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Dienstag, 23. März 2010

Gender - der systematische staatliche Wahnsinn

Gender: »Elterliche Vorurteile legen kindliche Geschlechtsidentität fest, nicht die Organe«!

Eva Herman

Man geht bei den neuesten Gender-Forschungen allen Ernstes davon aus, dass mit der Geburt des Menschen sein Geschlecht noch längst nicht festgelegt sei, nur weil sie oder er etwa eine Vagina oder einen Penis habe. Vielmehr seien diese Merkmale eine Gefahr für die »richtige« Festlegung: Denn durch die unterschiedliche Behandlung des Säuglings durch Vater und Mutter aufgrund des Sexualorgans würden bestimmte Rollenbilder vermittelt, welche das Kind erst zu einem Jungen oder Mädchen machten, in seiner Gender-Entwicklung »nur einseitig« prägen und ihm damit die Vielfalt der Geschlechter vorenthalten könnte.
Diese »Einsicht« hat zur Folge, dass in der Säuglingsbetreuung künftig entschieden häufiger Männer eingesetzt werden sollen, damit auch die Mädchen den männlichen Einfluss erleben können, um eventuell doch noch zum Jungen zu mutieren, während der Junge aufgrund einseitiger, mütterlicher Ausrichtung, die ihn angeblich meist zum Tyrannen verzieht, wie es heißt, »zu viel Machopotential vermittelt zu bekommt«.

Und so liest man in der umfassenden Dissertationsarbeit der Uni Tübingen zum Thema Gender-Maßnahmen in Kitas unter anderem: »Unbewusste Phantasien der Betreuungspersonen wirken sich auf das Aufwachsen von Kindern aus, sie gehen in das Selbstbild des Kindes ein und werden durch die Reaktionen des Säuglings wiederum beeinflusst. Wenn Mütter ihr Kind, weil es ein Junge ist, anders behandeln als dies bei einem Mädchen der Fall wäre, so hat dies natürlich auch auf den Geschlechtsaspekt Einfluss.«

Das heißt wieder einmal nichts anderes, als dass Gender-»Experten« das natürliche Geschlecht des Menschen, welches spätestens bei der Geburt deutlich zutage tritt, in Abrede stellen und stattdessen die soziale Erziehung hierfür verantwortlich machen. Ein normal denkender Mensch mag sich wieder und wieder an den Kopf fassen, wenn er bislang der Ansicht war, dass mit Penis oder Vagina bei der Geburt eines Menschen grundsätzlich feststand, ob ein Junge oder ein Mädchen das Licht der Welt erblickt hatte. (Die berühmten Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel.)

Ein weiterer, kaum zu glaubender, jedoch höchst gefährlicher Aspekt wird den inzwischen verbindlich geltenden Gender-Regeln beigefügt: Der Mensch bekomme seine Identität ausschließlich durch sein Geschlecht zugewiesen. Wörtlich: »Geschlechtsidentität ist demnach die Grundlage aller Identitätsentwicklung. Der Mensch kann erst dann zu einer, wie auch immer gearteten, Identität gelangen, wenn er sich als Frau oder Mann ›begreift‹.«

Doch es kommt noch besser: Nun wird erläutert, dass der Mensch, wenn denn nun endlich das Geschlecht festgestellt bzw. festgelegt wurde, aufgrund der schnelllebigen Zeit jedoch keinesfalls für ewig darauf festgelegt bleiben müsse. Im Gegenteil, durch die unterschiedlichsten Anforderungen verändere sich der Mensch, und damit auch sein Gender. »Veränderungen in der Gesellschaft machen eine Veränderung der geschlechtsbezogenen Selbstkonzepte unter Umständen mehrmals im Leben nötig.« Feste männliche und besonders weibliche Identitäten seien demzufolge immer weniger möglich, und eine permanente bewusste Entwicklung in Auseinandersetzung mit sich verändernden Lebenssituationen und gesellschaftlichem Wandel zwinge die Individuen dazu, ihr Leben stärker als bisher selbst zu gestalten. »Dies kann nur dadurch geschehen, dass das Handlungspotential, auch in Bezug des Geschlechtsaspekts erweitert wird.«

Wie bitte? Was bedeutet das für die Zukunft der Menschheit? Was geschieht unter dem Aspekt, dass man nach Gender sein Geschlecht ständig auswechseln kann? Tauscht man damit jeweils auch seine Identität aus? Ganz offensichtlich! Das würde neben anderen grausigen Begleiterscheinungen bedeuten, dass die Gesellschaft völlig neue Wissenschaften und psychologische und psychosoziale Betreuungseinrichtungen entwickeln müsste für Millionen von Grenzpersönlichkeiten, die man durch politisch verordnete Genderprogramme »heranzüchten« will. Albtraumvorstellungen, deren gewaltige Ausmaße jeglichen Rahmen sprengen würden, denn damit wäre das Land schlagartig mit verbogenen, verdrehten Persönlichkeiten angefüllt, mit Horrorwesen, die Geschlecht und Identität wechseln könnten wie das allmorgendliche Hemd.

Auch die Gefühle und Erwartungen der eigenen Eltern gegenüber ihren neugeborenen Kindern seien aus Sicht der Gender-Experten schuld daran, dass bereits den Säuglingen schon ein unzeitgemäßes und falsches Geschlechterbild übergestülpt werde: »Man muss davon ausgehen, dass unbewusste Ängste oder Erwartungen der Eltern, vorwiegend aber der Mutter, die Einstellung bereits zum ungeborenen Kind beeinflussen und sie diese dem Kind vermittelt. Die Enttäuschung oder die Freude über eine bestimmte Geschlechtszugehörigkeit des zu erwartenden Kindes kann demnach das Selbsterleben des Ungeborenen (aus psychoanalytischer Sicht) beeinflussen. Fest steht, dass Eltern ihren Babys schon am ersten Tag nach der Geburt eine ›Geschlechtsrolle‹ zuschreiben. So ließ man Eltern ihre Kinder beschreiben. Mädchen wurden durchweg als klein, hübsch, niedlich, schwach, zart und den Müttern ähnlich beschrieben, Jungen dagegen als robust, koordiniert, kräftiger und widerstandsfähig. Diese Einschätzung deckte sich jedoch keinesfalls mit der medizinischen Sichtweise. Auch ein durchgeführtes Experiment, in dem ein Säugling einer Gruppe von Personen als weiblich, einer anderen Gruppe von Personen als männlich vorgestellt wurde, erbrachte diese Ergebnisse. So muss davon ausgegangen werden, dass bestimmte Vorurteile oder Erwartungen die Sichtweise und damit auch den Umgang mit dem Neugeborenen bedingen. Der Geschlechtszuweisung bei der Geburt wird ebenfalls eine zentrale Rolle der Weiblichkeits- und Männlichkeitsvorstellungen und dem damit verbundenen Rollenlernen zugewiesen. Viele Anzeichen sprechen dafür, dass die Tatsache, dass die erste Bezugsperson meist weiblich ist, einen entscheidenden Einfluss auf die Geschlechtsidentität von Jungen und Mädchen hat. Man geht deshalb davon aus, dass Jungen bezüglich ihrer weiblichen Identifikationen mit ihrem Primär-Objekt Mutter hierbei einen krisenreicheren Weg durchlaufen, weil die Etablierung einer männlichen Geschlechtsidentität eine partielle Zurücknahme der früheren Identifikationen erforderlich zu machen scheint.«

Die amerikanische Soziologin Nancy Chodorow wird zitiert: »Da Kinder sich immer zunächst mit der Mutter identifizieren, hat der Knabe schwierigere Veränderungen seiner Identifikation vorzunehmen, um die von ihm erwartete soziale Geschlechts-Identifikation und soziale Geschlechtsrolle auszubilden.«

Die Körperwahrnehmung geschehe, so die Gender-»Experten«, im ersten Lebensjahr über den Mund und die Erforschung der Körperteile mit den Händen. Die spielerische Entdeckung des Penis wollen die Forscher bei Jungen zwischen dem achten und zehnten Lebensmonat ausgemacht haben. Für Jungen würde der Penis, »den man sehen, anfassen und mit dem man spielen kann, eine größere Rolle spielen als die weiblichen Geschlechtsorgane für das Mädchen«. Ein Junge könne demnach »sein Jungensein also sehr früh an einem Körperteil ›festmachen‹, wobei ihm dieser Unterschied dennoch relativ spät bewusst wird und vermutlich das männliche Rollenlernen nicht oder nur wenig beeinflusst.« Mit der Geburt eines Kindes würden bei den Eltern unbewusste Fantasien und das mehr oder weniger konflikthafte Erleben der eigenen elterlichen Geschlechtsidentität aktualisiert. Diese wirkten auf das Verhalten gegenüber dem Kind ein, heißt es in der erwähnten Dissertation.

Zum Verständnis: Während die Gender-Vertreter behaupten, die Körperwahrnehmung des Menschen beginne im ersten Lebensjahr, sind sich nahezu alle konventionellen Psychiater, Psychologen und Psychoanalytiker darüber einig, dass dieser Prozess im Alter zwischen drei und vier Jahren stattfindet, nämlich dann, wenn das persönliche Ich des Menschen gebildet wird. Sofern sich ein kleines Kind im Spiegel gegenüber zu erkennen beginnt, bildet sich die Wahrnehmung für die eigene Identität. Was noch lange nicht bedeutet, dass damit die sexuelle Identifikation begonnen hätte. Diese stellt sich, nach gängiger wissenschaftlicher Meinung, je nach Entwicklungsstand des Kindes, erst im Alter zwischen fünf bis sieben Jahren ein.

Dass man dennoch schon Säuglinge und Kleinkinder sexuell reizen kann, steht außer Frage. Viele Millionen Kinderseelen wurden im Laufe der Zeit schon nachhaltig beschädigt oder zerstört durch gedankenlose oder sexuell motivierte Penetrierungen vonseiten der Eltern, Verwandten oder anderer Betreuungspersonen von Kleinkindern. Es handelt sich bei derartigen (höchstgefährlichen) Reizungen, die schon bei den Kleinsten durchaus körperliche Reaktionen zeigen, jedoch um eine rein körperliche, triebmotivierte Rückwirkung, die mit dem geistigen Entwicklungsprozess des Menschen nichts zu tun hat, die jedoch nicht selten als Auslöser für weiteren sexuellen Missbrauch oder gar Gewalt vonseiten der Erwachsenen gelten, frei nach dem Motto: Dem Kind gefällt es doch auch! Es sei wiederholt: Durch derartige tiefgreifende Eingriffe in das Seelenleben eines sich entwickelnden, schutzbedürftigen kleinen Menschen kann es zu schwersten seelischen Verletzungen kommen, unter denen ein Mensch meist bis zum Lebensende zu leiden hat.

In diesem Zusammenhang sei noch einmal auf die Gender-gesteuerte Broschüre hingewiesen, die die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) im Auftrag des Bundesfamilienministeriums herausgegeben hatte, die ebenso in der Schweiz und in Österreich herausgegeben wurden, und die nach über sechs Jahren massiver Verbreitung auch über das Internet aufgrund wütender Proteste vom Markt genommen werden musste. Der Ratgeber für Eltern zur kindlichen Sexualerziehung vom 1. bis zum 3. Lebensjahr forderte Mütter und Väter dazu auf, »das Notwendige mit dem Angenehmen zu verbinden, indem das Kind beim Saubermachen gekitzelt, gestreichelt, liebkost, an den verschiedensten Stellen geküsst wird«. »Scheide und vor allem Klitoris erfahren kaum Beachtung durch Benennung und zärtliche Berührung (weder seitens des Vaters noch der Mutter) und erschweren es damit für das Mädchen, Stolz auf seine Geschlechtlichkeit zu entwickeln (…)« Kindliche Erkundungen der Genitalien Erwachsener können »manchmal Erregungsgefühle bei den Erwachsenen auslösen. (…) Es ist ein Zeichen der gesunden Entwicklung Ihres Kindes, wenn es die Möglichkeit, sich selbst Lust und Befriedigung zu verschaffen, ausgiebig nutzt (…)« Wenn Mädchen (1 bis 3 Jahre!) »dabei eher Gegenstände zur Hilfe nehmen«, dann sollte man das nicht »als Vorwand benutzen, um die Masturbation zu verhindern«. Der Ratgeber fände es »erfreulich, wenn auch Väter, Großmütter, Onkel oder Kinderfrauen einen Blick in diese Informationsschrift werfen würden und sich anregen ließen – fühlen Sie sich bitte alle angesprochen!«

Diese Ausführungen, welche klare Aufforderungen zum Kindesmissbrauch und zu sexueller Gewalt an Kindern darstellen, mussten von der damaligen Familienministerin von der Leyen wieder vom Markt genommen werden. Doch war dies nicht etwa aufgrund einer freien Entscheidung der Politikerin geschehen, sondern fand auf massiven Druck von Journalisten und Kinderpsychologen statt.

Noch einmal: Sowohl die genannten Auszüge aus Gender-Programmen für Kitas als eben auch die Inhalte der inzwischen zurückgenommenen Broschüren sind die Grundpfeiler zahlreicher derzeitiger Programme, die für eine neue Geschlechteridentität von Kindern im Vorschulalter erarbeitet werden. Sowohl das Bundesfamilienministerium sowie nahezu alle Einrichtungen auf Länder- und kommunaler Ebene sind angehalten, die Gender-Mainstreaming-Maßnahmen umzusetzen. Man muss sich die Frage stellen, ob die Politiker, die Journalisten und Feministinnen wirklich alle darüber informiert sind, dass sie mit der Unterstützung der Gender-Maßnahmen nichts anderes unterstützen als die totale Zwangsveränderung der Menschheit, die einzig und alleine auf dem Boden sexueller Freiheit, Entfesselung und des Alles-muss-möglich-seins wächst. Doch ob sie es wissen oder nicht: Sie tragen die schwere Verantwortung dafür. Und Unwissenheit schützt vor Strafe nicht!

Montag, 4. Mai 2009

Die Feminisierung der Schule

Buben sind die Dummen

Text: Balz Ruchti und Peter Johannes

Szenarien wie dieses sind symptomatisch für die vorherrschende pädagogische Grundhaltung. Der Versuch, Schüler in jeder Aufgabenstellung emotional anzusprechen, ist meist Ausdruck einer gutgemeinten Mädchenförderung. Denn auch nach 40 Jahren fechten Lehrkräfte an manchen pädagogischen Hochschulen noch immer den Geschlechterkampf. So wird an der PH Bern vor dem «heimlichen Lehrplan» gewarnt, der die Stabilisierung der «herrschenden Geschlechterverhältnisse» zum Ziel habe. Es dominiere in den Lerninhalten eine «männliche Weltperspektive», heisst es in den Vorlesungsunterlagen. Der Unterricht orientiere sich vorwiegend an den Bedürfnissen der Buben, die durch ihr unangepasstes Verhalten auch noch mehr Aufmerksamkeit einheimsten.

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. 2008 waren in der Schweiz 60 Prozent der Maturanden weiblich, obwohl der Anteil junger Männer und Frauen in der Bevölkerung ausgeglichen ist. In Genf und Bern ist das Missverhältnis noch etwas ausgeprägter. Während die Mädchen an den Gymnasien auftrumpfen, stellen Jungs in Klassen für verhaltensauffällige Kinder die Mehrheit. Zwei von drei Sonderschülern sind männlich. Buben repetieren öfter und werden häufiger aus der Schule ausgeschlossen. Sind Buben einfach dümmer? Oder sind unsere Schulen nicht für sie gemacht?

In der wissenschaftlichen Diskussion wird das Phänomen unter dem Schlagwort «Feminisierung der Pädagogik» zusammengefasst: Auf allen Stufen vermitteln immer mehr Lehrerinnen Stoff, der inhaltlich wie methodisch auf Mädchen ausgerichtet ist. Buben und Mädchen sitzen während ihrer gesamten Schulzeit vorwiegend vor Frauen. Glänzen ihre Väter zu Hause zusätzlich mit Abwesenheit, wird das Mängelwesen Mann gänzlich zur Mangelware.

Im Kindergarten gibt es Männer überhaupt erst seit wenigen Jahren. Ihr Anteil dümpelt im tiefen einstelligen Prozentbereich. Mittlerweile stellen Lehrerinnen aber auch eine Mehrheit in den Klassenzimmern (siehe Grafik).

«Kinder sollten im Idealfall Lehrerinnen und Lehrer als Gegenüber haben. Aber das ist Wunschdenken», sagt Anton Strittmatter, Mitglied der Geschäftsleitung des Dachverbands Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH). Der Trend geht in die Gegenrichtung. «Der Lehrerberuf hat bei Männern ein schlechtes Image. Mit der anstehenden Pensionierungswelle – 30'000 Lehrkräfte in den nächsten 15 Jahren – wird darum der Anteil der Lehrerinnen weiter zunehmen.»

Doch in dieser Entwicklung sehen die meisten Experten nicht das Hauptproblem. Sie sind überzeugt, dass Lehrerinnen zwar keine männlichen Vorbilder ersetzen können, ansonsten aber Knaben grundsätzlich genauso gut unterrichten. «Das Geschlecht der Lehrperson garantiert für gar nichts. Unter Buben gibt es ja auch den ‹Meitlischmöcker-Vorwurf›, der Lehrer bevorzuge Mädchen. Und mancher Lehrerin unterstellen Schülerinnen, sie sei gegenüber Buben besonders wohlwollend», sagt Strittmatter, der die pädagogische Arbeitsstelle beim LCH leitet.

Die allmähliche Zunahme weiblicher Lehrkräfte in den letzten 40 Jahren vermag das schlechtere Abschneiden der Knaben nicht zu erklären. Das Geschlechterverhältnis bei der Matura kippte erst im Laufe der neunziger Jahre zugunsten der Mädchen.

Der Jugendpsychologe Allan Guggenbühl sieht denn auch einen anderen Grund für den Erfolg der Mädchen: «Die 68er Pädagogik hat irgendwann in den Neunzigern überhandgenommen.» In seinem Buch «Kleine Machos in der Krise» hat er die Probleme der Jungs in der Schule analysiert. Mit «68er Pädagogik» meint Guggenbühl eine ideologisierte Pädagogik, in der Anliegen der 68er pervertiert worden sind: Aus dem sinnvollen Postulat der schulischen Chancengleichheit der Geschlechter ist de facto ein «Mädchen und Buben sind gleich» geworden. Eine falsche Vorgabe, die bis heute Unheil in Lehrplänen, Unterrichtsmaterialien und Konzepten anrichtet.

So investieren Lehrkräfte viel Energie in das Vermeiden sprachlicher Ungleichbehandlung. Sorgsam achten sie darauf, ihre Schützlinge stets als «Schülerinnen und Schüler» anzusprechen – beim Wolkenschlossbeispiel klingt das so: «Bist du dort ein König, eine Königin?»

Was dagegen die Unterrichtsgestaltung angeht, bleiben die Kinder geschlechtslos. Ausnahmen sind Turnen und sexuelle Aufklärung. Und dies obwohl Studien belegen, dass geschlechtsspezifisches Verhalten nicht einfach das Ergebnis kultureller Sozialisation ist. Männer und Frauen, Buben und Mädchen unterscheiden sich von Kindesbeinen an in Kommunikationsweise, Denkarten und Verhalten – also in allen schulisch relevanten Punkten.

Solche Studien, die sich mit Geschlechterunterschieden und Gehirnfunktionen befassen, lösen bei vielen Pädagogen nach wie vor einen Abwehrreflex aus. In der Vergangenheit war die Skepsis auch angebracht. Männliche Wissenschaftler hatten über Jahrhunderte nach Belegen für eine geistige Unterlegenheit der Frau gesucht. So versuchte der Neurologe Paul Julius Möbius vor gut 100 Jahren, einen evolutionsbedingten «physiologischen Schwachsinn des Weibes» darzulegen – ein derart abstruses Werk, dass man annehmen möchte, es handelte sich um eine Satire. Andere Wissenschaftler wollten allein aus der kleineren Gehirnmasse auf die geistige Unterlegenheit der Frauen schliessen. Unsinn, der nichts mit zeitgenössischer Forschung zu tun hat.

Das Diktat der Hormone
Ebenso unsinnig dürfte die Behauptung mancher 68er Ideologen sein, typisch männliches und weibliches Verhalten werde ausschliesslich über Sozialisation erworben und hätte mit dem biologischen Geschlecht nichts zu tun. Nichtsdestotrotz wirkt Simone de Beauvoirs Bonmot «Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es» immer noch nach.

In Wahrheit ist es ein kompliziertes Wechselspiel von sozialen und genetischen Faktoren, das Männer und Frauen zu dem macht, was sie sind. Die unterschiedlichen Wesensarten hängen massgeblich vom Hormonhaushalt ab.

Frauen produzieren beispielsweise mehr Oxytocin. Das Östrogen erzeugt ein Gefühl von Nähe und Entspannung. Es wird beim Stillen, Kuscheln und bei Orgasmen ausgeschüttet. Zudem begünstigt es fürsorgliches Verhalten, den Aufbau sozialer Kontakte und stärkt das Vertrauen in andere. Neusten Forschungsergebnissen zufolge hilft das Hormon auch dabei, Gefühlsregungen von den Gesichtern der Mitmenschen abzulesen. Das sind alles Eigenschaften, die Mädchen in der Schule als Qualitäten ausspielen können.

Unter den Männern belohnte die Evolution vor allem Stärke, Risikobereitschaft und Schnelligkeit. Für solche Eigenschaften sorgt das Testosteron. Es stimmt kriegerisch, erhöht die körperliche Leistungsbereitschaft und schwächt zugleich soziale Fähigkeiten sowie das Bedürfnis nach menschlicher Bindung.

Was einst den Fortpflanzungserfolg sicherte, ist im Bildungssystem des 21. Jahrhunderts nicht gern gesehen. Schliesslich bereitet die Schule auf eine Dienstleistungsgesellschaft vor, die keine Helden und Draufgänger mehr braucht. Genetisch noch fest verankert, ist der archetypische Mann ein soziales Auslaufmodell – und zugleich das Feindbild feministischer Pädagogik. «Leben Jungs in der Schule ihre Befindlichkeit und Bedürfnisse aus, wird ihnen signalisiert, dass diese Unarten nicht erwünscht sind, sondern bestenfalls behandelbar», sagt Guggenbühl. Die hilflose Antwort des Schulsystems auf «Problembuben» seien psychologische und psychiatrische Interventionen, die nicht selten in langjährige Medikation mündeten.

Eine häufige Diagnose ist das Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS); Ritalin die chemische Gegenmassnahme. Jungs mit ADHS-Symptomen sind überdreht, reden ständig drein und lassen sich leicht ablenken. Zudem haben sie Mühe, sich länger zu konzentrieren, und können nicht stillsitzen – viele Eltern dürften ihren Sohn in dieser Beschreibung erkennen. Ab wann dieses Verhalten als krankhaft gilt, ist eine Frage der Definition. «Diese Symptome beschreiben eigentlich normales männliches Verhalten», so Guggenbühl. In der Tat betreffen neun von zehn ADHS-Diagnosen Buben.

Weinen, kuscheln, über Gefühle reden
«Es gibt Hinweise, dass Mädchen an unser Schulsystem besser angepasst sind. Ihre Fähigkeit, sich auf ein fremddefiniertes Thema zu einem fremdbestimmten Zeitpunkt zu konzentrieren, dürfte grösser sein. Diese soziale Anpassungsfähigkeit, kumuliert mit einem Reifevorsprung, kann zu einer Bevorteilung der Mädchen führen», sagt Pädagoge Anton Strittmatter. Der Reifeunterschied zwischen gleichaltrigen Buben und Mädchen könne bis zu drei Jahren entsprechen.

Das macht sich auch im Verhalten bemerkbar. «Für mein Empfinden sind Mädchen überangepasst», sagt Remo Largo, pensionierter Kinderarzt, Autor und Vater dreier Töchter. Je höher Sekundärtugenden wie Fleiss und Pünktlichkeit gewichtet werden, desto schlechter stünden die Chancen der Jungen. Ein durchschnittlich intelligentes, aber braves Schweizer Mädchen habe bei gleicher schulischer Leistung mehr als dreimal bessere Chancen als ein aufmüpfiger ausländischer Junge, so Largo. «Dass Mädchen schulverträglicher sind als Jungen, darf kein Selektionskriterium sein.»

Die Missstände sind in pädagogischen Kreisen nicht unerkannt geblieben. Und sie haben Buben- und Männerarbeiter auf den Plan gerufen. So hat sich das Netzwerk Schulische Bubenarbeit (NWSB) auf die Fahnen geschrieben, den Jungen eine vielfältige Männlichkeit vorzuleben. Sie wollen ihnen «Erlaubnis zu unmännlichem Verhalten» geben und «unmännliche Gefühle würdigen», auf dass sie die Angst vor solchen Empfindungen nicht in die «emotionale Einsamkeit» führe. Buben sollen weinen, kuscheln und über Gefühle reden. «Auffälliges und aggressives Verhalten ist nicht Ausdruck von Bedürfnissen, sondern von sozialem Zwang, Überforderung und Verunsicherung», sagt NWSB-Vorstand Hansjürg Sieber. Er ist Dozent für Geschlechterkompetenz am Institut für Weiterbildung der PH Bern und langjähriger Oberstufenlehrer. Dass es genetische Geschlechterunterschiede gibt, bestreitet er nicht: «Jungs sind langsamer in der Entwicklung, das wird ihnen bei Selektion und Berufswahl zum Verhängnis.»

Vor allem seien Buben aber benachteiligt, weil sie nach wie vor in ihren Stereotypen bestätigt würden. «Mädchen werden etwa für Fleiss gelobt, Jungs sind einfach begabt oder eben nicht – darum ist es uncool, sich anzustrengen.» Solche Geschlechterstereotypen müsse man endlich durchbrechen. «Der Jäger und Sammler reicht heute einfach nicht mehr – deshalb müssen wir uns um die Sozialisation kümmern und nicht primär um die biologischen Anlagen, die von uns her nicht beeinflussbar sind.»

Das Erfolgsmodell Mädchen
Guggenbühl sieht das anders: «Derlei ideologisch fixierte Bubenarbeit ist ein Betrug an den Buben.» Statt die Systemfehler zu korrigieren, verschärfe sie das Problem. Wurde früher fälschlicherweise die Frau als Abweichung vom Standardmass Mann begriffen, werden heute Buben am schulischen Erfolgsmodell Mädchen gemessen: Ihre Kameradinnen zeigen sich mehr körperliche Nähe, also müssen Jungs dieses Bedürfnis in gleichem Masse haben.

«Stattdessen müssen wir den Buben wieder das Vertrauen geben, dass als ‹typisch männlich› verschriene Eigenschaften nicht per se falsch sind», sagt Guggenbühl. Dazu gehöre, Buben in ihrer Eigenart zu akzeptieren und ihnen mehr Raum zu geben. Für den Psychologen sind Buben nicht weniger kommunikativ, wie gerne behauptet wird – sie kommunizieren anders. Während Mädchen im täglichen Austausch eher Übereinstimmungen suchen und betonen, ertasten Jungs ihr Gegenüber mittels Provokation. Anhand der Leitfrage «Wie weit kann ich wo gehen?» erstellen sie ein Persönlichkeitsprofil des Interaktionspartners.

Knaben regeln auch ihre Cliquenstruktur anders. Sie wollen herausragen, nicht kooperieren. Körperliche Auseinandersetzungen sind ein zulässiges Mittel, um die Rangordnung festzulegen. Mann darf sich auch mal fetzen. Ist die Hierarchie einmal geklärt, kehrt Ruhe ein.

An vielen Schulen herrscht aber ein verkrampfter Umgang mit Körperlichkeit. In Leitbildern verweisen sie gerne darauf, «gewaltfreie Schule» zu sein und keinerlei körperliche Auseinandersetzungen zu tolerieren – körperliche Stärke wird tabuisiert; gilt als grob, primitiv und roh. «Das ist ein weiteres Problem der feminisierten Schule: Jede Form körperlich aggressiven Verhaltens steht unter Generalverdacht», sagt Remo Largo.

Natürlich müssen wüste Schlägereien unterbunden werden. Aber das Null-Toleranz-Prinzip verhindert oft auch harmlose Rangeleien. «Damit wird den Buben ein soziales Instrument weggenommen, bei dem sie ihre Stärke und Geschicklichkeit ausspielen und erproben können», sagt Guggenbühl. Rangeleien seien für Jungs sogar eine Möglichkeit, Sachfragen auszudiskutieren – zum Beispiel, ob Astronaut oder Kampfpilot der coolere Beruf ist. Der Astronaut verliert, die Sache ist erledigt, und die beiden gehen zusammen Fussballspielen.

Völkerball ist aller Laster Anfang
Statt aber solchen Interaktionen Raum zu geben, werden sie gänzlich aus dem Schulalltag verdrängt. Diese ablehnende Haltung gegenüber körperlichen Auseinandersetzungen ist ein weiteres Relikt der 68er Bewegung: Sie gründet teils in übertriebenem Pazifismus, teils im Wissen, dass es ja die körperliche Überlegenheit war, die die Jahrtausende anhaltende männliche Dominanz erst ermöglichte – also gehört sie aus der Schule verbannt. Selbst aus dem Turnunterricht: Weil der Körper das Ziel ist, wurde Sitzball zur verwerflichen Spielform; genauso wie Völkerball, das als Kriegsspiel verpönt ist, weil dabei ein Volk das andere in den Himmel befördert. Statt dem allseits beliebten Spiel einen neuen Namen zu geben, wurde es geächtet. Pädagogen erdachten Spiele wie «Rugby ohne Körperkontakt»; Fussball, bei dem die Jungs nur Pässe, aber keine Tore schiessen dürfen, oder ganz allgemein «Spiele ohne Sieger».

Doch Jungs wollen sich messen, übertrumpfen und einzigartig sein. Spiele wie Sitzball sind dafür perfekt: Es gilt einen Gegner nach dem anderen zu bezwingen; am Schluss steht allein, für alle sichtbar, der Sieger. «Wettbewerb ist ein Motivator», sagt Guggenbühl. Statt ihn aus dem Schulalltag zu verbannen, sollten ihn sich die Lehrer zunutze machen. Das sieht auch Bubenarbeiter Sieber so – «allerdings brauchen auch Mädchen Wettbewerb, nicht nur Jungs».

Die Behauptung, unsere Schulen seien durch weniger Konkurrenzdenken den Mädchen angepasst worden, hält Anton Strittmatter vom Lehrerverband für, «sagen wir es deutsch: Bockmist». Dahinter steckten ideologische Behauptungen von Leuten, die nie in einem Klassenzimmer stünden. «Sonst könnten sie das enorme Konkurrenzgerangel gerade unter den Mädchen nicht übersehen. Eine Konkurrenz, die sich manchmal ungehemmt und äusserst brutal entfalten kann», so Strittmatter. «Das mit dem pazifistischen 68er Groove ist eine Erfindung von ‹Experten›, die mediale Aufmerksamkeit erhaschen wollen.»

«Es muss ein bisschen wehtun»
Für Allan Guggenbühl geht es nicht nur um Konkurrenzkampf, sondern auch um Aggression. Freiräume, in denen sich Buben damit auseinandersetzen können, fehlten: «Statt ihnen aggressive Spiele zu verbieten, müssen wir den Jungs zeigen, wie Kampfspiele ablaufen und wie man sich mit Aggressionen auseinandersetzt.» Das sei wichtig, weil Aggression eine tiefere Bedeutung habe: «Wenn auf dem Pausenplatz Rivalitäten ausgetragen werden, dann geht es auch um die Auseinandersetzung mit einer Seinsfrage – dazu muss man aber wirklich schwitzen, wirklich ein wenig Angst haben, und es muss auch ein bisschen wehtun.»

Doch Toleranz gegenüber Raufereien ist heute schwierig. Strittmatter: «Die Grenzen haben sich bei Kindern und Jugendlichen verschoben. Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass einer, der am Boden liegt, nicht weiter geschlagen wird. Hier ist ein Tabu gebrochen worden. Übernehmen Sie mal die Verantwortung, Raufereien wohlwollend zuzuschauen, wenn Sie wissen, dass immer mehr Jugendliche solche Fairnessgrenzen nicht mehr einhalten. Die Verletzungsgefahr ist klar grösser geworden.»

Den Lehrern droht eine weitere Gefahr: Immer mehr Eltern schalten im Konfliktfall die Justiz ein. «Wenn früher der Sohn mit einem blauen Auge nach Hause kam, gab ihm der Vater eine Ohrfeige. Heute geht er zum Rechtsanwalt – die Schule muss mit einer Klage rechnen, weil sie ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen sei.»

«Hilflosigkeit der Behörden»
In einzelnen Schulen hat dennoch ein Umdenken stattgefunden. Rangeleien werden wieder zugelassen, sofern sie mit einem vereinbarten Stoppwort beendet werden können. Wichtig seien klare Regeln, sagt Allan Guggenbühl: «Dadurch lässt sich eine Grenze zu Gewalt ziehen: Wer gegen diese Regeln verstösst, begeht Gewalt.»

Pädagoge Anton Strittmatter warnt davor, die «armen Buben» jetzt zum Hauptproblem an unseren Schulen emporzustilisieren. «Viel dramatischere Benachteiligungen sind schichtspezifisch oder ergeben sich aus einem Migrationshintergrund. Die Anzahl Bücher im Elternhaus definiert halt immer noch, wie gut ein Kind lesen kann.»

Remo Largo hält dagegen: «Wenn ein Missverhältnis von mittlerweile 60 zu 40 Prozent bei den Maturitäten nicht als dringendes Problem wahrgenommen wird, zeigt dies die Hilflosigkeit der Behörden.» Für diese scheint das Thema tatsächlich von geringer Priorität. Weil die Geschlechterfrage nicht nur den bevölkerungsreichsten, sondern alle Kantone betreffe, wollte die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli keine Stellung nehmen. Doch auch die Präsidentin der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren, Isabelle Chassot, fand keine Zeit, Fragen zu beantworten.

Als früher die Benachteiligung der Mädchen als stossend empfunden wurde, hat man das Schulsystem geändert. Von den Knaben wird heute erwartet, dass sie sich anpassen. Das werden sie nicht.

Wo Mädchen und Knaben verschieden sind

Körper und Gesundheit

Bis zur achten Schwangerschaftswoche haben alle Embryonen ein weibliches Gehirn. Dann setzt bei Buben ein Testosteronschub ein, der Zellen in den Kommunikationszentren abtötet und in den Sex- und Aggressionszentren mehr Zellen heranwachsen lässt.

In den Gehirnen von weiblichen Föten entstehen mehr Verknüpfungen in jenen Zentren, die für Kommunikation und Gefühlsverarbeitung zuständig sind.
Ab zwei Jahren ist bei Buben eine grössere Muskelkraft feststellbar.

Weibliche Frühgeburten haben eine 1,7-mal höhere Über­lebenschance als männliche. Buben haben nur ein X-Chromosom: Da viele neurologisch relevante Gene auf dem X-Chromosom liegen, treten bei Knaben häufiger extreme Genvariationen auf.

Buben entwickeln zuerst grobmotorische Fähigkeiten. Erst nach der Pubertät wird die Feinmotorik perfektioniert. Bei Mädchen ist es umgekehrt.

Die Zugehörigkeit zum männlichen
Geschlecht ist ein Haupt­risikofaktor für ein vorzeitiges Ableben. Darum beträgt die Lebenserwartung von Frauen 83 Jahre, diejenige von Männern 78.

Wahrnehmung und kognitive Fähigkeiten

Die taktile Sensibilität der Hände und Finger ist bei Mädchen und Frauen höher. Dank diesem Fingerspitzengefühl erbringen Mädchen schon im Vorschulalter bessere Leistungen in Sachen Feinmotorik. Frauen sehen nachts besser, aber sind schwächer, was die Sehschärfe angeht.

Mädchen beginnen früher zu reden und übertreffen Buben in Wortschatz und Ausdrucksfähigkeit.

Im Durchschnitt können Mädchen früher zählen (ab drei Jahren). In den ersten Grundschuljahren zeigen sie auch eine bessere Rechenleistung als Buben. Bei Kindern bis zum 12. Lebensjahr sind die Jungen den Mädchen an Hörempfindlichkeit überlegen.

Während Mädchen mit den Augen eher den gesamten Raum abtasten, erforschen Jungen ihre Umgebung durch Betrachtung einzelner Aspekte. Sie zeigen dabei ein ausgeprägteres Erkundungsverhalten.

Jungen haben ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen. Es fällt ihnen leichter, aus zweidimensionalen Mustern einen dreidimensionalen Körper zu falten.

Jungs entwickeln viermal häufiger eine
Leseschwäche. Bei allgemeinen Sprachstörungen ist das Verhältnis 2,5 zu 1.

Sozialverhalten und Kommunikation

Neugeborene Mädchen halten viel länger Blickkontakt. Zudem hören sie Stimmen doppelt so lange aufmerksam zu wie neugeborene Buben.

Mädchen sind häufiger bereit, den Aufforderungen von Erwachsenen nachzukommen. Buben reagieren eher auf Ver­stärkung durch andere Jungen und weniger auf Erzieher.

In der Pubertät wird das weib­liche Gehirn von Östrogen überschwemmt. Daher konzentrieren sich Mädchen in diesem Alter vorwiegend auf Gefühle und Kommunikation.
Mädchen zeigen häufiger ein indirektes aggressives Verhalten gegenüber Dritten, wie zum Beispiel Lästern. Buben zeigen ab dem vierten Lebensjahr ein ausgeprägteres Dominanz- und Konkurrenzverhalten. Zudem ist eine sehr viel höhere Rate an offenem aggressiven Verhalten (physisch und verbal) beobachtbar.

Schon ab dem Kindergartenalter spielen Jungen lieber mit ihresgleichen. Ihre Kameradinnen berücksichtigen sie eher nicht als Spielpartner. Bei Mädchen ist diese Bevorzugung des eigenen Geschlechts nicht so eindeutig.

Jungen achten kaum auf weibliche Stimmen – wie auch männliche Erwachsene – und kommen deren Aufforderungen nicht nach. Diese Eigenart zeigt sich früh und in allen Kulturen.

So wirds besser für Buben
1. Mehr Männer in die Schule
Der Lehrberuf hat ein Caritas-Image: Gutmütige Lehrkräfte reiben sich an schwierigen Schülern und noch schwierigeren Eltern auf. Und je höher der Lehrerinnenanteil an den Schulen ist, desto mehr schreckt der Beruf Männer ab. Ein Teufelskreis, der durchbrochen werden muss. Eigentlich wissen es alle: Der Beruf ist anspruchsvoll und wäre darum eine Herausforderung. Das muss den Männern wieder vermittelt werden.

Wer sich einer Herausforderung stellt und Erfolg hat, erwartet Wertschätzung und längerfristig eine Karrieremöglichkeit. Es geht um mehr als einen gerech­ten Lohn. Lehrpersonen fehlt eine Laufbahnperspektive, die Karriereschritte und Spezialisierungen erlaubt. Was in den meisten Berufen selbstverständlich ist, sollte auch in der Schule Einzug halten.

An den pädagogischen Hochschulen herrscht Wildwuchs. Ständig erfinden sie neue Ausbildungsgänge, für die es in der realen Schulwelt gar keine Jobs gibt. Das frustriert jeden weiterbildungswilligen Lehrer. Die Kantone und die Erziehungsdirektorenkonferenz sind gefordert, den Wildwuchs zu stoppen.

2. Mehr Raum für die Knaben
Mehr Männer vor Wandtafeln garantieren noch keinen Lernerfolg bei Buben. Pädagogen müssen akzeptieren, dass Buben und Mädchen unterschiedlich funktionieren, und daraus Konsequenzen für den Unterricht ziehen. Die Schule soll sich nach dem Wesen der Kinder ausrichten und nicht umgekehrt.

Lehrer müssen mehr Freiräume für geschlechterspezifische Aktivitäten schaffen. Mädchen und Buben für ein­zelne Projekte getrennt zu unterrichten ermöglicht den Geschlechtern ange­passte Lernsituationen. Buben zum Beispiel profitieren mehr von Frontal­unterricht als Mädchen.

Rangeleien sind für Buben eine wichtige Form der Auseinandersetzung mit ihrem Gegenüber. Vorschnell werden solche Auseinandersetzungen mit roher Gewalt verwechselt und sanktioniert. Eine bubenfreundlichere Perspektive im Unterricht kann zudem helfen, auf aufmüpfige Knaben auch mal etwas gelassener zu reagieren.

Mittwoch, 8. April 2009

Feministen - Männer in Zwangsjacken

Paul-Hermann Gruner

»Lass dich als junge Frau nicht klein machen, denn in dir schlummert so viel, was du entfalten kannst. Sei fordernd.« Ein Satz, der uns irgendwie bekannt vorkommt. Eine fast schon klassisch anmutende Äußerung aus der Mädchenförderung, sagen wir: aus dem Jahre 1975? Falsch. Die zitierte Botschaft stammt aus dem Juli 2008 und aus dem Munde der Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (2008).

Seit Jahrzehnten hören wir in unserer demokratisch verfassten, westlich-pluralistischen Industriegesellschaft solche Sätze. Packen wir den scheinbar schlichten Satz auf die ideologiekritische Goldwaage und gehen wir seine Teilbotschaften Stück für Stück durch.

Die Suggestion, dass junge Frauen in diesem Lande »klein gemacht« würden, ist objektiv falsch. In der Regel werden Mädchen und junge Frauen »groß« gemacht und geredet, sie werden unterstützt, gefördert, wertgeschätzt und anerkannt, per se sogar oft – konnotiert mit dem Wunderglauben, der sich ans Weibliche heftet – für die einzige Inkarnation von lebenswerter Zukunft gehalten. In den jungen Frauen »schlummert« tatsächlich viel, das steht absolut fest, allerdings in etwa genauso viel wie in den meisten Jungs und jungen Männern, denen dies jedoch niemand sagt; schon gar nicht in solch motivierender Ansprache und in der Zielrichtung, die eigenen oder die eingebildeten Grenzen ihrer Geschlechterrolle zu überwinden. Zu »entfalten« gibt es ebenfalls sehr viel, allerdings wiederholt sich hier das selektive Unterstützungsprinzip: Bei beiden Geschlechtern gäbe es viel zu entfalten, angesprochen dazu wird aber nur eins. »Sei fordernd!« schließlich muss man den Frauen innerhalb wie außerhalb der Frauenbewegung seit den späten 60er Jahren des 20. Jahrhunderts nun wirklich nicht mehr sagen oder raten. Fordern tun sie ohne Unterbrechung. Sie fordern etwas von der Gesellschaft, der Politik, der Wirtschaft, den Medien, den Bildungsinstitutionen, vor allem aber von den Männern.

Wer so viele Jahrzehnte immer wieder neue, einseitige Forderungen aussendet, könnte entweder a) eine entspannte Zufriedenheit entwickeln ob des Erreichten und mit dem Fordern aufhören oder b) endlich Zeit finden, sich zu wundern, warum dies alles eigentlich ein Geschlechtermonolog ist. Warum Männer dazu schweigen, sich den Mund entweder selbst verboten haben oder ihn sich haben erstaunlich fest verschließen lassen. Und warum sie sich quasi alles abfordern, alles bieten lassen. Und schweigen.

Was bedeutet dieses Schweigen? Sind Männer in dieser Gesellschaft einfach einsichtig und daher gefasst? Sind sie still, weil schuldbewusst? Sind sie fantasielos und daher intellektuell weitgehend unfähig, der Debatte zu folgen? Sind sie überzeugt vom Gehörten und stimmen daher generell zu? Sind sie tief beschämt und bekommen kein Wort heraus? Sind sie überzeugt, dass die Frauen Recht haben? Sind sie froh, dass die Sache mit der Emanzipation überhaupt mal jemand in die Hand genommen hat? Gehen sie davon aus, dass bei dieser Gelegenheit auch für sie selbst etwas herausspringt? Denken sie also, dass die Frauenbewegung sie letztendlich, wie nebenbei, einfach mitbefreien wird, wenn sie nur die ganze bittere Zeit über schön stillhalten, über das eigene Geschlecht ebenfalls verächtlich witzeln und allen Behauptungen und Forderungen zustimmen?

Was immer stimmen mag: Die Summe der Motivationen und Hintergründe verschließt den männlichen Mund nur umso fester. Wenn sich ein männlicher Mund öffnet, dann um die gängigen Beschreibungen zur Lage der Frau, wie sie seit rund 40 Jahren im öffentlichen Bewusstsein etabliert wurden, zu bestätigen. Der Feminist ist der erlaubte Mann. Er etablierte sich endgültig in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts. Er sitzt heute meist bequem. Aus Solidarität und Hyperidentifikation hat er die eigene Ratio außer Betrieb gesetzt. Er vertritt die Frauenbewegung quasi von außen, als Mann. Und es sind viele Männer, die nach dem Munde reden. Nach dem Munde einer hegemonialen, die einfache Wahrnehmung und das umfassendere Bewusstsein lenkenden Weltanschauung, die als Bewegung der Frauen begann und sich heute im organisatorisch durchgegliederten feministischen Netzwerk des »Gender Mainstreaming« in Allgegenwart übt. Der Feminist ist aber keineswegs bösartig, er ist nur faul. Er hat eine plausibel erscheinende Interpretation von Wahrheit und Wirklichkeit übernommen. Akzeptiert. Verinnerlicht. Die frauenbewegte Frau ist selbstverständlich für den akuten Stand des Geschlechtermonologs im Feminismus, der Feminist als domestizierter Mann jedoch markiert seinen letztendlichen Totalerfolg. Die Frauenbewegung hat sich mit seinem massenhaften Auftreten zu Tode gesiegt.

An diesem äußerst interessanten und produktiven Punkt der sozio- und psychohistorischen Entwicklung der Moderne befinden wir uns heute. Wenn Männer einen Feministen hören – und diese prägen inzwischen fast ausnahmslos die Verwaltungen, die Stadträte, die Parlamentarier und Parteiaktivisten aller Färbungen –, wissen sie sich endgültig auf verlorenem Posten. Endgültig unverstanden. Mithin ist dies der Soll-Zeitpunkt für eine Männerbewegung, die die Frauenbewegung notwendig ergänzt und unbedingt korrigiert. Männer müssen heraus aus den Zwangsjacken ihres Rollendenkens und -handelns. Sie müssen ihren demütigen, permanent um Verzeihung bittenden Dackelblick vom Gesicht nehmen. Und da ihnen dabei Frauen nicht helfen – anders als der Feminist insgeheim hofft –, müssen sie sich ihres Dackelblicks und ihrer diversen Zwangsjacken schon selbst entledigen. Zunächst einmal aber muss man Letztere als solche erkennen. (…)

Nehmen wir Deutschland als Pars pro Toto, sehen wir in einige problematische Felder des Gesellschaftlichen hinein. Vorab: In keinem System auf diesem Planeten lebt die Unterdrückte, die Benachteiligte und Verfolgte sechs bis sieben Jahre länger als der Unterdrücker. Das Pseudo-Patriarchat offeriert also eine erkleckliche Anzahl an versteckten Gewinnen für Frauen.

Gar nicht versteckt waren und sind dagegen die für Männer gut spürbaren Schattenseiten dieser gesellschaftlichen Organisation. Sie sind im Grunde ganz einfach ablesbar. Wenn man will. Auch in diesem Land. Von der geringeren Lebenserwartung mal ganz abgesehen: Männer stellen die große Mehrheit der Obdachlosen. Männer üben auch in diesem Lande die gefährlichsten und unattraktivsten Berufe aus, die meisten davon ohne jede Aufstiegschance. Männer erleiden die allermeisten Berufsunfälle bis hin zur Invalidität. Männer treffen in Sachen medizinischer Versorgung auf deutlich weniger Forschung, Betreuung und Angebote; von AIDS sind Männer beispielsweise viermal häufiger betroffen als Frauen. Männer bilden eindeutig die größte Gruppe der Kriminalitätsopfer: Sie stellen den Löwenanteil der Opfer im außerhäuslichen Bereich, zu gut der Hälfte im Bereich der häuslichen Gewalt. Männer lassen sich immer noch zu Soldaten abrichten und als entmenschtes, weil fremdbestimmtes Werkzeug gebrauchen. Und: Männer begehen in jeder Altersgruppe, vom jüngsten bis zum ältesten Vertreter des Geschlechts, wesentlich häufiger Suizid. Simple Frage: Greift man zu diesem allerletzten Mittel, der gewaltsamen Beendigung des eigenen Lebens, wenn man die große Gewinnerkarte gezogen hat, wenn man zu denen gehört, die die Macht besitzen, die allseits profitieren und von der Wiege bis zur Bahre bevorteilt sind?

Die Macht des institutionalisierten Feminismus zeigt sich, unter anderem, an der Tatsache, dass diese und ähnliche Fragen seit Jahrzehnten nicht zum großen Gesellschaftsthema werden dürfen. (…)

Die Männerbewegung ist eine überfällige weltanschauliche Korrektur. Sie wird sich als Korrektiv der Frauenbewegung verstehen, sollte sich darüber hinaus aber unbedingt dem ganzheitlichen Fortschritt verschreiben. Die Tempi der Emanzipationen müssen synchronisiert werden. Der Emanzipationsfortschritt ist gleichzeitig lebbar und organisierbar für Männer wie Frauen. Das Niveau der Aktionen beider Geschlechter ist wie die Interaktion zwischen ihnen jedoch dringlich auf eine neue Verständigungsebene zu heben. An einer so offenen wie offensiven Interessenvertretung der Männer führt dabei kein vernünftiger Weg vorbei.

Schließlich wollen wir bald auch solche Sätze hören: Lass dich als jungen Mann nicht klein machen, denn es schlummert so viel in dir, was du entfalten kannst! Sei fordernd!

Mittwoch, 31. Dezember 2008

Wikipedia - das politisch korrekte Lexikon

Maskulismus
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Maskulismus ist eine international verwendete Analogbildung zu Feminismus, die von Teilen der Männerbewegung als Selbstbezeichnung verwendet wird. Er versteht sich als soziale Bewegung zur Korrektur bestimmter politischer Entwicklungen, für die er den Feminismus verantwortlich macht. Der Maskulismus entstand Ende der 1990er Jahre aus der Männer- und Väterbewegung.
Inhaltsverzeichnis
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* 1 Aktivitäten
* 2 Inhalt und Ziele
o 2.1 Gleichbehandlung
o 2.2 Lebenserwartung und Gesundheit
o 2.3 Häusliche Gewalt
o 2.4 Jungenarbeit
o 2.5 Diffamierung
o 2.6 Wehr- und Ersatzdienst
o 2.7 Scheidung und Sorgerecht
o 2.8 Benachteiligung bei der Berufswahl
o 2.9 Wissenschaftskritik
o 2.10 Ungleichbehandlung vor Gericht
o 2.11 Vaterschaft
o 2.12 Finanzielle Benachteiligung von Männern in Teilzeitstellen
o 2.13 Genitalverstümmelung
* 3 Kritik am Maskulismus
o 3.1 Feministische Kritik
o 3.2 Konservative Kritik
* 4 Literatur
o 4.1 Literatur des Maskulismus
o 4.2 Literatur über den Maskulismus
o 4.3 Weitere Literatur
* 5 Weblinks
o 5.1 Kritik am Maskulismus
* 6 Einzelnachweise

Aktivitäten
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Zu den Wortführern im deutschsprachigen Raum gehören Arne Hoffmann und Michail Savvakis. Ein weiterer maskulistischer Autor ist Wolfgang Arno Gogolin. Die bisherigen Aktivitäten beschränken sich auf die Durchführung von Männertagen und -seminaren, vereinzelten Demonstrationen (wie die Väterdemo im Jahr 2005 in Berlin oder die Demonstrationen der "blauen Weihnachtsmänner") und Petitionen von Einzelpersonen und Männergruppen. Maskulistische Kernthemen wie „Scheidungsunrecht“ oder „Gewalt gegen Männer“ wurden in einem Beitrag des ARD-Magazins Kontraste thematisiert.[1]

Inhalt und Ziele

Maskulisten kritisieren den aus ihrer Sicht seit den 1980er Jahren bestehenden politischen Einfluss des Feminismus. Dieser führe zum Teil zu einer Frauenförderung, die auf Ungleichbehandlung hinauslaufe. Zugleich wird der Emanzipationsbewegung vorgeworfen, sich seit 1968 nur mit der Modernisierung des traditionellen Rollenbildes der Frau beschäftigt und die sich verändernde Rolle sowie die Bedürfnisse des Mannes ignoriert zu haben.

Das Verhältnis der Geschlechter zueinander sei nicht ein soziales Konstrukt, sondern ein "evolvierender historischer Sachverhalt [...] der keinen Sprung zu seiner Weiterentwicklung benötigt". Jedwede politische Einflussnahme auf das Verhältnis der Geschlechter zueinander, das zum menschlich-wesenhaften gehöre, wird als Anmaßung verstanden: "Wo Politik Anthropologie betreiben und lenken zu können glaubt, ist sie auf dem Weg zu einem dirigistischen Totalitarismus."[2]

Obwohl der Maskulismus damit mit einem zentralen Paradigma der traditionellen Männerbewegung bricht, die ihren Urspung in einer feministisch inspirierten Kritik des Patriarchats hatte, beanspruchen Maskulisten heute den Begriff Männerbewegung für sich.

Gleichbehandlung

Als Hauptziel wird von Maskulisten die Gleichberechtigung beider Geschlechter in allen Aspekten postuliert. Dabei sei nicht die Gleichstellung, sondern die Gleichbehandlung, unabhängig vom Geschlecht, das Ziel. Im Unterschied zum Feminismus, der die aktive Förderung von Frauen fordert, um eine Gleichstellung der Geschlechter zu erreichen, sehen Maskulisten in der Gleichstellungspolitik eine Benachteiligung von Männern.[3]

Lebenserwartung und Gesundheit

Thematisiert wird die um sechs Jahre geringere Lebenserwartung von Männern im Vergleich zu Frauen. Als Ursache dafür werden auch gesundheitliche Folgeschäden der Arbeit sowie tödliche Arbeitsunfälle gesehen, die aufgrund der ungleichen Geschlechterverteilung hinsichtlich der Arbeit (besonders der körperlich schweren und gefährlichen) und ihres Umfangs als männerspezifisch angesehen werden. Diese Annahmen werden etwa auch von der sogenannten Klosterstudie [4] gestützt. Zusätzlich zu dem in vielen Ländern um fünf Jahre höheren Rentenalter für Männer, ergebe sich für Männer eine durchschnittlich um elf Jahre verkürzte Rentenzeit gegenüber Frauen. Des Weiteren sind in Deutschland ca. 80 % der Obdachlosen männlich. Suizid tritt in Deutschland als Todesursache unter Männern und Jungen weitaus häufiger in Erscheinung als bei weiblichen Personen. [5] Das Fehlen eines Männergesundheitsberichts analog zum Frauengesundheitsberichts wird als Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz gesehen.

Häusliche Gewalt

Einen Schwerpunkt in der Öffentlichkeitsarbeit der Maskulisten stellt der Hinweis auf männliche Opfer häuslicher und sexueller Gewalt dar. Maskulisten kritisieren unter anderem den einseitigen Fokus auf weibliche Opfer und die fehlende staatliche Unterstützung von „Männerhäusern“.

Jungenarbeit

Kritisiert wird in der sogenannten Jungenarbeit der Umstand, dass Jungen im Vergleich zu Mädchen häufiger schulisch versagen. Als Ursache dafür wird unter anderem der zu geringe Anteil männliche Lehrer und Erzieher sowie die Ausrichtung der Lehrinhalte, Lehrmaterialien und der Lernziele auf Mädchen gesehen. Der hohe Frauenanteil besonders in Kindergärten und Grundschulen führe dazu, dass Jungen nicht ermöglicht werde, positiv belegte männliche Leitbilder zu erkennen. Die allgemeine Benachteiligung von Jungen im deutschen Schulsystem wird auch durch die Studie des Bundesbildungsministeriums "Bildungs(miss)erfolge von Jungen" belegt.

Diffamierung

Ein zentrales Anliegen vieler Maskulisten ist der Kampf gegen eine „sexistische Herabwürdigung von Männern“ in den Medien. Gemeint seien damit Slogans wie „Männer sind Schweine“, „Nur ein toter Mann ist ein guter Mann“ (Titel eines als „Frauenliteratur“ rezipierten Kriminalromans), „Ich bremse auch für Männer“ und die als herabsetzend empfundene Darstellung von Männern in der Werbung.

Wehr- und Ersatzdienst

Eine Wehrpflicht nur für Männer wird als eine besondere Form von Männerdiskriminierung angesehen. Auf der Grundlage des Gleichheitsgrundsatzes der Verfassung fordern Maskulisten einen für Frauen wie Männer gleichermaßen verpflichtenden Wehrdienst oder aber die Abschaffung bzw. Aussetzung der Wehrpflicht.

Scheidung und Sorgerecht

Maskulisten kritisieren, dass einige Mütter den Kontakt mit den Kindern nach Trennung und oder Scheidung zu Ungunsten von Männern regulieren. Grundsätzlich sollte nach Auffassung der Maskulisten Sorge- und Umgangsrecht bei beiden Eltern liegen, gleichgültig ob sie verheiratet, geschieden oder getrennt leben. Zur Problematik der Vaterentfremdung nach Trennungen existiert eine Studie von Männerforscher Gerhard Amendt.

Benachteiligung bei der Berufswahl

Maskulisten kritisieren die Zugangsbeschränkungen, die im Rahmen von Quotierungen oder des „Gender Mainstreaming“ für einige Berufe erlassen worden seien. Andererseits existiert keine Quotenregelung für Männer in frauendominierten Berufszweigen, wie beispielsweise im Lehr- und Sozialwesen. Als problematisch diskutiert wird zudem die Quotierung in Akademikerberufen, welche einen hohen Männeranteil unter den Studierenden haben (z.B. Informatiker). Es wird argumentiert, dass die Entscheidung für eine Studienrichtung frei ist und keiner Regulation unterliegt. Bei der Quotierung wird ein Missbrauch des Artikel 3 des Grundgesetzes gesehen, wonach kein Mensch u.a. aufgrund seines Geschlechts bevorzugt oder benachteiligt werden darf.

In Deutschland werden Frauen, gemessen am Anteil ihrer Bewerbungen, relativ häufiger zu Universitätsprofessorinnen berufen.[6] Maskulisten kritisieren, dass dies die Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen zu Ungunsten der Männer beeinträchtige. Zudem würden inzwischen sogar Lehrstühle explizit für Frauen eingerichtet. Maskulisten sehen darin eine Bevorzugung von Frauen.

Wissenschaftskritik

Kritisiert wird ferner, dass im akademischen Bereich Gender Studies sowie Männerforschung einen feministischen Blickwinkel einnähmen. Hier sei entweder eine neutrale Perspektive oder eine gleichberechtigte Darstellung von Frauen- wie Männerperspektive notwendig. Die Wissenschaftlichkeit von Frauenforschung und feministischer Forschung wird bestritten.

Ungleichbehandlung vor Gericht

Maskulisten kritisieren, dass Männer für gleich schwere Vergehen ein höheres Strafmaß als Frauen erhielten. Zudem würden Frauen eher als Männer Hafterleichterungen erhalten. Belegt wird diese Kritik durch Aussagen des Richters Ulrich Vultejus, der in der Ausgabe der Zeitschrift für Rechtspolitik vom 11. April 2008 äußerte, dass er Frauen einen „Frauenrabatt“ zuerkannte und sie deshalb im Vergleich zu Männern mit derselben Anklage milder bestrafte.

Vaterschaft

Es wird der selbstbestimmte Vaterschaftstest propagiert, der durch Genanalyse ohne Wissen oder Zutun der Frau die Vaterschaft bestätigt oder ausschließt. Laut Maskulisten sei ein Gentest bei jeder Geburt das beste Mittel, um „Kuckucksvaterschaften“ mit entprechenden Begleiterscheinungen für Vater, Scheinvater und Kind auszuschließen. Des Weiteren wird die Vaterschaftsanerkennung bzw -Ablehnung nach französischem Vorbild angestrebt.

Finanzielle Benachteiligung von Männern in Teilzeitstellen

Laut dem „Gender Datenreport“ des deutschen Bundesfamilienministeriums verdienten Männer in Teilzeitbeschäftigungen durchschnittlich etwa 18% weniger als Frauen:

„Unter den Teilzeitbeschäftigten kehren sich die Verdienstrelationen von Frauen und Männern zum Teil um […]. So liegt der Bruttojahresverdienst von Frauen, die weniger als 18 Stunden pro Woche arbeiten, 2002 bei 122 Prozent des Verdienstes von Männern in dieser Beschäftigungsform. Bei einer Teilzeitbeschäftigung über 18 Stunden pro Woche erreichen Frauen in Deutschland immerhin 96 Prozent des Männerverdienstes (S. 178).[7]

Auch diese Variante beruflicher Benachteiligung von Männern steht im Fokus der maskulistischen Bewegung.[8]

Genitalverstümmelung

Während international das Beschneiden von Mädchen geächtet ist[9], würde das unfreiwillige Beschneidung an oft neugeborenen Jungen toleriert. Neben psychischen Problemen[10] können diese Eingriffe auch eine Reihe von körperlichen Behinderungen zu Folge haben. Auch Todesfälle aufgrund dieser Eingriffe sind in Regionen mit mangelnder medizinischer Versorgung bekannt. [11] Diese Operationen stellen einen Eingriff in die sexuelle Selbstbestimmung dar.

Kritik am Maskulismus

Feministische Kritik

Aus der Perspektive einiger Kritiker zielt der Maskulismus weniger auf tatsächliche Gleichberechtigung und eine wirkliche Veränderung der Geschlechterrolle des Mannes, als auf eine Revitalisierung traditioneller Rollen (Backlash) und Wiederherstellung männlicher Dominanz. Kritisiert werden dabei sowohl die Analyse der Maskulisten als auch ihre Zielperspektive. Der Maskulismus suggeriere, dass Frauen und Männer in der heutigen Gesellschaft dieselben Probleme hätten, Frauen heute im Prinzip gleichgestellt seien und keine gesellschaftliche Benachteiligung mehr erführen, während Männer diskriminiert würden. Die Ungleichheit der Geschlechter in Bezug auf den Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen und auf gesellschaftliche Teilhabe werde bestritten.

Von einigen Autoren der profeministischen Männerbewegung wird im Maskulismus ein Versuch gesehen, unter dem Deckmantel eines nur scheinbar gerechten „Gleichheitsgrundsatzes“ eine überkommene männliche Position auf Kosten von Frauen durchsetzen und die männliche Herrschaftsstruktur wiederherstellen zu wollen. Konkret gehe es dabei um die rarer werdenden Jobs, Zugänge zu Sozialleistungen und gesellschaftliche sowie private Macht.

Konservative Kritik

Eva Herman widerspricht der Grundthese von Feministinnen und Maskulisten: Die Gleichheit der Geschlechter in allen Lebenslagen sei ihrer Meinung nach nicht wünschenswert und entspreche nicht dem Ideal der geschlechtergemäßen Behandlung.

Literatur

Literatur des Maskulismus

* Warren Farrell: Mythos Männermacht. Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-86150-108-2
* Arne Hoffmann: Männerbeben. Das starke Geschlecht kehrt zurück. Lichtschlag, Grevenbroich 2007, ISBN 3-93956-203-3
* Arne Hoffmann: Sind Frauen bessere Menschen? Schwarzkopf und Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-382-9
* Martin van Creveld: Das bevorzugte Geschlecht. Murmann Verlag, 2003, ISBN 3-932-42552-9
* Michail A.Xenos: Medusa schenkt man keine Rosen. Manuscriptum Verlag, ISBN 9783937801216

Literatur über den Maskulismus

* Flood, Michael: Backlash: Angry men's movements in: Rossi, Staceay E.: The Battle and Backlash rage on. 2004, XLibris Corp., ISBN 1-4134-5934-X, S. 261-287 [4]
* Flood, Michael: Men's movements in: XY magazine, vol. 6. 1996. Über den Maskulismus, s. S. 69 [5]

Weitere Literatur

* Bly, Robert: Eisenhans. Ein Buch über Männer, Rowohlt, 2.Aufl. 2005, ISBN 3-499-62015-4

* Gogolin, W.A.: Eintritt frei für Männer 2008 ISBN 9783981011340
* Gogolin, W.A.: Der Puppenkasper. Weibliche Macht - Männliche Ohnmacht 2004 ISBN 3833409460

Weblinks

* Der US-amerikanische Geschlechterforscher Hugo Schwyzer über die Männerbewegung in den USA und die Einordnung des Maskulismus darin (englisch)
* /Studie des Bundesbildungsministeriums über den Bildungs(miss)erfolg von Jungen an Schulen
* Focus: Das geschwächte Geschlecht
* Videostream zur Sendung 3Sat-Kulturzeit Feminismuskritik: Der Soziologe Rainer Paris analysiert das Mann-Frau-Verhältnis
* Kleine Männchen? Der Maskulist Michail Savvakis im Interview mit dem Männermagazin GQ.com
* MANNdat e. V. – Initiative gegen Diskriminierung und Benachteiligung von Männern und Jungen
* Der Maskulist – Sammlung maskulistischer Aufsätze
* Genderama - Sammlung von Männerdiskriminierungen

Kritik am Maskulismus

* Men's Health – Artikel von Magnus Klaue in konkret
o Karin Jäckel - Gegendarstellung in Form eines offenen Briefes
* School Pierrette Bouchard, Isabelle Boily and Marie-Claude Proul: Success by Gender: A Catalyst for the Masculinist Discourse

Einzelnachweise

1. ↑ www.rbb-online.de
2. ↑ http://www.maskulist.de/Maskulismus.html
3. ↑ http://www.vaetersorgen.de/Maennerbewegung.html Arne Hoffmann: Was die Männerbewegung will
4. ↑ Klosterstudie
5. ↑ Gesundheitsberichtserstattung der Bundesrepublik Deutschland
6. ↑ Wer beruft Professorinnen?
7. ↑ „Gender-Datenreport“ i.A. des BMfFSFJ, Nov 2005, 2. Fassung (www.bmfsfj.de Homepage)
8. ↑ manndat.de: „Frauen im Beruf: Benachteiligt und ausgenutzt?“
9. ↑ [1]
10. ↑ [2]
11. ↑ [3]

Von „http://de.wikipedia.org/wiki/Maskulismus“
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Montag, 30. Juni 2008

Gender Mainstreaming

Gender Mainstream offenbart sich als politisches Programm. Die deutsche Bundesregierung hat es zur Leitlinie von Bildung und Forschung erhoben. Es soll die Geschlechtsdifferenzierung von Mann und Frau aufheben. Dazu wurde der Begriff «Gender» erfunden. Abgeschirmt von der Öffentlichkeit soll es mit Hilfe des Staatsapparates in gesellschaftliche Wirklichkeit umgesetzt werden. Es ist das Zerstörungsprogramm der Familie. Es ist auch das Zerstörungsprogramm des Christentums. Es geht um social enginering, um die Schaffung des Gender-Menschen. Dieser soll seine geschlechtliche Identität und sein sexuelles Verhalten, losgelöst von jeder moralischen Norm, selber bestimmen und ausleben können – von Kindesbeinen an.

Weg in den Totalitarismus
Es geht nicht um Unterdrückung und Ausbeutung des Menschen, sondern um das Gewähren grenzenloser Triebbefriedigung als Vehikel zu einem politischen Ziel. Diesen breiten Weg in die Diktatur hat Platon in «Der Staat» beschrieben. Ein moralisch verwahrloster Mensch kann vom Staat verführt, später zu allem gebraucht und missbraucht werden. Er hat keine Kraft und kein Interesse, etwas anderes zu verteidigen als die Möglichkeiten seiner eigenen Befriedigung.

Zerstörung an der Wurzel
Der Schöpfer allen Lebens hat den Menschen als Mann und Frau geschaffen. Die Rebellion gegen Gott kann nicht radikaler, kann nicht wahnsinniger sein, als wenn der Mensch leugnet, Mann und Frau zu sein. Die Entwicklung, die in unserm Nachbarland unter der Decke von Wissenschaft und Staat abläuft, geht an die Wurzel, die mit dem Todeskeim infiziert wird.


Wenn wir die Gesellschaft verändern wollen, dann müssen wir die Familien zerstören. Wenn wir die Familien zerstören wollen, müssen wir die Sexualität aus der Liebesbeziehung herauslösen und als etwas Eigenständiges vermarkten. Lenin

Sonntag, 8. Juni 2008

Die Gender Mainstreaming-Strategie

von Bettina Röhl

Utopie oder Wirklichkeit?

Wie eine hauchdünne Funktionärsschicht in der Politik hinter den Kulissen den Boden für eine „Gender-Gesellschaft“ bereitet

Spült der lautlos heranrollende Tsunami namens „Gender Mainstreaming“ das unbekannte Wesen „Mann“ fort? Diese Frage scheint berechtigt, wenn man sich die neue Politik des so genannten Gender Mainstreaming auf der offiziellen Website der Bundesregierung genauer ansieht.

Die Bundesfrauenministerin Renate Schmidt finanziert seit Oktober 2003 die Einrichtung des GenderKompetenzZentrums an der Humboldt-Universität für die Dauer von zunächst vier Jahren mit jährlich 340.000 Euro. Das Zentrum, so heißt es auf der Website der Ministerin, „initiiert Forschung, bündelt Wissen und unterstützt so die Einführung von Gender Mainstreaming in alle Bereiche der Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung.“ Seit ein paar Jahren baut das Frauenministerium systematisch die „Gender Mainstreaming-Strategie“ aus, die 1995 auf der Vierten Weltfrauenkonferenz der Vereinten Nationen in Peking beschlossen wurde und die vorsah, dass „geschlechtsspezifische Belange in die Konzeption aller Politiken“ integriert werden müssten.

Das Ministerium führt aus, was die EU mit dem Inkrafttreten des so genannten Amsterdamer Vertrages vom 1. Mai 1999 beschlossen hat: „Die Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern ist nach Art. 2 und 3 Abs. 2 des EG-Vertrages verpflichtende Aufgabe bei allen Tätigkeiten der Gemeinschaft im Sinne der Gender Mainstreaming-Strategie.“ Die entsprechenden Beschlüsse der Bundesregierung lauten: „Mit Kabinettbeschluss vom 23. Juni 1999 hat die Bundesregierung auf der Grundlage des in Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG festgelegten Staatsziels die Gleichstellung von Frauen und Männern als durchgängiges Leitprinzip ihres Handelns anerkannt und beschlossen, diese Aufgabe mittels der Strategie des Gender Mainstreaming zu fördern. In Ausführung dieses Beschlusses wurde am 26.7.2000 in § 2 der Gemeinsamen Geschäftsordnung der Bundesministerien die Verpflichtung aller Ressorts festgelegt, diesen Ansatz bei allen politischen, normgebenden und verwaltenden Maßnahmen der Bundesregierung zu beachten (…)“

Gender Mainstreaming, kurz GM, heißt das Zauberwort der jüngsten Stufe des Feminismus - von dem bis heute kein Mensch weiß, was das genau ist. Alice Schwarzer postulierte schon vor dreißig Jahren: Du wirst nicht als Frau oder Mann geboren, sondern als „Mensch“ und entscheidest dich später selbst, was du sein willst. Jeder soll ein neues so genanntes kulturelles, „soziales Geschlecht“ bekommen, ein Gender, das er selbst bestimmen kann und dies völlig unabhängig von seinem biologischen Geschlecht. GM ist, wie es vielerorts in den Leitpapieren und Eckdaten der Gender Mainstreamer heißt, „Abschied vom Verständnis einer geschlechtsneutralen Politik.“ Was hier als Gleichberechtigung daher kommt, ist jedoch tatsächlich Frauenbevorzugung und Männerbenachteiligung mit zweifelhaftem Nutzen für Frauen und zweifellosem Schaden für Männer. Ein Beispiel: Wird statistisch festgestellt, dass es 30 % Architektinnen und 70 % Architekten gibt, werden solange nur noch Architektinnen ausgebildet und gefördert, bis zumindest Gleichstand erreicht ist, und dies unabhängig davon, ob es mehr weibliche oder männliche Bewerber gibt. So heißt es in den „Eckpunkten für den Gender Mainstreaming-Prozess“ in dem Beschluss des Bundeskabinetts zum Gendermainstreaming als "durchgängiges Leitprinzip der Bundesregierung", hg. vom BMFSFJ von 1999: „…diese Strategie der Gleichstellungspolitik dient der Anerkennung und Verwirklichung von Frauenrechten als Menschenrechte….“ Unter dem Punkt „Notwendigkeit der Erhöhung des Frauenanteils in Verwaltung und Politik“ heißt es: „… dies erfordert gezielte Frauenförderungsmaßnahmen, um den Frauenanteil auf allen Hierarchieebenen, insbesondere an Entscheidungs- und Leitungspositionen zu erhöhen.“ An anderer Stelle heißt es:„Gezielte Frauenförderungsmaßnahmen sind notwendig, um bestimmte Benachteiligungen von Frauen schnell und wirksam begegnen zu können und so die Voraussetzungen für die Umsetzung des Gender-Mainstreaming-Konzeptes zu verbessern.“

Von spezifischen Männerrechten oder dem Ausgleich von klassischen Männerbenachteiligungen, die es auch gibt, ist in den bisher veröffentlichten Texten zu GM an keiner Stelle die Rede. Bist du Frau, bleibst du Frau, bekommst aber alles, was die Gesellschaft zu bieten hat. Zudem werden Förderprogramme für dich aufgelegt, wie der bereits eingeführte „Girlsday“ – offenbar reichen die Frauenbeauftragten, Gleichstellungsstellen und Quotenfrauen den Gender Mainstreamern nicht mehr, damit du endlich Männerberufe ergreifst, die du bisher ignoriert hast. Bist du Mann, kannst du wählen, ein bisschen oder auch ein bisschen mehr Frau zu werden, wenn dir danach ist. Du kannst zwar keine Kinder bekommen, aber dafür werden dir Lernprogramme angeboten, ab jetzt die Kinder großzuziehen und die Alten zu pflegen, als Kompensation dafür, dass diese Arbeiten in den vergangenen 20 000 Jahren von Frauen erledigt wurden. In den Berufen, in denen Männer bisher dominierten, zum Beispiel in Ingenieursberufen und Technikberufen, bekommst du, Mann, Quoten, die durchaus ungerecht sein dürfen, wegen der bereits genannten historischen Gerechtigkeit. So heißt es ausdrücklich "Ungleichbehandlung und Fördermaßnahmen (positive Aktionen) könnten sich daher als notwendig erweisen, um die Diskriminierungen der Vergangenheit und Gegenwart auszugleichen."

Gender Mainstreaming heißt im Klartext kompletter Umbau der Gesellschaft und Neuerfindung der Menschheit. Gender Mainstreaming ist eine Art totalitärer Kommunismus in Sachen Sex und Geschlechterbeziehung. Die real existierende Welt wird unterschwellig das (zu eliminierende) Patriarchat genannt, und die Frau und auch die Gesellschaft sollen zu ihrem Glück in Gestalt eines Matriarchats auf leisen Sohlen gezwungen werden: Frauen in den Beruf und an die Macht, sprich in die Führungspositionen in Politik, Wirtschaft und Kultur. Männer an den Herd und in die traditionell zu 100 % von Männern besetzten Schwerstarbeiten, wie Untertagebau, Kampftauchen, Firefighter (die ausdrücklich von der Frauenministerin nicht genannt werden). Kinder in die Krippen, Mädchen in die GM- Förderprogramme, Jungs in die Gender Mainstream-Umerziehungsschule, wo sie die historischen Verbrechen der Männer an den Frauen büffeln. Und die Familie? Abgeschafft – das ist letztlich das in den Leitgedanken des Gender Mainstreaming konkret benannte und sich aus den Konzepten ergebende Bild dieser Politik. Das Wort Mainstreaming hat hier etwas Massenbewegtes, etwas Obrigkeitszwanghaftes, etwas unschön Gruppendynamisches, das alle Skepsis-Sensoren wach schalten sollte. Wer zu Ende denkt, was das Frauenministerium gendernd und quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit bereits in die Tat umsetzt, muss feststellen, dass schon jetzt ein erheblicher Wertunterschied zwischen Jungen und Mädchen gemacht wird. Nur schwach kann GM verbergen, dass hier eine Art pseudowissenschaftlicher „Rassismus“ und letztlich auch Sexismus zwischen den Geschlechtern initiiert wird, an dessen Ende eine männerlose Welt stehen könnte. Eine Allmachtsphantasie.

Die Genderer - Politiker, Sexologen und Feministen - haben GM bisher vollkommen undemokratisch installiert. Wie viele der 3 Milliarden weiblicher Wesen auf dieser Welt haben von der so genannten Weltfrauenkonferenz in Peking überhaupt je etwas gehört? Geschweige denn, sich demokratisch an der Wahl der Vertreterinnen, die die Gender Mainstreaming-Strategie im Laufe der letzten zehn Jahre verfolgt haben, beteiligt?

Wie viele der 40 Millionen deutschen Frauen wissen überhaupt, was GM ist? Wie viele kennen das Wort „Gender Mainstreaming“? Wie viele haben sich darüber Gedanken gemacht und darüber diskutiert? Wie viele Frauen haben anderen Frauen Mandate gegeben in Kenntnis dessen, dass die Mandatierten mehr oder minder klammheimlich die Welt gendermäßig umkrempeln wollen? Will die Mehrheit der Frauen die Erziehung ihrer Kinder abgeben? Wollen alle Frauen im Beruf stehen? Will die Mehrheit der Frauen, dass ihre Söhne systematisch von GM benachteiligt werden als Buße für historische Ungerechtigkeiten, tatsächliche und behauptete? Im Hintergrund werden unter dem Stichwort Genderbudgeting die Geldströme der Haushalte für die Durchsetzung der nebulösen Strategien manipuliert. GM basiert auf dem richtigen Gedanken, dass eine Frauenbenachteiligung beseitigt werden muss, die im Detail steckt und in tradierten Systemen nicht mehr hinterfragt wird. Indes ist GM nicht ungefährlich - wegen antimaskuliner Parteinahme, wegen historisch begründeter Rachelegitimationen und weil GM nicht am Zusammenleben der Geschlechter interessiert ist, sondern an der Schaffung neuer Herrschaftsverhältnisse unter dem hehren Wort der Gleichberechtigung.

Kaum vorstellbar, dass man die Biologie abschaffen kann oder darf. Erstaunlicherweise sind es die Gender-Leute, die selber oft an den Haaren herbeigezogene, biologistische Argumente für die Geschlechterauflösung, also das Gender Mainstreaming, heranziehen. Schließlich lässt sich der rote Leitfaden des GM, den man sich hütet, offen zu legen, auf folgende Gleichung verkürzen: Östrogen bedeutet Friedlichkeit, Fruchtbarkeit, Frohsinn. Testosteron dagegen bedeutet Teufel, Terror und Tyrannei. Die Gender Mainstreamer sind so wie die gescheiterten Kommunisten im Begriff, ihre Weltformel mit pseudowissenschaftlicher Massenliteratur zu unterlegen, in Gesetze zu pressen und lautlos in allen Ministerien zu implementieren. Wie man hört, soll der 8.März, der Weltfrauentag, den für beide Geschlechter geltenden Tag der Arbeit am 1. Mai letzten Endes ersetzen. Ist Gender Mainstreaming eine Sekte? Ein Parallelapparat in Bundesregierung und Landesregierungen, von dem die Mehrheit der Bundesbürger noch nichts gehört hat ? Es sei jedem empfohlen, die einschlägigen Veröffentlichungen des Frauenministeriums und die angrenzende Literatur zu lesen, um sich ein Bild über den simplen Geist dieser Veranstaltung zu machen. http://www.gender-mainstreaming.net/gm/definition.html

Hat der gute alte Feminismus, der sich am Mann abarbeitete und dessen Existenz voraussetzte, das wirklich verdient? Werden Frauen, die sich mühsam einen eigenen Kopf erkämpft hatten, hier kopflos gemacht und in die Irre geschickt, indem man sie vordergründig mit ein paar zweifelhaften Vorteilen lockt? Tatsächlich muss man GM inzwischen sehr ernst nehmen. Der Bundeskanzler und sein Vize, die beide um die neue Macht dieser Frauencliquen wissen, unterzeichnen jährlich das GM-Konzept, das ihnen die zuständigen Ministerinnen auf den Kabinettstisch legen, obwohl beide privat zu den letzten Mohikanern der Gattung des „herkömmlichen“ Mannes gehören - was plötzlich etwas irgendwie Beruhigendes hat. Kein Mensch hat ein Patentrezept, wie Mann und Frau paradiesisch zusammen leben könnten, aber GM hat dieses Patentrezept wohl am allerwenigsten. Vorsicht vor Ideologien. Keine Dämonisierung des Mannes, die möglicherweise auch eine 20 000 Jahre alte Geschichte hat, die noch nicht aufgearbeitet worden ist. Es gibt eben eine lange währende Kultur von Männern und Frauen, über Frauen zu reden, wie es eine lange währende Kultur gibt, den nackten Frauenkörper auszustellen. Vielleicht sind die Männer besser, als allgemein gedacht wird. Um dies beurteilen zu können, müssten sich die Heteromänner zeigen und sich dabei vielleicht an dem positiven Vorbild ihrer schwulen Geschlechtskollegen orientieren.

Die Desorientierung in Sachen Sex und Gesellschaft, die jüngst wieder in den Medien thematisiert wurde, ist eine wesentliche Stütze der GM-Theoretiker: Patchwork-Familien, temporäre Lebenspartnerschaften, Abschaffung der Monogamie und das Lockern der festen Bindungen zu den eigenen Kindern, das Revitalisieren von Sex und Liebe durch Seitensprünge – all diese Ladenhüter, mit denen die 68er sich selbst und ihre Kinder schon in den Siebzigern ausgiebigst gequält haben, tauchen da plötzlich wieder wie völlig neue Heilsbotschaften auf. Selbst vor dem Rückgriff ins Tierreich, wo nach geeigneten Analogien oder passend erscheinenden Umkehrschlüssen gesucht wird, schrecken die neuen Biologen der Partnersuche nicht zurück. Man glaubt es kaum, dass nach den äußerst unguten historischen Erfahrungen ausgerechnet in Deutschland wieder Menschenzucht-Gedanken hoffähig gemacht werden, indem Wörter wie „Genshopping“ fallen oder der bessere Samen des „Hallodri“ gegenüber dem des im Hause vorhanden „Pantoffelhelden“ gepriesen wird: eine Vermischung von Mediensprech mit primitivster Vulgärwissenschaft. Die Psychologie der Einfaltspinsel, die in den Medien immer wieder als neuester Stand der Geschlechterforschung vorgeführt wird, ist allzu oft auf erschütternder Weise niveaulos und pietätlos im Angesicht des schönsten und größten Geheimnisses von Männern und Frauen, der sexuellen Anziehungskraft zwischen Menschen.

Dienstag, 22. April 2008

Mann und Frau sind trotz "Gender" verschieden

Jeder setzt sich selbst die Grenzen
von Gerhard Amendt
21.04.2008 - 16.00 Uhr

Im Gegensatz zu Simone de Beauvoir gilt, dass man als Mann und als Frau geboren wird. Aber, und da hatte sie recht, sie werden auch dazu gemacht. Sigmund Freud hat aus dem Unterschied des anatomischen Geschlechts die psychischen Eigenschaften und sozialen Präferenzen von Mann und Frau im Detail verfolgt. Die kleinen Unterschiede symbolisierten Vielfältiges. Fortschritte in Medizin- und Naturwissenschaften haben weitere Unterschiede zum Vorschein gebracht, die sich hinter dem sichtbaren Unterschied verbergen. Dass Mann und Frau verschieden sind, bedarf der Betonung, weil der 68er-Bewegung der Versuch folgte, das Offenbare zu leugnen. Dabei war die Gleichmacherei gut gemeint und sollte Frauen ermutigen.

Deshalb durfte es keine Zeichen geben, die den Wunsch von Frauen nach gleichen Chancen und gleichem Erfolg im außerfamiliären Leben hätten entmutigen können. Weil es solche Zeichen aber gibt, durften sie immer nur außerhalb, niemals in den Frauen liegen. Ebenso sollten die Erfolge der Männer nicht von deren Geschlecht, sondern ebenso nur von äußeren Verhältnissen abhängig sein. Wie jeder weiß, reimte sich die Erklärung der äußeren Hindernisse bis zum heutigen Tag auf „patriarchalische Selbstbereicherung der Männer“ zulasten der Frauen.
Nun sind heute besonders gut ausgebildete Frauen mehr denn je von vielfältigen Begünstigungen umgeben. Jenseits ihrer eigenen Anstrengungen werden sie vielfältig gefördert und von Bevorzugungen umgarnt, von denen männliche wie weibliche Jugendliche aus den unteren Schichten heute und das alte Proletariat vor langen Zeiten nur hatten träumen können. Aber die größten Anstrengungen kommen von den Frauen doch meistens selber. Sie bewähren sich, wo immer sie es wollen, aber doch allzu oft in „Frauenfächern“ oder solchen mit dem Charakter von ausgelagerter Familienorientierung. Die Distanz zum Unerschlossenen, der Technik und den Naturwissenschaften ist weiterhin überwältigend und wird – trotz Girls’ Day und Ähnlichem – nur selten überbrückt. Die strikte Trennung von Beruf und Familie, die für Männer so charakteristisch wie schwierig ist, wenn sie von der Berufsrolle in die zu Hause täglich schlüpfen müssen, lässt sich für Frauen mit familienanaloger Erwerbstätigkeit mildern. Dazu gibt es kaum Forschung, denn die letzten 20 Jahre haben wir darauf verschwendet, Erlösungsfantasien zu verbreiten, wonach einmal Frauen an der Macht den Frieden auf Erden und Befreiung von allen Übeln uns bescheren werden.

Und jetzt treten Fragen nach den widersprüchlichen Interessen von Frauen im Arbeitsprozess von einem Tag zum anderen in den Vordergrund. Das Geraune von weiblichen Opfern und Zukurzgekommenen und seinem Gegenstück von männlichen Tätern und Kriegsgewinnlern im Geschlechterkampf scheint erstorben. Frauen beginnen sich zu fragen, warum ihre Erfolge begrenzt scheinen, und nicht mehr, welcher Mann sie am Erfolg gehindert und welche Institution ihnen ein Bein gestellt oder warum der Sozialstaat ihnen das Problem nicht schon längst aus dem Wege geräumt hat. Wie in guten Tagen der Frauenbewegung wird wieder gefragt, was hat es mit mir selber zu tun. Trotzdem wird die Frage nach der eigenen Verantwortung nur schrittweise der Suche nach Sündenböcken weichen. Je näher Frauen der feministischen Ideologie stehen, umso zäher suchen sie nach Sündenböcken. Daran wird sich so schnell nichts ändern, denn wir leben in einer Kultur, in der die Selbstverantwortung gegen den bevormundenden Versorgerstaat leidenschaftlich gern ausgespielt wird. 20 Jahre Propaganda für Frauen als Opfer braucht seine Zeit, um aus dem weiblichen wie männlichen Mentalitätsgewebe ausgeschieden zu werden.

Aber gleichzeitig beschwören wir den Individualismus, der jeden als Eigenanfertigung ausweisen soll, andererseits jedoch reden wir von Frauen wie von einem einförmigen Kollektiv, so als seien sie durch Sexualanatomie und andere Unabänderlichkeiten von der Individualisierung ausgeschlossen. Aber Frauen geht es nicht anders als Männern. Sie werden als Frau geboren, aber wie bei Männern wird ihr Leben von ihrer Klassenherkunft, dem Erziehungsstil ihrer Familie, ihrer Ausbildung, ihrem persönlichen Willen und kulturellen Einbettung hervorgebracht. Wer deshalb die Frau wie Natur behandelt, setzt sich dem Verdacht aus, deren Teilhabe am außerfamiliären Leben aus konkurrenzbegeisterten Stücken und schierer Lust an der außerhäuslichen Macht verleugnen zu wollen. Und wo die Frau Natur, ist auch der Mann nur Natur. Dann sind wir zur Romantik eines Friedrich Schlegel zurückgekehrt, der den Mann gesellschaftlich definierte. Aus der Frau jedoch eine neue symbolische Ordnung von Weiblichkeit und göttlicher Natur bilden wollte. Nur hat das, wie die Neuauflage durch Margarete Mitscherlich zeigte, weder Männer noch Frauen weitergebracht. Daraus sind pseudomoralische Überlegenheiten hervorgegangen, die ein Passstück zur feministischen Opfermentalität bilden. Die hat Männern unter der Hand allmächtige Verantwortung für die ganze Menschheitsgeschichte angedichtet. Denn je ohnmächtiger die Frauen gedacht werden, umso stärker treten die Männer hervor. Diese Wechselwirkung hat beide Geschlechter noch immer im Griff.

Weil Männer anders als Frauen sind, prüfen sie etwa ihr Studienfach darauf, ob es eine familiengründende Potenz enthält. Ertragsschwache Fächer nehmen sie intuitiv früh wahr und lassen sie links liegen. Frauen scheinen auf diese Männer zu bauen und passen sich ihnen an. Man kann deshalb von einer Entscheidung ohne viele Worte im Sinne traditioneller Arrangements zwischen Männern und Frauen sprechen. Frauen wählen die versorgungs- und zukunftsschwachen Fächer, weil sie sich auf versorgungsstarke und -willige Männer verlassen. Und von denen gibt es zahllose Varianten am Beziehungsmarkt. Diese verkappte Dynamik dürfte nicht wenige Frauen gerade mit hohem akademischem Niveau an familiären Orientierungen festhalten lassen.

Genaueres darüber zu wissen würde sich lohnen. Denn die erste lebensgestalterische Präferenz von mehr als 60 Prozent aller Frauen bleibt die Arbeit in der Familie, mit der die männliche außer Haus harmonisch sich ergänzt. Das könnte den mangelnden Biss der Frauen außer Haus erklären. Sie vermeiden unbearbeitetes Terrain, das nur mit abenteuerlicher Mentalität sich erobern lässt. Eben, was Männer eher mögen. Dort aber entstehen die kleinen und großen und vor allem die herausragenden Erfolge und die Zukunftsperspektiven. Aber nicht immer geht das gut aus. Unabdingbar gehört das Scheitern dazu. Das beschämt und macht Männer für Frauen weniger attraktiv. Aber solch narzisstischer Absturz gehört zum Alltag der Abenteurer. Erfolg macht Männer zwar begehrenswert, so wie Macht geil macht, und das bereits in kleinen Dosen. Nur, der Misserfolg zerstört das wieder ebenso schnell. Selbstwertverlust setzt dann ein, nicht erst beim großen Manager, sondern bereits sehr viel weiter unten. Männer sind narzisstisch extrem verletzlich, aber vielleicht sind Frauen es auf andere Weise. Vielleicht vermeiden sie solche Kränkungen, indem sie sich der scharfen Konkurrenz entziehen und stattdessen Berufe mit familienähnlichen Abläufen bevorzugen. Vielleicht ist die Arbeit in Kindergärten, Grundschulen, der Pädagogik, der Weiterbildung, der Psychotherapie deshalb anziehender für sie, wie die Funktion der Pressesprecherin, der Personalmanagerin reizvoller ist, oder der Talkmasterin, die keinen Streit in ihrem Wohnzimmer duldet (oder die Kunstgeschichte als Wissenschaft und zugleich Heimverschönerung, wenn „Brigitte“-Ratschläge zu farblos werden). Das sind Vermutungen, für die die ersten Bestätigungen aus der Forschung bereits verfügbar sind. Sie deuten die innere Gespaltenheit vieler Frauen gegenüber der außerhäuslichen Welt nur an. Nochmals anders stellt sich das in den unteren Schichten dar.

Das narzisstische Verletzungsrisiko, dem sich Männer mit abenteuerlichen Erschließungen von Berufsfeldern und gefühlter Alleinzuständigkeit fürs tägliche Brot aussetzen, wird gern übersehen. Einfach ist der Grund dafür. Ihre Welt wird idealistisch überhöht. Das fördert nicht nur Neid, weil alles so einfach scheint, sondern ebenso Fantasien von unbegrenzter Macht. Deshalb sind ihre Erfolge öffentlich, ihr Scheitern aber ist privat.

Selbst äußerst erfolgreiche Frauen sind anders. Kürzlich gratulierte ich einer brillanten Frau zu ihrer Beförderung bis kurz unter die „gläserne Decke“. Ich prophezeite ihr den CEO für die nahe Zukunft, worauf ich unverblümt hörte: „Ach, darauf bin ich gar nicht scharf!“ Das erinnert mich an eine amerikanische Arbeitsmarktexpertin, die in ihren Statistiken für New Yorks erfolgreiche Frauen eine erstaunliche Tendenz aufspürte. Deren Zahl sinkt, obwohl die Ostküste ein Hort einkommensstarker Frauen ist. Gründe dafür vermutete sie in der Kultur. Frauen möchten vielleicht nur das Erlebnis des Erfolges, um mit dem Wissen davon in die Familie zurückzukehren, weil ihnen das reicht. Aber es ist daran geknüpft, dass männliche Risikobereitschaft so zwanghaft fortgeführt wird wie bisher. Das bringt Männer in ein Dilemma. Wenn die Entschiedenheit der Frau nicht gesichert ist, wie sollen sie dann angstfrei mit alternativen, familiennahen Gedanken spielen? Alleinzuständigkeit schwebt über ihrem Haupt, und erst recht beherrscht sie ihre Seelen. Sie fühlen sich gezwungen zu tun, was ihre Väter taten. Für die Familie letztverantwortlich zu sorgen.

Aber was Männer und Frauen unterscheidet, zieht sie zugleich auch an. Wenn darüber ohne Klischees vom guten und vom bösen Geschlecht diskutiert würde, hätten Männer weniger Anlass, Misserfolge von Frauen als eigenes Verschulden zu erleben. Noch ist das aber Standard in unserer Kultur. Frei sind Frauen und Männer eigentlich erst, wenn sie aushandeln können, wer was tut, weil es dem einen lieber ist als dem anderen, obwohl beide es tun könnten, es ihnen aber unterschiedlich schwerfällt.

Montag, 21. Januar 2008

Der Feminismus und seine Auswirkungen

Die Verdammung des Mannes

von Gerhard Amendt
20.01.2008 - 17.42 Uhr

Dem Feminismus ist es gelungen, den Mann zu diffamieren. Nicht mehr Ausgleich zwischen den Geschlechtern zählt, sondern Verächtlichmachung und Feindseligkeit gegenüber allem Männlichen. Mann und Frau hatten schon im Paradies ein angespanntes Verhältnis, das sah auch Maler Gauguin. Der radikale Feminismus hat sie endgültig auseinander getrieben und voneinander entfremdet.

Die Friedensnobelpreisträgerin Doris Lessing gab 2001 auf die brisante Frage, die das „Time Magazin“ bereits vor Jahren seinen Lesern gestellt hatte, eine drastische Antwort. Die Frage selber war in ein vielsagendes Bild und einen harmlosen Text aufgeteilt, der orakelte: Sind Männer wirklich so? Das Cover zeigte einen eleganten Anzug, vervollständigt um Hemd mit ausgewählter Krawatte, aus dem zur Personifizierung der zeitgenössischen Männlichkeit der Kopf eines Schweins herausragte. Die Frage schien dringend und keineswegs abwegig. Denn in den USA hatte nicht nur eine Lorena Bobbitt ihrem schlafenden Mann den Penis abgeschnitten, weil er sie sexuell nicht beglückt hatte. Mehrere solcher „Schweine“ wurden damals wegen verfehlter Beglückung kastriert. Die amerikanische Feministin Barbara Ehrenreich fand das politisch durchaus korrekt und meinte, dass die meisten Frauen damit einverstanden seien.

Natürlich ließ auch Alice Schwarzer wissen, dass die deutsche Frau fürderhin die Messer nicht mehr nur zum Hacken von Petersilie verwenden werde. Damit war die Rückkehr zum archaischen Faustrecht als Lösung partnerschaftlicher Probleme verkündet. Und so kam es, dass sich das als friedfertig gepriesene Geschlecht zur Vergeltung, Rache, vor allem aber zur Herabsetzungen der Männer verleiten ließ. Ebenso wenig widersprach es, als in der Talkshow von Kerner das Urteil fiel, wonach Frauen, die Männer lieben, nur Verachtung verdienten. Zeitgleich wurde dem weiblichen Geschlecht die Bürde auferlegt, dass es ob der nachgesagten Friedfertigkeit allein die Zukunft der Menschheit verkörpern könne. Wenn man sich denn der Hoffnung hingeben könne, dass angesichts der herrschenden Männlichkeit eine solche Zukunft überhaupt noch eine Chance habe. Diesen Verkündigungen trat niemand entgegen. Und so mauserte sich der Widerspruch von weiblicher Friedfertigkeit und gleichzeitiger aggressiver Männermissachtung über die Jahre zu einer unwiderstehlichen Mode der Männerabwertung.

Das ist noch immer chic und lässt keinen Lebensbereich unberührt. Und ebenso ist kein Ende abzusehen. Obwohl vor allem in der jungen Generation allmählich Gereiztheit über die allgegenwärtigen Phantombilder von den bösen Männern und ihrem notwendigen Korrelat, den guten Frauen, aufkommt. Doris Lessings Empörung über die Schweinskopfmetapher gab den Ton vor, der sich zu verallgemeinern beginnt. Schockiert sei sie über die gedankenlose Abwertung von Männern, denn die dümmsten, ungebildetsten und scheußlichsten Frauen könnten die herzlichsten, freundlichsten und intelligentesten Männer niedermachen, ohne dass irgendjemand etwas dagegen tue. Die Abwertung des Männlichen sei so sehr Teil unserer Kultur geworden, dass sie kaum noch wahrgenommen werde. Ihr Verdikt über die „Emanzenkultur“ lautete: Denkfaulheit und Heimtücke.

Den Wandel, den sie in der Kultur verzeichnete, beschrieben andere als Gang in die Mysandrie, die tiefe Abneigung gegen das andere Geschlecht. Das führte dazu, dass in einigen Milieus, nicht zuletzt in universitären, der fundamentale Respekt vor Männern verloren ging. In Deutschland geschah es leise, in den USA als lautstarke Political Correctness. Nur, vom politisch organisierten Feminismus, geschweige denn einer feministischen Bewegung ist mittlerweile nichts übrig geblieben. Doris Lessings Verdikt und noch mehr die identitätspolitische Rückrufaktion der französischen Philosophin Julia Kristeva kamen spät. Gerade Kristeva hatte dem binär denkenden Feminismus, der die Differenzen zwischen Frauen so nachdrücklich verleugnet, wie er die feindselig polarisierte Welt von Männern und Frauen für die eigene Lebensorientierung braucht, viele Jahre unwidersprochen als Gewährsfrau gedient. Das Reden von der sexuellen Identität als einem unwandelbaren Gehäuse binärer Starre, all das hat die Feindseligkeit zwischen Männern und Frauen gefördert: Obendrein hat es den demokratischen Prozess geschwächt. Der Genderfeminismus hat die Männer gekränkt. Auch wenn sie dazu schweigen oder alles witzelnd verharmlosen. Nicht weniger schlimm, dass er Frauen daran gehindert hat, die Differenzen zu benennen, die sie voneinander trennen; die persönlichen, die kulturellen, sozialen wie ihre Vorlieben. Indem er Frauen ein Bewusstsein ihrer Differenz untersagte, stellte er sich gegen das Persönliche, den Kern, der die Individualisierung vorantreibt.

Diese lähmende Dynamik funktioniert nur, wenn ein Feind vorhanden ist, der den Frauen passt. Nicht viel anders funktionieren das Vorurteil und der Fremdenhass. Deshalb wurde Männlichkeit zum unterschiedlosen Einheitsfeind erkoren.

Was aber ist überhaupt noch vom Feminismus übrig geblieben außer der mysandrischen Stimmung? Keineswegs der lange Marsch durch die Institutionen, den die 68er eingeschlagen haben. Mithilfe des mitleidigen Sozialstaates wurden vielmehr bürokratische Strukturen für die Verwirklichung feministischer Ziele von der Bundesebene bis hinunter in die Kommunen eingerichtet. Für das Verbliebene ist typisch, dass es parallel oder ergänzend zu bestehenden Einrichtungen verläuft. Es führt ein Eigenleben, das vor Konkurrenz und vor allem vor Evaluation abgeschirmt ist. Also vor den Fragen, wem diese Politik nützt, ob sie überhaupt etwas nützt und ob sie möglicherweise sogar den gesellschaftlichen Prozess beschädigt. Im Wesentlichen erleben wir zwei Funktionen. Zum einen gibt man vor, Frauen zu fördern, und zum anderen muss die mysandrische Ideologie am Leben erhalten bleiben, die Frauen als Opfer ausgibt und Männer als deren geborene Täter. Der Schibboleth der Gewalt ist für die Ideologie des Feminismus, in deren eigenem Selbstverständnis, so konstitutiv wie die Arbeit für die marxschen Theorie des Kapitalismus. Mit dieser Ideologie ist auf jeden Fall die Diskriminierung alles Männlichen hinreichend zu rechtfertigen.

Im Dienste dieser Ideologie sind Bundesministerien, die seit Langem männliche Lebenswelten von der Erforschung ausschließen. Sie haben lediglich Frauen und Mädchen als Opfer im Blick. Deren Probleme erforschen sie, und Hilfsprojekte werden für sie ins Leben gerufen. Wenn Jungen und Männer hingegen nicht funktionieren, dann sind sie „out“. Sie werden nach archaisch anmutenden Männerbildern behandelt: Entweder sie funktionieren, oder sie sind untauglich. Allenfalls im Umfeld von Arbeitsmarktpolitik gibt es Aufmerksamkeit für deren Probleme. Denn an ihrer Rolle als Familienernährer soll nicht gerüttelt werden. Und trotzdem sind Männer für Forderungen immer noch gut. Etwa nach mehr gemeinsamer Zeit mit den Kindern.

Oft vom Unterton beherrscht, dass Arbeit für den Lebensunterhalt nicht als Sorge für die Kinder zähle. Und der Ruf nach mehr Väterlichkeit ist zweischneidig. Männer sollen sich den Kindern öfter direkt zuwenden, vorzugsweise aber doch nach den Vorstellungen der Mütter. Väterlichkeit innerhalb der häuslichen vier Wände wird ihnen somit vorgegeben. Der 12. Kinder- und Jugendbericht der rot-grünen Koalition ging einen gewaltigen Schritt weiter. Dort wird zeitgenössische Väterlichkeit als von männlicher Gewalt kontaminiert kurzerhand als schädlich für Kinder ausgegeben. Eine neue Väterlichkeit brauche das Land. Und weil in guter deutscher Tradition Mütter nur als die Besten imaginiert werden können, empfiehlt die Expertin, dass Väter so werden wie Mütter sind. Väterlichkeit soll sich in Mütterlichkeit verwandeln. Der Mann im Vater soll keine Rolle mehr spielen. Dann könne man die Kinder den Vätern wieder anvertrauen.

Während Lorena Bobbitt ihrem Ehemann den Penis abschnitt, hält es die Expertin mit einer symbolischen Kastration. Aber das ist nicht von weniger aggressivem Neid getrieben.

Solche Entwertungen sind zumeist kampagnenartig organisiert und zielen auf kollektive Umerziehung. Die SPD-Familienministerin hat 2001 eine solche Kampagne veranstaltet. Zurzeit versucht die Frauenministerin der SPÖ, alle Väter mit einer Plakatflut in Österreich zu diskriminieren. Unter dem Titel „Verliebt. Verlobt. Verprügelt“ wird auf Plakaten eine spielende Mutter mit Sohn gezeigt. Eigentümlicherweise tragen beide Kopfhelme und Schutzweste. Mit fragend ahnungsvollen Augen blicken sie zu einem Mann auf. Der schaut fast gesichtslos von oben auf beide herab. So als schwebe der Vater als dunkle Macht über Frauen und Kindern.

Ein Fortschritt: Diesmal hat die Vaterbeschimpfung die Kritik der hoch angesehenen Wiener Institute für Erziehungshilfe hervorgerufen. Sie haben sich gegen die Dämonisierung des Mannes und Vaters in den Familien gewandt. Solches ist neu, denn es setzt der Politik der Mysandrie ungewohnte Grenzen. Es scheint so, als kehre das Wissen um die bilaterale Komplizenschaft von Männern und Frauen allmählich wieder zurück. Denn im Gegensatz zur gleichheitsrechtlich orientierten Frauenbewegung hat der Genderfeminismus die Demokratisierung und Humanisierung der Beziehung zwischen Männern und Frauen aufgegeben. Er hat sie durch ein Freund-Feind-Verhältnis ersetzt.

Freitag, 21. Dezember 2007

Wenn Frauen Frauen mobben

Esther Vilar
«Liebe macht unfrei»

Von Peer Teuwsen

Esther Vilar schrieb 1971 eine Streitschrift gegen die Frauenbewegung, die damals auf dem Höhepunkt war. «Der dressierte Mann» verkaufte sich millionenfach. Die Autorin wurde von Frauen zusammengeschlagen und musste Deutschland fluchtartig verlassen.

«Ich sitze gerade an einem Erotik-Thriller»: Schriftstellerin Vilar heute. Bild: Axel Hoedt
Frau Vilar, 1971 erschien «Der dressierte Mann».
Eine Ewigkeit ist das her, mein Gott.

Ein Buch, in dem Sie schrieben, es herrsche kein Patriarchat, sondern ein Matriarchat im Westen, die Frauen würden die Männer ausbeuten, nicht umgekehrt. Ein Buch, millionenfach verkauft, geschrieben «in grosser Wut», wie Sie einmal gesagt haben. Ist die Wut noch da?
Nein.

Wo ist sie hin?
Sie hat sich auf andere Themen verlagert.

Aber bei Geschlechterfragen kann Sie auch heute noch die Wut packen?
Der «dressierte Mann» ist so populär geworden, dass alle meine anderen Themen daran ersticken. Deshalb möchte ich mich nicht mehr dazu äussern.

Aber Sie mögen das Buch noch?
Durchaus. Ich habe es zuletzt als Hörbuch gehört. Ja, es war nicht schlecht, es geschrieben zu haben.

Sie schrieben zum Beispiel: «Mit zwölf Jahren hört die Frau auf, ihren Geist zu entwickeln.»
Wenn sie es sich leisten kann, ja. Das ist natürlich Polemik, das kann ich in angemessener Sprache nicht verteidigen.

Waren Sie sich beim Schreiben bewusst, was Sie mit dem Buch auslösen werden?
Ich dachte, ich müsse nur so ein Buch schreiben und die Menschen liefen zu mir über, weil ich alles viel logischer erkläre. Aber es kam ganz anders. Ein kleiner Teil kam zu mir, aber der grössere Teil kippte noch heftiger ins Gegenteil, in die militante Frauenbewegung. Nein, ich konnte mir beim Schreiben eine Polemik dieses Ausmasses nicht vorstellen. Das kann sich kein Mensch vorstellen.

Wie war das?
Zuerst wurde das Manuskript von allen Verlagen abgelehnt. Dann liess ich selbst Druckfahnen machen und habe es nochmals weggeschickt, da griff der Bertelsmann-Verlag zu. Anfangs ist nicht viel passiert, die erste Auflage betrug 8000 Stück. Es kam eine fantastische Kritik im Stern. Und dann wurde ich zu «Wünsch Dir was» eingeladen, einer Eurovisionssendung. Da ging es über Nacht los. Ich hatte offenbar etwas Revolutionäres gesagt. Mein Leben hatte sich auf einen Schlag total verändert.

Wann merkten Sie zum ersten Mal, dass Sie etwas Gefährliches geschrieben hatten?
Als Drohungen kamen, als ich zusammengeschlagen wurde.

Zusammengeschlagen?
Ja, auf der Toilette der Münchner Staatsbibliothek haben mich vier junge Frauen zusammengeschlagen. Das war nicht zum Lachen. Ich wurde bespuckt, ich bekam unentwegt Morddrohungen, mein Haus in München pinselte man mit Totenköpfen und Ähnlichem voll. Ich habe Deutschland von einem Tag auf den andern verlassen, ich hatte einen kleinen Sohn, ich konnte nicht mehr bleiben. Ich bin in die Schweiz. Das war der Anfang.

Hätten Sie das Buch auch geschrieben, wenn Sie um die Folgen gewusst hätten?
Ich hätte mich nicht getraut, nein. Es war ja in Spanien, in Frankreich, in den USA das Gleiche wie in Deutschland, in England gab es öffentliche Demonstrationen.

Gegen Sie?
Ja, immer gegen mich.

Alice Schwarzer nannte Sie eine «Sexistin» und «Faschistin».
Ja. Immer nur Angriffe. Nein, mich hat nie jemand verteidigt.

Wie erklären Sie sich das?
Mein Buch war links, aber nicht in der Art links, wie es die Linken gekannt hatten. Es war ein Buch für eine Minderheit. Denn im Vergleich zu uns Frauen sind die Männer ja die Minderheit. Die hatten ja bis dahin überhaupt keine Stimme, geschweige denn von einer Frau.

Aber viele Männer wollten Ihre Stimme nicht.
Ein paar schon, es war sehr geteilt. Doch die Zustimmung kam nur im Privaten. Öffentlich hat sich keiner getraut.

Hatten Sie manchmal das Gefühl, man behandelte Sie wie eine Mörderin?
Ja, dabei war ich eher der Meinung, ich
hätte eine gute Tat vollbracht.

Sie haben ein Buch geschrieben über die geheimen Waffen der Frau gegen den Mann.
Und was für geheime Waffen wir Frauen haben. Aber mein Buch war so unwillkommen, es ging gegen alles, was damals zu glauben in Mode war. Was ich geschrieben habe, hatte nie eine Frau zuvor öffentlich gesagt, obwohl die meisten von uns es wohl sehr genau wussten. Ich denke, es war ein notwendiges Buch.

Wäre das Buch heute immer noch notwendig?
Es hat sich nicht so viel geändert. Die Männer haben immer noch kein Recht auf ihre Kinder, das ist für mich das Grausamste überhaupt. Wer ein Mann ist, muss täglich damit rechnen, dass ihm die Kinder weggenommen werden und er sie vielleicht noch, wenn’s gut geht, einmal im Monat am Wochenende sehen darf. Und der Umstand, dass immer noch die Männer in den Krieg, ins Töten geschickt werden, ist so schwerwiegend, dass ich keinen Nachteil einer Frau sehe, der das irgendwie aufwiegen könnte. Und wer als Mann eine Familie gegründet hat, kann im Normalfall nie aufhören zu arbeiten. Man kann sein Leben nicht ändern, weil man sonst die ökonomische Grundlage der Seinen riskieren würde. Der Mann hat eine Verantwortung, die nicht zu vergleichen ist mit derjenigen der Frau. Das sind die Hauptsachen.

Heute übernehmen auch Frauen die ökonomische Verantwortung.
Ich kenne gar keinen richtigen Hausmann. Und die paar, die es gibt, sind nicht erotisch – in den Augen der Frau. Der Blick der Frau bestimmt unsere Welt. Der Blick und die Sprache: Einen Mann, der kein Geld heimbringt, nennt man einen Versager. Die Frau dagegen eine Hausfrau. Es heisst nicht umsonst Muttersprache.

Sie sind so schrecklich rational in Ihren Büchern. Der Mensch ist sehr berechnend in Ihren Büchern. Es ist alles so kalt.
Wir sind alle sehr berechnend, ja. Um das zu erkennen, muss man nicht besonders rational sein. Aber ich denke nicht, dass meine Bücher kalt sind. Ich sass mal im Flugzeug hinter einem Mann, der den «Dressierten Mann» las, es war auf dem Weg von Argentinien nach Deutschland. Der Mann hat die ganze Nacht lang immer wieder laut gelacht, ich habe kein Auge zugemacht. Das fand ich schön.

Haben Sie je geliebt?
Oh ja.

Und zu welchem Zweck?
Nur zum Zweck des Liebens.

In Ihren Büchern ist die Liebe aber immer zweckgebunden.
Schon, aber ich selbst habe nie solche Geschäftchen gemacht.

Im Ernst?
Ja, ich kann mich da ausnehmen, weitestgehend. Ich hätte das Buch nicht schreiben können, wenn ich selbst betroffen wäre.

Sie haben sich nie von einem Mann ernähren lassen?
Nicht einen Tag, nein.

Sie haben nie einen Mann dressiert, indem Sie ihm Sex vorenthalten haben?
Nein. Man könnte doch nicht ein Buch gegen Bankräuber schreiben und selber einer sein.

Dann sind Sie ja ein guter Mensch.
So weit würde ich jetzt auch nicht gehen. Aber ich konnte es mir leisten, mich nicht ernähren zu lassen, weil ich Berufe hatte, ich war Ärztin und dann Schriftstellerin.

Heute haben aber viele Frauen einen Beruf.
Da hat sich viel geändert, ja. Aber ich kenne keine Frau, die einen Beruf ausübt, um ein Leben lang die Kinder und den Mann zu ernähren. Deswegen habe ich später ein Buch geschrieben, um einen Ausweg aus dieser Situation zu skizzieren.

Sie haben die 25-Stunden-Woche vorgeschlagen, die Frauen wie Männern mehr Zeit für sich und die Kinder liesse, gleichzeitig aber beide zwänge zu arbeiten.
Auch da war ich zu früh. Es geht heute langsam in diese Richtung – leider nicht aus einer ideellen Einsicht, sondern aus wirtschaftlicher Notwendigkeit. Wenn es immer weniger Arbeit gibt, und das wird akut werden, dann muss man die Arbeitszeiten reduzieren. Eine Gesellschaft mit zu vielen Arbeitslosen kann sich nicht halten, weil dies zu Unruhen führt.

Sie meinen, immer zu früh gewesen zu sein?
Ich war immer zu früh, früher als die andern. Das gilt auch für meine Essays über das Altern, die Religion, die Intelligenz.

Ich empfand Ihre Bücher über Männer und Frauen gar nicht primär als eine Verteidigung der Männer.
Sind sie auch nicht, es ist ein Appell an die Fairness der Frauen. Man kann sie auch feministische Bücher nennen.

Eben. Sie sind die wahre Feministin, Sie begreifen die Frauen nicht primär als Opfer, sondern als Menschen, die ihre Interessen durchsetzen.
Das gefällt mir, ich bin die wahre Feministin. Aber, na gut.

Ihr grosses Thema ist aber ein anderes. Dass der Mensch sich die Freiheit, die er haben könnte, nicht nimmt.
Schön, haben Sie das bemerkt, ein Thema, das man nicht wahrhaben möchte.

Warum?
Einerseits aus Feigheit, andererseits ist, wer die Freiheit lebt, nicht unbedingt glücklich. Man ist glücklicher, wenn man sich unterordnet und einem System folgt, sich einer «Aufgabe» widmet. Wer frei ist, muss immer eigene Regeln aufstellen.

Sie reden von sich.
Ja, ich wollte wie ein freier Mensch leben, aber es ist mir nicht immer gelungen.

Was hat Sie unfrei gemacht?
Liebe zum Beispiel. Liebe macht immer unfrei. Das ist eine Religion mit der kleinstmöglichen Gemeinde. Gott und Anbeter im Verhältnis eins zu eins.

Kinder?
Natürlich machen Kinder unfrei. Aber einen neuen Menschen zu machen, ist das grösste Abenteuer überhaupt. Freiheit ist das wahnsinnige Problem von uns allen. Man wird ja religiös, weil man die Freiheit nicht aushält.

Wie definieren Sie Freiheit?
Dass ich tun und lassen kann, was dem andern nicht schadet.

Ich würde sagen: Freiheit ist, wenn man seine Abhängigkeiten selbst wählen kann.
Viel besser.

Das konnten Sie?
Ja, und das kann ich noch immer.

Was fasziniert Sie am Schreiben?
Die Entdeckung von neuen Welten. Aber oft schreibe ich ja auch nur zum Vergnügen, Theaterstücke, Novellen, Romane, das sind keine Streitschriften. Aber das ist auch der Grund, warum ich nicht mehr so viele Leser habe wie früher. Die lesen zuerst eine Streitschrift, dann einen Roman, sehen ein Bühnenstück – und dann wissen sie gar nicht mehr, was sie von mir halten sollen. Ich habe noch etwa 30 000 Leser.

Bedauern Sie das?
Das kann ich nicht bedauern, ich bin eben so. Man kann ja nicht auf Bestellung wütend werden.

Was macht Sie heute wütend?
Zur Zeit schreibe ich nur friedliche Sachen. Ich sitze gerade an einem Erotikthriller, er wird «Reden und Schweigen in Palermo» heissen und nächsten Sommer erscheinen.

Was für einen Preis haben Sie bezahlt für die Freiheit, die Sie sich genommen haben?
Zuweilen sehr viel Einsamkeit – ich gehöre halt zu keinem Klub.

Können Sie gut allein sein?
Ganz gut, aber nicht perfekt. Und zudem reise ich so viel, dass ich nirgends dazugehören kann.

Damit könnten Sie aufhören.
Ich will aber nicht dazugehören.

Aber lieben wollten Sie, da wollten Sie zu einem Menschen gehören.
Ja, und das wird mir hoffentlich auch immer wieder passieren. Der einzige Verzicht auf Freiheit, den ich schätze, ist die Liebe. Aber man wird ja früher oder später wieder in die Freiheit zurückgeworfen.

Die ewige Liebe gibt es nicht?
Doch, aber ich habe sie nicht erlebt, und ich kenne kaum Leute, die sie je erlebt haben.

Was war Ihre grösste Liebe?
Über mein Privatleben spreche ich nicht. Das würde niemandem nützen.

Haben Sie gerne in der Schweiz gelebt?
Ja. Da habe ich durch meinen Freund Jürg Federspiel so viele interessante Menschen kennengelernt. Die Schweizer sind irgendwie weltoffener als andere Nationen, sie reisen viel. Aber das Problem ist, dass ich es nie ewig irgendwo aushalte.

Warum ist denn das so?
Ich bin zu neugierig. Schon in Zürich, wenn ich morgens am Radio einen italienischen Schlager hörte, konnte ich mich in den Zug setzen und nach Mailand fahren. Ich bin in Argentinien aufgewachsen, ein Kind von deutschen Eltern, ich habe mich nie irgendwo wirklich zu Hause gefühlt.

Aber es gibt auch das Gegenteil: Dass man dann unbedingt einen Ort finden will.
Mein Sohn ist so einer, der ist unbedingt sesshaft. Wohl wegen der vielen Reiserei mit mir. Er ist ein richtiger Engländer geworden.

Was war das Beste in Ihrem Leben?
Im Grunde war alles gut. Ich konnte mir alles aussuchen, die Sprache, die Partner, die Länder. Und wenn es nicht mehr aufregend war, ging ich einfach anderswohin.

Sie sind eine, die glaubt, man könne anderswo wieder neu anfangen?
Ich fange jeden Tag neu an.

Das geht nicht. Man bringt doch immer seine Vergangenheit mit.
Natürlich, aber es kommt doch immer wieder etwas Neues dazu. Ich möchte immer weiter bauen, wie ein Haus, wo man immer wieder ein Zimmer dazubaut. Interessant wird, wie lange es noch dauert, wie ich mit dem Ende fertig werde.

Wie stellen Sie sich das Ende vor?
Ich habe wahnsinnige Angst vor dem Sterben, weil ich so gerne lebe. Dass dies alles weitergeht, ohne dass man es mitbekommt, das finde ich eine fürchterliche Vorstellung. Mir gefällt das Ende, wie es sich Luis Buñuel vorgestellt hat: dass man im Sarg liegt, alle zehn Jahre mal aufsteht, sich eine Zeitung kauft, sie liest — und dann wieder in den Sarg steigt.

War der «Dressierte Mann» Ihr Unglück?
Nein, aber er hat meinen späteren Werken sehr geschadet. Ich war in einer Ecke, es geht langsam besser. Ich werde jetzt sehr viel im Osten gespielt, wo man den «Dressierten Mann» nicht mitbekommen hat. Im Westen aber bin ich immer noch gebrandmarkt, vielleicht hört das nie auf.

Was wollen Sie noch?
«Wollen» ist gar kein Wort. Wenn ich etwas will, mache ich es. Was ich also noch machen werde? Immer wieder umziehen.


Esther Vilar, 72, schrieb 1971 die Streitschrift «Der dressierte Mann». Sie musste mit ihrem Kind wegen der Anfeindungen aus Deutschland wegziehen. Sie wohnt heute in London und schreibt immer noch.