«Strecke deine Wurzeln in die tiefen Gründe, wo kein Frost der Welt sie erreichen kann»
Eine Ermunterung zum aufrechten Gang in bedrohter Lage – über eine Broschüre* von Rudolf Burger zur Lage der Schweiz
ts. In einer Zeit, in der die Schweiz durch Gruppen der Hochfinanz und deren Sprachrohre wie Financial Times und Wallstreet Journal einem Sperrfeuer von Angriffen ausgesetzt ist, sekundiert durch die nunmehr vom Wähler abgestrafte deutsche Sozialdemokratie, den Wüstendiktator Gaddhafi, dubiose italienische Regierungsmitglieder, die schillernde «grüne» Figur eines Cohn-Bendits, sekundiert aber auch durch eine fünfte Kolonne heimatmüder und am Gängelband obengenannter ausländischer Kreise geführter Schweizer, erscheint gerade rechtzeitig eine kleine, aber um so feiner und mit Liebe gestaltete Broschüre mit dem Titel «Grossvater, ist’s wahr?». Als Autor zeichnet der langjährige Herausgeber der von der Vereinigung Medien-Panoptikum edierten Zeitschrift media.watch.ch., Rudolf Burger aus Burg.
Wider feudalistisches Machtgehabe
Schon die Wahl des Titels zeigt, in welch heikler Situation sich unser Land derzeit befindet, ist er doch angelehnt an die berühmte Frage eines anderen Schweizers in bedrängter Situation: Es war Tells Sohn Walter, der in der dritten Szene des 3. Aktes von Friedrich Schillers Wilhelm Tell auf der berühmten Wiese bei Altdorf die Frage stellt: «Vater, ist’s wahr, dass auf dem Berge dort die Bäume bluten, wenn man einen Streich drauf führte mit der Axt?», um dieser Frage eine ganze Reihe von weiteren Fragen folgen zu lassen, welche in der abschliessenden gipfelt: «Gibt’s Länder, Vater, wo nicht Berge sind?» Berge als Symbole der Freiheit, für den deutschen Nationaldichter Schiller seinerzeit das Kampfsymbol gegen den heimischen Feudalabsolutismus. Die Brisanz der besagten Szene mit der Frage «Vater, ist’s wahr?» ist aber nur vor dem Hintergrund der berühmten Regieanweisung Schillers zu verstehen, die da lautet: «Wiese bei Altdorf. Im Vordergrund Bäume, in der Tiefe der Hut auf einer Stange. Der Prospekt wird begrenzt durch den Bannberg, über welchem ein Schneegebirg emporragt. Tell mit der Armbrust tritt auf, den Knaben an der Hand führend; sie gehen an dem Hut vorbei gegen die vordere Szene, ohne darauf zu achten.» Und kurz darauf dann der berühmte Kurz-Dialog zwischen Vater und Sohn: Walter: «Ei, Vater, sieh den Hut dort auf der Stange.» Tell: «Was kümmert uns der Hut! Komm, lass uns gehen!»
Wie es weitergeht und was der Hut auf der Stange bedeutet, weiss in der Schweiz jedes Kind: Tell wird von Schergen der Grossmacht, die die Freiheit der Innerschweizer unterdrücken will, verhaftet, wehrt sich aber, und in gemeinsamer Anstrengung wird die Tyrannei Gesslers, des fremden Vogts, dessen Machtsymbol der Hut auf der Stange war, hinweggefegt.
Und genau um diese Freiheit und um die Bedrohung durch den heutigen «Hut auf der Stange» geht es Rudolf Burger in seiner Broschüre, sprich um die Übernahmegelüste unseres Landes durch die EU, das Abtransportieren der bei uns verwalteten Kundengelder, die Eingliederung unserer Jugend in weltweit mordende Angriffsarmeen, aber auch um die Gier derjenigen Einheimischen, die gemäss Schiller «buhlen um der Fürsten Gunst» wie etwa Rudenz, der von seiner angebeteten Berta so genannte «naturvergessne Sohn der Schweiz», also um die innere Einstellung von uns Eidgenossen.
Wider die Spötter im Fernsehturm
Burger selber formuliert es folgendermassen:
«Schweiz wohin? – eine drängende Frage. Soll unser Land Trittbrettfahrer eines gleichgeschalteten Europa werden, das sich seinen abendländlichen, freiheitlichen Wurzeln mehr und mehr entfremdet?
Soll sie ein Sternlein werden in der Europafahne oder weiterhin das Kreuz im roten Feld hochhalten?»
Burgers Antwort lautet klipp und klar:
«Die Schweiz kann wohl den besten Beitrag für ein Europa mit Zukunft leisten, wenn sie bleibt, was sie ist: Modell eines Kleinstaates, der die Kraft besitzt, verschiedene Kulturen und Sprachen in sich zu vereinen, dank der föderalistischen Grundstruktur und einer Demokratie, die auf wirklicher Mitbestimmung beruht.»
Mit seiner Broschüre möchte Burger «aufrütteln, möchte vor Augen führen, wohin die Anpassungs-Politik führt und was wir ihr entgegensetzen können.»
Indem er den Leser ins Jahr 2050 entführt und dort eine Enkelin ihren Grossvater die Frage von Walter nochmals stellen lässt, macht Burger den durch die «Spötter im Fernsehturm» weichgeklopften, gleichgeschalteten und ihrem eigentlichen Wesen entfremdeten Eidgenossen des 21. Jahrhunderts klar, was wir an unserem Land haben und weshalb es alles daran zu setzen gilt, es mit seinen Freiheiten und seinen Friedens- und Sozialanliegen zu verteidigen. So werden die Fragen der direkten Demokratie aufgeworfen, der Willensnation, der eigenen Währung, der politischen Stabilität, des Rechtsstaates und der Sicherheit, aber auch der Orientierung an Werten wie gegenseitiger Achtung und Respekt, der Ehrlichkeit, des Einfühlungsvermögens, der gegenseitigen Hilfe und des Aufeinander-Zugehens – Fragen, die gerade derzeit von höchster Aktualität sind. Und nicht nur in der Schweiz.
«Das Netz ums Haupt geworfen» – Spin-Doktoren
So wird reihum in den umliegenden Ländern, auch in den entfernteren islamischen, Verständnis für die Sorgen der Schweizer Bevölkerung gezeigt, einer Sorge um das friedliche Zusammenleben, die Integration in ein Gastland und über politischen Extremismus. Sorgen, die laut Radio DRS vom 5. November dem Schweizer Botschafter an der Uno, Peter Maurer, insbesondere von Diplomaten islamischer Länder bestätigt wurden, welche selber mit einem wachsenden Einfluss des Wahabitismus konfrontiert sind, einer extremen Form des politischen Islams, von den USA instrumentalisiert in einem Machtpoker, der von Robert Dreyfuss in seinem Werk «Devil’s Game: How the United States Helped Unleash Fundamentalist Islam» akribisch beschrieben wurde.1
Des weitern erklärt der Grossvater in Burgers Broschüre seiner Enkelin aber auch, weshalb innerhalb der Schweiz der Konsens zerbröckelt: Die Gier einer Minderheit wird da ins Zentrum gerückt, die Gier nach Geld, aber auch nach Macht, oder zumindest danach, unter Mächtigen zu dienen – so wie eben Schillers Figur Rudenz, der aus Grossmannssucht Volk und Land zu verraten im Begriffe ist, hätte da nicht seine Angebetete Berta mahnend ihre Stimme erhoben mit Worten, die gültig sind wie eh und je, ersetzt man nur Österreich, also Habsburg, durch die zentralistische, undemokratische und konzerngeführte Lissabon-EU:
Rudenz:
Will ich denn nicht das Beste meines Volks?
Ihm unter Östreichs mächt’gem Szepter nicht
Den Frieden –
Berta:
Knechtschaft wollt Ihr ihm bereiten!
Die Freiheit wollt Ihr aus dem letzten Schloss,
Das ihr noch auf der Erde blieb, verjagen,
Das Volk versteht sich besser auf sein Glück;
Kein Schein verführt sein sicheres Gefühl.
Euch haben sie das Netz ums Haupt geworfen –
«Das Netz ums Haupt geworfen»: hätte Schiller heute gelebt, würde er wohl von den Propagandatricks der Spin-doctors sprechen, von Abhängigkeiten jedwelcher Art, die Eidgenossen zu Marionetten an den Fäden internationalistischer und transnationaler Hintergrundnetzwerke degradiert.
«Mit männlichem Entschluss – steh zu deinem Volk»
Doch wer dies erkennt, und dies zu ermöglichen ist das Anliegen von Burger, der kann sich auch wieder befreien. So tut Berta ihrem Rudenz auf seine Frage, «Doch wie mich retten – wie die Schlinge lösen, Die ich mir töricht selbst ums Haupt gelegt?» folgendes kund, welches auch heute jedem wankelmütigen und müde gewordenen Eidgenossen ins Stammbuch geschrieben sei: «Zerreisse sie [die Schlinge, die Abhängigkeiten, die Erpressbarkeit] mit männlichem Entschluss! Was auch draus werde – Steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.»
Wäre es nicht angebracht, all die einheimischen Kostverächter, Spötter und Besserwisser für längere Zeit ins Ausland zu schicken, auf dass sie bei ihrer Rückkehr die Friedensinsel Schweiz wieder so richtig schätzen lernen? Dies zu unterstreichen, zitiert Burger den grossen Schweizer Schauspieler Walter Roderer, der sein Engagement für die Unabhängigkeit der Schweiz einmal wie folgt begründete: «Weil ich die Schweiz einfach liebe, weil ich weit in der Welt herumgekommen bin und gesehen habe, dass die Schweiz, bei all ihren Unzulänglichkeiten, dem einzelnen Menschen mehr Freiheit, Mitbestimmung und Lebensqualität bietet als irgendein anderes Land.» Aber eben, so Burger weiter: Mit der Freiheit sei es wie mit der Gesundheit, man erkenne ihren Wert zumeist erst, wenn man sie verloren habe.
Warum lassen wir’s geschehen…?
Mit einer Reihe von Gedichten erreicht Burger nach seiner messerscharfen Analyse aber auch die Herzen der Leser. Dabei gelingt es ihm, Traditionelles mit der Moderne zu verknüpfen. So heisst es zum Beispiel im Gedicht «Bitterer Regen» in der letzten Strophe:
«Hoch im Fernsehturm,
wo die Spötter sitzen,
klingen hell die Gläser.
Unten aber welkt am Baum
Hoffnung, Ehr und Traum.»
Seinem Engagement in der Publikation mediawatch.ch entsprechend, geisselt Burger die mediale Verblödung und die Manipulation und ruft zur Gegenwehr auf, so im Gedicht «Spötter in unseren Stuben»:
«Warum lassen wir’s geschehen,
dass bezahlte Spötter
dringen in die Stuben
und mit frecher Hand
Kreuz und Bild der Heimat
reissen von der Wand?»
Stehen wir zum weissen Kreuz, zum roten Kreuz, zum Christuskreuz
Burger fordert uns alle auf, zu unseren Werten zu stehen, den aufrechten Gang zu üben, so wie dies auch die Aktivdienstgeneration in Zeiten schwerster Bedrängnis getan hat: «Das Zeichen des Kreuzes stand über der Schweiz seit ihrer Gründung. Stehen wir doch zu diesem Kreuz in unserer Fahne, stehen wir zum weissen Kreuz im roten Feld, stehen wir zum roten Kreuz im weissen Feld, stehen wir zum Christuskreuz, das als geheimnisvolle Kraft uns während mehr als 700 Jahren begleitet und bewahrt hat.»
Offensichtlich hat die Schweizer Bevölkerung diese Kraft noch immer, oder wie sonst soll man das Abstimmungsresultat zur Minarettinitiative werten? War das nicht das ruhige Stopp-Signal der Bevölkerung, die sich seit längerem durch die veröffentlichte Meinung nicht mehr repräsentiert sieht? Die sich durch die Parteioberen und den Kadavergehorsam in den Parteien nicht mehr vertreten sieht? Die sich in ihrem Friedensanliegen verraten sieht? Es war ein Stopp-Signal, ein Aufruf zur öffentlichen Debatte mit den Medien, mit den Politikern, mit allen Menschen in unserem Lande, eine Einladung zur Diskussion darüber, wie das friedfertige Zusammenleben in einem selbstbestimmten Staat auf der Grundlage der eigenen Kultur gewährleistet werden kann. Und da sind alle gefordert, denn die Wirtschaftskrise, ansteigende Arbeitslosigkeit, Gewalt auf den Strassen, Zerfall der Währung, Inflation usw. treffen alle Bürger. Und da ist die Schweiz bis anhin gut aufgestellt gewesen, diese Probleme in Ruhe und solidarisch zu lösen. Das war das Signal der Volksabstimmung, und so wurde es auch – sieht man von der gezielten Stimmungsmache ab – in der muslimischen Welt und bei den Völkern Europas verstanden, die wohl ganz ähnlich, wenn nicht noch deutlicher ihr Unbehagen über eine internationalistische Politikerkaste zum Ausdruck gegeben hätten, wenn man sie denn nur hätte abstimmen lassen.
Tradition, Sprache, Lied, Religion und Geschichte pflegen
Und damit sind wir wieder bei Burgers Anliegen: Dieses Kleinod der direkten Demokratie, wo das Volk immer letztinstanzlich befragt werden muss, gilt es unbedingt zu bewahren. Und zwar gerade auch für Europa, welches als Riesengebilde nicht Bestand haben wird.
Und all denen, die in Fremdherrschaft leben, gibt Burger einen Ausblick, wenn er das Beispiel Lettlands aufgreift. Lettland, das kleine Land im Baltikum, wurde 1940 von deutschen Armeen besetzt. Nach der Schlacht von Stalingrad übernahm die vorrückende Rote Armee die Rolle der Deutschen – Lettland geriet unter das harte Joch der Sowjets, das fast 50 Jahre andauerte.
Und genau dieses Lettland war es, welches der Schweiz 1941 zum 650. Geburtstag der Eidgenossenschaft gratuliert hatte. Trotz oder gerade wegen der Fremdherrschaft unter einer Besatzungsmacht. Am Beispiel Lettlands zeigt Burger auf, was es braucht, um Fremdherrschaft zu überstehen und am Tage X wieder unabhängig und anknüpfend an die lieben Traditionen weitermachen zu können: «Das lettische Volk von nur 3,5 Millionen überstand 50 Jahre Fremdherrschaft, ohne seine Identität zu verlieren. Als unversiegliche Kraftquelle erweisen sich seine kulturellen Werte von Tradition, Sprache, Lied, Religion und Geschichte, die unter schwierigsten Bedingungen unentwegt gepflegt wurden.»
Und im Gedicht Lettland 1994 zeigt Burger, dass auch heute in der neuen Freiheit wieder Gefahren lauern: «Lettland, lass es nicht zu, dass der Geist der neuen Zeit Herz und Sinn verwirrt. Bleib dir selber treu. Strecke deine Wurzeln in die tiefen Gründe, wo kein Frost der Welt sie erreichen kann.»
Ein Plädoyer für die humanitäre Schweiz
Auch die Opfer des ungarischen Freiheitskampfes von 1956 und diejenigen des niedergeschlagenen Prager Frühlings von 1968 seien nicht umsonst gewesen, betont Burger und ruft zur Ausdauer auf. «Wir müssen gegen alle Hoffnung wagen, und wenn der Erfolg ausbleibt, trotzdem beharren. Nur Gott weiss, wie alles ausgeht. Wir aber haben uns an seine Gebote zu halten und die Spannen unseres Lebens und das Geschenk unserer Gaben zu nutzen.»
Und worin die Gaben von uns Schweizern bestehen, das lässt Burger am Ende seiner Broschüre Gustav Naville aus Zumikon (ZH) formulieren:
«Was kann die Schweiz für die Welt tun und sein?
Ein globales Kompetenz-Zentrum für humanitäre Angelegenheiten:
Mit einem Roten Kreuz, das wieder von der Willensnation Schweiz getragen ist,
mit einem starken schweizerischen Katastrophen-Hilfstrupp,
mit einer Diplomatie der Guten Dienste, die das Vertrauen aller Völker verdient und hat,
und mit einer Schweizer Armee, die der feste Fels der bewaffneten Neutralität ist und im äussersten Fall kämpft, aber auch Personalreserve für humanitäre Einsätze sein kann.»
Eine Aussage, welcher in ihrer Klarheit, Heimatliebe und zugleich Weltoffenheit wohl kaum etwas hinzuzufügen ist. •
1 Robert Dreyfuss. Devil’s Game. How the United States Helped Unleash Fundamentalist Islam. New York 2005. ISBN 0-8050-8137-2. www.RobertDreyfuss.com
* Die Broschüre kann bestellt werden bei:
Vereinigung «Medien-Panoptikum», 5736 Burg, oder bei: info@mediawatch.ch
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Donnerstag, 17. Dezember 2009
Dienstag, 25. August 2009
Die Schweiz als Vorbild
Freiheit, Fortschritt, gute Dienste
Von Ueli Maurer, Bundesrat
Die Schweiz will es allen gerne Recht machen. Zusammenzucken und wegducken sind zum Standard geworden.
Wir Schweizer sind friedliebend. Wir Schweizer vermeiden Streit. Wir Schweizer wollen es gerne allen Recht machen. Das sind grundsätzlich positive Eigenschaften. Mit etwas mehr Schweizer Zurückhaltung und Bescheidenheit, mit etwas mehr Schweizer Harmoniesinn wäre die Welt viel freundlicher.
Aber das Bedürfnis nach Verständnis und Verständigung lässt sich übertreiben. Wir schauen etwas gar ängstlich darauf, wer was von uns hält. Und wenn irgendwo einer frech das Maul aufreisst und uns Übles sagt, dann stammeln wir eingeschüchtert Entschuldigungen - zusammenzucken und wegducken, das ist uns zum Standardverhalten geworden.
Der von Schiller treffend geschilderte schweizerische Nationalheld, Wilhelm Tell, ist darum zum Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit geworden, weil er weder zusammengezuckt noch den Kopf eingezogen hat.
Ich meine, wir sollten nicht zuviel darauf achten, was andere über uns sagen, sondern so handeln, wie wir es für richtig halten. Entsprechend unseren Werten, entsprechend unserer rechtstaatlichen und demokratischen Überzeugung. Und dann dürfen wir auch, wenn es nötig ist, auf all das hinweisen, was wir tun, was wir leisten, was wir der Welt geben.
Und wir geben der Welt viel. Ideell. Materiell. Humanitär. Wir bieten insbesondere dreierlei; wir bieten Freiheit, wir bieten Fortschritt, wir bieten gute Dienste.
Permanenter Freiheitsimpuls
Schweiz und Freiheit, das gehört zusammen. Die Schweizer Freiheit war schon sprichwörtlich, noch ehe die französische Revolution die Freiheit zum politischen Programm erhob. Sie faszinierte damals die Philosophen in den Salons von Paris gleichermassen, wie sie die Politiker an den europäischen Fürstenhöfen immer wieder beunruhigte.
Denn unsere Staatsauffassung ist so ganz anders als die anderer Länder: Uns geht es um den Bürger, nicht um den Staat. Der Bürger steht im Mittelpunkt. Der Staat ist nur ein Mittel zum Zweck. Unser Staat hat keine nationale, historische oder religiöse Mission. Unser Staat ist dazu da, uns Bürgern die maximale Freiheit zu sichern.
So suchen wir oft unsere eigene Lösung. Wagen einen eigenen Entwurf. Gehen mit der Schweiz unseren eigenen Weg. Und weil bei uns das Volk entscheidet, ist unser Weg bürgernäher, steuergünstiger, freiheitlicher.
Sonderfall Schweiz
Das ist der Sonderfall Schweiz. Ihn kann nur kritisieren, wer die erzwungene Einheit der gewachsenen Vielfalt vorzieht. Wer von der exakten Planbarkeit der Welt überzeugt ist. Wer immer noch an Zentralismus, Kommandowirtschaft, Sozialismus glaubt.
Der Sonderfall Schweiz färbt auch auf das Ausland ab. Denn der freiheitliche Sonderfall sorgt für Wettbewerb. Weit über unsere Landesgrenze hinaus. Solange ein Fleck auf der Welt ist, wo die Staatsangehörigen wirkliche Bürger sind, befinden sich die Reglementierer und Regulierer, die Bevormunder, Beschränker und Bürokraten immer in einem Erklärungsnotstand. Bei jedem Verbot stellt sich die Frage: «Weshalb wagen nicht auch wir mehr Freiheit? Weshalb soll bei uns scheitern, was in der Schweiz funktioniert?»
Nicht erstaunlich, wird die Schweiz für ihren eigenen Weg kritisiert. Denn unsere Freiheit provoziert alle, die ihr Staatswesen weniger freiheitlich ausgestalten. Früher die Fürsten, heute die Bürokraten. Die jüngsten Reaktionen in London, Brüssel oder Berlin sind nur das Echo auf verwirklichte Freiheit.
Es gibt aber nicht nur das Echo der Administrationen, sondern auch das Echo der wirtschaftlichen Realität: Unternehmer und Unternehmen, die vom Fiskus bedrängt werden, weichen in die Schweiz aus. Weil unser Staat zurückhaltender ist. Weil die Steuerlast weniger drückend ist. Weil wir Eigentum als Eigentum anerkennen.
Solange die Schweiz an ihrer freiheitlichen Ordnung festhält, sorgen wir für einen Wettbewerb der Systeme. Wenn Ausländer ihre Vermögen in die Schweiz überweisen, wenn ausländische Unternehmen ihren Sitz in die Schweiz verlegen, dann bedeutet das: Unser System ist besser, ist wettbewerbsfähiger.
Alle andern Staaten sind eingeladen, diese Unternehmen wieder zurückzugewinnen – nicht mit Pressionen und politischer Macht, sondern durch bessere Rahmenbedingungen.
Wettbewerb belebt. Der Wettbewerb der Systeme belebt ebenso wie der Wettbewerb unter Marktteilnehmern. Das bestätigt uns die Geschichte: Wirtschaftlich blühend, geistig-kreativ sprühend waren Epochen, in denen viele Kleinstaaten sich massen und zu überflügeln versuchten. Die griechische Antike, die Renaissance Oberitaliens, die Weimarer Klassik. Da spielte der ungebundene Wettbewerb der Staats- und Gesellschaftsordnungen.
Die Schweiz gibt der Welt einen permanenten Freiheitsimpuls. Allein durch die Tatsache, dass wir den Bürgern mehr Freiheit zugestehen als anderswo. Darauf dürfen wir stolz sein.
Fortschritt
Die Schweiz ist ein Kleinstaat. Bezogen auf die Fläche; bezogen auf die Bevölkerung. Aber die Schweiz hat wirtschaftliche Bedeutung. Als Bildungsplatz. Als Forschungsplatz. Als Handels- und Messeplatz. Als Finanzplatz. Als Produktionsplatz.
Die Forschungsfreiheit hat unseren Hochschulen schon im 19. Jahrhundert internationalen Ruf eingebracht. Das hohe Niveau ist geblieben. Davon profitiert unter anderem auch der innovative Forschungsstandort Schweiz, dem somit hervorragend ausgebildete junge Frauen und Männer zur Verfügung stehen.
Obschon ein Binnenland, etablierte sich die Schweiz als Handelsplatz; von der Kunstmesse Basel bis zur Zürcher Börse.
Unser Finanzplatz hat sich international gar so erfolgreich positioniert, dass Geld aus der ganzen Welt bei uns angelegt wird. Die Eigentümer schätzen die Dienstleistungen, die Sicherheit, die Stabilität. Derzeit ist die Schweiz der grösste Vermögensverwalter der Welt.
Die Schweiz fertigt hochwertige Produkte. Schweizer Erzeugnisse sind weltweit für ihre Qualität beliebt und berühmt – Schweizer Qualität ist sprichwörtlich. Das zeigt sich auch in den Ausfuhrzahlen: Die kleine Schweiz liegt in der Rangliste der Exportnationen auf dem 14. Platz.
Weltweit kaufen wir Güter. Weltweit wird von Schweizer Unternehmen investiert. Mit den Direktinvestitionen in ausländische Unternehmen liegt die Schweiz international an vierter Stelle. Dadurch schafft die Schweiz nach den aktuellsten Zahlen der Nationalbank 2,35 Millionen Arbeitsplätze im Ausland.
Die Schweiz darf sich sehen lassen mit ihren Beiträgen an die Weltwirtschaft. So helfen unsere Unternehmen, so helfen wir alle mit, weltweit Wohlstand zu schaffen, weltweit zum Fortschritt beizutragen.
Und das soll allen bewusst sein, deren Politik gegenüber der Schweiz von Neid getrieben ist. Alle, die mit einem Wirtschaftskrieg erreichen wollen, was sie im friedlichen und freien Wettbewerb nicht zu erreichen vermögen. Die Wüste beginnt nicht zu blühen, wenn man die Oase trockenlegt. Im Gegenteil, wer immer in der Wüste leben muss, verliert seine Quelle.
Gute Dienste
Zum hundertfünzigsten Mal jährte sich in diesem Juni die Schlacht von Solferino. Die Industrialisierung fand damals die Fortsetzung auf dem Schlachtfeld mit den Massenheeren und mit einem neuen Ausmass an menschlichem Leid. Der blutige Krieg zwischen Sardinien, Frankreich und Österreich wurde mit dem Frieden von Zürich beendet. Und wie damals Zürich bietet der neutrale Boden von Schweizer Städten immer wieder ideale Voraussetzungen für Friedensgespräche.
Vor allem aber wurden die improvisierten Lazarette in der Lombardei dank Henry Dunant zum Geburtsort des Roten Kreuzes. Seither lindert die Schweiz das Leid in den Elendszonen auf der ganzen Welt.
Allen, die mit dem Finger auf uns zeigen und uns als Profiteure verunglimpfen, weil wir nicht an internationalen Abenteuern teilnehmen, ist zu entgegnen: «Wir holen seit anderthalb Jahrhunderten die Menschen aus den Trümmern, die Ihr überall auf der Welt mit Eurem Grossmachtsstreben hinterlässt.»
Und diese Aufgabe können wir nur deshalb so glaubwürdig wahrnehmen, weil wir machtpolitisch ambitionslos sind. Die Grossmächte, sie sich Ressourcen und Transportwege sichern wollen, sind keine glaubwürdigen Helfer und Vermittler. Die Schweiz dagegen, die sich seit jeher aus den Konflikten heraushält, hat das Vertrauen aller Beteiligten. Denn bislang war klar: Unsere Neutralität verbietet uns die Parteinahme. Aber dieses wertvolle Vertrauen ist leicht zu verlieren. Beteiligen wir uns unter Führung der Grossmächte an militärischen Operationen, so werden auch wir zur Konfliktpartei. Den Ruf, den wir uns in den letzten hundertfünfzig Jahren seit Solferino aufgebaut haben, dürfen wir nicht aufs Spiel setzen. Und damit auch unsere Möglichkeiten, dort zu helfen, wo andere zerstören.
Die Militarisierung unserer Aussenpolitik hilft niemandem. Weder unserer Armee, die nur als Verteidigungsarmee den Rückhalt in der Bevölkerung geniesst, noch den Menschen in den Kriegsgebieten, die sich neutrale Helfer und nicht weitere Interventionstruppen wünschen.
Distanz zur Weltpolitik
Gerade unsere Distanz zur grossen Weltpolitik macht unsere Stellung in der Welt aus. Darauf dürfen, darauf sollen wir hinweisen:
Der Freiheitsimpuls, der Beitrag zum Fortschritt, die guten Dienste zeigen, wie weltverbunden die Schweiz ist. Denn Offenheit heisst nicht, blind völkerrechtliche Verträge zu unterzeichnen, Abkommen, an die sich ausser uns ohnehin kaum jemand hält. Offenheit ist viel mehr. Offenheit ist Achtung, ist Austausch, ist Anteilnahme. Offenheit ist, wovon die Menschen profitieren, nicht die Regierungen, die NGO oder die supranationalen Organisationen.
Und was wir den Menschen auf dieser Welt geben, das darf sich sehen lassen. Ideell. Materiell. Humanitär. Wir bereichern die Welt mit Freiheit, tragen zum Fortschritt bei und helfen den Notleidenden. Ein grosser Beitrag für ein kleines Land. Grund genug, Kritikern mit sachlichem und gefestigtem Selbstvertrauen zu begegnen.
Bundesrat Ueli Maurer
Festansprache von Bundesrat Ueli Maurer, Chef des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), anlässlich der 1.-August-Feier 2009 in Welschenrohr, 31. Juli 2009 und in Meilen, Oberwil-Lieli, Marthalen, Volketswil, Wildberg 1. August 2009.
Von Ueli Maurer, Bundesrat
Die Schweiz will es allen gerne Recht machen. Zusammenzucken und wegducken sind zum Standard geworden.
Wir Schweizer sind friedliebend. Wir Schweizer vermeiden Streit. Wir Schweizer wollen es gerne allen Recht machen. Das sind grundsätzlich positive Eigenschaften. Mit etwas mehr Schweizer Zurückhaltung und Bescheidenheit, mit etwas mehr Schweizer Harmoniesinn wäre die Welt viel freundlicher.
Aber das Bedürfnis nach Verständnis und Verständigung lässt sich übertreiben. Wir schauen etwas gar ängstlich darauf, wer was von uns hält. Und wenn irgendwo einer frech das Maul aufreisst und uns Übles sagt, dann stammeln wir eingeschüchtert Entschuldigungen - zusammenzucken und wegducken, das ist uns zum Standardverhalten geworden.
Der von Schiller treffend geschilderte schweizerische Nationalheld, Wilhelm Tell, ist darum zum Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit geworden, weil er weder zusammengezuckt noch den Kopf eingezogen hat.
Ich meine, wir sollten nicht zuviel darauf achten, was andere über uns sagen, sondern so handeln, wie wir es für richtig halten. Entsprechend unseren Werten, entsprechend unserer rechtstaatlichen und demokratischen Überzeugung. Und dann dürfen wir auch, wenn es nötig ist, auf all das hinweisen, was wir tun, was wir leisten, was wir der Welt geben.
Und wir geben der Welt viel. Ideell. Materiell. Humanitär. Wir bieten insbesondere dreierlei; wir bieten Freiheit, wir bieten Fortschritt, wir bieten gute Dienste.
Permanenter Freiheitsimpuls
Schweiz und Freiheit, das gehört zusammen. Die Schweizer Freiheit war schon sprichwörtlich, noch ehe die französische Revolution die Freiheit zum politischen Programm erhob. Sie faszinierte damals die Philosophen in den Salons von Paris gleichermassen, wie sie die Politiker an den europäischen Fürstenhöfen immer wieder beunruhigte.
Denn unsere Staatsauffassung ist so ganz anders als die anderer Länder: Uns geht es um den Bürger, nicht um den Staat. Der Bürger steht im Mittelpunkt. Der Staat ist nur ein Mittel zum Zweck. Unser Staat hat keine nationale, historische oder religiöse Mission. Unser Staat ist dazu da, uns Bürgern die maximale Freiheit zu sichern.
So suchen wir oft unsere eigene Lösung. Wagen einen eigenen Entwurf. Gehen mit der Schweiz unseren eigenen Weg. Und weil bei uns das Volk entscheidet, ist unser Weg bürgernäher, steuergünstiger, freiheitlicher.
Sonderfall Schweiz
Das ist der Sonderfall Schweiz. Ihn kann nur kritisieren, wer die erzwungene Einheit der gewachsenen Vielfalt vorzieht. Wer von der exakten Planbarkeit der Welt überzeugt ist. Wer immer noch an Zentralismus, Kommandowirtschaft, Sozialismus glaubt.
Der Sonderfall Schweiz färbt auch auf das Ausland ab. Denn der freiheitliche Sonderfall sorgt für Wettbewerb. Weit über unsere Landesgrenze hinaus. Solange ein Fleck auf der Welt ist, wo die Staatsangehörigen wirkliche Bürger sind, befinden sich die Reglementierer und Regulierer, die Bevormunder, Beschränker und Bürokraten immer in einem Erklärungsnotstand. Bei jedem Verbot stellt sich die Frage: «Weshalb wagen nicht auch wir mehr Freiheit? Weshalb soll bei uns scheitern, was in der Schweiz funktioniert?»
Nicht erstaunlich, wird die Schweiz für ihren eigenen Weg kritisiert. Denn unsere Freiheit provoziert alle, die ihr Staatswesen weniger freiheitlich ausgestalten. Früher die Fürsten, heute die Bürokraten. Die jüngsten Reaktionen in London, Brüssel oder Berlin sind nur das Echo auf verwirklichte Freiheit.
Es gibt aber nicht nur das Echo der Administrationen, sondern auch das Echo der wirtschaftlichen Realität: Unternehmer und Unternehmen, die vom Fiskus bedrängt werden, weichen in die Schweiz aus. Weil unser Staat zurückhaltender ist. Weil die Steuerlast weniger drückend ist. Weil wir Eigentum als Eigentum anerkennen.
Solange die Schweiz an ihrer freiheitlichen Ordnung festhält, sorgen wir für einen Wettbewerb der Systeme. Wenn Ausländer ihre Vermögen in die Schweiz überweisen, wenn ausländische Unternehmen ihren Sitz in die Schweiz verlegen, dann bedeutet das: Unser System ist besser, ist wettbewerbsfähiger.
Alle andern Staaten sind eingeladen, diese Unternehmen wieder zurückzugewinnen – nicht mit Pressionen und politischer Macht, sondern durch bessere Rahmenbedingungen.
Wettbewerb belebt. Der Wettbewerb der Systeme belebt ebenso wie der Wettbewerb unter Marktteilnehmern. Das bestätigt uns die Geschichte: Wirtschaftlich blühend, geistig-kreativ sprühend waren Epochen, in denen viele Kleinstaaten sich massen und zu überflügeln versuchten. Die griechische Antike, die Renaissance Oberitaliens, die Weimarer Klassik. Da spielte der ungebundene Wettbewerb der Staats- und Gesellschaftsordnungen.
Die Schweiz gibt der Welt einen permanenten Freiheitsimpuls. Allein durch die Tatsache, dass wir den Bürgern mehr Freiheit zugestehen als anderswo. Darauf dürfen wir stolz sein.
Fortschritt
Die Schweiz ist ein Kleinstaat. Bezogen auf die Fläche; bezogen auf die Bevölkerung. Aber die Schweiz hat wirtschaftliche Bedeutung. Als Bildungsplatz. Als Forschungsplatz. Als Handels- und Messeplatz. Als Finanzplatz. Als Produktionsplatz.
Die Forschungsfreiheit hat unseren Hochschulen schon im 19. Jahrhundert internationalen Ruf eingebracht. Das hohe Niveau ist geblieben. Davon profitiert unter anderem auch der innovative Forschungsstandort Schweiz, dem somit hervorragend ausgebildete junge Frauen und Männer zur Verfügung stehen.
Obschon ein Binnenland, etablierte sich die Schweiz als Handelsplatz; von der Kunstmesse Basel bis zur Zürcher Börse.
Unser Finanzplatz hat sich international gar so erfolgreich positioniert, dass Geld aus der ganzen Welt bei uns angelegt wird. Die Eigentümer schätzen die Dienstleistungen, die Sicherheit, die Stabilität. Derzeit ist die Schweiz der grösste Vermögensverwalter der Welt.
Die Schweiz fertigt hochwertige Produkte. Schweizer Erzeugnisse sind weltweit für ihre Qualität beliebt und berühmt – Schweizer Qualität ist sprichwörtlich. Das zeigt sich auch in den Ausfuhrzahlen: Die kleine Schweiz liegt in der Rangliste der Exportnationen auf dem 14. Platz.
Weltweit kaufen wir Güter. Weltweit wird von Schweizer Unternehmen investiert. Mit den Direktinvestitionen in ausländische Unternehmen liegt die Schweiz international an vierter Stelle. Dadurch schafft die Schweiz nach den aktuellsten Zahlen der Nationalbank 2,35 Millionen Arbeitsplätze im Ausland.
Die Schweiz darf sich sehen lassen mit ihren Beiträgen an die Weltwirtschaft. So helfen unsere Unternehmen, so helfen wir alle mit, weltweit Wohlstand zu schaffen, weltweit zum Fortschritt beizutragen.
Und das soll allen bewusst sein, deren Politik gegenüber der Schweiz von Neid getrieben ist. Alle, die mit einem Wirtschaftskrieg erreichen wollen, was sie im friedlichen und freien Wettbewerb nicht zu erreichen vermögen. Die Wüste beginnt nicht zu blühen, wenn man die Oase trockenlegt. Im Gegenteil, wer immer in der Wüste leben muss, verliert seine Quelle.
Gute Dienste
Zum hundertfünzigsten Mal jährte sich in diesem Juni die Schlacht von Solferino. Die Industrialisierung fand damals die Fortsetzung auf dem Schlachtfeld mit den Massenheeren und mit einem neuen Ausmass an menschlichem Leid. Der blutige Krieg zwischen Sardinien, Frankreich und Österreich wurde mit dem Frieden von Zürich beendet. Und wie damals Zürich bietet der neutrale Boden von Schweizer Städten immer wieder ideale Voraussetzungen für Friedensgespräche.
Vor allem aber wurden die improvisierten Lazarette in der Lombardei dank Henry Dunant zum Geburtsort des Roten Kreuzes. Seither lindert die Schweiz das Leid in den Elendszonen auf der ganzen Welt.
Allen, die mit dem Finger auf uns zeigen und uns als Profiteure verunglimpfen, weil wir nicht an internationalen Abenteuern teilnehmen, ist zu entgegnen: «Wir holen seit anderthalb Jahrhunderten die Menschen aus den Trümmern, die Ihr überall auf der Welt mit Eurem Grossmachtsstreben hinterlässt.»
Und diese Aufgabe können wir nur deshalb so glaubwürdig wahrnehmen, weil wir machtpolitisch ambitionslos sind. Die Grossmächte, sie sich Ressourcen und Transportwege sichern wollen, sind keine glaubwürdigen Helfer und Vermittler. Die Schweiz dagegen, die sich seit jeher aus den Konflikten heraushält, hat das Vertrauen aller Beteiligten. Denn bislang war klar: Unsere Neutralität verbietet uns die Parteinahme. Aber dieses wertvolle Vertrauen ist leicht zu verlieren. Beteiligen wir uns unter Führung der Grossmächte an militärischen Operationen, so werden auch wir zur Konfliktpartei. Den Ruf, den wir uns in den letzten hundertfünfzig Jahren seit Solferino aufgebaut haben, dürfen wir nicht aufs Spiel setzen. Und damit auch unsere Möglichkeiten, dort zu helfen, wo andere zerstören.
Die Militarisierung unserer Aussenpolitik hilft niemandem. Weder unserer Armee, die nur als Verteidigungsarmee den Rückhalt in der Bevölkerung geniesst, noch den Menschen in den Kriegsgebieten, die sich neutrale Helfer und nicht weitere Interventionstruppen wünschen.
Distanz zur Weltpolitik
Gerade unsere Distanz zur grossen Weltpolitik macht unsere Stellung in der Welt aus. Darauf dürfen, darauf sollen wir hinweisen:
Der Freiheitsimpuls, der Beitrag zum Fortschritt, die guten Dienste zeigen, wie weltverbunden die Schweiz ist. Denn Offenheit heisst nicht, blind völkerrechtliche Verträge zu unterzeichnen, Abkommen, an die sich ausser uns ohnehin kaum jemand hält. Offenheit ist viel mehr. Offenheit ist Achtung, ist Austausch, ist Anteilnahme. Offenheit ist, wovon die Menschen profitieren, nicht die Regierungen, die NGO oder die supranationalen Organisationen.
Und was wir den Menschen auf dieser Welt geben, das darf sich sehen lassen. Ideell. Materiell. Humanitär. Wir bereichern die Welt mit Freiheit, tragen zum Fortschritt bei und helfen den Notleidenden. Ein grosser Beitrag für ein kleines Land. Grund genug, Kritikern mit sachlichem und gefestigtem Selbstvertrauen zu begegnen.
Bundesrat Ueli Maurer
Festansprache von Bundesrat Ueli Maurer, Chef des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), anlässlich der 1.-August-Feier 2009 in Welschenrohr, 31. Juli 2009 und in Meilen, Oberwil-Lieli, Marthalen, Volketswil, Wildberg 1. August 2009.
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