Dienstag, 6. November 2007

Die politische Korrektheit

Das System, mit dem Medienschaffende politisch Einfluss nehmen und Druck ausüben, kann mit dem modernen Ausdruck „Politische Korrektheit“ (aus dem Englischen; „political correctness“) beschrieben werden. Wer sich politisch „korrekt“ verhält, wird hochgejubelt, die „Unkorrekten“, die nicht ins Schema passen, müssen weichen und werden eliminiert. Zitiert sei aus der Publikation Herrschaft durch Sprache (1996) von Paul Ehinger, Chefredaktor des Zofinger Tagblatts: „Das Problem liegt darin, dass sich die Medien zur Instanz aufspielen, die definiert, wer sich „politisch korrekt“ verhält und wer nicht. Es wird nicht mehr beurteilt, ob eine Politikerin oder ein Politiker mit den Forderungen recht hat oder nicht. Vielmehr wird beurteilt, ob er „anständig“ ist oder nicht. (...) Verlangt wird das „richtige Denken“. (...) Es geht nicht mehr um Objektivität, sondern der Betroffene muss sich ideologischen Vorgaben beugen (...). Political Correctness ist ein wirkungsvolles Instrument zur Überwachung und Lenkung der öffentlichen Meinung, stets mit dem moralischen Anspruch, das „Gute“ zu vertreten und diesem gegen das „Böse“ zum Durchbruch zu verhelfen. (...) Noch deutlicher wird Klaus J. Groth: „Die Diktatur hat einen neuen Namen: Political Correctness“. (...) Die politisch Korrekten predigen permanent die Toleranz. Sobald aber ihres Erachtens verdächtige Gedankengänge auftauchen, dann ist es mit der Toleranz zu Ende. Dann greift eine geifernde, hysterische Intoleranz um sich, die in Hass umschlägt. (...) In letzter Konsequenz gipfelt Political Correctness fast immer im Faschismus-Vorwurf“.

Das gezielte Eliminieren von Andersdenkenden

Die wohl zentralste Forderung unter dem Deckmantel der „politischer Korrektheit“ ist die Abschaffung der Nationalstaaten respektive die Eliminierung sämtlicher Grenzen. Wer die totale Grenzöffnung ablehnt, verhält sich „nicht korrekt“ und wird ausgegrenzt. Diese Methodik ist ebenso plump wie effizient. Man lese als Musterbeispiel die Bücher des Journalisten Jürg Frischknecht (Schweiz wir kommen, Die unheimlichen Patrioten, Rechte Seilschaften; verfasst mit Mitautoren): Mit fundamentalistischem Eifer wird jeder kurzerhand als Fremdenhasser abqualifiziert, der sich über die Einwanderung Gedanken macht. Fremdenhasser sind rassistisch. Rassismus wird mit Nationalsozialismus gleichgesetzt. Wer auch nur dem Verdacht ausgesetzt wird, er habe etwas mit Nationalsozialismus zu tun, ist politisch erledigt. Die Bevölkerung, die diese Vorwürfe hört, wagt es gar nicht mehr, sich in der Öffentlichkeit hinter solche Politiker zu stellen. Die Politiker schweigen, weil sie begreifen: „Anpassen sichert das Überleben“. Durch die Unterbindung jeder sachlichen Diskussion ist der Wissensstand bei Themen wie der Einwanderung erschreckend schlecht.

Zumindest bei Leuten wie Frischknecht weist die hysterische Jagd nach den „politisch Unkorrekten“ eine offensichtliche Parallele zu intoleranten Sekten, ja sogar zum Mittelalter auf. Während es damals genügte, jemanden als „Ungläubigen“ oder „Ketzer“ zu bezeichnen, um ihn zu erledigen, genügt es heute, den politischen Gegner der „rassistischen“ oder „braunen“ Gesinnung zu bezichtigen. Die Medien übernehmen dabei mehr und mehr die damalige Rolle kirchlicher Obrigkeit und staatlicher Moralshüter und sorgen dafür, dass sich das Individuum wieder ideologischen Vorgaben zu beugen hat. Wer abweichende Meinungen vertritt oder auch nur eine andere Ausdrucksweise wählt, wird geächtet (man beachte die Reaktionen, wenn „Zigeuner“ statt - wie politisch korrekt - „Sinti“ oder „Roma“ verwendet wird).

Wie naheliegend der Vergleich mit intoleranten

Glaubensgemeinschaften ist, formulierte der Publizist und Professor Eduard Stäuble in seinem Aufsatz im Badener Tagblatt vom 22. Juni 1996 anschaulich (bezugnehmend auf den oft zu Kontroversen Anlass gebenden Verein zur Förderung Psychologischer Menschenkenntnisse; VPM): „Wenn Sie gewisse Ansichten vertreten, die zufälligerweise auch beim VPM vorkommen, kann man Ihnen leicht den VPM-Stempel aufdrücken. Und dann sind Sie ein für allemal „klassifiziert“, verurteilt und abgeschrieben; denn der VPM gilt als eine (...) unheimliche, staatsgefährdende „Sekte“. Und wenn Sie einmal in den Verdacht geraten sind, dazuzugehören, haftet Ihnen das an wie ein Kainsmal. Viele Leute werden Sie von da an meiden, als hätten Sie die Lepra. Es ist zu einer üblen Gewohnheit geworden, einen Andersdenkenden gleich mit der VPM-Keule mundtot zu schlagen. Ebenso macht man in anderen Fällen Leute fertig, indem man sie einfach als „faschistisch“ oder „faschistoid“ oder als „rechtsextremistisch“ verketzert. Man diskutiert gar nicht mehr über ihre Ansichten, man hängt Ihnen nur noch irgendeine Etikette an, und dann sind sie für gewisse Leute nicht mehr gesprächstauglich. Das ist ein - man kann es nicht drastisch genug sagen - hundsgemeines Verfahren, vor dem nicht genug gewarnt werden kann; denn es bedeutet den Tod für jede politische Kultur.(...). Ist das nicht ein Gesinnungsterror der widerlichsten Art?“

Betitelungen wie „National-Pöbel“, „faschistoid“, „politisches Lumpengesindel“, „Krebsgeschwür“ und „Unkraut“ sind im politischen Alltag leider wieder salonfähig geworden. Man muss sich deshalb fragen, was wir in den letzten 200 Jahren gelernt haben. 1789 war das Jahr der französischen Revolution, die einen ersten Durchbruch von Presse- und Meinungsäusserungsfreiheit brachte. Von Voltaire (1699 bis 1778) heisst es, er habe die damalige Zeit mitgeprägt mit dem sinngemässen Ausspruch gegenüber einem politischen Gegner: „Ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür geben, dass Sie Ihre Meinung frei äussern können.“ George Orwell hat denselben Gedanken moderner formuliert: „Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann das, den Leuten sagen zu können, was sie nicht hören wollen“. Wie weit sind wir doch heute von solch tolerantem Denken entfernt!

Sind paradoxerweise ausgerechnet die Medien zur grössten Gefahr für Toleranz, Pressefreiheit und freie Meinungsäusserung geworden, die in der westlichen Welt gesichert schienen?

Luzi Stamm

1 Kommentar:

elfe hat gesagt…

hallo no mobbing!
es gibt viel interessantes zu lesen auf deinem blog. bin noch nicht durch mit deinen aufschlussreichen beiträten und werde bald wieder reinschauen ;-)
elfevommond