zur Unterstützung dieser Forderung. Morgan sollte später bei deren Umsetzung im Hintergrund eine wesentliche Rolle spielen.
Ursprünglich Teilhaber des Bankhauses Warburg in Hamburg, hatte Paul Warburg 1893 während eines Aufenthalts in den USA die Tochter von Salomon Loeb vom New Yorker Bankhaus Kuhn, Loeb & Co. geheiratet, der ihn und seinen Bruder Felix 1902 als Partner in die Bank (1977 zu Lehman Brothers fusioniert) holte.
Von der Kuhn-Loeb-Bank grosszügig mit einem Jahressalär von 500 000 US-Dollar ausgestattet, war Paul Warburg nach der Bankenkrise sechs Jahre ausschliesslich damit beschäftigt, eine «Bankreform» mit Einrichtung einer Zentralbank nach Vorbild der Bank of England (die damals noch privaten Bankiers gehörte) zu propagieren und vorzubereiten. Dabei wurde er von Senator Nelson D. Aldrich unterstützt, dem Schwiegervater des ersten amerikanischen Milliardenerben John D. Rockefeller junior, der wiederum als der politische Steigbügelhalter des Bankiers J. P. Morgan in den amerikanischen Kongress bekannt wurde.
Verschwörung im Jagdclub auf Jekyll-lsland
Im November 1910 begab sich schliesslich eine handverlesene Gruppe unter dem Vorwand eines Jagdausfluges in einem Eisenbahnwaggon mit zugezogenen Gardinen in den Jagdclub des Bankiers J. P. Morgan auf Jekyll-Island in Georgia. Auf diesem später als Verschwörung bezeichneten geheimen Treffen gingen Paul Warburg (als Vertreter von Kuhn-Loeb und anderen Banken) und je zwei führende Bankiers von J. P. Morgan (die auch die Interessen der Rothschild-Gruppe wahrzunehmen hatten) und der Rockefeller-Gruppe Senator Aldrich zur Hand, um binnen neun Tagen eine Gesetzesvorlage zu texten, die der überaus eitle Republikaner unbedingt unter seinem Namen in den Kongress einbringen wollte. Anstelle einer Zentralbank war darin aber nur von einer privaten nationalen Reserve-Gesellschaft mit mehreren über Amerika verstreuten Repräsentanzen die Rede, bei denen Geldinstitute, die sich freiwillig anschlossen, Geldreserven für Krisenfälle hinterlegen sollten. Wegen seiner bekannten Verbindungen zum Finanz- und Börsenzentrum an der New Yorker Wall Street scheiterte Aldrich, weil die Mehrheit der misstrauischen Abgeordneten darin zu Recht einen Plan sah, einem kleinen Kreis von mächtigen und untereinander verbundenen Bankiers eine dominierende Stellung und damit enorme Profitmöglichkeiten innerhalb der amerikanischen Wirtschaft zu sichern.
Natürlich liessen sich die Wall Street-Haie nicht so schnell entmutigen und nützten die Präsidentschaftswahlen 1912, um den demokratischen Kandidaten Woodrow Wilson mit üppigen Geldspenden ins Präsidentenamt zu hieven. Nach aussen gab er sich im Wahlkampf noch als Gegner des «Wall-Street-Money-Trusts» und versprach dem Volk ein Geldsystem, das frei von der Herrschaft der internationalen Bankiers der Wall Street sein sollte. Tatsächlich wurde das Zentralbank-Konzept aber von jener Gruppe eingefädelt, die ihrer Macht beraubt zu werden schien.
Die Schiffs, Warburgs, Kahns, Rockefellers und Morgans hatten jedenfalls auf das richtige Pferd gesetzt. Unter dem verharmlosenden Titel «Federal Reserve Act», der angeblich den Wall-Street-Plan einer Zentralbank zunichte machte, schleusten sie die geringfügig umformulierte Gesetzesvorlage von Jekyll-Island über willige Abgeordnete der demokratischen Fraktion mit Unterstützung von Präsident Wilson am 23. Dezember 1913 zur Abstimmung in den Kongress, als viele ahnungslose Abgeordnete bereits ihren Weihnachtsurlaub angetreten hatten und kaum jemand die Gesetzesvorlage zuvor auch tatsächlich gelesen hatte.
Das gigantischste Kartell auf Erden
Die wenigen Abgeordneten, die das üble Spiel durchschauten, fanden kaum Gehör. Der Konservative Henry Cabot Lodge sen. prophezeite in weiser Voraussicht «eine gewaltige Inflation der Zahlungsmittel» und dass «die Goldwährung in einer Flut von nicht einlösbarer Papierwährung» ertrinken werde. Nach der Abstimmung sagte Charles A. Lindberg sen., der Vater des berühmten Fliegers, vor dem Kongress: «Dieses Gesetz etabliert das gigantischste Kartell auf Erden […], dadurch wird die unsichtbare Regierung der Geldmacht legalisiert sein […]. Dies ist die verkleidete Aldrich-Gesetzesvorlage […]. Das neue Gesetz wird Inflation erzeugen, wann immer das Kartell die Inflation wünscht […].»
Lindberg sollte Recht behalten, wie sich am Beispiel des «Dollar-Privilegs» leicht erkennen lässt. Auch vor der Einrichtung des Notenbank-Systems hatten private Banken Geldscheine gedruckt. In den 1860er Jahren hatte es noch 8000 verschiedene Banknoten gegeben, die von privaten «State Banks» mit besonderer Genehmigung des Staates ausgegeben wurden. Ab 1880 durften noch 2000 Banken eigene Banknoten herausgeben. Ab 1914 aber war es nur mehr das privilegierte Dutzend.
Als der amerikanische Präsident Abraham Lincoln zur Finanzierung des Bürgerkriegs 1861 Geld benötigte und ihm die Kredite der Rothschild-Banken, der traditionellen Kriegs-Financiers, zu teuer waren, unterlief er das Privileg der privaten Banken und liess staatliche Dollarnoten drucken – den «Greenback». Diese verwegene Tat sollte Lincoln nicht lange überleben. 1865 wurde er von einem Einzeltäter erschossen, der seinerseits auf der Flucht gleichfalls erschossen wurde. Lincolns Nachfolger Andrew Johnson stellte aus unerfindlichen Gründen die Banknotenproduktion ein.
Der nächste Präsident, der das Geldmonopol wieder dem Staat unterordnen wollte, war John F. Kennedy. Davor war die Bank of England, die eigentlich Vorbild für die Zentralbank in den USA hätte sein sollen, bereits 1946 verstaatlicht worden.
Kennedy wollte FED entmachten
Wenige Monate vor seiner Ermordung soll John F. Kennedy laut Aussage einer Zeugin von seinem Vater Joseph Kennedy im Oval Office des Weissen Hauses angeschrieen worden sein: «Wenn du das tust, bringen sie dich um!» Doch der Präsident liess sich von seinem Plan nicht abbringen. Am 4. Juni 1963 unterzeichnete er die «Executive Order Number 111 110», mit der er die frühere «Executive Order Number 10289» ausser Kraft setzte, die Herstellung von Banknoten wieder in die Gewalt des Staates zurückbrachte und damit das exklusive Kartell der Privatbanken weitgehend entmachtete. Als bereits rund 4 Milliarden US-Dollar kleine Noten unter der Bezeichnung «United States Notes» der Geldzirkulation zugeführt worden waren und in der Staatsdruckerei grössere Noten auf die Auslieferungen warteten, wurde Kennedy am 22. November 1963, also 100 Jahre nach Lincoln, ebenso von einem Einzeltäter erschossen, der seinerseits gleichfalls erschossen wurde. Sein Nachfolger hiess Lyndon B. Johnson. Auch dieser stellte aus unerfindlichen Gründen die Banknotenproduktion ein. Die zwölf Federal-Reserve-Banken liessen die Kennedy-Scheine umgehend aus dem Verkehr ziehen und gegen ihr eigenes Schuldgeld austauschen.
Mit dem Monopol zur unbegrenzten Geld-Produktion verfügt das Banken-Kartell des Federal Reserve Systems über eine gigantische Geldmaschine, mit der es Jahr für Jahr prächtig verdient. Wer dahintersteht, ist ein streng gehütetes Geheimnis. Denn es muss unterschieden werden zwischen den Eigentümerbanken und den einfachen Mitgliedsbanken, die Geldreserven einlegen, um notfalls damit wieder gerettet zu werden. Die Federal Reserve Bank of New York hat vor einigen Jahren wenigstens die Namen dieser «einfachen», aber ansonsten rechtlosen Mitgliedsbanken veröffentlicht. Diese erhalten eine jährliche Verzinsung von 6% auf ihre Einlagen. Doch die Höhe ihrer Anteile wird ebenso geheimgehalten wie die Eigentümer der anfangs nur drei, heute elf weiteren regionalen Federal-Reserve-Banken.
Vorwürfe nach dem Börsenkrach 1929
Den ihm angebotenen ersten Vorsitz des Federal Reserve Board lehnte Paul Warburg als eben erst (1910) eingebürgerter deutscher Jude mit unüberhörbarem deutschem Akzent knapp vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs gegen Deutschland ab. Er wurde jedoch Mitglied des Aufsichtsrates wie auch des mächtigen Council on Foreign Relations, das bis heute als Brutstätte amerikanischer Spitzenpolitiker und FED-Banker gilt.
Seine jahrelange Bemühung um die Gründung des amerikanischen Notenbank-Systems brachte ihm indes nicht nur Geld und Ehre in der Hochfinanz ein, sondern auch die schlimmste Erfahrung seines Lebens. Er forderte 1928 vergebens eine Beschränkung des Geldumlaufs, um die an den Goldrausch von einst erinnernde Spekulation an der Börse zu bremsen. Doch die wenigsten wollten auf ihn hören und nannten ihn «Kassandra der Wall Street». Nach dem Börsenkrach im Oktober 1929 wurde er zur Zielscheibe von Leuten, die ihr Vermögen verloren hatten. Gerüchte, Broschüren und Artikel bezeichneten ihn, der versucht hatte, Finanzkatastrophen vorzubeugen, als den «unamerikanischen Urheber» der damaligen Börsenpanik. Formulierungen wie «Paul Warburg stundete mit seiner Bande das Federal Reserve System, um Amerikas Finanzen in jüdische Hand zu bringen und Amerika bis zum Zusammenbruch auszusaugen» waren an der Tagesordnung und setzten sich in Legenden bis lange nach dem Zweiten Weltkrieg fort. Verbittert über die Angriffe starb er 1932.
Doch auch nach Warburg entstanden immer wieder wirtschaftliche Rezessionen und Kursstürze an der New Yorker Börse (mit gleichartigen Auswirkungen auf alle übrigen Weltbörsen), denen Zinserhöhungen des Federal Reserve System vorangegangen waren: 1936–1937 fielen die Aktienkurse um 50%, 1948 um 16%, 1953 um 13%, 1956 um 13%, 1957 um 19%, 1960 um 17%, 1966 um 25%, 1970 um 25%. Später folgten der Börsen-Crash im Oktober 1987, Kursstürze 1990, 1992, 1998 und zuletzt die schwere Baisse vom April 2000 bis März 2003 sowie die aktuelle Krise im August/September 2007, deren Auswirkungen ungewiss sind.
Heute wird kolportiert – aber offiziell nicht bestätigt –, dass die Rockefeller-Bankengruppe gegenwärtig 22% der Aktien der Federal Reserve Bank of New York und 53% der Anteile am gesamten Federal Reserve System hält. Die Bank of Japan als grösster Käufer von US-Staatsanleihen hält angeblich 8%. Den rein amerikanischen Banken insgesamt werden Anteile von 66%, den alten europäischen Bankhäusern 26% (darunter 10% Rothschild-Banken) zugeschrieben. •
Quelle: International III/2007
von Wolfgang Freisleben, Wien
Entgegen dem allgemeinen Glauben ist die amerikanische «Zentralbank» in Wahrheit eine Geldmaschine für ein privates Bankenkartell, das um so mehr verdient, je höher die Zinsen sind. So nebenbei druckt es billig US-Dollar-Noten und verkauft sie teuer weiter.
Immer wieder steht die «Federal Reserve» beziehungsweise «amerikanische Notenbank» – gemeinhin als «FED» bezeichnet – im Blickpunkt, wenn die internationale Finanzwelt gespannt darauf wartet, ob sie die Zinsen verändert oder nicht.
Das Kürzel steht für «Board of Governors of the Federal Reserve System», also die Konferenz der Gouverneure des 93 Jahre alten amerikanischen «Federal Reserve Systems». Darunter ist nicht eine staatliche Nationalbank im herkömmlichen Sinn zu verstehen, sondern ein Zusammenschluss von zunächst fünf und heute zwölf regionalen, über die USA verstreuten Privatbanken, die jeweils den Namen Federal Reserve Bank tragen dürfen und von denen nur ein kleiner Zirkel von Eingeweihten weiss, wem sie gehören. Nur eines ist sicher: Sie gehören nicht dem Staat. Dennoch üben sie die Funktion einer staatlichen Nationalbank aus. Ihre Willensbildung findet im Federal Reserve Board statt, den der Präsident nach aussen repräsentiert und dessen Sitzungen in Washington in einem eigenen, entsprechend imposant gestalteten historischen Gebäude stattfinden. Die wichtigste dieses exklusiven Zirkels von Privatbanken ist die Federal Reserve Bank of New York, die den riesigen Finanzplatz New York kontrolliert.
Privilegien für eine Geldmaschine
Dieses private Bankenkartell verfügt über unglaubliche Privilegien, von denen drei besonders hervorstechen:
• Mit dem Druck von amerikanischen US-Dollar-Banknoten verwandelt die FED zu minimalen Kosten wertloses Papier in US-Dollar-Noten und leiht diese gegen Schuldverschreibungen an die USA (sowie inzwischen auch an weitere Staaten) und andere Banken. So hat das Kartell im Lauf seiner Geschichte aus dem Nichts Billionen von Forderungen geschaffen, für die es permanent Zinsen kassiert, was einen immerwährenden jährlichen Profit in unvorstellbaren Milliardenhöhen sichert. Dadurch muss sich so nebenbei keine amerikanische Regierung Sorgen um das Staatsdefizit machen, solange die Herren in Nadelstreifen auf der Seite der Regierung stehen und bei Bedarf – wie gegenwärtig in der Ära Bush zur Finanzierung der Kriege – jederzeit die Druckerpresse in Gang setzen.
• Mit dem Zinsprivileg setzt die FED die Höhe der Zinsen selber fest, und es ist einsichtig, dass sie grösstes Interesse daran hat, möglichst hohe Zinsen zu kassieren. Daher reizt sie die Zinshöhe möglichst oft bis zum äussersten aus und verursacht periodisch damit Krisen – dies ist derzeit der Fall –, um danach brav als Retter in der Not aufzutreten. Mit den Zinsen wird permanent Kaufkraft von den amerikanischen Bürgern abgeschöpft und zu den FED-Bankiers umverteilt: über Kreditzinsen ebenso wie über die Steuern, die als Zinsen für die riesige Staatsschuld zur FED umgeleitet werden. Mit den ständigen Zinsänderungen verändert die FED daher die Rahmenbedingungen für die grösste Volkswirtschaft der Erde und deren wichtigste Aktienbörse an der New Yorker Wall Street, die als weltweite Leitbörse Signalwirkung für die restlichen Börsen der Welt hat.
• Um Bankenkrisen wieder stabilisieren zu können, verwaltet die FED Geldreserven ihrer Mitgliedsbanken (die mit 6% pro Jahr verzinst werden), die sie dem Bankensystem bei Bedarf zur Abwehr dieser Krise wieder zur Verfügung stellt. Derzeit ist die FED bemüht, eine weltweite Finanzkrise im Zuge des Crashs im System der amerikanischen Immobilienfinanzierer durch wiederholte Liquiditätszufuhr an die Banken abzuwenden. Da viele US-lmmobilienbanken klugerweise ihre Kreditforderungen zu Wertpapieren gebündelt und ihre Probleme damit an Banken in Europa weitergereicht haben, kamen dadurch auch europäische Banken ins Trudeln.
Doch die FED beziehungsweise ihr früherer Präsident Alan Greenspan hat diese Krise selber provoziert. Denn mit den raschen und geradezu dramatischen Zinssenkungen (nach bis auf 6% völlig überzogenen Leitzinsen) und einer damit verbundenen übermässigen Liquiditätsversorgung der US-Wirtschaft, hatte Greenspan ab 3. Januar 2001 versucht, den grössten Kurssturz an den Börsen seit 50 Jahren zu stabilisieren. Per 25. Juni 2003 hatten die Leitzinsen mit 1% ihr tiefstes Niveau erreicht, was den Banken die Möglichkeit gab, extrem niedrig verzinste Kredite zu vergeben. Dadurch wurden viele Familien in eine «Kreditfalle» gelockt und zu Hauskäufen auf Kredit animiert, die sie sich nur unter den Bedingungen der niedrigen Zinsen leisten konnten.
Krise von der FED provoziert
Ab dem Ende des Zinssenkungszyklus hatte Greenspan ein Problem provoziert, das lawinenartig allmählich immer grösser wurde. Denn ab 30. Juni 2004 erhöhte die FED bis zum 29. Juni 2006 die Leitzinsen zwölf Mal um jeweils 0,25 Prozentpunkte bis auf 5,25%. Diese sind somit jetzt um 525% höher als vor 4 Jahren! Dementsprechend stiegen auch die Zinsen für Immobilienkredite und erreichten ein Niveau, das sich immer mehr Familien nicht mehr leisten können. Da die Sparquote in den USA derzeit negativ ist, die breite Bevölkerung also vorwiegend auf Pump lebt, und Sparbücher kaum eine Rolle spielen, weitet sich die Krise aus. Seit nun ab dem Vorjahr immer mehr Immobilienfinanzierer analog zu ihren Kunden in Zahlungsverzug bei anderen Banken gerieten und Konkurs anmeldeten, war die Krise perfekt und erreichte im August 2007 einen dramatischen Höhepunkt, den die FED und die europäische Notenbank EZB nur mehr durch mehrere Liquiditätsspritzen in das Bankensystem stabilisieren konnten.
Die Liquiditätskrise der Banken hat sich natürlich sofort auf die Börsen übertragen, die generell auf die Zinsbewegungen der FED äusserst sensibel reagieren. Denn steigende Zinsen machen festverzinsliche Wertpapiere als Konkurrenz zu Aktien attraktiver, bremsen die Wirtschaft, sind daher immer Gift für die Börsen und zwingen die Aktienkurse nach unten. So begann der September 2007.
Die Motive der FED-Banken
Um Vorgangsweise und Motive der FED, die manchmal durchaus dubios erscheinen, zu verstehen, ist ein Blick auf die Entstehungsgeschichte hilfreich.
Der Vorschlag zur Etablierung einer Zentralbank stammte von dem deutschen Bankier Paul Warburg. Die durch den Bankrott der Knickerbocker Trust Co. und die bedrohliche Lage der Trust Company of America im Herbst 1907 ausgelöste schwere Finanz- und Bankenkrise riss 243 Banken in den Abgrund, weil es keine Institution gab, die ihnen temporär Geld zur Überwindung ihrer Zahlungsschwierigkeiten zur Verfügung gestellt hätte. Zufällig war diese Krise wenige Monate zuvor von dem Bankier John Pierpont Morgan in einer Rede vor der New Yorker Handelskammer angekündigt worden, verbunden mit dem Ruf nach einer Zentralbank. Die Krise eignete sich bestens zur Unterstützung dieser Forderung. Morgan sollte später bei deren Umsetzung im Hintergrund eine wesentliche Rolle spielen.
Ursprünglich Teilhaber des Bankhauses Warburg in Hamburg, hatte Paul Warburg 1893 während eines Aufenthalts in den USA die Tochter von Salomon Loeb vom New Yorker Bankhaus Kuhn, Loeb & Co. geheiratet, der ihn und seinen Bruder Felix 1902 als Partner in die Bank (1977 zu Lehman Brothers fusioniert) holte.
Von der Kuhn-Loeb-Bank grosszügig mit einem Jahressalär von 500 000 US-Dollar ausgestattet, war Paul Warburg nach der Bankenkrise sechs Jahre ausschliesslich damit beschäftigt, eine «Bankreform» mit Einrichtung einer Zentralbank nach Vorbild der Bank of England (die damals noch privaten Bankiers gehörte) zu propagieren und vorzubereiten. Dabei wurde er von Senator Nelson D. Aldrich unterstützt, dem Schwiegervater des ersten amerikanischen Milliardenerben John D. Rockefeller junior, der wiederum als der politische Steigbügelhalter des Bankiers J. P. Morgan in den amerikanischen Kongress bekannt wurde.
Verschwörung im Jagdclub auf Jekyll-lsland
Im November 1910 begab sich schliesslich eine handverlesene Gruppe unter dem Vorwand eines Jagdausfluges in einem Eisenbahnwaggon mit zugezogenen Gardinen in den Jagdclub des Bankiers J. P. Morgan auf Jekyll-Island in Georgia. Auf diesem später als Verschwörung bezeichneten geheimen Treffen gingen Paul Warburg (als Vertreter von Kuhn-Loeb und anderen Banken) und je zwei führende Bankiers von J. P. Morgan (die auch die Interessen der Rothschild-Gruppe wahrzunehmen hatten) und der Rockefeller-Gruppe Senator Aldrich zur Hand, um binnen neun Tagen eine Gesetzesvorlage zu texten, die der überaus eitle Republikaner unbedingt unter seinem Namen in den Kongress einbringen wollte. Anstelle einer Zentralbank war darin aber nur von einer privaten nationalen Reserve-Gesellschaft mit mehreren über Amerika verstreuten Repräsentanzen die Rede, bei denen Geldinstitute, die sich freiwillig anschlossen, Geldreserven für Krisenfälle hinterlegen sollten. Wegen seiner bekannten Verbindungen zum Finanz- und Börsenzentrum an der New Yorker Wall Street scheiterte Aldrich, weil die Mehrheit der misstrauischen Abgeordneten darin zu Recht einen Plan sah, einem kleinen Kreis von mächtigen und untereinander verbundenen Bankiers eine dominierende Stellung und damit enorme Profitmöglichkeiten innerhalb der amerikanischen Wirtschaft zu sichern.
Natürlich liessen sich die Wall Street-Haie nicht so schnell entmutigen und nützten die Präsidentschaftswahlen 1912, um den demokratischen Kandidaten Woodrow Wilson mit üppigen Geldspenden ins Präsidentenamt zu hieven. Nach aussen gab er sich im Wahlkampf noch als Gegner des «Wall-Street-Money-Trusts» und versprach dem Volk ein Geldsystem, das frei von der Herrschaft der internationalen Bankiers der Wall Street sein sollte. Tatsächlich wurde das Zentralbank-Konzept aber von jener Gruppe eingefädelt, die ihrer Macht beraubt zu werden schien.
Die Schiffs, Warburgs, Kahns, Rockefellers und Morgans hatten jedenfalls auf das richtige Pferd gesetzt. Unter dem verharmlosenden Titel «Federal Reserve Act», der angeblich den Wall-Street-Plan einer Zentralbank zunichte machte, schleusten sie die geringfügig umformulierte Gesetzesvorlage von Jekyll-Island über willige Abgeordnete der demokratischen Fraktion mit Unterstützung von Präsident Wilson am 23. Dezember 1913 zur Abstimmung in den Kongress, als viele ahnungslose Abgeordnete bereits ihren Weihnachtsurlaub angetreten hatten und kaum jemand die Gesetzesvorlage zuvor auch tatsächlich gelesen hatte.
Das gigantischste Kartell auf Erden
Die wenigen Abgeordneten, die das üble Spiel durchschauten, fanden kaum Gehör. Der Konservative Henry Cabot Lodge sen. prophezeite in weiser Voraussicht «eine gewaltige Inflation der Zahlungsmittel» und dass «die Goldwährung in einer Flut von nicht einlösbarer Papierwährung» ertrinken werde. Nach der Abstimmung sagte Charles A. Lindberg sen., der Vater des berühmten Fliegers, vor dem Kongress: «Dieses Gesetz etabliert das gigantischste Kartell auf Erden […], dadurch wird die unsichtbare Regierung der Geldmacht legalisiert sein […]. Dies ist die verkleidete Aldrich-Gesetzesvorlage […]. Das neue Gesetz wird Inflation erzeugen, wann immer das Kartell die Inflation wünscht […].»
Lindberg sollte Recht behalten, wie sich am Beispiel des «Dollar-Privilegs» leicht erkennen lässt. Auch vor der Einrichtung des Notenbank-Systems hatten private Banken Geldscheine gedruckt. In den 1860er Jahren hatte es noch 8000 verschiedene Banknoten gegeben, die von privaten «State Banks» mit besonderer Genehmigung des Staates ausgegeben wurden. Ab 1880 durften noch 2000 Banken eigene Banknoten herausgeben. Ab 1914 aber war es nur mehr das privilegierte Dutzend.
Als der amerikanische Präsident Abraham Lincoln zur Finanzierung des Bürgerkriegs 1861 Geld benötigte und ihm die Kredite der Rothschild-Banken, der traditionellen Kriegs-Financiers, zu teuer waren, unterlief er das Privileg der privaten Banken und liess staatliche Dollarnoten drucken – den «Greenback». Diese verwegene Tat sollte Lincoln nicht lange überleben. 1865 wurde er von einem Einzeltäter erschossen, der seinerseits auf der Flucht gleichfalls erschossen wurde. Lincolns Nachfolger Andrew Johnson stellte aus unerfindlichen Gründen die Banknotenproduktion ein.
Der nächste Präsident, der das Geldmonopol wieder dem Staat unterordnen wollte, war John F. Kennedy. Davor war die Bank of England, die eigentlich Vorbild für die Zentralbank in den USA hätte sein sollen, bereits 1946 verstaatlicht worden.
Kennedy wollte FED entmachten
Wenige Monate vor seiner Ermordung soll John F. Kennedy laut Aussage einer Zeugin von seinem Vater Joseph Kennedy im Oval Office des Weissen Hauses angeschrieen worden sein: «Wenn du das tust, bringen sie dich um!» Doch der Präsident liess sich von seinem Plan nicht abbringen. Am 4. Juni 1963 unterzeichnete er die «Executive Order Number 111 110», mit der er die frühere «Executive Order Number 10289» ausser Kraft setzte, die Herstellung von Banknoten wieder in die Gewalt des Staates zurückbrachte und damit das exklusive Kartell der Privatbanken weitgehend entmachtete. Als bereits rund 4 Milliarden US-Dollar kleine Noten unter der Bezeichnung «United States Notes» der Geldzirkulation zugeführt worden waren und in der Staatsdruckerei grössere Noten auf die Auslieferungen warteten, wurde Kennedy am 22. November 1963, also 100 Jahre nach Lincoln, ebenso von einem Einzeltäter erschossen, der seinerseits gleichfalls erschossen wurde. Sein Nachfolger hiess Lyndon B. Johnson. Auch dieser stellte aus unerfindlichen Gründen die Banknotenproduktion ein. Die zwölf Federal-Reserve-Banken liessen die Kennedy-Scheine umgehend aus dem Verkehr ziehen und gegen ihr eigenes Schuldgeld austauschen.
Mit dem Monopol zur unbegrenzten Geld-Produktion verfügt das Banken-Kartell des Federal Reserve Systems über eine gigantische Geldmaschine, mit der es Jahr für Jahr prächtig verdient. Wer dahintersteht, ist ein streng gehütetes Geheimnis. Denn es muss unterschieden werden zwischen den Eigentümerbanken und den einfachen Mitgliedsbanken, die Geldreserven einlegen, um notfalls damit wieder gerettet zu werden. Die Federal Reserve Bank of New York hat vor einigen Jahren wenigstens die Namen dieser «einfachen», aber ansonsten rechtlosen Mitgliedsbanken veröffentlicht. Diese erhalten eine jährliche Verzinsung von 6% auf ihre Einlagen. Doch die Höhe ihrer Anteile wird ebenso geheimgehalten wie die Eigentümer der anfangs nur drei, heute elf weiteren regionalen Federal-Reserve-Banken.
Vorwürfe nach dem Börsenkrach 1929
Den ihm angebotenen ersten Vorsitz des Federal Reserve Board lehnte Paul Warburg als eben erst (1910) eingebürgerter deutscher Jude mit unüberhörbarem deutschem Akzent knapp vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs gegen Deutschland ab. Er wurde jedoch Mitglied des Aufsichtsrates wie auch des mächtigen Council on Foreign Relations, das bis heute als Brutstätte amerikanischer Spitzenpolitiker und FED-Banker gilt.
Seine jahrelange Bemühung um die Gründung des amerikanischen Notenbank-Systems brachte ihm indes nicht nur Geld und Ehre in der Hochfinanz ein, sondern auch die schlimmste Erfahrung seines Lebens. Er forderte 1928 vergebens eine Beschränkung des Geldumlaufs, um die an den Goldrausch von einst erinnernde Spekulation an der Börse zu bremsen. Doch die wenigsten wollten auf ihn hören und nannten ihn «Kassandra der Wall Street». Nach dem Börsenkrach im Oktober 1929 wurde er zur Zielscheibe von Leuten, die ihr Vermögen verloren hatten. Gerüchte, Broschüren und Artikel bezeichneten ihn, der versucht hatte, Finanzkatastrophen vorzubeugen, als den «unamerikanischen Urheber» der damaligen Börsenpanik. Formulierungen wie «Paul Warburg stundete mit seiner Bande das Federal Reserve System, um Amerikas Finanzen in jüdische Hand zu bringen und Amerika bis zum Zusammenbruch auszusaugen» waren an der Tagesordnung und setzten sich in Legenden bis lange nach dem Zweiten Weltkrieg fort. Verbittert über die Angriffe starb er 1932.
Doch auch nach Warburg entstanden immer wieder wirtschaftliche Rezessionen und Kursstürze an der New Yorker Börse (mit gleichartigen Auswirkungen auf alle übrigen Weltbörsen), denen Zinserhöhungen des Federal Reserve System vorangegangen waren: 1936–1937 fielen die Aktienkurse um 50%, 1948 um 16%, 1953 um 13%, 1956 um 13%, 1957 um 19%, 1960 um 17%, 1966 um 25%, 1970 um 25%. Später folgten der Börsen-Crash im Oktober 1987, Kursstürze 1990, 1992, 1998 und zuletzt die schwere Baisse vom April 2000 bis März 2003 sowie die aktuelle Krise im August/September 2007, deren Auswirkungen ungewiss sind.
Heute wird kolportiert – aber offiziell nicht bestätigt –, dass die Rockefeller-Bankengruppe gegenwärtig 22% der Aktien der Federal Reserve Bank of New York und 53% der Anteile am gesamten Federal Reserve System hält. Die Bank of Japan als grösster Käufer von US-Staatsanleihen hält angeblich 8%. Den rein amerikanischen Banken insgesamt werden Anteile von 66%, den alten europäischen Bankhäusern 26% (darunter 10% Rothschild-Banken) zugeschrieben. •
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